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FAQ

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Diese FAQ wird kontinuierlich erweitert. Sollte Sie wichtige Themen vermissen, schreiben Sie bitte eine E-Mail an folgende Adresse: faq@openaccess-germany.de.


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    Soll ich eine Open-Access-Zeitschrift gründen? Existiert überhaupt Bedarf für eine neue Zeitschrift?

    Im Falle der Gründung einer Open-Access-Zeitschrift sind viele Dinge zu bedenken, die auch im Falle der Gründung einer Print-Zeitschrift geklärt werden müssen. Eine eigene Zeitschrift zu betreiben, bedeutet einigen Aufwand für die, die in die redaktionelle Arbeit involviert sind. Es ist deshalb wichtig, sich möglichst (selbst-) kritisch darüber Rechenschaft abzulegen, ob ein solches Projekt prinzipiell Sinn macht und gerechtfertigt ist oder ob unter Umständen die Mitarbeit an bzw. die Kooperation mit einer bereits existierenden Zeitschrift möglich und sinnvoll wäre (siehe für Verzeichnisse von Open-Access-Zeitschriften das Directory of Open Access Journals oder die Titel mit frei zugänglichen Volltextartikeln in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek der Universitätsbibliothek Regensburg). Fragen, die in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen, sind bspw.: Was soll das Alleinstellungsmerkmal für das geplante Vorhaben sein, mit Blick auf das angezielte Themenfeld, den bestehenden Zeitschriftenmarkt, potenzielle Autoren und Autorinnen, Leser und Leserinnen? Welche Reichweite (national, international, disziplinär, transdisziplinär usw.) ist aus welchen Gründen von Interesse? Kann es und wie kann es gelingen, die Zeitschrift qualitativ hochwertig und langfristig zu betreiben?

    Wie kann ich einen Geschäftsplan für meine Open-Access-Zeitschrift erstellen?

    Einige Anregungen für das Verfertigen eines Geschäfts- und Finanzplans gibt eine von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) herausgegebene Broschüre Gaining Independence: A Manual for Planning the Launch of a Nonprofit Electronic Publishing Venture, Version 1.0  (PDF, 291 KB), die sich vor allem an eine universitäre Klientel mit Interesse an der Gründung einer Zeitschrift oder an dem Aufbau eines Dokumentenservers richtet.

    Wie kann ich die Kosten für meine Open-Access-Zeitschrift decken?

    Zwar sind die Herstellungskosten für Open-Access-Zeitschriften signifikant niedriger als im Falle von Printzeitschriften (und auch elektronischer kostenpflichtiger Zeitschriften), weil Open-Access-Zeitschriften (in der Regel nur) online zugänglich sind, Kosten für das Handling der Abonnements und der Identifikation von autorisierten und nicht-autorisierten Nutzern und Nutzerinnen, für Mahnungen usw. entfallen, und weil mittlerweile Open-Source-Software für den Betrieb elektronischer Zeitschriften zur Verfügung steht.

    Gleichwohl fallen selbstverständlich Kosten an: dass Artikel in Open-Access-Zeitschriften für alle Interessierten frei zugänglich sind, bedeutet nicht, dass deren Produktion kostenlos wäre. Bereits mit der Budapest Open Access Initiative (BOAI) wurden verschiedene Vorschläge zur Kostendeckung im Falle von Open-Access-Zeitschriften gemacht, insbesondere "(Misch-) Finanzierungen (...), z.B. durch private und staatliche Stiftungen und Fördereinrichtungen, durch Universitäten und andere Institutionen, die Forschende beschäftigen, durch Stiftungs- und Fördergelder, die disziplinär gebunden vergeben werden, durch Spenden von Einzelpersonen oder Einrichtungen, (...), durch Einnahmen aus Werbe-Add-ons auf den Texten, durch Mittel, die frei werden, indem überteuerte Zeitschriften, die nicht bereit sind, freien Zugang zu gewähren, abbestellt werden, oder durch finanzielle Beiträge, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst zu zahlen bereit sind".

    Weitere Informationen finden Sie unter Geschäftsmodelle.

    Woher bekomme ich finanzielle Unterstützung für die Gründung einer Open-Access-Zeitschrift?

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt mit ihrem Programm "Wissenschaftliche Zeitschriften" die Herstellung wissenschaftlicher, vor allem elektronischer Zeitschriften. Im Rahmen des Programms können Mittel für:

    • die Neugründung von Zeitschriften (Starthilfe),
    • die Fortführung bereits bestehender Zeitschriften (Expansionshilfe) oder
    • die Transformation bereits bestehender gedruckter Zeitschriften in elektronische Zeitschriften (Transformationshilfe) beantragt werden.

    Welche Möglichkeiten habe ich, meine Zeitschrift in ein bestehendes Open-Access-Angebot einzugliedern?

    Prinzipiell besteht die Möglichkeit, mit der geplanten Zeitschrift unter ein bereits bestehendes Dach zu schlüpfen. In Deutschland gibt es beispielsweise die Publikationsinitiative Digital Peer Publishing (DiPP), die neue Formen der wissenschaftlichen Kommunikation unterstützt, indem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern - in Zusammenarbeit mit Bibliotheken - technische, rechtliche und organisatorische Hilfen an die Hand gegeben werden, um Informationen über ihren Forschungszweig für Ihre 'Peers' auf digitalem Wege zu verbreiten.

    Oder es besteht die Möglichkeit, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten, der, ein entsprechendes Zeitschriftenkonzept und eine Finanzierung durch alternative Modelle vorausgesetzt, daran interessiert ist, Open-Access-Zeitschriften in sein Programm aufzunehmen (z.B. gingen 2007 das Journal für Psychologie, die Mitgliederzeitschrift der Neuen Gesellschaft für Psychologie, oder das Forum Gemeindepsychologie, die Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft für Gemeindepsychologische Forschung und Praxis, als Open-Access-Zeitschriften bei Pabst Science Publishers ins Netz).

    Welche Möglichkeiten gibt es, eine von bestehenden Angeboten unabhängige Open-Access-Zeitschrift zu betreiben?

    Es existieren Open-Source-Programme, die verwandt werden können, wenn die Open-Access-Zeitschrift unabhängig von bestehenden externen Infrastrukturen (Service-Dienstleistern, Verlagen usw.) betrieben werden soll. Exmplarisch erwähnt sei Open Journal Systems (OJS), eine Software, die vom kanadischen Public Knowledge Project der University of British Columbia und der Simon Fraser University entwickelt wurde: OJS unterstützt den gesamten Prozess des Online-Publizierens (von der Beitragseinreichung über Begutachtung und Lektorat bis hin zu Veröffentlichung und Kommentierung von veröffentlichten Artikeln) und ist bis September 2010 bereits von über 6.600 Zeitschriften weltweit in Betrieb genommen worden. Für die Begutachtung (OJS unterstützt bspw. auch die Verwaltung des Double-Blind-Review) stehen individuell anpassbare Templates zur Verfügung, d.h. Vorlagen für die Kommunikation zwischen den beteiligten Rollen- und Nutzungsgruppen, die für die redaktionelle Arbeit insbesondere neu gegründeter Zeitschriften sehr hilfreich sind. Andere Beispiele von Open-Source-Software sind DPubS (Digital Publishing System), Hyperjournal oder Living Reviews ePublishing Toolkit (siehe hierzu ausführlicher Living Reviews).

    Auch wenn der Betrieb einer eigenen Plattform, wie z.B. im Falle von OJS, vergleichsweise niedrigschwellig ist (siehe die OJS-Dokumentation OJS in an Hour (PDF, 2.6 MB), die allerdings ein wenig zu optimistisch ist), ist die Unterstützung durch ein Rechenzentrum, eine Bibliothek oder einen anderen universitären Infrastrukturdienstleister zur Implementation und für die Serverpflege sicherlich sinnvoll. Zusätzlich liegen nachfragbare Erfahrungen mit der Nutzung und Entwicklung von Software für Open-Access-Zeitschriften (Publikationssysteme, Begutachtungsworkflows, Annotationstools usw.) auch bei Zeitschriften vor, die im DFG-Förderprogramm "Elektronische Publikationen" unterstützt wurden bzw. werden.

    Wie kann ich eine existierende Zeitschrift in eine Open-Access-Zeitschrift umwandeln?

    Wenn eine bestehende kostenpflichtige Zeitschrift in ein Open-Access-Publikationsmodell überführt werden soll, sind einige grundsätzliche Entscheidungen in der Regel bereits getroffen (Redaktion, Beirat, Begutachtung). In anderen Fragen müssen Festlegungen vielleicht erst gefunden oder überdacht, neu entschieden und umgesetzt werden. So können Sie eine Zeitschrift verlagsunabhängig umsetzen und sich bei universitären Infrastrukturanbietern (Bibliotheken, Rechenzentren, Medienzentren) Hilfe und Rat für das Migrieren alter Ausgaben holen, sofern Sie über das Copyright hierfür verfügen. Oder aber Sie suchen einen Open-Access freundlichen Verlag und trennen sich vom bisherigen Verlag. Siehe hierzu Betrieb einer Zeitschrift, die von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) für das Open Society Institute (OSI) herausgegebene Broschüre Guide to Business Planning for Converting a Subscription-based Journal to Open Access (PDF, 201 KB), die SPARC-Broschüren Create Change (PDF, 268 KB) und Gaining Independence (PDF, 291 KB) sowie beispielhafte Informationen des Open-Access-Publishers BioMed Central für den Transfer einer existierenden Zeitschrift.

    Welche personelle Unterstützung benötigt der Betrieb einer Open-Access-Zeitschrift?

    Insbesondere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit dem redaktionellen Betrieb einer Zeitschrift wenig Erfahrung haben, müssen sich zunächst mit den hierfür nötigen Aufgaben und Rollen vertraut machen und prüfen, wie sie ihre Vorstellungen personell umsetzen können.

    Je nach Umfeld, in dem die Zeitschrift erscheinen soll, spielt der "gute Name" der Herausgebenden (des Beirats, der Gutachterinnen und Gutachter, der Autorinnen und Autoren etc.) eine wichtige Rolle. Robert K. Merton hat den Begriff des Matthäus-Effekts geprägt für "wissenschaftliche Selektionsphänomene", die damit verbunden sind, "dass die Beiträge anerkannter Wissenschaftler eher wahrgenommen werden als die Beiträge unbekannterer Autoren" (Merton 1968, S. 7). Hanekop und Wittke (2005, S. 197) beschreiben an Merton anschließend, wie dieses Prinzip "von den Verlagen auf Journale übertragen [wird]: Bekannte Autoren und Herausgeber bzw. Gutachter verschaffen dem Journal Reputation, die es wiederum auf Autoren übertragen kann, deren Aufsätze in diesem Journal publiziert werden. (...) Steigt die Attraktivität des Journals für Autoren, wirkt dies positiv auf die Menge und Qualität der eingesandten Artikel zurück."

    Die Aussicht auf das Einbinden renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Unterstützung der Zeitschrift (als Herausgebende oder Beiratsmitglieder, als Gutachterinnen und Gutachter oder als mögliche Artikellieferanten) ist jedoch kein Garant für deren Qualität. Prominente Kolleginnen und Kollegen schmücken mitunter wirkungsvoll die Beiratsseiten, sind aber aufgrund enger Zeitbudgets oft nicht in der Lage, sich beispielsweise im Begutachtungsprozess zu engagieren. Insoweit sollte man auch über Verfahren externer Begutachtung nachdenken.

    Da es mittlerweile auch im Falle deutschsprachiger Zeitschriften in den Geistes- und Sozialwissenschaften weitgehend unerlässlich ist, ein Abstract und Keywords in (mindestens) englischer Sprache zur Verfügung zu stellen, sollte zusätzlich zum Lektorat für deutsche Texte ein weiteres, nach Möglichkeit muttersprachliches Lektorat eingerichtet werden.

    Was muss ich bei der Gründung einer Open-Access-Zeitschrift beachten?

    Es ist zunächst zu entscheiden, ob die Zeitschrift an ein bestehendes Angebot angegliedert wird, oder ob sie unabhängig davon betrieben werden soll. Zudem sind Entscheidungen über den technischen Rahmen, Namensgebung, Layout und Design der Zeitschrift, die Gestaltung und technische Umsetzung der Webpräsenz, den Publikationsprozess und damit verbundene Funktionen, die Art der Begutachtung und Manuskriptgestaltungsrichtlinien und über das Lektorat (das evtl. auch englischsprachig sein sollte) zu treffen. Es muss auch entschieden werden, in welchem Dateiformat Artikel, die nach Begutachtung für die Veröffentlichung akzeptiert worden sind, redaktionell verfügbar sein sollen. Beim elektronischen Publizieren und damit auch beim Open-Access-Publizieren erwachsen hier zusätzliche Möglichkeiten der Präsentation und Distribution wissenschaftlicher Informationen.

    Weitere nützliche Hinweise sind Getting Started in Electronic Journal Publishing von Sally Morris zu entnehmen.