Postersession
Bei der Postersession werden die folgenden Poster zu Abschlussarbeiten im Bereich Open Access vorgestellt:
- Peer-Review-Verfahren zur Qualitätssicherung von Open-Access-Zeitschriften – systematische Klassifikation und empirische Untersuchung (Dr. Uwe Müller, Humboldt-Universität zu Berlin)
Die Zuschreibung wissenschaftlicher Qualität zu Veröffentlichungen ist klassischerweise eng mit Begutachtungsprozessen verbunden, mit deren Durchführung im Vorfeld der eigentlichen Publikation ein Mindestmaß an Qualität gesichert werden soll. Auch wenn diese so genannten Peer-Review-Verfahren seit Jahrzehnten Gegenstand teils grundsätzlicher Kritik sind, bildet dieser Ansatz in den Augen der meisten Wissenschaftler/innen noch immer das Mittel der Wahl für eine effektive Qualitätssicherung. Er ist vor allem für wissenschaftliche Zeitschriften etabliert, seine konkrete Ausgestaltung trägt erheblich zum Renommee der jeweiligen Publikation bei. Währenddessen stehen die stets an Bedeutung gewinnenden Open-Access-Zeitschriften unter dem Verdacht, geringere Qualitätsmaßstäbe anzusetzen und Artikel zu publizieren, die zuvor keine oder eine weniger strenge Kontrolle durchlaufen haben. Im Rahmen einer Dissertation wurde eine umfassende Studie durchgeführt, in der die Peer-Review-Verfahren von weltweit mehr als 1.200 wissenschaftlichen Open-Access-Zeitschriften untersucht und miteinander verglichen wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die meisten Open-Access-Zeitschriften tatsächlich Peer-Review-Verfahren einsetzen, und legen außerdem nahe, dass eine große Bandbreite unterschiedlicher Verfahren und Eigenschaften von Peer Review existieren – etwa die gegenseitige Anonymität von Autor/innen und Gutachter/innen, der Informationsfluss, das Verfahren zur Auswahl der Gutachter und formale Regelungen in Bezug auf mögliche Interessenkonflikte. Dabei hängt das Aussehen eines konkreten Begutachtungsprozesses wesentlich von dem Wissenschaftsgebiet und der Art des Verlegers der betreffenden Zeitschrift ab. Die Studie zeichnet ein vielfältiges Bild und zeigt, dass die wissenschaftliche Qualität der veröffentlichten Beiträge insbesondere auch für Open-Access-Zeitschriften ein bestimmendes Thema ist. - Maßnahmen zur Steigerung der Akzeptanz von Open-Access-Zeitschriften (Dr. Karin Weishaupt, Institut Arbeit und Technik) Im Verhältnis zu den vielen Erklärungen und Aktivitäten rund um Open Access ist die praktische Umsetzung noch immer gering. Im Rahmen einer Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin ist im Mai / Juni 2008 ist eine Befragung unter 1000 Autor/innen von Open-Access-Aufsätzen durchgeführt worden mit dem Ziel, Maßnahmen zur Akzeptanz-steigerung zu entwickeln. Welchen Nutzen sehen Autor/innen in Open Access? Welche Ziele verfolgen sie damit, speziell in Open-Access-Zeitschriften zu publizieren, und welchen Einfluss haben diese Ziele auf ihr Verhalten? Wie stehen sie zum Author-Pays-Modell? Welche Aspekte dieser Publikationsform werden besonders wichtig erachtet? Die Antworten auf diese und andere Fragen werden vorgestellt und daraufhin ausgewertet, welche Maßnahmen die Akzeptanz von Open-Access-Zeitschriften steigern könnten.
- Der Goldene Weg des Open Access-Publizierens - Anreize und Hindernisse aus Sicht wissenschaftlicher Autoren (Maria Bertele, Hochschule der Medien Stuttgart)
Die Bachelorarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt sich mit Anreizen und Hindernissen für eine Publikation auf dem Goldenen Weg aus Sicht von Autoren. Die Auswertung verschiedener Studien im Rahmen der Bachelorarbeit hat verdeutlicht, dass Wissenschaftler/innen einer dortigen Publikation oftmals noch skeptisch gegenüberstehen. Die vorherrschenden Vorbehalte wurden deshalb aufgegriffen und Open-Access-Zeitschriften im Kontext der Reputationssteigerung kritisch beurteilt sowie finanzielle und rechtliche Aspekte und die dauerhafte Verfügbarkeit der Publikationen beleuchtet. Dabei konnten verschiedene Anreize für Autor/innen herausgestellt werden: Neben einer maximalen Sichtbarkeit der Publikation erlauben vielfältige Darstellungs- und Vernetzungsmöglichkeiten neue Arten der Repräsentation der Ergebnisse, deren nachhaltige Verfügbarkeit durch „Persistent Identifier" gewährleistet ist. Im Kontext der Rezeption und Anerkennung durch Fachkollegen machen sich diese Vorteile bereits bemerkbar, denn Publikationen in Open-Access-Zeitschriften werden häufiger wahrgenommen und zumindest nicht seltener zitiert. Dazu tragen auch neuartige Peer-Review-Verfahren bei Open-Access-Zeitschriften bei. Der rechtliche Kontext bietet gegenüber einer Printpublikation einen entscheidenden Anreiz: Der Autor/die Autorin hält sich durch die Einräumung eines einfachen Nutzungsrechtes über Lizenzen die Möglichkeit offen, sein Werk noch anderweitig zu publizieren. Rechtssicherheit wird dabei auch durch verschiedene technische Maßnahmen gewährleistet. Kritisch zu sehen ist jedoch die Anerkennung von Publikationen in Open-Access-Zeitschriften: Die häufige Überbewertung des bei vielen Open-Access-Zeitschriften noch geringen Journal Impact Factors (JIF) u.a. seitens der Forschungsförderer ist dabei häufig ein Hindernis. Die öffentliche Positionierung von Wissenschaftsorganisationen und gerade die im STM-Bereich wachsende Zahl an Open-Access-Zeitschriften mit hohem JIF zeigt aber eine positive Entwicklung auf. Auch das zunächst abschreckende Author-Pays-Modell kann aufgrund der häufig übernommenen Finanzierung durch die jeweiligen Institutionen häufig zumindest nicht mehr als Hindernis gesehen werden. Insgesamt konnten in der Arbeit zahlreiche Anreize, aber durchaus auch einige Hindernisse für eine Publikation in einer Open-Access-Zeitschrift aufgezeigt werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass diese Hindernisse mit zunehmender Bekanntheit möglicherweise beseitigt und mehr Autoren für den Goldenen Weg gewonnen werden können. - Anforderungen an eine rechtliche Verankerung des Open Access Prinzips (Dr. Marcus Hirschfelder, Saarbrücken)
Im Zuge der Umsetzung der Vorgaben der Richtlinie 2001/29/EG zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft in deutsches Recht wurden de lege ferenda verschiedene Ansätze zur Normierung eines gesetzlichen Zugriffsrechts auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse zugunsten von Wissenschaft und Allgemeinheit diskutiert. Vorgeschlagen wurde mitunter, ein Zweitveröffentlichungsrecht zugunsten des Autors in einem neuen § 38 UrhG vorzusehen, wonach dem Urheber das unabdingbare Recht zukommen sollte, sein Werk 6 Monate nach der Erstveröffentlichung anderweitig — also bspw. auf der eigenen Webseite — öffentlich zugänglich zu machen. Auch eine Anbietungspflicht gegenüber der Hochschule in einem neuen § 43 Abs. 2 UrhG wurde erörtert. Hiernach soll die Hochschule innerhalb einer sechsmonatigen Frist entscheiden können, ob sie das Werk selbst veröffentlicht. Die genannten Umsetzungsvorschläge berücksichtigen jedoch nicht die internationalen und insbesondere europarechtlichen Vorgaben. Die Richtlinie 2001/29/EG enthält hierzu für die Mitgliedsstaaten verbindliche Vorgaben, sie normiert Rechte des Urhebers und Schranken zugunsten verschiedener Interessengruppen. Gerade der Schrankenkatalog der Richtlinie ist jedoch abschließender Natur, so dass neue Schranken auf mitgliedsstaatlicher Ebene europarechtlich unzulässig sind. Dies gilt auch für die genannten Vorschläge, die ihrem Wesen nach als Schrankenregelungen einzuordnen sind. Eine rechtliche Verankerung des Open-Access-Prinzips ist daher auf europäischer Ebene zu verorten. Eine nähere Untersuchung der Vorgaben der Richtlinie 2001/29/EG zeigt, dass diese als limitierende Faktoren auf die Verbreitung wissenschaftlicher Information wirken, mithin ein Reformbedarf besteht. Die genannten Vorschläge auf nationaler Ebene sind indes nicht geeignet, eine europarechtskonforme Umsetzung zu verwirklichen.



















