Die Repository-Infrastruktur der Leibniz-Gemeinschaft
Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. ist ein Zusammenschluss von 86 Einrichtungen, die Forschung betreiben oder wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Rund 6.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Wirtschafts-, Raumwissenschaften und Lebenswissenschaften ebenso wie in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurswissenschaften sowie der Umweltforschung. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute mehr als 14.000 Menschen bei einem Jahresetat von über einer Milliarde Euro.
Mit der Verabschiedung ihrer Open-Access-Leitlinie in 2007 hat die Leibniz-Gemeinschaft einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der Berliner Erklärung getan und fördert den freien Zugang zu wissenschaftliche Publikationen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihrer Einrichtungen. In die Praxis umgesetzt wird dies durch das im Aufbau befindliche Leibniz-Open-Access-Repository, über das die im Open Access verfügbaren Publikationen aus den Leibniz-Instituten in der Leibniz-Homepage zusammengeführt werden sollen.
Eine Umfrage unter den Bibliotheken der Leibniz-Institute ergab eine hohe Bereitschaft, auf der Basis fachlich organisierter Repositories an einer gemeinsamen Sicht auf die Open-Access-Publikationen aus der Leibniz-Gemeinschaft mitzuwirken. Getragen von den in der Leibniz-Gemeinschaft organisierten Fachinformationseinrichtungen und Zentralbibliotheken und in Kooperation mit der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek wird derzeit eine verteilte Repository-Infrastruktur aufgebaut, bei der sich die Gesamtsicht in der Leibniz-Homepage aus den fachlichen Sichten der beteiligten Fach-Repositories speist. Informationseinrichtungen mit nationalem Auftrag stellen sowohl Infrastruktur als auch organisatorische Unterstützung für die Leibniz-Institute bereit, so dass sich dort der notwendige Aufwand zum Einpflegen von Publikationen in ein Repository minimiert, gleichzeitig aber eine überregionale und internationale Sichtbarkeit der Open Access-Publikationen und Nachhaltigkeit der Dienstleistung erreicht wird. Die Repository-Infrastruktur der Leibniz-Gemeinschaft soll bis Ende 2009 ihren Pilotbetrieb aufnehmen.
Google Book Search - Chance für Open Access?
Die gerichtliche Einigung zwischen Google und den in den USA klagenden Verlagen/Autorenverband hat auch in Deutschland Aufsehen erregt. Verwertungsgesellschaften haben bereits ihren Widerstand angekündigt. Es stellt sich die Frage, ob die für die USA ins Auge gefasste Einigung, die es unter anderem zulässt, bis zu 20 % vergriffener Bücher darzustellen, und die für öffentliche US-Bibliotheken ein Terminal mit Einsichtsmöglichkeiten in den Gesamtbestand der gescannten vergriffenen Bücher vorsieht, den Bedürfnissen der Wissenschaftsautoren eher entgegenkommt als die rigide Haltung der deutschsprachigen Verwertungsgesellschaften und der Autorenverbände, die ja nicht mehr Zugang für die Öffentlichkeit wollen, sondern weniger. Eine Mehrheit von Wissenschaftsautoren ist ja für Open Access aufgeschlossen und würde nichts dagegen haben, wenn ihre Buchbeiträge (in der Sprache der Einigung: "Beilagen") komplett weltweit frei zugänglich wären. Würden hinreichend viele Autoren sich entsprechend artikulieren (im Augenblick wäre das nur theoretisch über die Teilnahme am Partnerprogramm möglich, künftig möglicherweise auch über die Ansprücheverwaltung der Einigung), würde Google Book Search zum größten (Gratis-) Open-Access-Repositorium werden. Es wäre also sinnvoll, eine möglichst weltweit operierende Organisation zu schaffen, die die Rechte von Wissenschaftsautoren, die Open Access (bzw. freie Lizenzen) wünschen, gegenüber Google und womöglich anderen digitalisierenden Organisationen wahrnimmt, eine Open-Access-Verwertungsgesellschaft gleichsam. Man könnte daran denken, in das geplante Urheber-Register entsprechende Einträge (auch über die Unterstellung von Publikationen unter freie Lizenzen) vorzunehmen. Der Beitrag erörtert diese Perspektiven.
Open Access aus Autorenperspektive: wachsende Bereitschaft zur Open Access Publikation durch positive Erfahrung als Leser
Ergebnisse einer Befragung von Wissenschaftlern als Autoren und Leser in Deutschland
Die ersten Studien zur Akzeptanz und Nutzung von Open Access unter Wissenschaftlern (z.B. DFG 2005) zeigen eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen hoher Akzeptanz internetbasierter, frei zugänglicher Publikationen (aus Leserperspektive) und begrenzter Bereitschaft eigene Publikationen als Open-Access-Publikation zu veröffentlichen (Autorenperspektive). Solche Ergebnisse wurden bestärkt durch enttäuschte Erwartungen mancher Open-Access-Plattformanbieter (z.B. von Repositories oder Archiven), die zwar auf großes Interesse bei Lesern stoßen, es aber sehr viel schwerer haben, Autoren zum Mitmachen zu gewinnen. Diese Diskrepanz zwischen Lesern bzw. als Autoren ist nicht nur dem Umstand geschuldet, dass (freiwilliges) Self-archiving den Autor Zeit und Mühe kostet, während der ungehinderte Zugang zu Publikationen dem Leser Zeit und Mühe spart, sondern auch den Anforderungen an wissenschaftliche Autoren, deren Anerkennung, beruflicher Aufstieg und Leistungsnachweis an Publikationen in renommierten Journalen und deren Zitation gekoppelt ist. Publikationsentscheidungen reflektieren notwendigerweise die in der Fachdisziplin anerkannte Hierarchie der Publikationsformen und deren Aufmerksamkeit unter den Fachkolleginnen.
Unsere Ergebnisse aus einer umfangreichen Wissenschaftlerbefragung (N=1800, 18 Fachdisziplinen, Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Deutschland, durchgeführt Ende 2007) zeigen allerdings, daß die Beteilung von Autoren an Open Access entscheidend davon abhängt, wie sie selbst als Leser auf Publikationen zugreifen: wer als Leser auf Open-Access-Zugänge zugreift, publiziert auch häufiger Open Access. Der Effekt steigender Open-Access-Nutzung beim Leser wirkt allerdings immer zeitverzögert, da er sich zunächst in der Publikationskultur des Faches verbreiten bzw. etablieren muß, bevor Wissenschaftler als Autoren ihre Publikationsentscheidungen davon leiten lassen (können). Vorreiter sind nach unseren Ergebnissen insbesondere erfahrene Wissenschaftler, die selbst viel publizieren.
Open Access Publishing – Eine differenzierte Betrachtung aus der Perspektiver unterschiedlicher Disziplinen
Die Diskussion rund um Open Access Publishing wird sehr intensiv, aber häufig auch sehr emotional, ja gar dogmatisch geführt. Befürworter wie Gegner dramatisieren häufig die Folgen, betrachtet aus der jeweiligen Perspektive (vgl. z.B. Zimmermann, 2009; Reuss, 2009). Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Open-Access-Debatte häufig pauschalierend geführt wird, und nicht die Situation verschiedener Disziplinen, ggf. in verschiedenen länderspezifischen Kontexten, berücksichtig wird.
Die sog. Zeitschriftenkrise wird allgemein als Auslöser der OA-Debatte betrachtet. Die empirischen Befunde insbesondere aus dem Bereich STM (Science, Technology, Medicine) werden dabei häufig verallgemeinert. Dazu kommt, dass letztendlich eine Reihe weiterer Faktoren zu grundsätzlichen Veränderungen des Ökosystems wissenschaftlicher Publikationen führen (Mierzejewska, 2008).
Betrachtet man aber z.B. die Ausgangslage im Bereich der Rechtswissenschaften, so entdeckt man markante Unterschiede gerade zu den STM Disziplinen oder den Sozialwissenschaften, mit denen die Rechtswissenschaften oft zusammen betrachtet werden. Wichtige Eigenheiten sind u.a. die Besonderheit von Rechtsdaten als Gegenstand des wissenschaftlichen Publizierens, die primär nationale Ausrichtung der Märkte, die klar mittelständisch und national geprägte Struktur rechtswissenschaftlicher Verlage, das weitgehende Fehlen einer Zeitschriftenkrise oder die Rolle der wissenschaftlichen Publikationen im Hochschulbereich. Auch die Welt des wissenschaftlichen Publizierens in den Rechtswissenschaften verändert sich, aber mit den kaum differenzierten Argumenten der OA-Debatte erweist man zumindest den Rechtswissenschaften keinen Dienst.
Die Perspektive der Geschichtswissenschaften wird z.B. in (Landes, 2009) aufgezeigt.
Im vorliegenden Beitrag wird versucht, eine differenzierte Diskussion unter der Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Ausgangslagen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu führen. Neben einer Studie zum Thema des Beitrags im Kontext der Rechtwissenschaften wird eine Bachelorarbeit im Studiengang Informationswissenschaft an der HTW Chur in den Beitrag einfliessen, welche im Sommer 2009 fertiggestellt wird.
openlandscapes - eine Wissenssammlung für die Landschaftsforschung
Ziel: Unterstützung des freien Zugangs zu den wissenschaftlichen Informationen aus der Landschaftsforschung über ein erweitertes Open Access Repositorium.
Hintergrund: Landschaftsforschung ist ein hochgradig interdisziplinäres Arbeitsgebiet. Um sich in dem dazu vorhandenen und wachsenden Wissen orientieren zu können, benötigen Wissenschaftler, neben der Informationsbereitstellung über publiziertes Wissen, kontinuierlich aktuelle Informationen zur laufenden Forschung, neueste Forschungsergebnisse, einen zentralen Fundort für Kerninformationen sowie ein interpretiertes und wachsendes Fachvokabular.
Ergebnisse: Hierzu hat das Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Kooperation mit der International Association of Landscapes Ecology (IALE) ein spezifisches Internetportal entwickelt: openLandscapes. Es handelt sich um ein "living"-Informationsportal mit Open-Access-Ansatz. Dies bedeutet, dass sowohl für die Informationseinspeisung, Prüfung und Weiterentwicklung, als auch für die Qualitätssicherung die Nutzer des Portals besondere Aufgaben übernehmen.
openLandscapes stellt unter anderem Informationen zu aktuellen Forschungsaktivitäten bereit und bietet den Nutzern die Möglichkeit eine eigene Wiki zu landschaftsbezogenen Inhalten aufzubauen. Datenrepositorien für die Landschaftsforschung (u.a. für Modellentwicklungen und –validierungen) sollen zukünftig das Angebot ergänzen.
Hauptbestandteile der ersten Ausbaustufe dieses Portals sind desha
- Eine Projektdatenbank zu international laufenden sowie geplanten Forschungsaktivitäten. Aus den Eingaben der Nutzer entsteht zudem schrittweise eine Datenbank zu Experten sowie Forschungseinrichtungen zur Landschaftsforschung.
- Die openLandscapesWIKI mit einem strukturierten Teil von separaten, etablierten, Begriffsdefinitionen sowie dem Wiki-Teil für gemeinsame Erarbeitung von Definitionen und Erläuterungen.
Das Besondere an openLandscapes ist, dass alle fachlichen Inhalte so gespeichert und organisiert werden, dass sie aktiv untereinander vernetzt werden, u.a. mit Fachbergriffen, Experten oder Institutionen, in einer späteren Stufe dann zukünftig auch mit Daten.
Qualitätssicherung, Impact Factor und Open Access – eine schwierige Beziehung!
Open-Access-Zeitschriften haben mit dem Problem zu kämpfen, dass oft Zweifel an ihrer Qualität geäußert und ihnen das Fehlen des berühmt-berüchtigten Impact Factors vorgeworfen wird.
Wenn man das Begutachtungsverfahren, das durchaus umstritten ist, als Qualitätsmaßstab anerkennt, brauchen die Open-Access-Zeitschriften keinen Vergleich zu scheuen: Ein weitaus höherer Prozentsatz dieser Zeitschriften praktiziert eine Begutachtung als von wissenschaftlichen Zeitschriften insgesamt!
Beim Impact Factor ist die Bilanz weniger positiv: nur ein kleiner Anteil der Open-Access-Zeitschriften trägt dieses Qualitätssiegel – wenn man es denn als solches anerkennt, denn der Impact Factor muss sich noch wesentlich schärfere Kritik gefallen lassen als die Begutachtung. Was müsste geschehen, um den ungünstigen Einfluss des Impact Factors auf Open-Access-Zeitschriften zu mindern und ihre eigenen Vorzüge stärker zu betonen?
Da sich das Wissenschaftssystem hinsichtlich seiner eigenen Bewertungsmaßstäbe überraschend konservativ verhält, ist diese Frage nicht leicht zu beantworten. Der Vortrag erhebt nicht den Anspruch, dieses diffizile Problem zu lösen, will aber ein paar Denkanstöße dazu liefern.
Open Access in Geschäftsmodellen von Verlagen
Ob Publikationsgebühren, hybride Ansätze, oder Trägerschaften – die Finanzierung von Open Access Inhalten erfolgt durch eine Vielzahl von Geschäftsmodellen, die sich sehr stark von den traditionellen Abonnement-gebundenen Modellen unterscheiden.
Der Vortrag gibt zunächst einen Überblick über die gängigsten Ansätze. Im zweiten Teil wird näher auf die Modelle eingegangen, die bei Copernicus Publications Anwendung finden. Hierbei werden Beispiele gegeben und die Kostenstruktur wird analysiert.




















