Geschäftsmodelle

Auch für das Publizieren nach den Prinzipien des Open Access fällt ein Aufwand an, der zu finanzieren ist:

Das Author-Pays-Modell

Bei diesem Geschäftsmodell erfolgt die Finanzierung nicht über die Endabnehmer (Lesende, Bibliothek), sondern zu Beginn des Publikationsprozesses über den Autor/die Autorin. Nicht immer stehen hierfür Mittel der Institution oder eigens für die Publikation bereitgestellte Mittel von Forschungsförderern zur Verfügung. Generell ist die Bereitschaft einer finanziellen Beteiligung seitens der Autoren und Autorinnen aufgrund des differenten Publikationsverhaltens in den einzelnen Wissenschaftsbereichen sehr unterschiedlich (siehe DFG-Studie). Während in den Lebenswissenschaften oftmals für die Publikation in Printzeitschriften, für farbige Illustrationen oder Fotos, Gebühren bezahlt werden, ist dies in den Geistes- und Sozialwissenschaften in der Regel unüblich. Verlage machen zudem Unterschiede zwischen etablierten und Nachwuchswissenschaftler(inne)n sowie hinsichtlich der Publikationsform (Monografie oder Artikel). So müssen Nachwuchswissenschaftler(innen) für die Finanzierung einer gedruckten Monografie, wie z.B. einer Dissertation, häufig selbst aufkommen. Etablierte Autorinnen und Autoren genießen bei der Publikation von Lehrbüchern, Monografien und Sammelbänden oft bessere Konditionen bei den Verlagen. Open-Access-Zeitschriften, die sich primär aus Autorengebühren finanzieren, räumen darüber hinaus meist Möglichkeiten eines Erlasses ein, z.B. für Autoren und Autorinnen aus sogenannten Entwicklungsländern.

Finanzierung durch Förderorganisationen

Viele Forschungsförderer unterstützen inzwischen die Autorinnen und Autoren finanziell beim Publizieren. So kann bei DFG-finanzierten Projekten z.B. eine Publikationspauschale (siehe Merkblatt für die Verwendung von Sachmitteln, S.7) in Höhe von 750 Euro jährlich beantragt werden, die über die Laufzeit des Projektes angespart werden kann. Auch wenn die Publikationsform von den Projektnehmern frei wählbar ist, erwartet die DFG, "dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse (...) möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet (Open Access) verfügbar gemacht werden" (Open-Access-Richtlinien).

Gegen die Finanzierung von Publikationsgebühren durch Forschungsförderer gibt es einige Einwände:

Institutionelle Mitgliedschaft

Eine weitere Form der Finanzierung von Publikationsgebühren besteht darin, dass diese von der Institution (z.B. der Universität), der ein Autor/eine Autorin angehört, im Rahmen einer institutionellen Mitgliedschaft übernommen werden. Einige Open-Access-Verlage (z.B. BioMedCentral) bieten den Einrichtungen (meist Hochschulen) eine nach Einrichtungsgröße gestaffelte Institutionslizenz an. Dadurch ermöglicht die Institution ihren Mitgliedern, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes - meist eines Jahres - Artikel kostenlos oder gegen eine geringe Publikationsgebühr in den Zeitschriften des jeweiligen Verlages zu veröffentlichen. Durch die Vielfalt der Angebote können auf diese Weise mehrere Lizenzen anfallen, insbesondere wenn den eigenen Wissenschaftler(inne)n eine möglichst große Wahlfreiheit eingeräumt werden soll.

Hybride Finanzierungsmodelle

Hybride Geschäftsmodelle greifen für die Finanzierung von Publikationen teils auf Subskriptionsgebühren, teils auf Autorengebühren zurück. Dieses Modell wird inzwischen auch von vielen traditionellen Verlagen praktiziert. So können Autorinnen und Autoren beim Springer Verlag über die Open-Choice-Gebühr von 3000$ ihren traditionell veröffentlichten Artikel online entgeltfrei zugänglich machen lassen. Weitere Verlage, die eine solche Option (für einen Teil ihrer Zeitschriften) anbieten, sind z.B. Oxford University Press, Blackwell, Wiley und Elsevier. Da in der Regel eine Kostensenkung durch proportional sinkende Subskriptionsgebühren nur vage in Aussicht gestellt wird, dient diese Publikationsstrategie primär dem Marketing dieser renommierten Verlage.

Community-Fee-Modell

Einige Fachgesellschaften finanzieren traditionell ihre Publikationsaktivitäten durch Mitgliedsbeiträge. Hierbei sind die organisierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der Regel sowohl Lesende als auch Autor(innen) der dort veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel, so dass die Kosten der Open-Access-Publikation auf beide Gruppen verteilt sind.

Institutionelle Trägerschaft

Wissenschaftliche Einrichtungen investieren heute in eigene Publikationsdienstleistungen, beispielsweise in Form eines Publikationsservers oder eines Universitätsverlages. Die Institution übernimmt dann nicht nur die Kosten für die Publikation, sondern ist für den gesamten Publikationsprozess verantwortlich. Die publizierten Dokumente - häufig auch Monografien - sind neben der Open-Access-Version oftmals auch als Printversion (für die die Autoren und Autorinnen die Kosten übernehmen) verfügbar.

Kombiniertes Finanzierungsmodell

Mitunter werden verschiedenen Geschäftsmodelle miteinander kombiniert. Dies liegt z.B. dem Finanzierungsmodell von German Medical Science (GMS) zugrunde. Plattform und Zeitschrift werden getragen von der eigens gegründeten GMS gGmbH, die Anschubfinanzierung erfolgt durch öffentliche Projektträger (Zentralbibliothek für Medizin, Institut für medizinische Dokumentation und Information). Die GMS gGmbH wird zudem durch Mitgliedsbeiträge verschiedener Fachgesellschaften (Community Fee) und Spenden finanziert, die anfallenden Publikationsaufgaben (z.B. Peer Review, redaktionelle Aufgaben) sind auf die drei teilnehmenden Einrichtungen verteilt.

Andere Finanzierungsmöglichkeiten

Weitere Finanzquellen ergeben sich durch Querfinanzierungen aus anderen Bereichen des Open-Access-Verlages, etwa Einnahmen aus dem Verkauf von Printausgaben oder anderen Produkten sowie aus Werbung und Spenden. Einige Open-Access-Zeitschriften beruhen stark auf dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Betreiber. Dieses setzt zumeist auf eine institutionelle Infrastruktur auf. Bei wachsendem Publikationsaufkommen kann dies unpraktikabel werden bzw. muss durch kombinierte Finanzierungsmodelle, soweit verfügbar, flankiert werden.

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