Aktivitäten/Strategien des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zu Open Access

Fabian Jeker, SNF

Gemeinsam mit anderen Schweizer Wissenschaftsorganisationen hat der SNF 2006 die Berliner Erklärung unterzeichnet und damit seine Absicht bekräftigt, in der Schweiz die Bestrebungen zur Etablierung des Open Access (OA) zu unterstützen. Die Federführung zum Thema OA liegt in der Schweiz bei den Hochschulen/Bibliotheken, welche für die Repositorien zuständig sind. Der SNF verfolgt die Entwicklung von OA, trifft bei Bedarf weitere Massnahmen im Bereich For-schungsförderung und stimmt die Massnahmen auf die Bestrebungen der Hochschulen ab. Die im Herbst 2007 erlassenen OA-Bestimmungen1
In seiner Planungseingabe 2012-2016 zu Handen der Bundesbehörden schlägt der SNF vor, mit-telfristig den goldenen Weg für Zeitschriftenartikel und Kongressbeiträge aus von ihm geförderter Forschung anzustreben. Für Monographien und Editionen sind geeignete Lösungen noch zu fin-den. Vorgesehen ist, Kosten für Publikationen in OA-Journals als Teil der Forschungsförderung bei den normalen Projektkosten anzurechnen. Die Umsetzung der Massnahme ist abhängig von den Entscheiden von Bundesrat und Parlament, welche die entsprechenden Zusatzmittel für das SNF-Budget bewilligen müssen. bezüglich der vom SNF geförderten Forschungs-resultate verpflichten die Beitragsempfangenden zur Selbstarchivierung (grüner Weg). Eine Aus-nahme gilt für Monographien und Editionen. In der Einführungsphase legte der SNF das Schwergewicht auf Sensibilisierung und Information der Forschenden zu Open Access. Im Ver-lauf 2011 wird der SNF ein Outputmonitoring umsetzen und 2012 über konsolidierte Ergebnisse zum Umsetzungsstand von Open Access verfügen, auf deren Grundlage er über allfällige weitere Massnahmen zur Förderung von Open Access entscheiden wird.
Unter Leitung der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) befasst sich derzeit eine Arbeitsgruppe mit der Erarbeitung von OA-Geschäftsmodellen für die Geistes- und Sozialwissenschaften in der Schweiz mit besonderer Berücksichtigung von Mono-graphien und Editionen. Auf europäischer Ebene ist eine Arbeitsgruppe der European Heads of Research Councils (EUROHORCs) daran, eine gemeinsame OA-Strategie für die Forschungsför-derungsorganisationen zu erarbeiten. Der SNF wirkt in beiden Arbeitsgruppen mit.

SCOAP³: Die Open-Access-Strategie einer Disziplin

Annette Holtkamp, European Organization for Nuclear Research (Cern)

In Fortsetzung der langen Open-Access-Tradition in der Hochenergiephysik (HEP) arbeitet die SCOAP3-Initiative (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics) darauf hin, das Gros der HEP-Zeitschriftenliteratur unter Wahrung der bestehenden hohen Qualitätsstandards für jedermann frei zugänglich zu machen. 

In diesem Modell werden Peer Review und andere Dienste der Verlage zentral durch Förderorganisationen und Bibliotheken finanziert. Die Umlenkung bestehender Subskriptionsfonds ermöglicht den Übergang zu Open Access ohne zusätzliche Kosten für Bibliotheken oder Forschungsgruppen. 

In diesem Beitrag werden der gegenwärtige Stand der Initiative und die nächsten Schritte vorgestellt. 

Die Open-Access-Strategie des KIT

Frank Scholze, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist am 1. Oktober 2009 aus dem Zusammenschluss des Forschungszentrums Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und der Universität Karlsruhe hervorgegangen. Damit entstand eine der weltweit größten Forschungs- und Lehreinrichtungen mit dem Potential und dem Anspruch, in Gebieten wie der Energieforschung oder der Nanotechnologie eine Spitzenposition einzunehmen.

Das Präsidium des KIT verabschiedet im März 2010 eine Grundsatzposition zu Open Access. Mit dieser macht das KIT deutlich, dass Open Access eine zukunftsweisende Strategie der Wissenschaftskommunikation ist.

Bereits an den Vorgängereinrichtungen des KIT wurden Servicestrukturen rund um Open Access betrieben. Diese werden nun unter dem Dach KIT zusammengeführt. Die KIT-Bibliothek fördert und begleitet diesen Prozess federführend. So betreibt sie beispielsweise den Open-Access-Verlag KIT Scientific Publishing und integriert die Publikationsdatenbanken und Repositorien des KIT im Rahmen des neu einzuführenden Forschungsinformationssystems KIM-FIS.

Der Beitrag beschreibt die strategischen Überlegungen bei der Implementierung von Open Access an einer Institution international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Darüber hinaus wird ein Einblick in die bisher realisierten praktischen Aktivitäten gegeben.

Das Wissenschaftsurheberrecht in der Urheberrechtsreform

Timo Ehmann, Aktionsbündnis Urheberrecht

Timo Ehmann wird über die rechtlichen und politischen Aspekte des Wissenschaftsurheberrecht in der Diskussionen um das dritte Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft (3. Korb) sprechen. Er wird u.a. darlegen, dass beim Abschluss eines Verlagsvertrags ein Machtungleichgewicht herrscht, das im Interesse der Autoren und im Interesse der Allgemeinheit am Zugang zu Fachinformationen einen gesetzgeberischen Eingriff in Vertragsfreiheit von Autoren und Verlagen rechtfertigt. Thematisiert wird auch die Frage nach einer Anbietungspflicht für Autoren und die Chancen einer allgemeinen Wissenschaftsschranke.