Open Access in der Medizin und anderen Lebenswissenschaften

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Lebenswissenschaften zusammengestellt. Dem Thema Open Access wird in den lebenswissenschaftlichen Disziplinen insbesondere durch Mandate von Forschungsförderungseinrichtungen wie NIH oder Wellcome Trust Vorschub geleistet. Gerade aus der Medizin und in den Gesundheitswissenschaften werden immer wieder Forderungen laut, dass wissenschaftliche Ergebnisse zum medizinischen Fortschritt beitragen und deshalb frei zugänglich sein sollten, insbesondere wenn sie durch die öffentliche Hand finanziert wurden.

Zudem gab es in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Neugründungen von Zeitschriften (bzw. von ganzen Verlagen), die die Open-Access-Publikationsmöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem Bereich erweitert haben. Die sogenannten Megajournals wie PLOS ONE berücksichtigen in besonderem Maße auch die Lebenswissenschaften, einige Zeitschriften bzw. Plattformen wie PeerJ, BMJ Open, F1000Research oder Cell Reports fokussieren sich ausschließlich auf diesen Bereich. Große Beachtung hat auch die Gründung der Zeitschrift eLife gefunden, die von dem Nobelpreis-Träger Randy Shekman herausgegeben wird.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) weist für den Bereich Lebenswissenschaften derzeit über 3.600 Open-Access-Zeitschriften aus (Stand: November 2014). Folgende Verlage bieten „reine“ Open-Access-Zeitschriften an (Auswahl):

Diese Zeitschriften sind mittels Peer-Review-Verfahren qualitätsgesichert und verfügen teilweise auch über einen Journal Impact Factor (JIF), der auch in den Lebenswissenschaften zur Bewertung von Publikationsleistungen herangezogen wird. Da es sich bei den Zeitschriftenneugründungen um relativ junge Zeitschriften handelt, können diese noch nicht über eine JIF verfügen, da zur Berechnung ein Zeitfenster von drei Jahre benötigt wird.

Im Gegensatz zu Subskriptionszeitschriften ist durch die freie Verfügbarkeit eine bessere Sichtbarkeit gewährleistet, die mit einer höheren Zitierhäufigkeit einhergeht, wie Untersuchungen immer wieder belegen. Darüber hinaus wird durch den offenen Zugang auch gewährleistet, dass Schwellen- und Entwicklungsländer an aktuellen medizinischen Erkenntnissen partizipieren können.

Recherchemöglichkeiten bietet auch die Zeitschriftenliste von PubMed Central . Weitere Informationen finden sich auch in fachübergreifenden Datenbanken wie dem Web of Science (WoS)  oder der elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) , die sowohl eine fachliche Eingrenzung erlauben als auch explizit auf Open-Access-Zeitschriften hinweisen.

Disziplinäre Repositorien

Als fachspezifisches Repositorium hat PubMed Central in den Lebenswissenschaften einen zentralen Stellenwert. Darüber hinaus bietet ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften mit dem „Repositorium Lebenswissenschaften“ eine Möglichkeit zur sicheren Zweitveröffentlichung.

Recherchieren in der Medizin und anderen Lebenswissenschaften

Neben fachübergreifenden Datenbanken wie Web of Science und Scopus (beide lizenzpflichtig) lassen sich fachspezifische und frei zugängliche Inhalte insbesondere auch über PubMed Central recherchieren, in der derzeit über drei Millionen Artikel zur Biomedizin und den Lebenswissenschaften verzeichnet sind. Über die „Browsing“-Funktion der Suchmaschine BASE (Bielefeld Academic Search Engine) lassen sich ebenfalls relevante Inhalte recherchieren, die Suche kann dabei auf Open-Access-Dokumente eingegrenzt werden. Auch die Datenbank OAIster kann dazu verwendet werden, nach frei zugänglichen Publikationen zu suchen. Die Virtuelle Fachbibliothek Biologie vifabio ermöglicht den schnellen Zugriff auf ca. 600 biologische Online-Datenbanken, die teilweise auch lebenswissenschaftliche Literatur nachweisen. Inwieweit die Publikationen frei zugänglich sind, muss einzeln geprüft werden.

Akteure

National Institutes of Health (NIH) und National Library of Medicine (NLM)

Die U.S. National Institutes of Health (NIH) und die National Library of Medicine (NLM) übernehmen bei der Förderung von Open Access eine aktive Rolle – teils über den Betrieb von Repositorien und Datenbanken, teils indem sie die Autorinnen und Autoren in ihren Bereichen durch Empfehlungen oder Förderauflagen zum Publizieren in Open-Access-Zeitschriften auffordern bzw. anhalten. Seit 2008 müssen Beitragsempfänger/innen der NIH ihre akzeptierten Manuskripte (Postprints) im NIH-eigenen Repository PubMed Central deponieren, wo sie spätestens 12 Monate nach Veröffentlichung frei zugänglich sein müssen.

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Seit Juli 2014 müssen Publikationen (Zeitschriftenbeiträge oder Buchkapitel) von WHO-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie aus Projekten, die ganz oder teilweise von der WHO gefördert werden, in Open-Access-Zeitschriften (oder Zeitschriften mit hybridem Geschäftsmodell) veröffentlicht werden. Zusätzlich müssen die Artikel in PubMed Central abgelegt werden. Eine Veröffentlichung in Subskriptionszeitschriften ist dann gestattet, wenn innerhalb von 12 Monaten das Autoren-Postprint in PubMed Central abgelegt werden darf. Bei einer Open-Access-Publikation sollen die Lizenzen CC-BY 3.0 oder CC-BY-ND 3.0 für Buchkapitel verwendet werden .

Public Library of Science (PLOS)

Die Public Library of Science (PLOS) ist ein nichtkommerzieller Open-Access-Verlag, der 2001 unter maßgeblicher Beteiligung des Medizin-Nobelpreisträgers und ehemaligen Direktors der National Institutes of Health Harold Varmus mit dem Ziel gegründet wurde, qualitativ hochwertige Open-Access-Zeitschriften, vergleichbar mit Science oder Nature, herauszubringen. Als erste Zeitschrift wurde im Oktober 2003 die Zeitschrift PLOS Biology gegründet, gefolgt von PLOS Medicine in 2004. Die PLOS-Zeitschriften finanzieren sich zum Teil über Autorengebühren, die sich durch institutionelle Mitgliedschaften ermäßigen. Für die Anschubfinanzierung von PLOS standen Stiftungsgelder in Höhe von neun Mio. Dollar zur Verfügung.

Wellcome Trust

Der Wellcome Trust spricht sich ausdrücklich für Open Access aus und hat dies ebenfalls in seinen Förderbedingungen verankert. Publikationen, die aus vom Wellcome Trust ganz oder in Teilen geförderten Projekten entstanden sind, müssen spätestens 6 Monaten nach Erscheinen in PubMed Central oder in PubMed Central Europe abgelegt werden. Zur Finanzierung von Open-Access-Publikationsgebühren (Author Processing Charges – APCs) stellt es finanzielle Mittel bereit. Bei Übernahme der Publikationsgebühren durch Wellcome Trust wird ausdrücklich verlangt, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse unter einer CC-BY-Lizenz veröffentlicht werden .

BioMed Central

BioMed Central ist ein 2000 gegründeter Open-Access-Verlag in Großbritannien, der über 250 Open-Access-Zeitschriften mit Peer Review publiziert (Stand November 2014). Seit Oktober 2008 gehört BioMed Central zu Springer. Die Zeitschriften von BioMed Central finanzieren sich ebenso wie die der Public Library of Science über Autorengebühren. Alternativ ist auch die Finanzierung über Mitgliedschaften möglich, deren Beitragshöhe von der gewählten Art der Mitgliedschaft, der Größe der Institution und/oder der Anzahl publizierter Artikel abhängt. Die Gebühr für den Autor/die Autorin entfällt dann bzw. reduziert sich.

German Medical Science

German Medical Science (GMS) ist ein Portal für die Open-Access-Publikation von medizinischen Zeitschriften, Kongressen und Forschungsberichten. Es wurde 2003 als Gemeinschaftsprojekt von den Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften und Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) gegründet. Zurzeit erscheinen fortlaufend 15 Zeitschriften (Stand November 2014). Daneben werden Berichte (Abstracts und Volltexte) und Kongresse veröffentlicht. Herausgeber und verantwortlich für das Peer Review der Zeitschriften sind jeweils die beteiligten medizinischen Fachgesellschaften, die auch die Autorengebühren übernehmen. Für die organisatorische und redaktionelle Betreuung ist ZB MED zuständig; die technische Infrastruktur zur Datensicherung wird vom DIMDI bereitgehalten.

Schweizerischer Ärzteverlag

Der Schweizerische Ärzteverlag EMH setzt sich für Open Access ein und publiziert nach dem Swiss Medical Weekly seit Februar 2010 weitere Open-Access-Zeitschriften.

Open Science

Open Data

Im für die Lebenswissenschaften wichtigen Bereich der Genomforschung sind folgende Projekte zu nennen:

  • Human Genome Project: Das Projekt wurde in den USA im Oktober 1990 als Projekt eines öffentlich finanzierten internationalen Forschungsverbundes gegründet. Zu Beginn nahmen über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 40 Ländern teil. Ziel war die Sequenzierung des menschlichen Genoms. Das Projekt war ursprünglich auf 15 Jahre angelegt, erreichte sein Ziel aber bereits 2003.
  • GenBank: Die GenBank ist eine Datenbank der National Institutes of Health (NIH), die alle öffentlich zugänglichen DNS-Sequenzen enthält.

 

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Jasmin Schmitz und Ursula Arning, ZB MED - Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften