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FAQ

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Wie können Förderorganisationen Open Access unterstützen?

Förderorganisationen können die Verbreitung und Umsetzung von Open Access vor allem durch vier Arten von Maßnahmen unterstützen:

  • durch eine entsprechende wissenschafts- und förderpolitische Positionierung
  • durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung
  • durch die Schaffung der nötigen finanziellen Rahmenbedingungen
  • durch Infrastrukturförderung

 

Wissenschafts- und förderpolitische Positionierung

Ein wirkungsvolles Instrument zur Unterstützung von Open Access ist die Veröffentlichung einer Open-Access-Policy, mit der sich die jeweilige Förderorganisation klar positioniert und auf die sie ihre weitere Förderstrategie abstimmt. Es sollte geklärt sein, welche konkreten Fördermaßnahmen und -schwerpunkte sich aus der Positionierung zu Open Access für die Förderorganisation ergeben und unter welchen Bedingungen eine Förderung erfolgt. Eine mögliche Maßnahme ist die förderpolitische Gleichstellung von Open-Access-Publikationen und konventionellen Veröffentlichungsformen. Beispielsweise sieht die Förderpolitik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine finanzielle Unterstützung für Publikationskosten in Höhe von 750 Euro jährlich vor, die auch für Autorenbeiträge bei Open-Access-Publikationsformen verwendet werden kann (vgl. Merkblatt für Anträge auf Sachbeihilfen, S. 8).

Eine ganze Reihe von Förderorganisationen, darunter die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF), haben die Berliner Erklärung unterzeichnet. Auf europäischer Ebene haben sich die European Heads of Research Councils (EUROHORCs) und die European Science Foundation (ESF) in ihrer Vision eines europäischen Forschungsraums zum Ziel des freien Zugangs zu Ergebnissen aus öffentlich geförderter Forschung bekannt und einen Katalog von Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels vorgelegt. Eine Auswahl weiterer Positionierungen von Förderorganisationen finden Sie hier. Eine strategische Abstimmung der Unterstützung von Open Access mit anderen Förder- und Wissenschaftsorganisationen, wie sie die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen beispielsweise mit der Schwerpunktinitiative "Digitale Information" vorgenommen hat, kann insgesamt zielführend und empfehlenswert sein.

 

Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung

Die Open-Access-Policy der jeweiligen Förderorganisation und die mit ihr verbundenen Fördermaßnahmen und -schwerpunkte müssen klar kommuniziert und transparent gemacht werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tendieren dazu, die Verbreitung ihrer Forschungsergebnisse in bewährten konventionellen Publikationsformen dem Erproben neuer Verbreitungswege vorzuziehen. Dies gilt besonders, wenn sie die Haltung einer Förderorganisation zum Thema Open Access nicht kennen und davon ausgehen, dass elektronische Publikationen z.B. in Förderanträgen nicht das gewünschte Maß an Anerkennung finden. Einige, vor allem geisteswissenschaftliche Autorinnen und Autoren haben darüber hinaus Vorbehalte gegenüber Open Access, und es gilt, ihre Befürchtungen aufzunehmen und Vorurteile zu entkräften.

Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung können vielfältig sein und reichen von entsprechend gestalteten Seitenbereichen im Webauftritt der jeweiligen Förderorganisation über Broschüren und anderes Informationsmaterial bis zur Durchführung von Untersuchungen zum Kenntnisstand über Open Access bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Im Fall der Informationsplattform open-access.net fördert die DFG gezielt ein Projekt zur Steigerung des Bekanntheitsgrades von Open Access und zur Förderung der Vernetzung von Akteuren im Bereich Open Access. Andere Beispiele bilden etwa die Briefing Papers von JISC (Open Access), die Broschüre A Guide to Open Access des Wellcome Trust, die DFG-Studie Publikationsstrategien im Wandel oder auch die Web-Informationen der EU-Kommission zum FP7-Pilot.

 

Finanzielle Rahmenbedingungen

Das aus Sicht wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren sicherlich wichtigste Instrument der Unterstützung von Open Access durch Förderorganisationen ist die finanzielle Förderung des Open-Access-Publizierens. Im Zusammenhang mit der Open-Access-Policy sollte verlässlich Auskunft gegeben werden, in welchem Rahmen und unter welchen Vergabekriterien und -modalitäten Autorengebühren übernommen werden.

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Formen einer Übernahme von Open-Access-Publikationsgebühren in der Praxis von Förderorganisationen etabliert. Beispielsweise weist der Wellcome Trust einer Reihe von Universitäten sogenannte "block grants" zu, die diese dann für die Erstattung der Publikationskosten Hochschulangehöriger einsetzen können. Doch auch Einzelerstattungen sind möglich, für Wissenschaftler/innen von Universitäten, die keine block grants beziehen (s. A Guide to Open Access, S. 4). Das britische Research Information Network (RIN) empfiehlt Hochschuleinrichtungen die Schaffung zentraler oder dezentraler Fonds, aus denen Autorengebühren auf Antrag erstattet werden können, wobei hier die Bewerbungs- und Vergabekriterien besonders deutlich gemacht werden sollten (s. Paying for open access publication charges, S. 10f.). Die Praxis der Einrichtung solcher Fonds hat sich bislang nicht allgemein durchgesetzt; in Deutschland hat bislang allein die Universitätsbibliothek Bielefeld als Pilotprojekt einen Publikationsfonds eingerichtet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht eine finanzielle Unterstützung für Publikationskosten in Höhe von 750 Euro jährlich vor, die über die Projektlaufzeit akkumuliert und auch für Autorenbeiträge bei Open-Access-Publikationsformen verwendet werden können (vgl. Merkblatt für Anträge auf Sachbeihilfen, S. 8). Auch die Volkswagenstiftung und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung fördern ausdrücklich die Publikation von Forschungsergebnissen im Open-Access-Modell (s. Volkswagenstiftung Bewilligungsgrundsätze, S. 5; Alexander von Humboldt Stiftung. Richtlinien und Hinweise für Forschungsstipendiaten, S. 48).

Der FWF übernimmt ebenfalls Open-Access-Publikationskosten bis zu drei Jahren nach Abschluss des Projekts (vgl. Open-Access-Policy bei FWF-Projekten).

Die Europäische Kommission geht auf die finanziellen Regeln für eine Erstattung von Open-Access-Publikationskosten in einem Anhang zum FP7 Grant agreement ein (S. 18).

 

Infrastrukturförderung

Förderorganisationen können den Aufbau von Infrastrukturen anregen und unterstützen, die für die Weiterverbreitung und -entwicklung von Open-Access-Modellen nötig oder förderlich sind. Möglich sind Förderprogramme zur Unterstützung der Gründung, Expansion oder Transformation von Open-Access-Zeitschriften wie beispielsweise das Förderprogramm wissenschaftliche Zeitschriften der DFG oder Programme zur Verbesserung des quantitativen und qualitativen Angebots an disziplinären und institutionellen Repositorien. Im EU-Projekt DRIVER erfolgt in der derzeitigen zweiten Förderphase der Ausbau einer konsolidierten technischen Infrastruktur vernetzter Repositorien und die Initiierung einer Konföderation von Repositorien, in die nationale Netzwerke wie das deutsche Netzwerk von Open-Access-Repositorien integriert werden. Mehrere drittmittelgeförderte Projekte zielen auf die Entwicklung von Mehrwertdiensten auf Basis vernetzter Repositorien ab, so z.B. Open-Access-Statistik, oaps, PubLister oder PUMA.

 

 

Kann eine Förderorganisation von Förderungsempfängern fordern, dass diese ihre Forschungsergebnisse kostenfrei zugänglich machen?

Die Möglichkeiten, Förderungsempfängerinnen und -empfänger dazu zu verpflichten, ihre Forschungsergebnisse Open Access zur Verfügung zu stellen, finden ihre Grenzen in der (national unterschiedlich kodifizierten) Wissenschafts- und Publikationsfreiheit von Autor/innen und ggf. in wissenschaftspolitischen Interessenlagen. In vielen Rechtssystemen sind wissenschaftliche Autorinnen und Autoren grundsätzlich frei in der Entscheidung, ob und in welcher Form sie ihre Arbeitsergebnisse veröffentlichen, vgl. z.B. in Deutschland § 5 Abs. 3 GG sowie § 12 Abs. 1 UrhG.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bringt in ihren Verwendungsrichtlinien, die Bestandteil einer jeden Bewilligung sind, zum Ausdruck, dass sie von Förderungsempfängern erwartet, Projektergebnisse auch Open Access bereitzustellen. Dabei verweist die DFG auf die Möglichkeit, direkt in referierten bzw. renommierten Open-Access-Zeitschriften zu publizieren oder Beiträge zusätzlich zur konventionellen Publikation auf disziplinären oder institutionellen Repositorien einzustellen.

Auch der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF) fordert Wissenschaftler/innen in seiner Open Access Policy auf, (auch) Open Access zu veröffentlichen und "sich in Verlagsverträgen möglichst ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation ihrer Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung fest und dauerhaft vor[zu]behalten."

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) geht in seiner Weisung betreffend Open Access zu Forschungspublikationen (Juli 2007) noch einen Schritt weiter und verpflichtet seine Beitragsempfängerinnen und -empfänger grundsätzlich zur entgeltfreien Bereitstellung ihrer Forschungsergebnisse, sofern dem rechtlich nichts entgegensteht.

In ihrem Open-Access-Pilotprojekt im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms hat die EU sieben Bereiche ausgewählt, hierunter Energie, Umwelt, ICT, Forschungsinfrastrukturen sowie Wissenschaft in der Gesellschaft, in denen sie die Förderung an eine Open-Access-Veröffentlichung koppelt. Von den Projektnehmern wird erwartet, dass sie Zeitschriftenartikel auf einem institutionellen oder fachlichen Dokumentenserver bereitstellen, und dies möglichst innerhalb von sechs Monaten für die naturwissenschaftlich geprägten Bereiche bzw. zwölf Monaten für die geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereiche.

Britische und US-amerikanische Förderorganisationen binden die Vergabe von Fördermitteln an eine Open-Access-Publikation der aus geförderten Projekten hervorgehenden Forschungsergebnisse, so etwa der Wellcome Trust und die National Institutes of Health (s. Paying for open access publication charges, S. 6).

 

Warum unterstützen Wissenschaftsförderorganisationen Open Access?

Ein wichtiges Motiv ist die Erhöhung der nationalen und internationalen Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen und damit eine Stärkung des jeweiligen Wissenschaftsstandorts z.B. im internationalen Wettbewerb. Auch wenn interdisziplinäre Forschungen und internationale Kooperationen gefördert werden sollen, ist Open Access zentral, da in Zeiten enger Budgets oftmals die Mittel fehlen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Zugang zu Publikationen auch anderer Fächer zu ermöglichen. Dass die finanziellen Mittel zur Anschaffung aller möglicherweise forschungsrelevanten Ressourcen nicht mehr ausreichen, gilt längst nicht mehr nur für Schwellen- und Entwicklungsländer. Open Access publizierte Forschungsergebnisse sind optimal nachnutzbar. Open Access fördert die Transparenz von Forschungsergebnissen und erleichtert die wissenschaftliche Qualitätssicherung.

Ein ebenfalls oft genanntes, informationsethisches Motiv liegt in dem Ziel, einen Gegenwert zur öffentlichen Förderung von Forschung zu schaffen und eine Situation herbeizuführen, in der Forschungsergebnisse, die mit öffentlichen Geldern zustandekommen, möglichst auch öffentlich zugänglich sind und damit zum Nutzen aller zur Verfügung stehen.

Wo kann ich mich über die Open-Access-Policies anderer Förderorganisationen informieren?

Die SHERPA-JULIET-Datenbank informiert über Open-Access-Politicies von Förderorganisationen in Europa. Zusammengestellt sind Angaben darüber, ob Open Access unterstützt wird und in welcher Form und unter welchen Bedingungen dies geschieht. Eine Auswahl wichtiger Positionierungen finden Sie hier.

Darf ich Beiträge, die ich in Sammelwerken (z.B. Festschriften) veröffentlicht habe, auf dem Dokumentenserver meiner Einrichtung, auf einem fachlichen Dokumentenserver oder auf meiner Homepage veröffentlichen?

Im deutschen Recht können Sie sich auf § 38 Abs 1 und 2 UrhG berufen, in dem es heißt:

§ 38 UrhG: (1) Gestattet der Urheber die Aufnahme des Werkes in eine periodisch erscheinende Sammlung, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung. Jedoch darf der Urheber das Werk nach Ablauf eines Jahres seit Erscheinen anderweitig vervielfältigen und verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist.
(2)  Absatz 1, Satz 2 gilt auch für einen Beitrag zu einer nicht periodisch erscheinenden Sammlung, für dessen Überlassung dem Urheber kein Anspruch auf Vergütung zusteht.

Ob sich der Wortlaut des Gesetzestextes "Vervielfältigung und Verbreitung" nur auf die Verbreitung in körperlicher Form bezieht oder ob hier auch das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung im Sinne von § 19a UrhG, das für eine Online-Verbreitung notwendig ist, eingeschlossen wird, ist unter Juristen umstritten. Zweifelsfrei fällt daher nach Ablauf der Jahresfrist nur das Recht zum Nachdruck an den Autor/die Autorin. Der Spezialist für Bibliotheksrecht Eric Steinhauer geht davon aus, dass das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung nicht automatisch übertragen wird, wenn kein expliziter Verlagsvertrag geschlossen wurde: "Soweit nämlich ein Autor einem Verleger ohne nähere Vereinbarung für eine Zeitschrift oder eine Festschrift einen Beitrag zum Abdruck überlässt, kann nicht davon ausgegangen werden, der Verleger habe auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erworben." (Steinhauer, 2006). Dies hat zur Konsequenz, dass der Verleger ohne eine explizite vertragliche Absprache zu keinem Zeitpunkt ein Nutzungsrecht für eine Online-Verbreitung erworben hat. Der Autor ist damit grundsätzlich frei, Dritten die Online-Verbreitung seines Beitrages zu gestatten oder diese selbst vorzunehmen. Die Juristen Jörn Heckmann und Marc Philipp Weber legen in Kombination mit der allgemeinen Zweckübertragungsregel von § 31 UrhG den § 38 UrhG jedoch dahingehend aus, dass einerseits der Verlag auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erhält und andererseits die Autorin/der Autor nach einem Jahr nur das Recht der körperlichen Verbreitung des Werkes erhält - für eine Online-Bereitstellung reiche der Anwendungsbereich von § 38 UrhG nicht und könne daher nicht als Begründung für eine parallele Selbstarchivierung herangezogen werden (Heckmann & Weber, 2006, S. 2).

Unabhängig von den geschilderten juristischen Unklarheiten erklären sich viele Verlage nach Ablauf der Jahresfrist mit einer nachträglichen Online-Stellung einverstanden. Eine entsprechende Anfrage kann daher lohnend sein. Dies gilt auch für die Einschränkung im Gesetzestext, dass nur dann die Verwertung durch die Autorinnen und Autoren nach Jahresfrist möglich wird, wenn keine Vergütung für den Aufsatz gezahlt wurde. Viele Verlage erlauben inzwischen die Selbstarchivierung von Beiträgen allerdings auch dann, wenn Honorar bezahlt wurde.

Weitere Informationen

Darf ich Aufsätze, die ich in einer Zeitung veröffentlicht habe, auf dem Dokumentenserver meiner Einrichtung, auf einem fachlichen Dokumentenserver oder auf meiner Homepage veröffentlichen?

Bei der Veröffentlichung von Artikeln in Zeitungen werden in der Regel nur einfache Nutzungsrechte übertragen. Damit dürfen Autor/innen ihren Artikel direkt nach Erscheinen auch anderweitig bereitstellen. In anderen Fällen gilt:

§ 38 UrhG (3) Wird der Beitrag einer Zeitung überlassen, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber ein einfaches Nutzungsrecht, wenn nichts anderes vereinbart ist. Räumt der Urheber ein ausschließliches Nutzungsrecht ein, so ist er sogleich nach Erscheinen des Beitrags berechtigt, ihn anderweitig zu vervielfältigen und zu verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist.

Ob sich der Wortlaut des Gesetzestextes "vervielfältigen und verbreiten" nur auf die Verbreitung in körperlicher Form bezieht oder ob hier auch das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung im Sinne von § 19a UrhG, das für eine Online-Verbreitung notwendig ist, eingeschlossen wird, ist unter Juristen umstritten. Zweifelsfrei fällt daher nach nur das Recht zum Nachdruck an den Autor/die Autorin. Der Spezialist für Bibliotheksrecht Eric Steinhauer geht davon aus, dass das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung nicht automatisch übertragen wird, wenn kein expliziter Verlagsvertrag geschlossen wurde. Mit Bezug auf andere Arten von Sammlungen (Zeitschriften und Festschriften) schreibt er: "Soweit nämlich ein Autor einem Verleger ohne nähere Vereinbarung für eine Zeitschrift oder eine Festschrift einen Beitrag zum Abdruck überlässt, kann nicht davon ausgegangen werden, der Verleger habe auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erworben." (Steinhauer, 2006). Dies hat zur Konsequenz, dass der Verleger ohne eine explizite vertragliche Absprache zu keinem Zeitpunkt ein Nutzungsrecht für eine Online-Verbreitung erworben hat. Der Autor ist damit grundsätzlich frei, Dritten die Online-Verbreitung seines Beitrages zu gestatten oder diese selbst vorzunehmen. Die Juristen Jörn Heckmann und Marc Philipp Weber legen in Kombination mit der allgemeinen Zweckübertragungsregel von § 31 UrhG den § 38 UrhG jedoch dahingehend aus, dass einerseits der Verlag auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erhält und andererseits die Autorin/der Autor nach Erscheinen nur das Recht der körperlichen Verbreitung des Werkes erhält - für eine Online-Bereitstellung reiche der Anwendungsbereich von § 38 UrhG nicht und könne daher nicht als Begründung für eine parallele Selbstarchivierung herangezogen werden (Heckmann & Weber, 2006, S. 2).

Unabhängig von den geschilderten juristischen Unklarheiten kann eine Anfrage an den jeweiligen Verlag, ob er im Fall der Übertragung ausschließlicher Nutzungsrechte dennoch mit der parallelen Online-Stellung einverstanden ist, lohnend sein.


Weitere Informationen

Darf ich meine bereits in einer Zeitschrift veröffentlichten Artikel auf dem Dokumentenserver meiner Einrichtung, auf einem fachlichen Dokumentenserver oder auf meiner Homepage veröffentlichen?

Die gesetzliche Grundlage in Deutschland ist

§ 38 UrhG: (1) Gestattet der Urheber/die Urheberin die Aufnahme des Werkes in eine periodisch erscheinende Sammlung, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung. Jedoch darf der Urheber/die Urheberin das Werk nach Ablauf eines Jahres seit Erscheinen anderweit vervielfältigen und verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist.

Ob sich der Wortlaut des Gesetzestextes "vervielfältigen und verbreiten" nur auf die Verbreitung in körperlicher Form bezieht oder ob hier auch das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung im Sinne von § 19a UrhG, das für eine Online-Verbreitung notwendig ist, eingeschlossen wird, ist unter Juristen umstritten. Zweifelsfrei fällt daher nach Ablauf der Jahresfrist nur das Recht zum Nachdruck an den Autor/die Autorin. Der Spezialist für Bibliotheksrecht Eric Steinhauer geht davon aus, dass das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung nicht automatisch übertragen wird, wenn kein expliziter Verlagsvertrag geschlossen wurde: "Soweit nämlich ein Autor einem Verleger ohne nähere Vereinbarung für eine Zeitschrift oder eine Festschrift einen Beitrag zum Abdruck überlässt, kann nicht davon ausgegangen werden, der Verleger habe auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erworben." (Steinhauer, 2006). Dies hat zur Konsequenz, dass der Verleger ohne eine explizite vertragliche Absprache zu keinem Zeitpunkt ein Nutzungsrecht für eine Online-Verbreitung erworben hat. Der Autor ist damit grundsätzlich frei, Dritten die Online-Verbreitung seines Beitrages zu gestatten oder diese selbst vorzunehmen. Die Juristen Jörn Heckmann und Marc Philipp Weber legen in Kombination mit der allgemeinen Zweckübertragungsregel von § 31 UrhG den § 38 UrhG jedoch dahingehend aus, dass einerseits der Verlag auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erhält und andererseits die Autorin/der Autor nach einem Jahr nur das Recht der körperlichen Verbreitung des Werkes erhält - für eine Online-Bereitstellung reiche der Anwendungsbereich von § 38 UrhG nicht und könne daher nicht als Begründung für eine parallele Selbstarchivierung herangezogen werden (Heckmann & Weber, 2006, S. 2).

Unabhängig von den geschilderten juristischen Unklarheiten kann eine Anfrage an den jeweiligen Verlag, ob er im Fall der Übertragung ausschließlicher Nutzungsrechte dennoch mit der nachträglichen Online-Stellung einverstanden ist, lohnend sein.


Weitere Informationen

Darf ich Zeitschriftenartikel, die ich über meine Bibliothek (z.B. über subito) als Ausdruck erhalten habe, zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch einscannen und auf meinem Rechner ein eigenes Archiv anlegen?

Darf ich diese Scans im Intranet meiner Einrichtung archivieren?

Das Einscannen von Dokumenten und deren Archivierung zum eigenen Gebrauch ist von dem Recht auf Privatkopie abgedeckt (§ 53 UrhG).

Die Zugänglichmachung zu wissenschaftlichen Zwecken für einen begrenzten Personenkreis ist außerdem nach § 52a UrhG erlaubt: "Zulässig ist, veröffentlichte Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften ausschließlich für einen bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen für deren eigene wissenschaftliche Forschung öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies zu dem jeweiligen Zweck geboten und zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist."

Siehe dazu auch folgende Links:

 

Muss ich eine Open-Access-Publikation aus dem Netz löschen, wenn der Beitrag nachträglich gedruckt erscheint?

Sie sollten dem Verlag gegenüber offen kommunizieren, dass Ihre Publikation bereits Open Access erschienen ist. Gelöscht werden muss die Publikation im Internet nur, wenn der Verlag dies zur Voraussetzung des Vertragsabschlusses macht und Sie dem zustimmen wollen.

Reicht für die geforderte Veröffentlichung meiner Dissertation die elektronische Publikation?

Die Kultusministerkonferenz hat am 30.10.1997 die Promotionsordnungen der Universitäten um die Möglichkeit der Online-Dissertation erweitert (Grundsätze für die Veröffentlichung von Dissertationen). In den hier vereinbarten Grundsätzen heißt es, dass die Verbreitung einer Dissertation auch durch die Ablieferung einer elektronischen Version, deren Datenformat und deren Datenträger mit der Hochschulbibliothek abzustimmen sind, gesichert werden kann. Es gilt natürlich immer die Promotionsordnung der jeweiligen Hochschule beziehungsweise Fakultät.

Was muss ich bei der Einreichung eines Manuskripts bei einer Open-Access-Zeitschrift oder bei einem Dokumentenserver beachten?

Die Vorgehensweisen und Anforderungen bei der Einreichung eines Manuskripts sind fachspezifisch und von Zeitschrift zu Zeitschrift bzw. je nach Institution, die den Dokumentenserver betreibt, verschieden. Im Allgemeinen geben die Herausgeber von Open-Access-Journalen bzw. die Betreiber von Dokumentenservern auf ihren Webseiten detaillierte Informationen zum Publikationsprozedere (Journale: z.B. Forum Qualitative Sozialforschung, Atmospheric Chemistry and Physics). Dokumentenserver: z.B. SSOAR, MONARCH. Einige Open-Access-Journale geben konkrete Hinweise und Beispiele zur Manuskriptgestaltung (z.B. Forum Qualitative Sozialforschung oder die Word Guideline des New Journal of Physics).

Was muss ich tun, wenn ich mein Dokument in einem Open-Access-Journal publizieren will?

Eine Übersicht über alle derzeit herausgegebenen Open-Access-Journale gibt das Directory of Open Access Journals (DOAJ), das laufend erweitert wird. Es ist nach Sprachen, Fachdisziplinen und weiteren Kriterien durchsuchbar.

Eine gute Übersicht liefern die Autorenrichtlinien des New Journal of Physics des Institute of Physics (IOP) oder die Informationen zum Publikationsprozedere des Forum Qualitative Sozialforschung. Die Anforderungen sind jedoch für die verschiedenen Journale unterschiedlich. Hierüber informieren die entsprechenden Webseiten.  

Welche Möglichkeiten gibt es, Monografien im Open Access zu bereitzustellen?

Die Open-Access-Publikation oder Selbstarchivierung von Monografien und Sammelbänden kann über entsprechende institutionelle oder disziplinäre Repositorien sowie Universitätsverlage erfolgen, die über eine Open-Access-Policy verfügen. Während institutionelle Repositorien und Universitätsverlage in der Regel nur Mitgliedern der eigenen Einrichtung das Publizieren oder Selbstarchivieren ermöglichen, ist die Verfügbarmachung auf entsprechenden disziplinären Dokumentenservern einrichtungsunabhängig. Unterstützung finden Sie meist sehr ausführlich auf den jeweiligen Webseiten. Ob die Bereitstellung einer Monografie, die bereits in einem Verlag erschienen ist, auf einem Dokumentenserver rechtlich gestattet ist, hängt davon ab, welche Rechte Sie dem Verlag übertragen haben. Hier hilft ein Blick in den Verlagsvertrag oder die Rücksprache mit dem Verlag. Einige Verlage öffnen sich zunehmend dem Open-Access-Gedanken und erlauben die Selbstarchivierung von Monografien. Eine weitere Möglichkeit ist das hybride Publizieren, welches vor allem Universitätsverlage und Wissenschaftsverlage praktizieren und bei dem neben der online bereitgestellten Open-Access-Version auch eine kostenpflichtige gedruckte Version veröffentlicht wird.

Welche Möglichkeiten habe ich, eine Open-Access-Veröffentlichung vertraglich durchzusetzen?

Wenn Sie ihre Artikel in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlichen, sich aber trotzdem das Recht der Selbstarchivierung auf einem Dokumentenserver vorbehalten möchten, sollten Sie dem Verlag nach Möglichkeit nur ein einfaches Nutzungsrecht übertragen.

Das Recht auf eine Hinterlegung Ihrer Publikationen auf einem Dokumentenserver können Sie sich sichern,

1. indem Sie einschränkende Formulierungen wie "die exklusive Abgabe aller Rechte" im Vertrag deutlich streichen, bevor sie ihn unterzeichnen. In einem Anschreiben sollten Sie den Verlag auf diese Streichung hinweisen.
oder

2. indem Sie den zu unterschreibenden Vertrag durch Vertragszusätze oder Textpassagen ergänzen. Der bekannteste Vertragszusatz ist das SPARC Author's Addendum. Mittels der Copyright Addendum Engine von Science Commons und SPARC können Autorinnen und Autoren je nach Wunsch ein Addendum in den Varianten Access-Reuse, Delayed Access und Immediate Access automatisch im Internet erstellen.

Weitere Vertragszusätze bieten das Forschungszentrum Jülich oder die MIT Libraries.

Weitere Informationen finden Sie auf den Rechtsseiten.

Welche technischen Anforderungen muss das Manuskript erfüllen?

Bei Journals herrscht bei Texten oft weitgehend Formatfreiheit, während Graphiken meist als Extra-Dateien in einem gängigen Graphikformat geschickt werden müssen. Genaue Informationen finden Sie in der Regel auf der Webseite des jeweiligen Journals. Ausführliche Informationen zum Format der Graphikdatei geben auch die Graphikrichtlinien des New Journal of Physics.

Bei Dokumentenservern (Repositorien) ist das übliche Format PDF, wobei Texte und Graphiken in einem File kombiniert sind und das Format PDF/A für die Langzeitarchivierung besonders geeignet ist. Ein weiteres Format, welches sich vor allem für mathematische Texte gut eignet, ist LaTex.

Generell gilt: wenn Sie eine parallele Publikation auf einem institutionellen Dokumentenserver ablegen wollen, sollte diese den Anforderungen der Langzeitarchivierung digitaler Objekte entsprechen. Beispielsweise können heute gängige und unproblematische Sicherheitsvorkehrungen an PDFs wie das Unterbinden von Änderungen oder Seitenentnahme unter Umständen in mehreren Jahren Probleme bei der Migration oder Emulation verursachen. Sprechen Sie daher mit den Betreibern der Repositorien, ob Sie Sicherheitsvorkehrungen an den Dateien vornehmen können.

Wer übernimmt die Kosten für die Publikation in einer Open-Access-Zeitschrift?

In einigen Open-Access-Journalen werden die Publikationen über Autorengebühren, auch als Article processing charge bezeichnet, finanziert. Die Höhe dieser Gebühren schwankt zwischen den einzelnen Zeitschriften und beträgt zwischen 3.000$ pro veröffentlichtem Artikel (z.B. Molecular Systems Biology, Springer), 200 bis 1.600 EUR je nach Zeitschrift bei BioMedCentral, und 23 bis 38 EUR pro Seite beim Journal of Atmospheric Chemistry and Physics).

Darüber hinaus gibt es aber auch Open-Access-Zeitschriften, die Publikationen ohne Kosten für Autorinnen und Autoren ermöglichen. Die Kosten, die für die Veröffentlichung und Verbreitung entstehen, werden z.B. von den Universitäten, die die Autorinnen oder Autoren beschäftigen, oder von Stiftungen oder Fördereinrichtungen, die deren Forschungsarbeit finanzieren, übernommen. Des Weiteren gibt es viele Mischfinanzierungsmodelle, die ebenfalls die autorenunabhängige Finanzierung von Open-Access-Publikationen ermöglichen.

Weitere Informationen

Wie kann ich als unabhängige/r wissenschaftliche/r Autor/in (welche/r derzeit nicht direkt einer Universität oder Forschungseinrichtung angeschlossen ist) meine bereits gedruckten Texte Open Access publizieren?

Es gibt inzwischen zahlreiche fachliche Repositorien, bei denen das Kriterium der Dokumentenannahme nicht die Zugehörigkeit zu einer Institution sondern der fachliche Zusammenhang ist. Auch Sondersammelgebietsbibliotheken können dem jeweiligen Sondersammelgebiet entsprechend Texte in ihre Repositorien aufnehmen. Eine Anfrage an entsprechende Repositorien ist daher sicherlich lohnend. Eine weltweite Übersicht über vorhandene Repositorien liefert das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR), in dem gezielt nach Repositorien mit bestimmten fachspezifischen Inhalten gesucht werden kann.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Texte auf der eigenen Homepage zur Verfügung zur stellen. Allerdings ist die digitale Veröffentlichung auf Repositorien dem Einstellen von Texten auf der eigenen Homepage vorzuziehen, da so die Vorteile, die Repositorien bieten, genutzt werden können.

Wie kann ich meine Dissertation Open Access veröffentlichen?

Inzwischen ermöglichen fast alle deutschen Universitäten die elektronische Publikation von Dissertationen. Zuständig für die digitale Publikation sind in der Regel die Hochschulbibliotheken, dort erhalten Sie die notwendigen Informationen. Eine gute Übersicht und hilfreiche Tipps (z.B. bezüglich rechtlicher Aspekte, technischer Anforderungen) bietet auch die Internetplattform DissOnline. Als Autor haben Sie selbstverständlich das Recht, ihre Dissertation unter eine freie Lizenz zu stellen

Wo finde ich Unterstützung bei der Auswahl einer Open-Access-Zeitschrift?

Die Schritte, die beim Veröffentlichen in Open-Access-Zeitschriften anfallen, ähneln im Grunde genommen denen bei herkömmlichen Zeitschriften. Zunächst einmal erfolgt die Auswahl einer geeigneten Open-Access-Zeitschrift, z.B. über das Directory of Open Access Journals (DOAJ) oder die Elektronische Zeitschriftenbibliothek Regensburg (EZB). Das Webportal Journal Info führt Informationen über alle Arten von Zeitschriften zusammen, hierunter Angaben zur Zugänglichkeit für Leser/innen, Kosten und Qualitätsindikatoren. Viele Journale informieren auf ihren Webseiten ausführlich über ihr Profil, ihre Ziele und ihre Themenschwerpunkte (z.B. Forum Qualitative Sozialforschung, Atmospheric Chemistry and Physics). Hilfreich ist auch die auf den Webseiten vieler e-Journale vorhandene Rubrik FAQ (z.B. BioMed Central, German Medical Science). Scheuen Sie sich nicht, bei weiterem Unterstützungsbedarf der Redaktion eine E-Mail mit Ihren Fragen zu schreiben.

Wo finde ich Software für den Betrieb eines Dokumentenservers?

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Softwarelösungen zum Aufbau und Betrieb von Repositorien. Sie alle verfügen über ähnliche Funktionen: Dokumente können angemeldet, mit Metadaten versehen und über eine OAI-PMH Schnittstelle "geharvested" (gesammelt) werden. Viele der Softwarelösungen sind Open Source und damit kostenlos downloadbar.

Das in Deutschland am weitesten verbreitete Softwarepaket ist OPUS. International sind DSpace und EPrints,die am häufigsten benutzten Softwarepakete. Weitere bekannte Anbieter sind Fedora, GAPworks und MyCoRe.  

Nähere Informationen zu Software für Repositorien bietet die Budapest Open Access Initiative (BOAI). Im Verzeichnis OpenDOAR können Repositorien nach der eingesetzen Software selektiert und dementsprechend auch Optik und Funktionalität der verschiedenen Systeme verglichen werden. 

Was ist das DINI-Zertifikat?

Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI e.V.) fördert die Verbesserung der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen und unterstützt die dafür notwendigen Entwicklungen. Die Entwicklung des DINI-Zertifikates "Dokumenten- und Publikationsservice" durch die Arbeitsgruppe "Elektronisches Publizieren" ermöglicht die standardisierte Beurteilung von Dokumentenservern und der vom Betreiber erbrachten Dienstleistungen und versteht sich als Qualitätskontrolle für Dokumenten- und Publikationsservices. Die der Zertifizierung zugrunde liegenden Kriterien umfassen unter anderem die Sichtbarkeit des Gesamtangebotes, die Betreuung von Autorinnen und Autoren, die Sicherheit, Authentizität und Integrität des technischen Systems sowie die Langzeitverfügbarkeit und Auffindbarkeit der dort archivierten Dokumente. In einer Broschüre hat DINI zehn Argumente für das DINI-Zertifikat aufgelistet. Derzeit sind knapp 33 institutionelle und disziplinäre Repositorien DINI-zertifiziert (Stand September 2010).

Die Beantragung des DINI-Zertifikats ist kostenpflichtig und beträgt zwischen 50 Euro (Nonprofit-Organisationen und Mitglieder von DINI) und 250 Euro (Profitorganisationen und Nichtmitglieder von DINI).

Was ist rechtlich bei der Open-Access-Selbstarchivierung bereits veröffentlichter Monografien zu beachten?

Im deutschen Recht gibt es keine gesetzliche Verankerung, wann eine bereits veröffentlichte Monografie auch anderweitig veröffentlicht werden darf. Eine Nachfrage beim Verlag kann klären, ob der Verlag Einwände gegen die Bereitstellung der Monografie auf einem Dokumentenserver hat.

Warum sollten Hochschulleitungen oder Leitungen von Forschungseinrichtungen eine Open-Access-Erklärung unterzeichnen?

Die Unterzeichung einer Open-Access-Erklärung, z.B. der Budapester Open Access Initiative oder der Berliner Erklärung zum offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, ist der erste Schritt in Richtung Open Access. Hierdurch positioniert sich die Hochschule bzw. Forschungseinrichtung öffentlich zu den Prinzipien des Open Access und macht die von ihr gewünschte Publikationspolitik auch für ihre Mitglieder und Angehörigen sichtbar. Ebenfalls empfiehlt sich, eine Empfehlung zu Open Access auf der Webseite der Einrichtung zu implementieren.

Wie kann Open Access an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung umgesetzt werden?

Um Open Access an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung zu implementieren, sind einige strukturelle Veränderungen ebenso notwendig wie die Bereitstellung von entsprechenden Infrastrukturen und Personalressourcen. Eine instituts- und länderübergreifende Zusammenarbeit sowie der Rückgriff auf andernorts bereits bestehende Erfahrungen und technische Entwicklungen erleichtern die Umstrukturierung der wissenschaftlichen Informationsversorgung. Grundsätzlich sind also kooperative Vorgehensweisen und die Orientierung an Best-Practice-Beispielen sinnvoll.

Bei der Umsetzung von Open Access an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung sind verschiedene Ansatzpunkte denkbar. Viele Einrichtungen schaffen mit einer institutionellen Selbstverpflichtung zu Open Access, in der die Angehörigen aufgefordert werden, ihre wissenschaftlichen Arbeiten Open Access zur Verfügung zu stellen, eine Grundlage für die konkrete Umsetzung des Open-Access-Prinzips in ihrer Organisation; vgl. z.B. die Open-Access-Policy der Fraunhofer-Gesellschaft oder die Open-Access-Resolutionen der Universitäten Konstanz, Bielefeld, Göttingen und der Freien Universität Berlin. Von einer solchen Positionierung aus können dann konkretere Maßnahmen erfolgen. Dazu können beispielsweise der Aufbau eines Dokumentenservers zur Selbstarchivierung der Publikationen von Einrichtungsangehörigen gehören oder die Einrichtung eines Publikationsfonds zur Unterstützung des Open-Access-Publizierens im Sinne des goldenen Wegs. Eine Reihe von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Bibliotheken haben die Funktion eines oder einer Open-Access-Beauftragten geschaffen, die oder der eine Schnittstelle zwischen der jeweiligen Einrichtung und den Interessen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bildet.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Aufnahme von Publikationen in die Hochschulbibliographie an die Bereitstellung der Publikationen auf dem Hochschulserver zu koppeln. So hat die Universität Zürich (UZH) im Mai 2008 Richtlinien erlassen, nach denen die Forschenden der UZH verpflichtet sind, eine vollständige Fassung aller publizierten wissenschaftlichen Arbeiten ab 2008 im Zurich Open Repository and Archive (ZORA) frei zugänglich zu machen, sofern keine rechtlichen Hindernisse dem entgegenstehen. Zudem stützen sich die akademischen Berichte (Jahresberichte) der Universität Zürich ab Berichtsjahr 2008 auf ZORA, d.h. wissenschaftliche Publikationen werden in den akademischen Berichten nur berücksichtigt, wenn sie in ZORA erfasst wurden (Leitlinien der UZH).

Wo ein solches Mandat nicht durchsetzbar ist, kann die Aufhebung von Hindernissen des Open Access das Ziel sein. Beispielsweise sollte erreicht werden, dass Open-Access-Publikationen in gleicher Weise wie traditionelle Publikationen bei Berufungen und in der universitären Leistungsberechnung berücksichtigt werden.

Welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für Hochschulen zur Umsetzung von Open Access?

Seit einem Beschluss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Herbstsitzung 2009 des Hauptausschusses können Universitäten bei der DFG Mittel beantragen, um Publikationen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in originären Open-Access-Zeitschriften zu finanzieren.  Mit diesem neuen Förderinstrument möchte die DFG Anreize für Universitäten setzen, verlässliche und dauerhafte Finanzierungsstrukturen für die Publikation in Open-Access-Zeitschriften zu entwickeln.

Worin besteht der Vorteil von Open Access für Hochschulen und Forschungseinrichtungen?

Das Renommee einer Hochschule oder Forschungseinrichtung steigt mit den Forschungsaktivitäten der einzelnen Institute. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen in der Auseinandersetzung mit vorangegangenen Forschungsergebnissen, und innovative Wissensproduktion profitiert von vorherigen Entwicklungen und Erfahrungen. Der Zugang zu Forschungsergebnissen und -erkenntnissen ist somit eine wichtige Voraussetzung für die Forschung einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Open Access kann für Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu einer zentralen Ressource der Wissensversorgung werden und dem durch die Zeitschriftenkrise zunehmenden Informationsdefizit entgegenwirken. Der Zugang zu den betroffenen Fachjournalen ist durch das Budget der einzelnen Forschungsinstitution alleine nicht länger aufrechtzuerhalten, in der Konsequenz sinkt gleichzeitig auch die Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der jeweiligen Einrichtung. Institutionelle Repositorien verzeichnen, speichern, bewahren, verbreiten und präsentieren die wissenschaftlichen Ergebnisse der jeweiligen betreibenden Einrichtungen und fördern so die aktive Außenpräsentation von wissenschaftlicher Exzellenz.

Soll ich eine Open-Access-Zeitschrift gründen? Existiert überhaupt Bedarf für eine neue Zeitschrift?

Im Falle der Gründung einer Open-Access-Zeitschrift sind viele Dinge zu bedenken, die auch im Falle der Gründung einer Print-Zeitschrift geklärt werden müssen. Eine eigene Zeitschrift zu betreiben, bedeutet einigen Aufwand für die, die in die redaktionelle Arbeit involviert sind. Es ist deshalb wichtig, sich möglichst (selbst-) kritisch darüber Rechenschaft abzulegen, ob ein solches Projekt prinzipiell Sinn macht und gerechtfertigt ist oder ob unter Umständen die Mitarbeit an bzw. die Kooperation mit einer bereits existierenden Zeitschrift möglich und sinnvoll wäre (siehe für Verzeichnisse von Open-Access-Zeitschriften das Directory of Open Access Journals oder die Titel mit frei zugänglichen Volltextartikeln in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek der Universitätsbibliothek Regensburg). Fragen, die in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen, sind bspw.: Was soll das Alleinstellungsmerkmal für das geplante Vorhaben sein, mit Blick auf das angezielte Themenfeld, den bestehenden Zeitschriftenmarkt, potenzielle Autoren und Autorinnen, Leser und Leserinnen? Welche Reichweite (national, international, disziplinär, transdisziplinär usw.) ist aus welchen Gründen von Interesse? Kann es und wie kann es gelingen, die Zeitschrift qualitativ hochwertig und langfristig zu betreiben?

Wie kann ich einen Geschäftsplan für meine Open-Access-Zeitschrift erstellen?

Einige Anregungen für das Verfertigen eines Geschäfts- und Finanzplans gibt eine von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) herausgegebene Broschüre Gaining Independence: A Manual for Planning the Launch of a Nonprofit Electronic Publishing Venture, Version 1.0  (PDF, 291 KB), die sich vor allem an eine universitäre Klientel mit Interesse an der Gründung einer Zeitschrift oder an dem Aufbau eines Dokumentenservers richtet.

Wie kann ich die Kosten für meine Open-Access-Zeitschrift decken?

Zwar sind die Herstellungskosten für Open-Access-Zeitschriften signifikant niedriger als im Falle von Printzeitschriften (und auch elektronischer kostenpflichtiger Zeitschriften), weil Open-Access-Zeitschriften (in der Regel nur) online zugänglich sind, Kosten für das Handling der Abonnements und der Identifikation von autorisierten und nicht-autorisierten Nutzern und Nutzerinnen, für Mahnungen usw. entfallen, und weil mittlerweile Open-Source-Software für den Betrieb elektronischer Zeitschriften zur Verfügung steht.

Gleichwohl fallen selbstverständlich Kosten an: dass Artikel in Open-Access-Zeitschriften für alle Interessierten frei zugänglich sind, bedeutet nicht, dass deren Produktion kostenlos wäre. Bereits mit der Budapest Open Access Initiative (BOAI) wurden verschiedene Vorschläge zur Kostendeckung im Falle von Open-Access-Zeitschriften gemacht, insbesondere "(Misch-) Finanzierungen (...), z.B. durch private und staatliche Stiftungen und Fördereinrichtungen, durch Universitäten und andere Institutionen, die Forschende beschäftigen, durch Stiftungs- und Fördergelder, die disziplinär gebunden vergeben werden, durch Spenden von Einzelpersonen oder Einrichtungen, (...), durch Einnahmen aus Werbe-Add-ons auf den Texten, durch Mittel, die frei werden, indem überteuerte Zeitschriften, die nicht bereit sind, freien Zugang zu gewähren, abbestellt werden, oder durch finanzielle Beiträge, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst zu zahlen bereit sind".

Weitere Informationen finden Sie unter Geschäftsmodelle.

Woher bekomme ich finanzielle Unterstützung für die Gründung einer Open-Access-Zeitschrift?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt mit ihrem Programm "Wissenschaftliche Zeitschriften" die Herstellung wissenschaftlicher, vor allem elektronischer Zeitschriften. Im Rahmen des Programms können Mittel für:

  • die Neugründung von Zeitschriften (Starthilfe),
  • die Fortführung bereits bestehender Zeitschriften (Expansionshilfe) oder
  • die Transformation bereits bestehender gedruckter Zeitschriften in elektronische Zeitschriften (Transformationshilfe) beantragt werden.

Welche Möglichkeiten habe ich, meine Zeitschrift in ein bestehendes Open-Access-Angebot einzugliedern?

Prinzipiell besteht die Möglichkeit, mit der geplanten Zeitschrift unter ein bereits bestehendes Dach zu schlüpfen. In Deutschland gibt es beispielsweise die Publikationsinitiative Digital Peer Publishing (DiPP), die neue Formen der wissenschaftlichen Kommunikation unterstützt, indem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern - in Zusammenarbeit mit Bibliotheken - technische, rechtliche und organisatorische Hilfen an die Hand gegeben werden, um Informationen über ihren Forschungszweig für Ihre 'Peers' auf digitalem Wege zu verbreiten.

Oder es besteht die Möglichkeit, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten, der, ein entsprechendes Zeitschriftenkonzept und eine Finanzierung durch alternative Modelle vorausgesetzt, daran interessiert ist, Open-Access-Zeitschriften in sein Programm aufzunehmen (z.B. gingen 2007 das Journal für Psychologie, die Mitgliederzeitschrift der Neuen Gesellschaft für Psychologie, oder das Forum Gemeindepsychologie, die Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft für Gemeindepsychologische Forschung und Praxis, als Open-Access-Zeitschriften bei Pabst Science Publishers ins Netz).

Welche Möglichkeiten gibt es, eine von bestehenden Angeboten unabhängige Open-Access-Zeitschrift zu betreiben?

Es existieren Open-Source-Programme, die verwandt werden können, wenn die Open-Access-Zeitschrift unabhängig von bestehenden externen Infrastrukturen (Service-Dienstleistern, Verlagen usw.) betrieben werden soll. Exmplarisch erwähnt sei Open Journal Systems (OJS), eine Software, die vom kanadischen Public Knowledge Project der University of British Columbia und der Simon Fraser University entwickelt wurde: OJS unterstützt den gesamten Prozess des Online-Publizierens (von der Beitragseinreichung über Begutachtung und Lektorat bis hin zu Veröffentlichung und Kommentierung von veröffentlichten Artikeln) und ist bis September 2010 bereits von über 6.600 Zeitschriften weltweit in Betrieb genommen worden. Für die Begutachtung (OJS unterstützt bspw. auch die Verwaltung des Double-Blind-Review) stehen individuell anpassbare Templates zur Verfügung, d.h. Vorlagen für die Kommunikation zwischen den beteiligten Rollen- und Nutzungsgruppen, die für die redaktionelle Arbeit insbesondere neu gegründeter Zeitschriften sehr hilfreich sind. Andere Beispiele von Open-Source-Software sind DPubS (Digital Publishing System), Hyperjournal oder Living Reviews ePublishing Toolkit (siehe hierzu ausführlicher Living Reviews).

Auch wenn der Betrieb einer eigenen Plattform, wie z.B. im Falle von OJS, vergleichsweise niedrigschwellig ist (siehe die OJS-Dokumentation OJS in an Hour (PDF, 2.6 MB), die allerdings ein wenig zu optimistisch ist), ist die Unterstützung durch ein Rechenzentrum, eine Bibliothek oder einen anderen universitären Infrastrukturdienstleister zur Implementation und für die Serverpflege sicherlich sinnvoll. Zusätzlich liegen nachfragbare Erfahrungen mit der Nutzung und Entwicklung von Software für Open-Access-Zeitschriften (Publikationssysteme, Begutachtungsworkflows, Annotationstools usw.) auch bei Zeitschriften vor, die im DFG-Förderprogramm "Elektronische Publikationen" unterstützt wurden bzw. werden.

Wie kann ich eine existierende Zeitschrift in eine Open-Access-Zeitschrift umwandeln?

Wenn eine bestehende kostenpflichtige Zeitschrift in ein Open-Access-Publikationsmodell überführt werden soll, sind einige grundsätzliche Entscheidungen in der Regel bereits getroffen (Redaktion, Beirat, Begutachtung). In anderen Fragen müssen Festlegungen vielleicht erst gefunden oder überdacht, neu entschieden und umgesetzt werden. So können Sie eine Zeitschrift verlagsunabhängig umsetzen und sich bei universitären Infrastrukturanbietern (Bibliotheken, Rechenzentren, Medienzentren) Hilfe und Rat für das Migrieren alter Ausgaben holen, sofern Sie über das Copyright hierfür verfügen. Oder aber Sie suchen einen Open-Access freundlichen Verlag und trennen sich vom bisherigen Verlag. Siehe hierzu Betrieb einer Zeitschrift, die von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) für das Open Society Institute (OSI) herausgegebene Broschüre Guide to Business Planning for Converting a Subscription-based Journal to Open Access (PDF, 201 KB), die SPARC-Broschüren Create Change (PDF, 268 KB) und Gaining Independence (PDF, 291 KB) sowie beispielhafte Informationen des Open-Access-Publishers BioMed Central für den Transfer einer existierenden Zeitschrift.

Welche personelle Unterstützung benötigt der Betrieb einer Open-Access-Zeitschrift?

Insbesondere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit dem redaktionellen Betrieb einer Zeitschrift wenig Erfahrung haben, müssen sich zunächst mit den hierfür nötigen Aufgaben und Rollen vertraut machen und prüfen, wie sie ihre Vorstellungen personell umsetzen können.

Je nach Umfeld, in dem die Zeitschrift erscheinen soll, spielt der "gute Name" der Herausgebenden (des Beirats, der Gutachterinnen und Gutachter, der Autorinnen und Autoren etc.) eine wichtige Rolle. Robert K. Merton hat den Begriff des Matthäus-Effekts geprägt für "wissenschaftliche Selektionsphänomene", die damit verbunden sind, "dass die Beiträge anerkannter Wissenschaftler eher wahrgenommen werden als die Beiträge unbekannterer Autoren" (Merton 1968, S. 7). Hanekop und Wittke (2005, S. 197) beschreiben an Merton anschließend, wie dieses Prinzip "von den Verlagen auf Journale übertragen [wird]: Bekannte Autoren und Herausgeber bzw. Gutachter verschaffen dem Journal Reputation, die es wiederum auf Autoren übertragen kann, deren Aufsätze in diesem Journal publiziert werden. (...) Steigt die Attraktivität des Journals für Autoren, wirkt dies positiv auf die Menge und Qualität der eingesandten Artikel zurück."

Die Aussicht auf das Einbinden renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Unterstützung der Zeitschrift (als Herausgebende oder Beiratsmitglieder, als Gutachterinnen und Gutachter oder als mögliche Artikellieferanten) ist jedoch kein Garant für deren Qualität. Prominente Kolleginnen und Kollegen schmücken mitunter wirkungsvoll die Beiratsseiten, sind aber aufgrund enger Zeitbudgets oft nicht in der Lage, sich beispielsweise im Begutachtungsprozess zu engagieren. Insoweit sollte man auch über Verfahren externer Begutachtung nachdenken.

Da es mittlerweile auch im Falle deutschsprachiger Zeitschriften in den Geistes- und Sozialwissenschaften weitgehend unerlässlich ist, ein Abstract und Keywords in (mindestens) englischer Sprache zur Verfügung zu stellen, sollte zusätzlich zum Lektorat für deutsche Texte ein weiteres, nach Möglichkeit muttersprachliches Lektorat eingerichtet werden.

Was muss ich bei der Gründung einer Open-Access-Zeitschrift beachten?

Es ist zunächst zu entscheiden, ob die Zeitschrift an ein bestehendes Angebot angegliedert wird, oder ob sie unabhängig davon betrieben werden soll. Zudem sind Entscheidungen über den technischen Rahmen, Namensgebung, Layout und Design der Zeitschrift, die Gestaltung und technische Umsetzung der Webpräsenz, den Publikationsprozess und damit verbundene Funktionen, die Art der Begutachtung und Manuskriptgestaltungsrichtlinien und über das Lektorat (das evtl. auch englischsprachig sein sollte) zu treffen. Es muss auch entschieden werden, in welchem Dateiformat Artikel, die nach Begutachtung für die Veröffentlichung akzeptiert worden sind, redaktionell verfügbar sein sollen. Beim elektronischen Publizieren und damit auch beim Open-Access-Publizieren erwachsen hier zusätzliche Möglichkeiten der Präsentation und Distribution wissenschaftlicher Informationen.

Weitere nützliche Hinweise sind Getting Started in Electronic Journal Publishing von Sally Morris zu entnehmen.

Reicht es bei einem Artikel mit mehreren Autor/innen aus, wenn ein/e von ihnen der Veröffentlichung auf einem Dokumentenserver zustimmt?

Nein, für die Veröffentlichung auf einem Dokumentenserver, wie für die Rechteübertragung an die jeweilige Institution müssen alle Urheber/innen zustimmen. Möglicherweise haben jedoch die Autor/innen einen unter ihnen beauftragt, der für alle zusammen sprechen kann. Dann ist diese Person berechtigt, Rechte zu übertragen.

Was bedeutet Print-on-Demand?

Beim Print-on-Demand (oder auch Book-on-Demand) kann ein bereits Open Access publiziertes Buch auf Nachfrage hin auch als kostenpflichtige gedruckte Version veröffentlicht werden. Dies ist bereits ab einem Exemplar möglich. Insbesondere Universitätsverlage und Wissenschaftsverlage, die ein hybdrides Open-Access-Modell verfolgen, praktizieren diese Möglichkeit (z.B. Karlsruher Universitätsverlag, Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat) und arbeiten mit Print-on-Demand-Diensten zusammen.

Warum sollte ein Verlag Monografien Open Access publizieren?

Insbesondere einige Universitätsverlage und Wissenschaftsverlage praktizieren das Modell des hybriden Publizierens, bei dem neben der online bereitgestellten Open-Access-Version auch eine kostenpflichtige gedruckte Version veröffentlicht wird. Vor allem bei sehr spezieller wissenschaftlicher Literatur wie Dissertationen oder Tagungsbänden ist Open Access verbunden mit der Möglichkeit, den online frei zugänglichen Text als Buchausgabe zu erwerben, regelrecht absatzfördernd, sofern das gedruckte Buch zu einem angemessenen und auch für private Leserinnen und Leser erschwinglichen Preis angeboten wird. Dieses Modell hat sich für Monografien als sehr vorteilhaft erwiesen: Durch die frei zugängliche Online-Version wird die Sichtbarkeit und Verbreitung erhöht und dadurch steigen häufig auch die Verkaufszahlen.

Beispiele für gestiegene Absätze bei Open Access:

  • Sources of Innovation, Oxford University Press 1988, ist seit 2005 frei online auf der Autorenwebsite, jedoch nicht auf der Verlagswebsite. OUP behielt sich gegenüber dem Autor eine Kompensationsklausel im Falle sinkenden Absatzes vor. Stattdessen stieg der Absatz im ersten Jahr nach der Open-Access-Bereitstellung um über 75 %.
  • Deutlich höhere Verkaufszahlen als vorausgesagt berichtet auch MIT Press für das CC-lizenzierte Buch Democratizing Innovation. Dieses 2005 erschienene Buch ist frei online auf der Verlags- und der Autorenwebsite.