Kollaboration in der Übersetzungshermeneutik

Zu Session 1: Wie kommunizieren (mit) WissenschaftlerInnen über Open Access?

Marco Agnetta (Universität des Saarlandes)

Seit Anbeginn der Philosophie ist das Hinterfragen dessen, was „ist“, immer eine Gemeinschaftsleistung gewesen und bis heute ist die Komplementarität und die Mitberücksichtigung mitunter sogar divergierender Forschungslinien notwendigerweise ein konstitutives Merkmal des wissenschaftlichen Diskurses. Das Open-Access-Prinzip und die durch die neuen Medien sich bietenden Möglichkeiten der weltweiten und zeitökonomischen Vernetzung sind im Begriff, die Forschung und die Präsentation von Forschungsergebnissen nachhaltig zu prägen. Der notwendig kollaborative Aspekt des wissenschaftlichen Fortschritts geht bei aller Skepsis in der Science Community dennoch in eindrucksvoller Weise als Konstante hervor.

Hosting im Rahmen eines Fachinformationsdienstes: Erfahrungen aus der Neugründung einer Open Access Zeitschrift – Das “Journal of Social and Political Psychology” auf OA-Publikationsplattform PsychOpen

zu Session 2: OA und Journals

Armin Günther (ZPID)

Die Neugründung einer Open-Access-Fachzeitschrift ist ein Unterfangen, das sorgfältig geplant werden muss, wenn sie mit Aussicht auf Nachhaltigkeit erfolgen soll. Neben der institutionellen Einbindung der Neugründung sind vor allem Maßnahmen, die darauf abzielen, wissenschaftliches Renommee (“impact”) aufzubauen, von wesentlicher Bedeutung. Eine enge Zusammenarbeit von Verlag/Infrastruktureinrichtung und wissenschaftlichen Herausgebern ist hier unverzichtbar. Nur wenn es gelingt, der Zeitschrift Ansehen in der wissenschaftlichen Community zu verschaffen, kann eine Neugründung nachhaltig erfolgreich sein.

Im Vortrag soll der Prozess der Neugründung einer OA-Fachzeitschrift am Fallbeispiel des “Journal of Social and Political Psychology” (JSPP) diskutiert werden, mit Betonung der Chancen und Herausforderungen, die sich aus dem Open Access Modell ergeben. Das JSPP ist ein gemeinsames Projekt von PsychOpen, der Open-Access-Publikationsplattform für die Psychologie und dem wissenschaftlichen Herausgeberteam um Christopher Cohrs von der Jacobs University Bremen und Johanna Vollhardt von der Clark University, USA. Der Start der Zeitschrift ist für das laufende Jahr geplant.

Mit PsychOpen stellt das Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) eine OA-Publikationsplattform für die (europäische und internationale) Psychologie-Community bereit. 2012 wurde der Produktionsbetrieb mit vier Zeitschrift aufgenommen. Zwei weitere Zeitschriften werden im laufenden Jahr folgen. PsychOpen verzichtet auf Autorengebühren und hebt damit die finanzielle Hürde für Autoren auf. Die Hürde, bei einer in der Community nicht etablierten Zeitschrift zu publizieren und die damit verbundene Gefahr einer negativen Selektion von Beiträgen, lässt sich dagegen weniger leicht aufheben.

Gerade hier kommt dem wissenschaftlichen Herausgeberteam eine besondere Bedeutung zu. Bereits bei der Gewinnung des Editorial Boards wurde Wert auf eine intensive Verankerung in der Fachcommunity gelegt. Ohne nennenswertes Marketingbudget, durch konsequente Nutzung sozialer Medien, ist es dem JSPP-Team außerdem gelungen, bereits vor Erscheinen der ersten Artikel in kurzer Zeit über 500 registrierte Nutzer zu gewinnen. Diese sowie weitere wichtige Aspekte der Neugründung einer OA-Zeitschrift werden im Vortrag vorgestellt.

Open Data in der zeitgeschichtlichen Forschung – Chancen und Probleme

zu Session 3: Umgang mit Forschungsdaten

Jens Crueger

In meiner zeitgeschichtlichen historiographischen Forschung arbeite ich nahezu ausschließlich mit archivierten textlichen Quellen, die in der Regel inhaltlich noch nicht näher erschlossen sind. Die Zugänglichkeit für andere Wissenschaftler, die an den gleichen Quellen forschen wollen, ist zwar durch die jeweiligen Archive gewährleistet, bedeutet jedoch einen nicht geringen zeitlichen und somit ggf. auch finanziellen Aufwand.

Zur inhaltlichen Bearbeitung werden die archivalischen Quellen durch Scan, Fotografie oder Abschrift digitalisiert. Die für Open Data entscheidende Frage lautet, inwieweit und unter welchen Voraussetzungen die dabei entstehenden Digitalisate jenseits ihres genuinen Forschungskontextes durch offene Zugänglichmachung fruchtbar für die allgemeine Forschung werden können.

In diesem Zusammenhang ist auch über geeignete technische Lösungen für den offenen Zugriff nachzudenken. In kleinen kollaborativen Projekten habe ich mit unspezifischen Lösungen zum vernetzten Datenaustausch (Dropbox, universitäres Intranet) durchaus positive Erfahrungen gesammelt. Im Kontext von Open Access kann aber auch etwa über umfangreichere Quellenanhänge an den digitalen Forschungspublikationen nachgedacht werden, um zumindest die unmittelbar zur Forschung herangezogenen Quellendokumente auf diese Weise leicht zugänglich zu machen.

Eine intensive Debatte über die Möglichkeiten von Open Data in der Geschichtswissenschaft ist erstrebenswert und aufgrund der großen Zahl anfallender retrodigitalisierter Quellendokumente auch sehr lohnend.

Open Access in den Gesundheitswissenschaften: Anspruch versus Praxis

zu Session 3: Umgang mit Forschungsdaten

Anke Steckelberg (Universität Hamburg)

Die Forschungsfragen in den Gesundheitswissenschaften erfordern ein breites Spektrum an qualitativen als auch quantitativer Methoden. Somit liegen sehr unterschiedliche Daten vor: Bild und Tonaufzeichnungen einschließlich der Transkripte von Einzelinterviews und Gruppendiskussionen, Fragebögen in Papierform oder digitaler Form aus Surveys oder Interventionsstudien. In die Erstellung von Übersichtsarbeiten werden Originalarbeiten eingeschlossen.

Für die Erstellung von Übersichtsarbeiten ist es inzwischen breit akzeptiert, dass sowohl die Evidenz aus publizierten als auch unpublizierten Forschungsarbeiten einzubeziehen ist, um zum Beispiel Behandlungseffekte abschätzen zu können. In der Medizin liegen für das Monitoring klinischer Studien Regelungen über den Austausch relevanter Daten vor, die sich sowohl wissenschaftlich als auch ethisch begründen. In der Genomforschung strebt das Konsortium “global alliance” Standards für “data sharing” für DNA Sequenzen, kombiniert mit klinischen Informationen an.

Die mit Open Access verbundenen Herausforderungen werden in den eigenen Studienplanungen bisher weder hinsichtlich datenschutzrechtlicher Bestimmungen noch hinsichtlich der Bestimmungen der Ethikkommissionen geprüft. Anfragen anderer Wissenschaftler zu unseren Forschungsdaten sind bisher selten und können dann nur auf Anfrage realisiert werden. Die Umsetzung von Open Access erfordert neben der Bereitschaft der Wissenschaftler zunächst den Austausch über Mindestanforderungen und Barrieren in der Aufbereitung der Daten.

Open Data in den Gesundheitswissenschaften könnte die Qualität wissenschaftlicher Forschung verbessern und damit gleichzeitig dem Bürger als Abnehmer von Gesundheitsleistungen nutzen.

DigiZeitschriften - Nutzung und Impact der Open-Access-Zeitschriften im Vergleich mit Subskriptions-Titeln

Caren Barbara Schweder (DigiZeitschriften e.V., Göttingen)

zu Session 5: Impactmessung

DigiZeitschriften ist ein seit zehn Jahren etablierter Service zur
Literaturversorgung, der von vierzehn deutschen Bibliotheken (wie z.B.
SBB, BSB, ZBW, TIB) mit Sitz an der SUB Göttingen betrieben wird. Der Verein bietet zunehmend auch Zeitschriften im Open Access an, deren Nutzungsintensität im Vergleich zu den Titeln analysiert wird, die aufgrund der urheberrechtlichen Lage nur über Subskription verfügbar sein können. Sowohl Abonnenten wie auch Verlage und die Verwertungsgesellschaften orientieren sich zunehmend an Nutzungsstatistiken. Für all' diese Interessen und Anwendungsfälle aussagekräftige und valide Nutzungsstatistiken zu ermitteln, ist eine große Herausforderung. Daher wird es immer wichtiger verlässliche und aussagekräftige Informationen über die Nutzung, aber auch über den Impact der angebotenen Inhalte zu erhalten.

C3S: Cultural Commons Collecting Society

Zu Session 6: Rechtliche Aspekte des Open Access

C3S: Cultural Commons Collecting Society – auch ein Modell für den Textbereich?

Michael Weller

Im Musikbereich hat sich Anfang 2010 eine Initiative gebildet, die die Gründung einer eigenen Verwertungsgesellschaft für frei lizenzierte Musik vorantreibt. Aktuell (Stand Februar 2013) steht die Verwertungsgesellschaft kurz vor der Gründung. Hintergrund der Gründungsbemühungen ist das Gefühl der Musikerinnen und Musiker, durch die etablierte Verwertungsgesellschaft nicht oder nicht hinreichend vertreten zu werden und die eigenen Interessen nicht hinreichend gewahrt zu sehen.

Die Cultural Commons Collecting Society (C3S) soll als europäische Genossenschaft (SCE) gegründet werden und ist von ihrer Anlage nicht auf Musik beschränkt, sondern nach dem derzeitigen Stand der Planungen in der Lage, auch Urheber aus anderen Bereichen aufzunehmen und ihre Interessen zu wahren, soweit für den jeweiligen Bereich eine kritische Masse, d.h. eine ausreichende Zahl von Wahrnehmungsberechtigten und ein für den Geschäftsbetrieb notwendiges Rechtebündel erreicht werden kann.

Es ist erklärtes Ziel der Gründungsinitiative, vergütungsrelevante Vorgänge in den Geschäftsbereichen medienbruchfrei und für den Urheber wie den Nutzer einfach und transparent abzuwickeln.

Gleichwohl ist eine Reihe von Fragen noch offen. Hierzu gehört z.B. der im Falle freier Lizenzierung verbleibende Raum für vergütungspflichtige Nutzungen. Dies zu beurteilen ist eine Frage der gewählten Lizenzierungsform. Ob der verbleibende Raum als ausreichend zu bewerten ist und ob es vor dem Hintergrund bestehender Finanzierungsmodelle sinnvoll ist, eine weitere Verwertungsgesellschaft als zentrale Rechteverwaltung einzuschalten, soll zum Gegenstand einer Diskussion gemacht werden.

In einem kurzen Impulsreferat soll daher aufgezeigt werden, inwieweit gängige Lizenzierungen wie etwa Creative Commons und DiPP durch den Urheber Raum für die Tätigkeit einer Verwertungsgesellschaft lassen und inwieweit die Zentralisierung für Urheber und Nutzer unter Berücksichtigung einer möglichen Verzahnung mit weiteren Diensten wie OA‐Statistik sinnvoll sein kann. Die Diskussion soll eine erste Einschätzung ermöglichen, ob es eine sinnvolle VG‐Tätigkeit im betrachteten Bereich geben kann und wie diese auszugestalten sein würde.

Beratung, On-Demand-Druck und Vertrieb

zu Session 7: Verlage und OA

Markus Neuschäfer

Auch bei den neuen Formen der Wissenschaftskommunikation sind verlegerische Kompetenzen gefragt: Neben der Beratung bei der Konzeption lässt sich durch die Zusammenarbeit mit Self-Publishing-Plattformen eine höhere Sichtbarkeit erreichen. Für den Druck digitaler Repositorien und den Vertrieb stehen eingespielte Workflows bereit, um innovative Vorhaben kostensparend und effizient umzusetzen. Der Vortrag stellt anhand von Beispielen drei Wege vor, wie die Zusammenarbeit mit Self-Publishing-Plattformen zu Open-Access-Projekten beiträgt:

  • Print-on-Demand-Lösungen für digitale Repositorien, zusammen mit der Humboldt-Universität, der TU Berlin, und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg:

      - automatisierter Print-on-Demand-Workflow

      - OAI-Schnittstelle

      - kostensparende Vertriebslösung

  • Verlags-Imprints und Print-on-Demand-Schriftenreihen, zusammen mit dem Mikrotext-Verlag und der Max-Planck Research Library for the History of Science (Edition Open Access)

- Print-on-Demand-Lösung (Edition Open Access)

- Virtuelle Verlags-Imprints auf Wunsch möglich (z.B. mikrotext)

- Unterstützung bei Druckvorbereitung und Qualitätssicherung

- Vertrieb über Amazon, den Buchhandel (VLB) und E-Book-Plattformen

  • Open-Access-Publikationen in Verbindung mit eBooks, zusammen mit der Willi-Baumeister-Stiftung, Stuttgart

    - Open-Access-PDF mit CC-Lizenz

    - Layout durch renommierte Grafikerin

    - Verknüpfung mit OA-Bilddatenbanken (z.B. prometheus-bildarchiv.de/)

    - ergänzender E-Book-Vertrieb über die wichtigsten Shops (Amazon, Apple, Kobo)

Epubli ist als innovatives Online-Unternehmen seit 2008 erfolgreich im Markt. Wir ermöglichen Internetnutzern, ihre Texte einfach, in Top-Qualität und kostengünstig drucken zu lassen – ab Auflage 1. Zusammen mit unseren Partnerinstitutionen ermöglichen wir innovative, Open-Access-freundliche Lösungen für neue Wege der wissenschaftlichen Publikation.