Open Access in den Erziehungswissenschaften

In einem Beitrag aus dem Jahr 2004 wurde der damalige Stand rund um Open Access im Gebiet der deutschsprachigen Bildungsforschung beschrieben (siehe Schaffert, Sandra (2004). Kostenlose Online-Literatur der Bildungsforschung. In: p@psych e-zine, 9). Nach etwa 10 Jahren sind weiterhin einige der einschlägigen Fachzeitschriften (Zeitschrift für Pädagogik, Zeitschrift für Erziehungswissenschaften) nur kostenpflichtig erhältlich. Dennoch zeigt sich, dass sich viele der damals neu gegründeten Open-Access-Zeitschriften und Open-Access-Repositories etablieren konnten und neue Initiativen rund um Open Access ausgebaut und erweitert wurden. Dabei ist nicht zu übersehen, dass einige der Neugründungen nicht mehr existieren und Fachzeitschriften eingestellt wurden.

Die deutschsprachigen Erziehungswissenschaften verfügen über mehrere Fachzeitschriften und Repositorien mit Open Access als auch Verlage, die parallele Open-Access-Veröffentlichungen ermöglichen. Insbesondere im Teilbereich des technologiegestützten Lernens zeigt sich ein besonderes Engagement für Open-Access-Veröffentlichungen als auch Aktivitäten rund um die verwandte „Open“-Bewegung der offenen Bildungsressourcen oder auch freien Bildungsmaterialien (engl. open educational resources, auch im Deutschen oft mit OER abgekürzt).

Einen Überblick gibt die Dissertation von Doris Bambey (2016):
Fachliche Publikationskulturen und Open Access. Fächerübergreifende Entwicklungstendenzen und Spezifika der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung.

Open-Access-Zeitschriften

Im Folgenden einige Links zu deutschsprachigen Open-Access-Zeitschriften aus dem Gebiet der Erziehungswissenschaften (d.h. alle Beiträge sind Open Access zugänglich):

  • bildungsforschung (ISSN 1860-8213) | interdisziplinäre Fachzeitschrift auf dem Gebiet der Bildungsforschung, seit 2004
  • bwp@ (ISSN-1618-8543) | Berufs- und Wirtschaftspädagogik, seit 2001
  • elearning and education (eleed) (ISSN 1860-7470) | E-Learning (zweisprachig), seit 2005
  • PhyDid (ISSN 1865-5521) | Physik und Didaktik in Schule und Hochschule, seit 2002

Diese Auswahl ist nur exemplarisch. Bitte benutzen Sie gegebenenfalls das Directory of Open Access Journals für weitere Recherchen nach (neuen) Open-Access-Zeitschriften.

Disziplinäre Repositorien

Folgende disziplinäre Repositorien und Archive stehen online zur Verfügung (Auswahl):

  • Pedocs: Das Repositorium enthält elektronische Volltexte der Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF)
  • Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE), veröffentlicht unterschiedliche Publikationen zur Erwachsenenbildung in der Reihe texte.online mit Open Access.
  • Scripta Paedagogica Online ist ein digitales Textarchiv zur Bildungsgeschichte des deutschsprachigen Raumes, welches zahlreiche historische pädagogische Zeitschriften, Lehrerverzeichnisse und Schulprogramme umfasst.
  • In der Schweiz werden im Rahmen des Projekts retro.seals.ch wissenschaftliche Zeitschriften „retro“digitalisiert und über das Internet frei zugänglich gemacht. Der Schwerpunkt liegt auf in der Schweiz erschienenen Zeitschriften und beinhaltet auch historische Ausgaben. Im Bereich "Bildung und Erziehung" sind mehrere Zeitschriften erfasst.

Recherchieren in den Erziehungswissenschaften

 

Den zentralen Einstieg bei Literaturrecherchen in den (deutschsprachigen) Erziehungswissenschaften stellt das Fachportal Pädagogik dar, das vom Informationszentrum Bildung (IZB) des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main betrieben wird und pädagogische Fachinformationen anbietet. Mit seinem Angebot wendet sich das Portal vorrangig an Aktive aus Forschung und Praxis im Kontext der Erziehungswissenschaft, der Bildungsforschung und der Fachdidaktik sowie an thematisch Interessierte. Das kostenfrei nutzbare Angebot teilt sich in die Bereiche Literatur, Forschungsdaten und Forschungsinformation auf.

Der Bereich Literatur bietet neben dem recherchierenden Zugang die Möglichkeit, fehlende Literaturnachweise zu melden, Publikationen via pedocs zu veröffentlichen oder die Dienstleistungen des Fachinformationsdienstes Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung in Anspruch zu nehmen. Der Fachinformationsdienst bietet spezielle Beschaffungsmöglichkeiten in Deutschland nicht (per Fernleihe) verfügbarer Literatur. Für die Literaturrecherche stehen neben der FIS Bildung Literaturdatenbank die einschlägige bibliografische Datenbank ERIC sowie weitere Nachweise wie beispielsweise zu Neuerscheinungen aus dem angloamerikanischen und dem italienischen Sprachraum zur Verfügung. Die Integration weiterer Datenquellen ist geplant.

Der Bereich Forschungsdaten wird redaktionell  gestützt durch das Forschungstenzentrum Bildung des IZB am DIPF. Er vermittelt den Zugang zur umfassenden und dauerhaften Dokumentierung von Studien der empirischen Bildungsforschung. Das Angebot bietet einen zentralen Zugang zu beschreibenden Studieninformationen, den eingesetzten Erhebungsinstrumenten und erhobenen Forschungsdaten sowie Publikationen. Darüber hinaus gibt es Informationsmaterialien zum Forschungsdatenmanagement.

Der Bereich Forschungsinformation wird redaktionell in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver aufgebaut und gepflegt. Der Fokus liegt auf der themenfokussierten Zusammenstellung relevanter Internetquellen für und über Wissenschaft und Forschung im Bereich Bildung.

Als "Virtuelle Fachbibliothek Pädagogik" wurde der Aufbau des Fachportals von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Fachportal Pädagogik ist seit August 2005 online und wurde im September 2017 nach einer kompetten Überarbeitung neu veröffentlicht.

Eine allgemeine, wenn auch ältere Einführung für das Recherchieren in den Erziehungswissenschaften wird in folgendem Beitrag gegeben:

Im folgendem Beitrag wird die Recherche nach Literatur und die Literaturverwaltung im Form eines Lehrtextes für das Fachgebiet des technologiegestützten Lernens ausführlich dargestellt. Der Beitrag ist aber alle Tätigen im Feld der Erziehungswissenschaften geeignet.

Akteure

Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE) gibt keine entsprechende Erklärungen zu Open Access auf ihrer Webseite, auch hat sie nicht die Berliner Erklärung für Open Access unterzeichnet. Allerdings geben sowohl die DGfE (Zeitschrift „Erziehungswissenschaft“) als auch andere Fachgesellschaften der Disziplin, beispielsweise das Forum Neue Medien in der Lehre Austria (Zeitschrift für Hochschulentwicklung) Open-Access-Zeitschriften heraus oder publizieren Beiträge ihrer Fachveranstaltungen auch mit Open Access, z.B. die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) mit den Tagungsbänden bei Waxmann (z.B. von 2008). Auch Forschungseinrichtungen veröffentlichen ihre Magazine mit Fachbeiträgen in aller Regel auch als Open-Access-Version, beispielsweise so das Deutsche Jugendinstitut e.V. ihr Magazin IMPULSE.

Die Fachzeitschriften im Fachgebiet der Erziehungswissenschaften werden häufig von engagierten Einzelpersonen herausgegeben, die den Betrieb der Zeitschrift mit Hilfe ihrer Einrichtungen (Arbeitgeber) und ehrenamtlichen Engagement aufrecht erhalten. Teils werde oder wurden dazu auch (zwischenzeitlich) Fördermittel verwendet (z.B. bei der erwachsenenbildung.at ESF-Mittel) und/oder mit Sponsoring gearbeitet (z.B. bei der bwp@).

Einzelne Fachverlage unterstützen aktiv die Herausgabe von Open-Access-Veröffentlichungen bzw. akzeptieren parallele Open-Access-Versionen im Web (ggf. gegen Bezahlung). Dies sind beispielsweise im Gebiet der Erwachsenenbildung der W. Bertelsmann Verlag, für geistes- und sozialwissenschaftliche Monographien der Universitätsverlag Hamburg University Press und im Gebiet des technologiegestützten Lernens der Werner-Hülsbusch-Verlag. Fachveröffentlichungen müssen heute nicht mehr notwendigerweise von einem Verlag veröffentlicht werden, sondern können beispielsweise von den Autoren selbst verlegt werden (z.B. mit Hilfe von Repositories), exemplarisch ist hier das Buch „Hochschuldidaktik im Zeichen von Heterogenität und Vielfalt. Doppelfestschrift für Peter Baumgartner und Rolf Schulmeister“ und die Buchreihe „Beiträge zu offenen Bildungsressourcen“ des BIMS e.V. zu nennen.

Neben begutachteten Beiträgen in Fachzeitschriften bewegt die OER-Bewegung (siehe nächster Abschnitt) auch einen Teil der Erziehungswissenschaft, insbesondere im Bereich des technologiegestützten Lernens. Immer mehr Lehrtexte von einzelnen Personen oder auch ganze Lehr- , Wörter- und Handbücher sind so heute mit Open Access zugänglich. Auch wird exemplarisch eine Auswahl präsentiert:

  • Deutscher Bildungsserver: BildungsWiki, ein Lexikon zum Bildungswesen
  • Ebner, Martin & Schön, Sandra (2013, Hrsg). Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. (überarbeitetete und erweiterte Ausgabe). Frei zugänglich unter URL: http://l3t.eu
  • Rösch, Eike; Demmler, Kathrin; Jäcklein-Kreis, Elisabeth; Albers-Heinemann, Tobias (2012, Hrsg.): Medienpädagogik Praxis Handbuch. Grundlagen, Anregungen und Konzepte für aktive Medienarbeit, Schriftenreihe Materialien zur Medienpädagogik, Band 10, kopaed: München

Open Science

Auch in den Erziehungswissenschaften gibt es Bewegung in den begleitenden Open-Science-Entwicklungen. Hierbei ist insbesondere die Bewegung zu den „Open Educational Resources“, welche im Deutschen häufig mit OER abgekürzt werden und auch als „freie Bildungsmaterialien“ oder „offene Bildungsressourcen“ bezeichnet werden, zu nennen.

Hier spielen weniger die Fachverbände als engagierte zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen an Hochschulen eine größere Rolle. Einen Einstieg in das Thema geben folgende Angebote:

 

Regelmäßige deutschsprachige Neuigkeiten zu OER gibt es unter anderem hier:

Auch im Gebiet der technologiegestützten Lernens wird zudem mit Verfahren des Open Review experimentiert, beispielsweise bei der Fachzeitschrift INNOQUAL, bei der Neugründung ITEL sowie bei Buchprojekten.

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Sandra Schön