Montag, 8.9.2014

 

 

9.00

Registrierung

Foyer

11.00

Eröffnung der Tagung

Raum 69
Video

Ursula Arning (ZB MED), Agathe Gebert (GESIS) und Achim Oßwald (FH Köln)

Klaus Becker (Vizepräsident FH Köln)
Video

Ulrich Korwitz (Direktor ZB MED)
Video

Lars Kaczmirek (Teamleiter GESIS, Mannheim)

Michael H. Wappelhorst (Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen)

11.30

Keynote

Raum 69

Moderation: Achim Oßwald (FH Köln)

Open Science – mehr als nur eine Frage der Kommunikation
Wolfgang zu Castell (Helmholtz-Zentrum München)
Abstract | Video | Präsentation

Der Begriff Open Science klingt für die Wissenschaft zunächst nach einem altbewährtem Rezept – also nichts Neues. Wissenschaft lebt schon seit jeher von Offenheit und Austausch. Dahinter stehen die Grundprinzipien von Verifizierbarkeit und Reproduzierbarkeit als Garanten der wissenschaftlichen Methodik.

Open Science klingt gleichzeitig aber auch nach Neuem: Wissenschaft 2.0 – gefördert und getrieben durch die Möglichkeiten moderner Kommunikations- und Informationstechnologien. Der freie und offene Zugang zu Wissen und Information, gepaart mit den Möglichkeiten der informationstechnischen Verarbeitung weltweit gespeicherten Wissens. Dies wiederum klingt nach Zukunft, nach ungeahnten Möglichkeiten und unglaublichem Fortschritt.

Der Vortrag soll sich diesem Spannungsfeld zwischen dem Festhalten an Altbewährten und der Faszination der neuen Möglichkeiten widmen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob wir mit unseren technischen Möglichkeiten nur die Verarbeitung und Verbreitung unseres Wissens verändern, oder auch das Wissen selbst und damit das, was wir unter Wissenschaft verstehen.

12.10

One Minute Madness (Postersession)

Raum 69

Ausführliche Informationen, Abstracts und Poster finden Sie hier.

12.30

Mittagspause

Foyer

13.20

Plenumsvorträge zu Hot Topics

Raum 69

Moderation: Ursula Arning (ZB MED)

Open Access in der Digitalen Agenda der Bundesregierung
Bettina Klingbeil (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin)
Präsentation

Offene Wissenschaft im Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020
Celina Ramjoué (European Commission, Brüssel)
Video | Präsentation

Vom Grünen Weg zum Goldenen Weg.
Open-Access-Transformationsstrategien aus der Perspektive der Universität Konstanz
Petra Hätscher (Universität Konstanz)
Video | Präsentation

Publikation und Zitierbarkeit wissenschaftlicher Software mit persistenten Identifikatoren
Martin Fenner (PLoS, Hannover)
Video

15.00

Kaffeepause

15:30

Session 1: Open-Access-Modelle für Monographien und Sammelbände (parallel)

Raum 248
Moderation: Margo Bargheer (SUB Göttingen) und Isabella Meinecke (SUB Hamburg)
Abstract | Video

Mit wenig medialem Aufhebens praktizieren Universitätsverlage und Forschungsreinrichtungen seit über zehn Jahren das, was erst seit etwa drei Jahren auch in weiteren Kreisen der Open-Access-Szene in der Diskussion angekommen ist: das Verlegen von Open-Access-Büchern. Denn offensichtlich lässt sich das Medium „Buch“ weniger leicht von der haptischen in die digitale Welt überführen als es die Zeitschriftentransformation nahelegt, sei es in der Akzeptanz, den Nutzungsgewohnheiten oder der Bedeutung in der Wissenschaftskommunikation.

Die Session beginnt mit einer Bilanz eines universitär getragenen Verlags, welche Herausforderungen das Verlegen von Open-Access-Büchern mit sich bringt, und ergänzt dies mit zwei praxisorientierten Ko-Referaten. Welche Potentiale die Zukunft bringen kann, zeigen zwei DFG-geförderte Projekte zu Open-Access-Büchern auf, die innovative Modelle der Inhaltsproduktion sowie der Medienproduktion umsetzen.

10 Jahre Open-Access-Verlagsdienste für die Wissenschaft oder: Was Autoren wirklich wollen! Versuch einer Bilanz
Regine Tobias (KIT, Karlsruhe)
Abstract | Video

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Open-Access-Verlagsdienste am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Seit 10 Jahren unterstützt dort ein hauseigener Verlag erfolgreich die Publikationsaktivitäten der Forschenden und bietet weitgehende Services, die über das klassische Angebot des institutionellen Repositoriums der KIT-Bibliothek hinausgehen.

Der Vortrag zeigt die vielfältigen Ansprüche der Autoren an professionelle Verlagsdienste und ihre Umsetzung im KIT-Verlag vor dem Kontext aktueller Entwicklungen im Umfeld des wissenschaftlichen Publikationswesens.

Gleichzeitig werden diese Anforderungen den strategischen Überlegungen der KIT-Bibliothek gegenüber gestellt, die Konzept und Organisation des Eigenverlags bedingen – auch darin liegt das Geheimnis seines Erfolges…

Open-Access-Publikationen für die Erwachsenenbildung
Thomas Jung (DIE, Bonn)
Abstract | Video

Seit drei Jahren werden vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) Open-Access-Publikationen (Monographien unterschiedlichen Umfangs) angeboten, die in Kooperation mit privatwirtschaftlich agierenden Verlagen entstehen und veröffentlicht werden. Eine erste Evaluation dieser neuen Publikationsstrategie ist anhand von Verkaufszahlen, Downloadzahlen und Klickraten möglich. Auch sind mit Blick auf die zurückliegenden Jahren Justierungen in den Rahmenbedingungen (Geschäftsmodelle) zu beobachten und zu interpretieren.

Living Books geht online
Richarda Böttcher (DGH, Berlin), Wolfgang Müller (AWMF, Düsseldorf) und Ursula Arning (ZB MED, Köln)
Abstract | Video

"Living Books" ist eine Open-Access-Publikationsplattform für fachgebietsspezifische medizinische Publikationen, die bisher in konventionellen Fach- und Lehrbüchern erschienen oder neu erscheinen würden. Die in der "Living Books"-Reihe erscheinenden Publikationen greifen dabei bekannte Standards wissenschaftlicher Bücher wie benannte Autorenschaft und einen definierten Review-Prozess auf, ermöglichen zudem den freien Zugriff und die Verwendung aller Materialien im Sinne offener Lizenzen. Das Pilotprojekt „Living Textbook of Hand Surgery" wird in 2014 online gehen und als Beta-Version ersten Anwendern zur Verfügung stehen.

Neben den technischen Herausforderungen ergaben sich im Entwicklungsprozess wiederholt neue Aspekte durch den Versuch, die konventionelle Gewinnung und Betreuung von Autoren und Herausgeberteam auf das Open-Access-Projekt zu übertragen. Die kreativen Nutzungsmöglichkeiten durch differenzierte und definierte Zugriffsrechte sowie neue Kommunikationswege überfordern dabei wissenschaftlich renommierte Mitgestalter unter Umständen zunächst. Auch länderspezifische Beschränkungen (China, Türkei) wirken sich ungünstig aus und müssen kreativ umgangen werden.

Open-Access-Monographien in der Linguistik. Language Science Press
Sebastian Nordhoff und Debora Siller (Language Science Press, Berlin)
Abstract | Video

Language Science Press ist ein von der DFG mit 576.989 € gefördertes Projekt, um Monographien und Sammelbände in der Sprachwissenschaft als Open Access herauszugeben und den Prozess betriebswirtschaftlich zu begleiten.

Folgende Punkte sind für Language Science Press wesentlich für den Aufbau eines nachhaltigen Publikationsmodells:

  • Rückhalt in der Scientific Community,
  • Prestige durch qualitativ hochwertige Publikationen,
  • betriebswirtschaftliche Fundiertheit.

Dies wird ergänzt durch einige Aspekte, die erst durch das OA-Modell überhaupt möglich werden:

  • Open Reviewing (optional): Die Manuskripte sind schon vor der Finalversion öffentlich zugänglich und können von der Community begutachtet und kommentiert werden.
  • Gamification: Die einzelnen Prozesse der Erstellung eines Buches (Begutachtung, Satz, Lektorat, ...) werden in einer Webplattform abgebildet und durch die Community selbst erbracht. Dies erlaubt auch Linguisten am Anfang ihrer Karriere, sich einzubringen (z.B. im Satz) und Anerkennung zu erwerben. Webseiten wie stackoverflow aber auch Wikipedia zeigen, dass auf diese Art und Weise eine Anerkennungskultur etabliert werden kann, die nachhaltiges Arbeiten auf ehrenamtlicher Basis der Community ermöglicht.

Dieser Vortrag wird die Situation in der Sprachwissenschaft vorstellen und die verwendeten Mechanismen des Community Building erläutern. In der Diskussion kann dann die Übertragbarkeit auf andere Disziplinen besprochen werden.

Ein weiteres wesentliches Merkmal von Language Science Press ist der Fokus auf Qualität: dies betrifft inhaltliche Qualität (wir publizieren nur exzellente Bücher) und typographische Qualität (unsere Bücher sind in Satz, Erschließung und Bedienungskomfort der kommerziellen Konkurrenz überlegen). Hierbei kommt Latex eine entscheidende Rolle zu. In der Sprachwissenschaft ist eine Verwendung von Latex möglich, da durch die Computerlinguistik hier Schnittstellen existieren. Die Übertragungsmöglichkeit auf andere Disziplinen wäre wiederum zu diskutieren.

Open Access in Serie. Der Aufbau von Publikationsstrukturen für Monographien und Sammelbände an der Universität Heidelberg
Martin Nissen und Andrea Hacker (UB Heidelberg)
Abstract | Video

Die Open-Access-Aktivitäten der Universität Heidelberg umfassen den Betrieb von vier Publikationsservern, das Hosting von 20 Open-Access-Zeitschriften sowie einen DFG-geförderten Publikationsfonds zur Finanzierung von Artikeln in Open-Access-Zeitschriften. Ab 2014 wird in einem DFG-geförderten Projekt der Universitätsbibliothek Heidelberg und des Exzellenzclusters „Asien und Europa im globalen Kontext“ ein Geschäftsmodell für Open-Access-Bücher entwickelt. Als Pilotprojekt setzt der Exzellenzcluster dazu die englischsprachige Buchserie „Heidelberg Studies in Transculturality“ auf.

Auf der Grundlage der Open-Source-Plattform Open Monograph Press (OMP) werden nachhaltige Strukturen zur Publikation von Monographien und Sammelbänden aufgebaut. Darüber hinaus wird in dem Projekt ein XML-basiertes Monograph Publication Tool zur automatisierten Ausgabe verschiedener Endformate entwickelt.

Der Vortrag stellt das geplante Vorgehen und den bisherigen Projektverlauf vor. Im Mittelpunkt steht dabei der modellhafte Aufbau von Strukturen, die eine Aufgabenteilung zwischen Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen (Redaktion, Organisation des Peer-Review-Prozesses, Sprachlektorat, Layout, Betrieb und Entwicklung der Publikationsplattform) vorsehen.

Session 2: Open Access und Subskription/Transformationsstrategien (parallel)

Raum 284
Moderation: Christian Fuhrer (Universität Zürich)
Abstract | Video

Seit einiger Zeit entstehen etliche neue Open-Access-Verlage und -Zeitschriften, und diese müssen sich in einem wachsenden Markt wissenschaftlicher Publikationsmedien erst bewähren und Ansehen aufbauen. Daher ist es sinnvoll zu prüfen, ob und unter welchen Umständen bereits bestehende, renommierte Zeitschriften zu Open Access werden können. Lässt sich Open Access mit dem Subskriptionsmodell verbinden, lassen sich etablierte lizenzpflichtige Zeitschriften umstellen auf Open Access, oder braucht es generell neue Ansätze inklusive alternativer Abläufe im Bereich des Peer Review? Diesen Fragen wird in den Session nachgegangen anhand von vier Vorträgen und Gelegenheit zur Diskussion.

Ein Brückenschlag vom Subskriptionsmodell zu Open Access. Das Gold for Gold Projekt der Royal Society of Chemistry
Sybille Geisenheyner und Claudia Heidrich (RSC Berlin)
Abstract | Video

Mit RSC Gold hat die DFG ab 2014 das komplette Journalpaket der Royal Society of Chemistry für eine Laufzeit von drei Jahren gefördert. Zusätzlich hat die RSC den teilnehmenden Einrichtungen über 900 Open-Access-Gutscheine für das Jahr 2014 (knapp 300 Gutscheine für die kompletten drei Jahre) zur Verfügung gestellt. Lässt sich Open Access mit einem Subskriptionsmodel verbinden? Welche Erfahrungen haben die Bibliotheken und die RSC in den ersten Monaten mit dem Einsatz der Tokens gemacht, welche Einrichtungen nutzen die Tokens in welchem Maße und wo besteht Steuerungsbedarf? Ein erster Erfahrungsbericht.

Wissenschaftliche Gesellschaften und ihre Zeitschriften - umwandeln oder neu starten? Optionen und Beispiele aus der Praxis
Stefan Busch (BioMed Central, Heidelberg)
Abstract

"Mögen hätten wir schon wollen …" – Karl Valentins Spruch beschreibt das Dilemma vieler wissenschaftlicher Gesellschaften, besonders wohl im STM-Bereich. Einerseits ihre Raison d’être, wissenschaftliche Kenntnisse zu fördern und zu verbreiten; andererseits bestehende praktische und finanzielle Erwägungen, aber auch schlichter Kenntnismangel.

Der Vortrag schaut auf Optionen im allgemeinen, zeigt aber auch Beispiele verschiedener, von den jeweiligen Ausgangspunkten und Motivationen bestimmter Lösungen. Letzteres ermöglicht dann auch die Definition solcher Fälle, in denen Open Access auf absehbare Zeit keine Lösung ist.

Vom Ich zum Wir. Netzwerk-basiertes Publizieren und das ScienceOpen-Modell
Alexander Grossmann (HTWK Leipzig) und Stephanie Dawson (ScienceOpen GmbH, Berlin)
Abstract | Video

Das Internet hat die Art und Weise unserer Kommunikation radikal verändert – die Wissenschaftsgemeinschaft bildet hier keine Ausnahme. Kommunikationsformen und -wege, die sich über Jahrhunderte hinweg auf Papier entwickelt haben, stoßen an ihre Grenzen und werden nach und nach durch andere, digitale Formen ersetzt. Dennoch verharren wir konzeptionell im Papierzeitalter.

ScienceOpen versucht, das System wissenschaftlichen Publizierens radikal zu überdenken und aufzuzeigen, welche Teile des Systems einer Revolution bedürfen.

Ist hochwertiges Publizieren in Open Access finanziell haltbar?
Bernd Pulverer (EMBO, Heideberg)
Abstract | Video

In 'author pays' Open Access (OA)-Journalen basiert das Einkommen fast ausschließlich auf den 'article processing fees' der publizierten Arbeiten. Dies kann zu einer Diskrepanz zwischen den wissenschaftlichen/redaktionellen Kriterien für ein Journal und den finanziellen Vorgaben führen. Eine Manifestation ist die Proliferation von 'bonus' OA-Journalen, die minimale oder gar keine Qualitätskriterien haben und den enormen Publikationsdruck in den Biowissenschaften auszunutzen versuchen.

Ist eine Erosion der Qualität zugunsten der Quantität durch OA unvermeidbar? Wie kann man im OA-Modell Qualität sichern? Gibt es bessere finanzielle Modelle für Journale, die nur einen Bruchteil der eingereichten Arbeiten publizieren? Was kostet die Publikation einer Arbeit in einem hochwertigen Journal?

EMBO publiziert vier hochwertige Journale in den Biowissenschaften und ich werde diese Fragen mit diesen Journalen illustrieren: Molecular Systems Biology war eines der ersten OA Journale; EMBO Molecular Medicine ist 2012 erfolgreich in Open Access umgewandelt worden; 'The EMBO Journal' und 'EMBOreports' sind 'open access proximal' Hybrid Journale, mit OA nach 6 Monaten.

Ich werde erklären, warum wir nicht alle Journale in OA verwandeln können ohne Qualitätseinschränkungen hinzunehmen. Ich werde auch das Hybrid System als selbst regulierendes Business-Modell zum OA darstellen. Weiterhin werde ich 'cascading' oder 'portable peer review' als realistisches Modell für OA darstellen.

ESAC - Efficiency and Standards for Article Charges
Kai Karin Geschuhn (MPDL, München)
Abstract

Während sich die hergebrachten, über Subskriptionen finanzierten Verlage an den Leser und damit in der Regel an wissenschaftliche Bibliotheken richten, etabliert sich mit Open Access ein neues Geschäftsmodell, das den wissenschaftlichen Autor als Kunden in den Mittelpunkt rückt. Wissenschaftliche Bibliotheken werden ihre Budgets in den kommenden Jahren zunehmend auch für die Übernahme von Open-Access-Publikationskosten einsetzen, denn perspektivisch wird eine komplette Transformation des wissenschaftlichen Publikationsmarktes angestrebt, die bewirkt, dass Open Access zukünftig nicht mehr bloß eine Alternative, sondern den Standardweg des wissenschaftlichen Publizierens darstellt.


Es wird jedoch deutlich, dass die Geschäftsprozesse der Verlage und Bibliotheken noch nicht in dem Maße auf den Wandel eingestellt sind, um reibungslos und effizient ablaufen zu können. Fehlende Standards und mangelndes gegenseitiges Verständnis für die Anforderungen der involvierten Akteure führen dazu, dass die bisherigen Workflows nicht skalierbar sind. Dies birgt die Gefahr von steigenden Transaktionskosten und Marktintransparenz.
Die Initiative ESAC- Efficiency and Standards for Article Charges möchte ein internationales Forum für dieses Thema schaffen. ESAC geht zurück auf einen internationalen Workshop zum Thema "APC-Management" im November 2013. Mit ESAC soll eine Plattform und ein Label geschaffen werden, um optimierte Prozesse vorzuschlagen und mit den beteiligten Akteuren wie Verlagen, Betreibern von Publikationssystemen, Bibliotheken und Normierungsinitiativen in den Dialog zu treten.

Session 3: Verwendung von Creative-Commons-Lizenzen (parallel)

Raum 69
Moderation: Marco Tullney (TIB/UB, Hannover)
Abstract

In einer praxisnahen Session soll über die Verwendung von Creative-Commons-Lizenzen im Wissenschaftsbereich gesprochen werden. Ausgehend von Referaten und den Erfahrungen und Einschätzungen der Teilnehmer/innen soll genügend Gelegenheit sein, über verschiedene Dimensionen (Open Access, rechtliche, ökonomische) von CC-Lizenzen und über Einsatzszenarien zu sprechen.

Praktische und rechtliche Bedeutung von CC-Lizenzen im Bereich der Lizenzierung von OA-Journalen
Ulrich Herb (SULB Saarbrücken) und Michael Weller (Europäische EDV-Akademie des Rechts, Merzig/Saar)
Abstract | Präsentation

Zur Lizenzierung von Open-Access-Publikationen werden häufig Creative- Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen) verwendet. Referiert werden zunächst die Ergebnisse einer Auswertung zur Verbreitung verschiedener Creative Commons Lizenzen unter den Journalen des Directory of Open Access Journals. Berücksichtigung finden dabei insbesondere Aspekte der Fachzuordnung und regionalen Herkunft der Journals oder des Publisher-Typus. Hingewiesen wird ferner auf die nutzungsrechtlichen Regelungen in Journalen, die keine Creative-Commons-Lizenzierung ihrer Inhalte vornehmen.

Der weitere Beitrag soll unter Berücksichtigung der jüngsten Rechtsprechung den Lizenzgebern und Lizenznehmern aufzeigen, in welcher Weise Lizenzhinweise in Open-Access-Publikationen zu integrieren sind. Unter Differenzierung zwischen der Verwendung von CC- und anderen Lizenzen sollen anhand ausgewählter Beispiele typische Fehlerquellen wie etwa fehlende Verweise auf den vollständigen Lizenztext oder die Wahl missverständlicher oder unwirksamer Klauseln aufgezeigt werden. Es soll weiter erläutert werden, dass der Lizenzgeber bei wissenschaftlichen Werken auf eine Meldung des Werkes bei seiner Verwertungsgesellschaft trotz der Verwendung der CC-Lizenz nicht verzichten muss und an den Ausschüttungen zur Geräte- und Leermedienvergütung teilhaben kann. Es soll schließlich darum gehen, ein besseres Verständnis der Bedeutung der einschränkenden Lizenzen im Hinblick auf den Grundgedanken des Open Access zu legen und dafür zu sensibilisieren, dass nicht jede CC-Lizenz offen in diesem Sinne ist. Schließlich soll zum Gegenstand gemacht werden, ob die neue Wissenschaftsschranke in § 38 Abs. 4 UrhG eine Zweitveröffentlichung unter einer CC- oder anderen Lizenz gestattet.

Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen in der Wissenschaftskommunikation von Raumfahrtagenturen
Marco Trovatello (ESA - European Space Agency, Paris)
Abstract

Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat man in den vergangenen Jahren nicht nur das Creative-Commons-(CC)Lizenzmodell für eigene Multimediainhalte eingeführt, sondern auch umfangreiche Praxiserfahrungen im Umgang mit den Lizenzen gesammelt. Die Identifikation mit Ziel und Vision der Non-Profit-Organisation Creative Commons („universal access to research and education, full participation in culture“) war eine Sache, die Umsetzung eine andere. Dasselbe gilt für die Europäische Weltraumorganisation ESA, eine internationale bzw. zwischenstaatliche Organisation mit 20 Mitgliedsstaaten und einem Jahresbudget von zirka vier Milliarden Euro. Sie realisiert Raumfahrtprogramme und -projekte, die keiner der Mitgliedsstaaten jemals im Alleingang auf die Beine stellen könnte.

Der Beitrag wird erläutern, warum es für öffentlich finanzierte Organisationen wie ESA und DLR wichtig ist, sich vom traditionellen Urheberrecht zu verabschieden und Forschungsdaten und -produkte unter freie Lizenzen zu stellen. Anhand von konkreten Anwendungsfällen soll sowohl über Vorbehalte, Restriktionen und Probleme als auch über die Chancen und Vorteile von frei verfügbaren Inhalten und Forschungsergebnissen gesprochen werden.

17.30

Pause

Foyer

19.00

Konferenzdinner

Café Himmelsblick | UG

Im Anschluss an das Dinner gibt es eine humorvolle Zusammenfassung des Tages mit der Impro-Theatergruppe ‚Taubenhaucher’

FH Köln, Claudiusstraße 1, 50678 Köln

Anmeldung erforderlich!

Dienstag, 9.9.2014

 

 

09:00

Plenumsvortrag

Raum 69

Begrüßung und Moderation: Ursula Arning (ZB MED), Agathe Gebert (GESIS) und Achim Oßwald (FH Köln)

2014 Census of Open-Access-Repositorien in Germany, Austria and Switzerland
Paul Vierkant (HU Berlin), Maxi Kindling (IBI, Berlin)
Abstract | Video

Der im Rahmen eines Projektseminars am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin durchgeführte „2014 Census of Open Access Repositories in Germany, Austria and Switzerland” (2014 Census), wiederholt die Studie „2012 Census on Open Access Repositories in Germany” für das Jahr 2014 und wurde umfassend weiterentwickelt. Neben der Ausweitung des Fokus auf Österreich und die Schweiz wurde der Census u.a. um eine Umfrage ergänzt. Der 2014 Census ermöglicht damit Einblicke in bis dato unbekannte Entwicklungen und Eigenschaften von Open-Access-Repositorien (OAR).

Der 2014 Census ermöglicht damit Einblicke in bis dato unbekannte Entwicklungen und Eigenschaften von Open-Access Repositorien (OAR).

Der 2014 Census enthält:

  • eine Inhaltsanalyse der „Graphical User Interfaces” (GUI) aller 173 OAR hinsichtlich Mehrwertdienste, Zertifizierung durch das DINI-Zertifikat, Mitgliedschaft in Open-Access-Initiativen und weiteres?
  • eine Online-Umfrage unter OAR-Betreibern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  • sowie die Validierung der über OAI-PMH ausgelieferten Metadaten (ca. 1,2 Million Items) mittels des OAN-Validators-2.

09:45

Pause

10:15

Session 4: Qualifizierung für Open Access in Studium und Beruf (parallel)

Raum 248
Moderation: Margo Bargheer (SUB Göttingen)
Abstract

Die als Workshop angelegte Session hat zum Ziel, einen ersten Überblick zu Einzelaspekten der Qualifizierung für Open Access insbesondere im Hochschulkontext zu geben. Mit Kurzbeiträgen zur OA-Qualifizierung speziell in Studiengängen des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Bereichs aus Frankreich (Joachim Schöpfel, Lille) und Deutschland (Achim Oßwald, Köln) sowie der OA-Qualifizierung als Fort- und Weiterbildung (Fallbeispiel 1: „Open-Access-Publizieren als Bestandteil der (strukturierten) Promotionsausbildung" – Anita Runge, FU Berlin, Arbeitsbereich „Publikationsförderung“; Fallbeispiel 2: „Die Bibliothek als Open-Access-Kompetenzzentrum in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung“ – Edith Reschke, Dresden-Rossendorf) werden zielgruppenspezifische Qualifizierungserfahrungen zur Diskussion gestellt.

Angestrebt ist darüber hinaus die Vermittlung des Themas OA in der Berufs(schul)ausbildung von Medienkaufleuten aus dem Bereich Digital und Print (früher Verlagsbereich) einzubeziehen.

Einführung in das Workshop-Thema
Margo Bargheer (SUB Göttingen)
Video

Qualifizierung für Open Access in LIS-Studiengängen in Frankreich. Ein Überblick
Joachim Schöpfel (Universität Lille 3)
Abstract | Video

Französische Universitäten, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen machen sich seit der Berliner Erklärung von 2003 mit Unterstützung der frz. Regierung für den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen stark, mit Initiativen und Modellprojekten wie HAL, PERSEE und OpenEdition.

Joachim Schöpfel (Universität Lille 3) stellt empirische Ergebnisse einer Studie zur Diskussion, die im Juni an frz. Universitäten durchgeführt wurde, per Internetsuche und Umfrage: Welche Themen aus dem Bereich Open Access werden in der Grundausbildung und Weiterbildung von Bibliothekaren und Dokumentaren angeboten, auf welchem Niveau (BA oder Master), und in welcher Weise (Kursthema, eingebettet in andere Themen)? Lässt sich eine Tendenz erkennen? Lassen sich Empfehlungen für die OA-Qualifizierung ableiten?

Qualifizierung für Open Access in LIS-Studiengängen in Deutschland. Ein Überblick
Achim Oßwald (FH Köln)
Abstract | Video

Der Beitrag gibt einen knapp gefassten Überblick zur Verortung der OA-Qualifizierung in den bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Studiengängen in Deutschland. Er versucht darüber hinaus exemplarisch aufzuzeigen, welche Zielsetzungen die einschlägigen Lehrveranstaltungsmodule in den entsprechenden Studiengängen haben. Soweit ermittelbar, werden die zeitlichen Anteile und die didaktischen Konzepte angesprochen.

Open-Access-Publizieren als Bestandteil der (strukturierten) Promotionsausbildung
[Vortrag entfällt krankheitsbedingt]
Anita Runge (FU Berlin)
Abstract

Im Beitrag soll über die Behandlung des Themas Open Access im Rahmen der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses berichtet werden. Grundlage ist die Auswertung mehrjähriger Erfahrungen mit Publikationsworkshops im Kontext der Soft-Skills-Zusatzangebote von Graduiertenschulen, insbesondere im Bereich der im Exzellenzwettbewerb geförderten Graduate Schools an der Dahlem Research School der Freien Universität Berlin.

Es soll insbesondere auf folgende Themen eingegangen werden:

  • Promovierende im Spannungsfeld von Veröffentlichungspflicht, traditionellen Publikationsgepflogenheiten und neuen Open-Access-Publikationsmöglichkeiten (in den Geistes- und Sozialwissenschaften)
  • Promovierende als pathfinder für Open Access?
  • Anforderungen an ein qualifiziertes Ausbildungsangebot für Open-Access-Publizieren
  • Open Access als Berufsfeld für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Foster - Open.Science.Training
Astrid Orth (SUB Göttingen)
Abstract | Video

Freier Zugang zu unterschiedlichen Formen wissenschaftlicher Ergebnisse wird für die Forschung in Europa ein wichtiger Zukunftsmotor. Insbesondere für die nachrückende Generation an Forschern, die in einer vernetzten Umwelt groß geworden sind, liegen die Vorteile digitaler Methoden beim Forschen und Lernen auf der Hand. Jedoch sind praktische Fragen manchmal nicht einfach zu beantworten: wo gibt es Zugang zu qualitätsgesicherten Materialien, wie und wo kann jeder selbst Ergebnisse publizieren, unter welchen Bedingungen können Informationen weitergegeben und genutzt werden?

Das Projekt FOSTER – Foster Open Science Training for European Research (http://www.fosteropenscience.eu) – hat sich zum Ziel gesetzt, diese Fragen zu beantworten. Das auf zwei Jahre angelegte EU-Projekt wird Theorie und Praxis von Open Access und Open Science im Rahmen eines breit angelegten Trainingsprogrammes anschaulich vermitteln. Die wichtigsten Interessengruppen, speziell Nachwuchsforscher unterschiedlichster Fachrichtungen sowie Projektmanager und Forschungsadministratoren, können aus einer Vielfalt an Informations- und Lehrmethoden die für sie geeigneten auswählen. Die Bandbreite umfasst klassische Seminare genauso wie Hands-on-Workshops sowie eLearning und Blended-Learning- Formate. Einen Schwerpunkt in der Projektstrategie stellt die Einbindung der Trainingsinhalte in postgraduale Ausbildungen, Summer Schools oder veranstaltungsbegleitende Workshops dar. Multiplikatoren wie Mitarbeiter in Forschungsbibliotheken und -einrichtungen werden ausgebildet und dabei unterstützt, eigene Trainingsprogramme in ihren jeweiligen Institutionen aufzusetzen.

Das Poster beschreibt die Ziele und Strategien des Projektes Lehr- und Trainingsmaterial zu den Themen Open Access und Open Science zur Verfügung zu stellen, insbesondere im Hinblick auf die durch die EU-Kommission erstellten Vorgaben in der Forschungsförderung – Stichwort Horizon 2020. Erste Ergebnisse des Projektes, das im Februar 2014 gestartet wurde, werden vorgestellt, darunter das für das Jahr 2014 geplante Trainingsprogramm, das aus einer ersten offenen Ausschreibung hervorgegangen ist.

Die Bibliothek als Open-Access-Kompetenzzentrum in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung
Edith Reschke (Helmholtz Zentrum Dresden-Rossendorf)
Abstract | Video

Open Access zu publizieren ist noch nicht selbstverständlich für WissenschaftlerInnen in den außeruniversitären Forschungsgemeinschaften. Neue Publikationsmöglichkeiten erfordern neue, prozessbegleitende Services. Der Aufbau eines Open-Access-Kompetenzzentrums in der Bibliothek ist ein bereits erfolgreicher Weg, die WissenschaftlerInnen umfassend zu informieren und zu unterstützen. Welche Leistungen erbringt das Kompetenzzentrum und wie erwirbt es die notwendige Kompetenz? Im Fallbeispiel 2 soll dargestellt werden, welche administrativen Bereiche das Thema Open Access tangiert, wie diese Bereiche zusammenarbeiten und wie sich dieses Netz für seine Aufgaben qualifiziert.

Session 5: Workshop: Repositorien jenseits des Dublin Core (parallel)

Raum 284
Moderation: Christian Gutknecht (SNF, Bern)
Abstract | Video

Repositorien ermöglichen den Nachweis und den Zugang wissenschaftlicher Publikationen. Mit der Erfassung von weiteren Daten, wie Förderorganisationen, Forschungsprojekte, Autorenprofile oder Zitationsdaten, bieten Repositorien eine interessante Quelle zur Auswertung weiterer Fragestellungen, die im Kontext von Forschungsevaluation, Bibliometrieanalyse oder bei der Überprüfung von Open-Access-Policies relevant sind. Neben der institutionellen Umsetzung stellt sich aber auch die Frage, wie solche Daten jenseits von Dublin Core ausgetauscht, aggregiert und ausgewertet werden können?

Repositorien als Forschungsinfrastruktur
Alexander Wagner (DESY, Hamburg)
Abstract | Video

In den vergangenen Jahren sind insbesondere in den Großforschungseinrichtungen die Anforderungen im Bereich Publikationsnachweis deutlich gestiegen. So sind neben dem reinen Nachweis des wissenschaftlichen Outputs zahlreiche neue Auswertungsanforderungen entstanden. Eine spezielle und einfache Form der Evaluation sind hierbei die Nutzung der Open-Access-Möglichkeiten der aktuellen Allianzlizenzierung, die „nur" die Kenntnis von Publikationen der Organisation auf Zeitschriftenebene voraussetzt. Die Lieferungen von Volltexten basierend auf Open-Access-Klauseln der Förderorganisationen, z.B. im Rahmen einzelner Helmholtz-Programme oder auch OpenAire(+) benötigt daneben eine Zuordnung der Publikationen auf Projektebene. Zur teilautomatisierbaren Realisation dieser Anforderungen stellen sich also vergleichsweise hohe Anforderungen an die erfassten Metadaten.

Da bei den detaillierten Auswertungen zahlreiche Informationen benötigt werden, die sich zu einem späteren Zeitpunkt nur schwer oder gar nicht mehr ermitteln lassen, und die auch z.T. nur den beteiligten Wissenschaftlern bekannt sind, müssen diese Daten bereits bei der Eingabe, und hier oft durch „institutionsfremde" Mitarbeiter, erfasst werden. Dies stellt höchste Anforderungen an die Benutzerschnittstelle und den anschließenden Workflow, der möglichst schlank und schnell sein soll. Dies wurde durch die Verwendung gemeinsamer Normsätze und Vokabulare (Personen, Institute, Zeitschriften, Programme, Statistikschlüssel) realisiert.

Forschungsevaluation aus dem Repositorium
Katrin Große (GSI, Darmstadt)
Abstract | Video

Sowohl die Zahl als auch der Detailierungsgrad der Berichte, die Forschungseinrichtungen regelmäßig liefern müssen, sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies hängt vor allem mit den zur Begutachtung und Evaluation notwendigen immer komplexeren Auswertungen zusammen. Daneben betreiben z.B. die Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft oder großer Universitäten nicht nur einzigartige Großgeräte für die eigen-verantwortete Forschung, sondern sind zunehmend Dienstleister für externe Wissenschaftler.

Als Folge müssen nicht nur eigene Veröffentlichungen, sondern auch jene die hieraus entstehen berücksichtigt werden. Diese Informationen sind in externen Datenbanken (Web of Science, Scopus, INSPIRE etc.) nicht verfügbar, da diese (zwangsläufig) nicht über die dafür notwendige Granularität der Daten verfügen. Schnittstellen zu Zitationsdatenbanken vereinfachen allerdings die Datenerhebung für bibliometrische Analysen und ermöglichen es den beteiligten Bibliotheken, diese zunehmend nachgefragte Dienstleistung anzubieten.

Die drei Helmholtz-Zentren DESY, Forschungszentrum Jülich und GSI haben daher in einem gemeinsamen Projekt zunächst ein Verständnis der zu verwendenden Definitionen erreicht und darauf basierend umfangreiche Auswertungsprogrammen implementiert. Dies ermöglicht es den beteiligten Zentren erstmals die benötigten Werte auf ein und dieselbe Weise und weitgehend automatisiert zu erzeugen. Ferner ist über aus der Repository- und Bibliothekswelt bekannte Schnittstellen (z.B. OAI-PMH, MARC21) ein umfangreicher Datenaustausch möglich.

Institutionelle Forschungsinformationen (aus Hochschulbibliographie / Repository / integriertem FIS) mittels des VIVO-Datenmodells zusammenführen und verlinken. Potentiale, Best Practice und eigene Erfahrungen
Lambert Heller (TIB, Hannover)
Abstract | Präsentation | Video

Forschungseinrichtungen in Deutschland und weltweit stellen immer häufiger ein Basisangebot (semi-)strukturierter Metadaten über alle ihre Forscher und deren Aktivitäten zur Verfügung: Durch Hochschulbibliographien und/oder Repositories, und in den letzten Jahren zunehmend auch durch integrierte Forschungsinformationssysteme (FIS).

Über rein institutionenbezogene Information hinaus (z.B. zur Gewinnung von Kennzahlen der Institution zur Berichterstattung gegenüber Trägereinrichtung oder Ministerien) bergen diese Daten auch einen Informations-Mehrwert für die Forscher selbst, z.B. die Darstellung von Co-Autorschafts-Netzwerken oder thematischen Forschungs-„Landkarten“ einer Fachcommunity. Dieser Mehrwert steht jedoch erst zur Verfügung, wenn solche Daten institutionsübergreifend geharvestet, zusammengeführt und verlinkt werden.

Anhand von Harvesting-Portalen aus den USA und Frankreich sowie anhand VIVO-basierter Forschungsinformationssysteme in Hannover soll skizziert werden, welcher zusätzliche Aufwand durch die Bereitstellung von Forschungsinformationen in dieser Form entsteht, und worin das Anwendungspotential z.B. für Fachcommunity-Portale besteht.

10 Jahre BASE. Vergangenheit und Zukunft der weltweiten Repository-Entwicklung
Dirk Pieper und Friedrich Summann (UB Bielefeld)
Abstract | Video

Im Juni 2004 erfolgte die Freischaltung der ersten Version der „Bielefeld Academic Search Engine“ (BASE, www.base-search.net) mit rund 500.000 Datensätzen von 10 Dokumentenservern. 10 Jahre später, mit mehr als 60 Millionen Datensätzen von über 3.000 Dokumentenservern, ist BASE eine international beachtete Suchmaschine für frei zugängliche wissenschaftliche Dokumente im Internet und ein wesentlicher Beitrag zur weltweiten Vernetzung und Sichtbarmachung von Repositories. Mit der durch BASE gewonnenen Expertise in den Bereichen Suchmaschinentechnologie und Metadata-Harvesting ist die Universitätsbibliothek Bielefeld in einer Reihe von nationalen und internationalen Open-Access-Projekten ein wichtiger technischer Partner, arbeitete an mehreren Empfehlungen sowie Guidelines zur Weiterentwicklung von Repositories mit und ist in einer Vielzahl von Expertengremien vertreten.

BASE als Service-Provider gründet vor allem auf dem „Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting”. OAI-PMH scheint aufgrund seiner technischen Einfachheit zugleich Erfolgsfaktor für das weltweite Anwachsen der Anzahl von Repositories und auch Hindernis zu sein, wenn es um weitergehende Ansprüche an die Metadaten-Qualität und Funktionalitäten von Repositories geht. So ist zum Beispiel die einfache Frage, wie hoch der tatsächliche Output von Open-Access-Dokumenten weltweit ist, aufgrund von OAI-PMH-Daten allein nur näherungsweise oder durch Hinzunahme von statistischen Verfahren zu beantworten. Des Weiteren ist schon seit längerem zu beobachten, dass Repositories zunehmend den gesamten Publikations-Output einer Institution exponieren, zusätzlich Funktionen des Publikationsdatenmanagements übernehmen oder durch Forschungsmanagementsysteme abgelöst werden. Gleichzeitig zeigen Publikationsplattformen wie Open Journal System (OJS), wie einfach und schnell durch eine OAI-PMH-Implementierung mit qualitativ hochwertigen Metadaten die Sichtbarmachung von Publikationen gelingen kann.

Angesichts der aktuellen Diskussion (siehe z.B. das März-Archiv) befasst sich der Vortrag daher nur kurz mit der BASE-Vergangenheit, sondern fokussiert sich auf Basis verschiedener Auswertungen hauptsächlich auf die Frage nach der Zukunft von Repositories und deren Interoperabilität.

Session 6: Offene Infrastrukturen für offene Forschungsdaten (parallel)

Raum 69
Moderation: Heinz Pampel (Helmholtz-Gemeinschaft, Potsdam)
Abstract

Ob G8 Science Ministers Statement oder Open Research Data Pilot im Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020 - der offene Zugang zu Forschungsdaten wird breit diskutiert: In Deutschland hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) 2014 eine Empfehlung zum „Management von Forschungsdaten” verabschiedet und das Thema als strategisches Handlungsfeld auf die Agenda von wissenschaftlichen Einrichtungen gesetzt.

Deutlich ist jedoch auch, dass die Herausforderungen für das gesamte Wissenschaftssystem tiefgehend sind. So gilt es die technischen, organisatorischen, rechtlichen und sozialen Weichen für den offenen Zugang zu Forschungsdaten zu stellen. Die Session greift diese Herausforderung auf. Referentinnen und Referenten widmen sich in Praxisbeispielen den Herausforderungen und Chancen des Themenfelds und stellen Strategien zur Öffnung von Forschungsdaten vor.

Pad zur Session

SowiDataNet. Aufbau eines Forschungsdatenverbundes für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Monika Linne (GESIS, Köln) und Ralf Toepfer (ZBW, Hamburg)
Abstract | Video

Die Möglichkeiten des Zugangs zu sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsdaten in Deutschland haben sich innerhalb der letzten Jahre deutlich verbessert. Makrodaten der amtlichen Statistik sind i.d.R. frei über das Internet zugänglich und unter dem Dach des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) sind inzwischen 27 Forschungsdatenzentren akkreditiert, die Zugangsmöglichkeiten zu Mikrodaten bereitstellen. Nahezu unsichtbar sind hingegen die Forschungsdaten von Projekten und Einzelforschenden. Neben existierenden Vorbehalten gegen das Teilen von Forschungsdaten mangelt es vor allem an einer einfach zu nutzenden Infrastruktur zum Ablegen und Teilen der Daten. Genau diese Lücke versucht das von der Leibniz-Gemeinschaft geförderte Gemeinschaftsprojekt SowiDataNet von GESIS, DIW, WZB und ZBW zu schließen. Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Forschungsdatenverbunds für die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, dessen Kern eine web-basierte Infrastruktur sein wird, die eine niederschwellige Selbst-Archivierung, Dokumentation und Distribution von Forschungsdaten ermöglicht und sich dabei am konkreten Bedarf der Scientific Community orientiert.

Optimierter Zugang zu Forschungsdaten in den Biowissenschaften (Data Accessibility in the Biosciences)
Bernd Pulverer (EMBO, Heídelberg)
Abstract | Video

In 'author pays' Open Access (OA)-Journalen basiert das Einkommen fast ausschließlich auf den 'article processing fees' der publizierten Arbeiten. Dies kann zu einer Diskrepanz zwischen den wissenschaftlichen/redaktionellen Kriterien für ein Journal und den finanziellen Vorgaben führen. Eine Manifestation ist die Proliferation von 'bonus' OA-Journalen, die minimale oder gar keine Qualitätskriterien haben und den enormen Publikationsdruck in den Biowissenschaften auszunutzen versuchen.

Ist eine Erosion der Qualität zugunsten der Quantität durch OA unvermeidbar? Wie kann man im OA-Modell Qualität sichern? Gibt es bessere finanzielle Modelle für Journale, die nur einen Bruchteil der eingereichten Arbeiten publizieren? Was kostet die Publikation einer Arbeit in einem hochwertigen Journal?

EMBO publiziert vier hochwertige Journale in den Biowissenschaften und ich werde diese Fragen mit diesen Journalen illustrieren: Molecular Systems Biology war eines der ersten OA Journale; EMBO Molecular Medicine ist 2012 erfolgreich in Open Access umgewandelt worden; 'The EMBO Journal' und 'EMBOreports' sind 'open access proximal' Hybrid Journale, mit OA nach 6 Monaten.

Ich werde erklären, warum wir nicht alle Journale in OA verwandeln können ohne Qualitätseinschränkungen hinzunehmen. Ich werde auch das Hybrid System als selbst regulierendes Business-Modell zum OA darstellen. Weiterhin werde ich 'cascading' oder 'portable peer review' als realistisches Modell für OA darstellen.

Kooperation von gms mit Dryad. Erfahrungsbericht und Ausblick
Katja Pletsch, Gabriele Wollnik-Korn und Simone Haas (ZB MED, Köln/Bonn)
Abstract | Präsentation | Video

Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften (ZB MED) setzt sich dafür ein, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch ihre Forschungsdaten Open Access veröffentlichen. Zu diesem Zweck ist sie Mitglied des Daten-Repositoriums Dryad geworden.

Bei Dryad werden Forschungsdaten, die wissenschaftlichen Publikationen zugrunde liegen, zitierfähig veröffentlicht. Durch die wechselseitige Zitierung von Artikel und Forschungsdaten wird die Sichtbarkeit für beide gesteigert.

ZB MED übernimmt darüber hinaus für Autorinnen und Autoren, die in Zeitschriften der Open-Access-Plattform German Medical Science (gms) publizieren, zunächst bis 2015 die Kosten für die Veröffentlichung der zu den Artikeln gehörenden Forschungsdaten bei Dryad.

Im Manuskriptverwaltungsprogramm von gms ist bereits bei der Einreichung eines Manuskripts eine Verknüpfung mit Dryad eingerichtet, so dass Forschungsdaten auch im Reviewverfahren berücksichtigt werden können.

Wir berichten von den Erfahrungen: Wie ist die Akzeptanz des Angebots bei Autoren und Herausgebern? Gibt es positive Effekte auf Nutzung und Zitation durch die parallele Veröffentlichung der Forschungsdaten? Welche Probleme gibt es? Was hält Autoren von einer Veröffentlichung ihrer Forschungsdaten bei Dryad ab?

Schließlich stellen wir unsere Erwartungen in Bezug auf die weitere Entwicklung sowie die geplanten weiteren Maßnahmen vor.

Forschungsdaten im Spannungsfeld zwischen Urheberrecht und Open Access. Das Aktienführer-Datenarchiv
Irene Schumm, Philipp Zumstein und Sebastian Weindel (UB Mannheim)
Abstract | Video

Zugang zu Datenquellen ist ein entscheidender Faktor für die Forschung und wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Ebenso wichtig ist die Maschinenlesbarkeit (Prozessierbarkeit) dieser Quellen, die bei gedruckten Werken nur mit erheblichem Aufwand erreichbar ist.

Die UB Mannheim führt in diesem Zusammenhang das DFG-Projekt Aktienführer Datenarchiv durch. Dabei wird der Zugang zu den Aktienführer-Daten aus 20 Jahren der Forschung in Deutschland offen und weiterverarbeitbar bereitgestellt.

Der Aktienführer Hoppenstedt, ein Nachschlagewerk für deutsche Aktiengesellschaften, ist hierfür die Grundlage. Rechtlich geschütztes Material musste zunächst für die Wissenschaft in Deutschland lizenziert werden um dieses auf dem Weg zu Open Research Data von der Printausgabe in ein maschinenlesbares, prozessierbares Format zu überführen.

Die Herausforderungen bei der Konversion dieses Nachschlagewerkes zu einer Forschungsdatenbank erstrecken sich dabei vom Umgang mit urheberrechtsgeschütztem Material bis hin zur Datenbankentwicklung.

Als Ergebnis des Projektes entsteht eine Datenbank, in der Forscher deutschlandweit Daten aus zwei Jahrzenten abfragen, exportieren und analysieren können.

12.15

Mittagspause

Foyer

13:00

Session 7: Umsetzung und Erfahrung mit Richtlinien und Guidelines (parallel)

Raum 248
Moderation: Christoph Bruch (Helmholtz-Gemeinschaft, Berlin)
Abstract

Mit Entscheidungen von Regierungen und privaten Forschungsförderern Open-Access-Publizieren zur Regel für die durch sie geförderte Wissenschaft zu machen, ist der Prozess der entsprechenden Umstellung des wissenschaftlichen Publizierens nachhaltig beschleunigt worden. In der Sitzung wird dieser Umstellungsprozess unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrungen in Großbritannien und mit den Forschungsrahmenprogrammen der Europäischen Union aus verschiedenen Perspektiven thematisiert. Eine Teilnahme an der Sitzung ist für Policy-Maker, Praktiker in der Wissenschaftsorganisationen und Verlage interessant.


Open Access in EU-Projekten. OpenAIRE-Umsetzung für Publikationen in der Fraunhofer-Gesellschaft
Ulrike Küsters (Fraunhofer IRB, Stuttgart)
Abstract | Video

Im 7. Forschungsrahmenprogramm (FP7) der EU gab es das Pilot-Projekt OpenAIRE, in dem alle Publikationen Open-Access zugänglich gemacht und auf der OpenAIRE-Plattform nachgewiesen werden sollten. Im Nachfolgeprogramm Horizon 2020 wurde Open Access zu Publikationen für alle Projekte zur Pflicht.

Dargelegt wird, wie die Anforderungen in der Fraunhofer-Gesellschaft umgesetzt wurden und welche Hindernisse und Schwierigkeiten dabei zu überwinden waren. Neben Anpassungen der technischen Infrastruktur war eine Ergänzung der Erfassung und des Meldeworkflows unter Einbindung aller beteiligten Personen (Bibliothekare, Fachinformationsmanager und andere Spezialisten) erforderlich. In EU-Projekten tätige Wissenschaftler wurden über die Themen Open Access, rechtliche Rahmenbedingungen und die EU-Vorgaben zu Publikationen informiert.

Zentral für die erfolgreiche Umsetzung erwies sich der Ansatz, eine möglichst gute Vernetzung aller betroffenen Personen und Stellen anzustreben. Der Service für Wissenschaftler konnte so verbessert werden, die Meldung von Publikationen aus der Fraunhofer-Publica an die OpenAIRE-Plattform erfolgt automatisiert.

Compliance-Anforderungen für das Forschungs- und Publikationsmanagement
Thomas Hartmann (MPDL, München)
Abstract | Video

Für Horizon 2020 hat die EU-Kommission neue Open-Access-Leitfäden herausgegeben. Haben diese Leitfäden, wie bisher, juristisch empfehlenden oder obligatorischen Charakter? Welche Bedeutung haben die in den EU-Dokumenten beschriebenen Ausnahmen von Open Access? Nach einem Überblick sollen die ersten Erfahrungen diskutiert werden, die insoweit bei der Unterstützung und Beratung von Horizon 2020 gesammelt wurden.

Der Beitrag ordnet ferner die Open Access-Leitfäden von Horizon 2020 in die weiteren Publikationsvorgaben für Open Access ein, die häufig an der Nahtstelle von Recht und Policy verortet werden können. Insofern bespielt inzwischen eine Reihe an Akteuren Open Access. Die Ausdifferenzierung (semi-)juristischer Maßnahmen und insgesamt eine weitere Verrechtlichung zeichnen sich ab.

Für das Wissenschafts- und Publikationsmanagement verdichten sich die Richtlinien und Empfehlungen, Zertifikate und Lizenzmodelle, Policies, urheber- und wissenschaftsgesetzlichen Vorschriften sowie Klauseln in Arbeits-, Verlags-, Förder- und Konsortialverträgen. Um die vielfaltigen juristischen Anforderungen und wissenschaftspolitischen Erwartungen bei Open Access einzuhalten, ist das Wissenschafts- und Publikationsmanagement gefordert, neue Partnerschaften einzugehen, geeignete Verfahren zu entwickeln und Expertise aufzubauen. Anforderungen und Ansätze werden vorgestellt und diskutiert.

Aus den Erfahrungen in Großbritannien lernen Auswirkungen und nächste Schritte
- Vortrag entfällt -
Sabine Teichert (EBSCO, Berlin)
Abstract

Diese Präsentation bewertet und reflektiert die Finanzierungsmandate des Research Council in Großbritannien (RCUK), wo seit April 2013 die Bedeutung von GOLD OA betont wurde. Basierend auf qualitativen und quantitativen Umfragen und Interviews wird untersucht, welche Auswirkungen diese Finanzierungsmandate auf Verlage, wissenschaftliche Einrichtungen und andere hatten.

Die Referentin wirft einen Blick auf die Administration von Gold APC-Transaktionen in der gesamten Lieferkette und fragt, wie Einfachheit, Transparenz und Effizienz am besten erreicht werden können. Aufgrund konkreter Erfahrungen in Großbritannien während der letzten Monate werden die potentiellen und tatsächlichen Auswirkungen auf andere Länder diskutiert: Welche Lehren können gezogen werden? Welche bewährten Verfahrensweisen können wir nutzen?

The Good, the Bad and the Ugly. Open Access in Großbritannien
Torsten Reimer (Imperial College London)
Abstract | Video

In Großbritannien verlangen wichtige Forschungsförderer seit 2013 Open Access. Das Higher Education Funding Council (HEFCE) hat eine Policy angekündigt, die ab 2016 OA für die meisten wissenschaftlichen Artikel verpflichtend machen wird.

Im Gefolge dieser Entscheidungen vollzieht sich ein fundamentaler Wandel, in dem Universitäten neue Infrastrukturen für Open Access aufbauen. Dabei werden interessante Daten öffentlich, etwa dass gegenwärtig rund 80% der Mittel für Open Access in „hybrid journals“ fließen, die bereits durch Subskriptionen bezahlt werden, wie oft Verlage ihre Verpflichtungen nicht erfüllen oder wie teuer das Scholarly-Communication-System tatsächlich ist. In diesem Umfeld stehen Universitäten nun vor der Herausforderung, bis 2016 effektiv das Publikationswesen auf Open Access umzustellen.

Der Vortrag wird in diese Problemlage einführen und mit einer Analyse der bisher verfügbaren Daten verbinden. Zudem werden anhand von Imperial College London Probleme wie auch Lösungsansätze für die Umsetzung der HEFCE-Policy beschrieben.

Session 8: Impact-Messung von Open Access (parallel)

Raum 69
Moderation: Ulrich Herb (SULB Saarbrücken)
Abstract

Aus der Wissenschaft heraus gibt es zunehmend Kritik an den gängigen Verfahren bei der Evaluation von wissenschaftlichen Leistungen und Forschungsanträgen. Insbesondere die Verwendung von auf Zeitschriftenebene berechneten Impact-Faktoren als ein Proxy für die Qualität eines einzelnen Artikels, wird kritisch gesehen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verlangen daher neue Wege der Messung von Qualität und Impact einer Publikation, wie z.B. die von zahlreichen internationalen Hochschulen und Fachgesellschaften unterzeichnete San Francisco Declaration on Research Assessment belegt. Diese fordert die Abkehr von der ausschließlichen Verwendung journalbasierter Impact-Metriken zur Beurteilung von Wissenschaft und empfiehlt ergänzende und alternative Metriken zugunsten eines differenzierteren Bildes.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass alternative Metriken – auch Altmetrics genannt – im Kontext des wissenschaftlichen Publizierens zunehmend in Erwägung gezogen werden. Neben dem Peer Review, der Nutzung und den Zitationen, können diese Metriken zusätzliche Anhaltspunkte zur Wirkung einer Publikation in der wissenschaftlichen und allgemeinen Öffentlichkeit liefern.

Mittlerweile gibt es verschiedene Projekte und Initiativen im Bereich der Altmetrics und für die Messung von Nutzungsdaten. Die bekannteste Initiative ist wohl das Altmetrics-Manifesto, welches die Motivation zur Erprobung und Implementierung von alternativen Verfahren der Impact-Messung darstellt. Andere Anbieter sind das Non-Profit-Unternehmen ImpactStory oder der große Open-Access-Verlag PLoS. Im Bereich der Nutzungsdaten haben die Dienste IRUS-UK und Open-Access-Statistik bereits viel Erfahrungen sammeln können.

Der Workshop möchte die Thematik aufgreifen und nach kurzen Impulsvorträgen (je max. 10 Minuten) soll mit den Teilnehmenden über das Thema und die aufkommenden Fragen diskutiert werden. Die Ergebnisse werden in einem Etherpad gemeinsam gesammelt und im Anschluss strukturiert allen Interessierten zur Verfügung gestellt.

Nutzungsdaten, Statistiken, Altmetrics - und wozu das alles?
Ulrich Herb (SULB Saarbrücken)
Präsentation

Traue keiner Statistik … Was macht „Open-Access-Statistik“ anders?
Marco Recke (GBV Digitale Bibliothek, Göttingen)
Abstract | Video | Präsentation

Nutzungsstatistiken sind allgegenwärtig. Doch was sagen sie aus? Wie kommen sie zustande? Kann man ihnen vertrauen? Selbst die anerkannten COUNTER-Richtlinien lassen noch viele Spielräume und die Nichtvergleichbarkeit zu anderen Anbietern von Nutzungszahlen nach COUNTER bleibt bestehen.

Dies alles spricht für einen zentralen Serviceprovider, wie er im ehemaligen Projekt „OA-Statistik“ aufgebaut wurde. Ziel des ehemals DFG-geförderten Projekts OA-Statistik war es, vergleichbare, standardisierte und vertrauenswürdige Nutzungsstatistiken für OAI-PMH-fähige Repositorien auf Artikelebene zu erstellen.

Die Projektsoftware wurde nun weiterentwickelt und in eine dauerhafte Infrastruktur überführt. Ergänzt um ein organisatorisches und wirtschaftliches Modell steht diese als neue Dienstleistung allen Interessierten offen. Dieser Vortrag erläutert einiges zur Entwicklung des Dienstes, seinen Vorteilen und Möglichkeiten und Grenzen und gibt einen Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen.

Altmetrics – was sind das?
Isabella Peters (ZBW, Kiel)
Abstract | Video | Präsentation

Forschende nutzen zunehmend Social Media-Plattformen für ihre Arbeitsroutinen, z.B. Blogs für die Veröffentlichung und Diskussion von Forschungsergebnissen oder Twitter für die Bekanntmachung von wissenschaftlichen Publikationen. Gleichzeitig werden von den Wissenschaftlern selbst-initiierte (z.B. Erstellung eines Xing-Profils) als auch von anderen Nutzern initiierte (z.B. gespeicherte Bookmarks) Social Media-Aktivitäten dazu genutzt, Wissenschaftler im Hinblick auf ihre Sichtbarkeit und ihren Einfluss auf verschiedene Peergroups zu evaluieren.

Diese Ansätze werden momentan unter dem Stichwort „Altmetrics“, für alternative Indikatoren der Wissenschaftsevaluation, diskutiert. Doch auch wenn die ständige Verfügbarkeit der Popularitäts- und Aktivitätsdaten (z.B. Anzahl der Follower oder Anzahl der Bookmarks) den Eindruck der Legitimation erweckt, wissen wir noch nicht, welche Aktivitäten Wissenschaftler im Social Web ausführen, für welchen Zweck sie Social Media nutzen und wie altmetrische Indikatoren auf Basis dieser Aktivitäten zu interpretieren sind.

Der Vortrag wird diese Fragen auf Basis aktueller Forschungsergebnisse diskutieren.

Article-Level Metrics aus der Sicht eines Open-Access-Verlages
Martin Fenner (PLoS, Hannover)
Abstract | Video

Metriken spielen in der Evaluation von Wissenschaft eine zunehmende Rolle. Diese basieren traditionellerweise auf der Anzahl der Zitate einer Publikation in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift, eine besondere Rolle spielt dabei der Journal Impact Factor. In den letzten Jahren sind zunehmend neue Metriken entwickelt worden, die

  • eine einzelne wissenschaftliche Arbeit beschreiben und nicht die Zeitschrift, in der die Arbeit publiziert wurde,
  • auch andere wissenschaftliche Arbeit neben der Publikation beurteilen, z.B. Forschungsdaten, und
  • neben Zitaten auch andere Datenquellen nutzen, wie z.B. Nutzungsstatistiken oder Diskussionsplattformen im Internet.

Der Open-Access-Verlag Public Library of Science (PLoS) stellt seit 2009 für alle seine Artikel diese Metriken zur Verfügung, und stellt eine Open-Source-Software bereit, die auch von anderen Open-Access-Verlagen genutzt wird. In dem Vortrag wird der aktuelle Stand der Diskussion und verschiedenen Aktivitäten mit dem Schwerpunkt auf Open Access zusammengefasst.

Umsetzungsbeispiele für Repositorien
Ulrich Herb (SULB Saarbrücken)
Abstract

In dem Beitrag wird anhand von Praxis-Beispielen gezeigt, wie alternative Metriken in ein Repositorium eingebunden werden und wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Tools für die Messung ihres Impacts nutzen können.

Session 9: Medizinische Fachgesellschaften und Open Access (parallel)

Raum 284
Moderation: Ursula Arning (ZB MED) und Christian Gutknecht (SNF, Bern)
Abstract | Video

Deutsche und internationale Forschungsorganisationen positionieren sich inzwischen dezidiert zu OA und entwickeln neue Ansätze der Forschungsförderung (Horizon 2020). Im Rahmen dieser Tagung interessiert die Fragestellung, wie medizinische Fachgesellschaften angesichts dieser Tatsache zu OA stehen. So erläutert Joachim Jähne, warum OA innerhalb der DGCH kritisch bewertet wird, aus seiner Sicht jedoch der einzig gangbare Weg ist, um sich für die Zukunft auszurichten.  Die Sicht der Industrie auf OA-Publikationen bringt Moritz Wente in die Diskussion mit ein. Weitere Geschäftsmodelle, ihre Vor- und Nachteile und der Weg, wie es zu Kooperationen mit renommierten Verlagen gekommen ist, werden durch Anke Berger und Peter Schneider erläutert. Abschließend stellt Eckhart Hahn die Gründe vor, warum die Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) sich für ihre Zeitschrift für die OA-Publikationsplattform gms entschieden hat und wie seither ihr Publikationsweg verlaufen ist.

Open Access und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Herausforderungen bei der Implementierung eines eigenen OA-Journals
Joachim Jähne (DGCH, Hannover/Berlin)
Abstract

Die DGCH repräsentiert gegenwärtig mit den in ihr vereinigten chirurgisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften (FG) etwa 20.000 Chirurginnen und Chirurgen. Wegen der berechtigten Partikularinteressen der FG ist der Umgang mit dieser Binnenpluralität eine wesentliche Zukunftsaufgabe der DGCH. In diesem Kontext ist eine Neuausrichtung der DGCH notwendig, wobei ein DGCH-eigenes OA-Journal als ein mögliches, die verschiedenen FG einendes Projekt identifiziert wurde. Aufgrund des Bekenntnisses deutscher und internationaler Forschungsorganisationen zu OA und sich abzeichnender Veränderungen bei der Forschungsförderung – OA bei staatlich geförderten Projekten (EU-Papier „Horizon 2020) – wird OA die Printmedien nicht zuletzt auch wegen gesellschaftlicher Forderungen nach Transparenz und wegen individueller Präferenzen („Digital Natives“) ablösen. Innerhalb der DGCH wird OA aus mehreren Gründen kritisch bewertet: OA-Journals generieren zumindest anfänglich keine Impact-Faktoren und spielen für LOM (leistungsorientierte Mittelvergabe) keine Rolle. Der Peer-Review Prozess ist nicht gewährleistet, und der „Markt“ an OA-Zeitschriften ist kaum überschaubar. Darüber hinaus gestaltet sich die Finanzierung aus DGCH-eigenen Mitteln schwierig – ist ein OA-Journal der DGCH eine gemeinsame Aufgabe der FG? Die Bewältigung dieser Herausforderungen wird Zeit und viel Überzeugungsarbeit benötigen und dennoch sollte dieser neue Weg beschritten werden.

*Dieses Abstract spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Eine weitere Abstimmung in den Gremien der DGCH ist erforderlich.

Open Access in der operativen Medizin. Status, Chancen und Schwierigkeiten aus Sicht der Industrie
Moritz Wente (Aesculap AG,Tuttlingen)
Abstract

Es gibt eine zunehmende, fast nicht mehr überschaubare Anzahl an Open-Access-Journals mit besonderem Fokus auf die operative Medizin, insbesondere die Chirurgie und die Orthopädie. Diese Zeitschriften haben unterschiedliche Qualitäten hinsichtlich des Peer-Review-Verfahrens, der Herausgeberschaft und auch der Reputation, gemessen an der Aufnahme in Datenbanken und der Vergabe von Impact-Faktoren.

Chancen und Schwierigkeiten der Veröffentlichung in Open-Access-Journals werden sowohl aus dem wissenschaftlich-akademischen Blickfeld als auch aus der besonderen Perspektive der Industrie dargestellt. Als Chancen sind hier u.a. die freie Verfügbarkeit, die oftmals vereinfachten Möglichkeiten der Vervielfältigung und die schnellere Publikation zu nennen. Als Schwierigkeiten sind die (noch) fehlende Reputation und - wenn überhaupt vorhanden - die oft geringeren Impact-Faktoren anzuführen, die aus Sicht der Autoren eine Limitation hinsichtlich der akademischen Karriereplanung und der leistungs-orientierten Mittelvergabe darstellen können.

* Dieses Abstract und der Vortrag spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider.

Open Access oder doch subscription based? Suche nach einem Geschäftsmodell für das International Journal of Public Health
Anke Berger (Universität Bern), Sandra Nocera (SSPH Zürich)
Abstract

Das Open-Access-Modell wird vor allem aus dem Blickwinkel von Autoren, Lesern, Bibliotheken und der Öffentlichkeit diskutiert, die Forschung und deren Publikation finanziert. In diesem Vortrag soll die Perspektive der Herausgeber und des Eigentümers eines Mittelklasse-Journals dargestellt werden.

Das International Journal of Public Health ist ein Traditions-Journal und Eigentum der Swiss School of Public Health (SSPH+). Es wurde 2009-2013 von Springer im Subscription-Modell unter schlechten Konditionen für die Eigentümerin vertrieben. Deshalb wurde 2013 kriterienorientiert ein neues Geschäftsmodell gesucht. Primäre Ziele waren es, auf Open Access umzustellen und eine nachhaltig gesicherte Finanzierung für das Editorial Office zu finden. Neun Angebote verschiedener Verlage zeigten, dass beide Kriterien für ein Mittelklasse-Journal wie IJPH derzeit schwer zu erfüllen sind.

In der Präsentation werden (1) die Bedürfnisse der Herausgeber und Eigentümerin an ein Geschäftsmodell mit einem Verlag und (2) zur Verfügung stehende Angebote und Optionen erläutert. Chancen und Risiken des (Gold-) Open Access-Modells für ein Journal wie IJPH werden dargestellt und diskutiert sowie der Entscheid des jetzigen Geschäftsmodells begründet.

Kooperation der wissenschaftlichen Fachgesellschaft ISFG mit dem Verlag Elsevier zur Herausgabe der Zeitschrift Forensic Science International: Genetics
Peter M. Schneider (Universitätsklinikum Köln)
Abstract | Video

Die „International Society for Forensic Genetics" (ISFG) ist eine kleine, hoch spezialisierte Fachgesellschaft mit ca. 1.100 Mitgliedern weltweit. Der hohe Stellenwert und die rasante technische und wissenschaftliche Entwicklung der forensischen Genetik hatten den Vorstand vor ca. 10 Jahren darin bestärkt, einen Verlagspartner zur Herausgabe einer auf dieses Thema ausgerichteten Zeitschrift zu finden, da die ISFG sich mangels geeigneter professioneller Strukturen nicht in der Lage sah, ein solches Projekt selbst auf den Weg zu bringen.

Seit 2007 wird „FSI: Genetics" daher in Kooperation mit Elsevier veröffentlicht. Die Zeitschrift wird allen ISFG-Mitgliedern kostenlos als Print- und Online-Version zur Verfügung gestellt und durch Mitgliedsbeiträge finanziert. Eine Möglichkeit zur individuellen Open-Access-Publikation wird durch den Verlag angeboten.

Der große Erfolg der Zeitschrift ist durch einen stetig ansteigenden Impact Factor belegt, der inzwischen 3,8 erreicht hat. Darüber hinaus wird die Veröffentlichung der Beiträge des alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Kongresses in den „FSI: Genetics Supplement Series" von der ISFG finanziert, so dass diese ergänzende Zeitschrift im Sinne einer Open-Access-Publikation frei zugänglich ist.

GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung – Erfolgreiches Journal-Management durch OA
Eckhart Hahn (Universitätsklinikum Erlangen)
Abstract | Video

Die GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung (ZMA) entstand in der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) 1984 im Selbstverlag (Band 1-14). 1998 wurde sie als Supplement „Medizinische Ausbildung“ zu „Das Gesundheitswesen“ im Thieme-Verlag herausgegeben (Band 15-21).

Da die GMA das Recht auf den Namen besaß, konnte im Rahmen eines Konsortiums (DIMDI, ZB MED und AWMF) 2005 eine effiziente Möglichkeit als OA-Publikation gefunden, wobei die GMA als Herausgeber und das Konsortium als Verleger auftritt. Die ZMA wird seitdem im Portal „German Medical Science“ publiziert (Band 22-31). Die Rechte der GMA bzw. der Autoren der ZMA sind in neuer Weise geschützt.

Die Kosten können so niedrig gehalten werden, dass die GMA sie durch Mitgliedsbeiträge (€ 90/Jahr) tragen und die Publikationen für GMA-Mitglieder kostenfrei halten kann. Die ZMA hat seitdem zu einem ständigen Wachstum der GMA beigetragen, weil die Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die eigene Zeitschrift als erheblichen Mehrwert wahrgenommen haben.

15.00

Wrap Up

Raum 69
Video

Vorstellung des Tagungsortes 2015
Christian Fuhrer (Universität Zürich)
Video | Präsentation

Verabschiedung
Ortskomitee
Video