Gründe für Open Access

 

Open Access can be viewed as a return to one of the core values of scholarship - the free exchange of ideas

 

Erhöhte Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit von Dokumenten

Der wesentliche Vorteil von Open-Access-Inhalten wird häufig mit den Begriffen Sichtbarkeit und Wirksamkeit umschrieben. Die Sichtbarkeit meint die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dokument wahrgenommen und verbreitet wird, die Wirksamkeit dessen nachhaltige Rezeption und das Einfließen der Ergebnisse in die weitere Forschungsarbeit und die wissenschaftliche Diskussion. Sichtbarkeit und Wirksamkeit tragen zusammen zum Renommee von Autorinnen und Autoren bzw. ihrer Institution bei.

Open-Access-Beiträge werden deutlich besser wahrgenommen als solche, die nicht frei im Internet verfügbar sind. Die globale Verfügbarkeit führt zu einer verstärkten Nutzung, die wiederum eine vermehrte Zitierung zur Folge hat, wie einige Studien empirisch belegen. Je nach Fachgebiet erreichen Open-Access-Artikel eine bis zu dreimal höhere Zitierrate, zudem werden sie deutlich früher zitiert (siehe z.B. Lawrence: Free online availability substantially increases a paper's impact oder Harnad und Brody: Comparing the Impact of Open Access (OA) vs. Non-OA Articles in the Same Journals).

 

Schneller und kostenloser Zugang zu Informationen

Open Access im Internet veröffentlichte Informationen sind für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für Studierende und für die interessierte Öffentlichkeit sofort erreichbar und leicht auffindbar. Sie können weltweit von jedem beliebigen Arbeitsplatz mit Internetanschluss komfortabel genutzt werden. Open-Access-Publikationen erscheinen nach Einreichen des Manuskripts in der Regel schneller als im konventionellen Publikationssystem, da die (hier durchgängige) elektronische Form eine zügige redaktionelle Bearbeitung, Begutachtung und Bereitstellung ermöglicht und die Zeiten für Druck und Distribution wegfallen. Der Zugriff auf Open-Access-Inhalte ist weltweit kostenfrei. Dadurch können beispielsweise auch Menschen in ärmeren Ländern, denen ansonsten aufgrund fehlender finanzieller Mittel der Zugang verwehrt ist, auf wissenschaftliche Informationen zugreifen und diese nutzen.

 

Gute Auffindbarkeit über Suchmaschinen und Nachweisdienste

Open-Access-Dokumente sind in der Regel über Internet-Suchmaschinen wie Google, GoogleScholar u.a. auffindbar. Die optimale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Wirksamkeit ist aber erst dann gegeben, wenn sie auch in Nachweisdiensten, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einer Disziplin oder eines Arbeitsgebiets häufig genutzt werden, nachgewiesen werden. Beispiele für derartige Nachweisdienste sind OAIster, SPIRES HEP Literature Database, BASE, Scientific Commons oder MEind. Da Open-Access-Dokumente in der Regel durch internationalen Standards entsprechende Metadaten, Abstracts und Schlagwörter erschlossen werden, sind sie zeitnah nach ihrer Einstellung ins Internet weltweit such- und findbar. So sind sie zugleich über internationale Suchmaschinen und Bibliothekskataloge auffindbar. Ihre Relevanz für die Fragestellung eines Wissenschaftlers/einer Wissenschaftlerin kann durch Einsichtnahme unmittelbar überprüft werden.

Durch die globale Vernetzung von Archiven und das Aufsetzen von Mehrwertdiensten (z.B. Alerting-Dienste, Zitatnachweise, Referenzverknüpfungen) erhöhen sich der Nutzen, die Wirksamkeit und Sichtbarkeit der Arbeiten zusätzlich. Zitatnachweise von Open-Access-Beiträgen liefern beispielsweise ein wesentlich aktuelleres und vollständigeres Bild der Nachnutzung und Weiterentwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse als konventionelle Dienste wie SCOPUS oder Web of Science, die nur konventionell publizierte Arbeiten auswerten.

 

Partizipation an den Vorteilen digitaler Dokumente

Digitale Dokumente

  • sind unmittelbar und rund um die Uhr zugänglich;
  • können leicht abgespeichert, kopiert, versandt, gedruckt und als Grundlage neuer Texte genutzt werden;
  • unterliegen keiner Umfangsbeschränkung und können leicht auf andere Materialien verweisen (Audio- und Videodateien, Datensammlungen, Programme etc.), die der Dokumentation, Illustration, Verifizierung und Vertiefung von Forschungsergebnissen dienen;
  • können den Publikationsprozess deutlich beschleunigen. Gerade bei Open-Access-Publikationen setzen sich die Herausgeberinnen und Herausgeber in der Regel eine kurze Frist von der Einreichung eines Manuskripts bis zur Veröffentlichung des akzeptierten Beitrags zum Ziel;
  • erleichtern die gemeinsame Arbeit und ermöglichen die webbasierte Kollaboration an neuen Forschungsbeiträgen.

Verbesserung der Informationsversorgung und Ausweg aus der Zeitschriftenkrise

Open Access unterstützt die Informationsversorgung einerseits technisch, indem durch die Möglichkeit des direkten Zugriffs Beschaffungsaufwand und Zeitverluste vermieden werden. Andererseits wird es bei einem wachsenden Anteil frei zugänglicher Dokumente zunehmend einfacher, sich schnell, umfassend und authentisch über den aktuellen Forschungsstand zu informieren.

Durch die Zeitschriftenkrise sind heute viele Zeitschriften über Bibliotheken nicht mehr verfügbar, da Bibliotheken gezwungen waren, diese aus Kostengründen abzubestellen. Für Zeitschriften aus den Bereichen Medizin, Naturwissenschaft und Technik haben sich die Preise in den letzten 20 Jahren mitunter vervierfacht, bei stagnierenden Budgets der Bibliotheken. Für die daraus entstehenden Informationsprobleme bietet sich Open Access als Lösung und Ausweg an. Bibliotheken weisen Open-Access-Inhalte zunehmend als Ergänzung ihres Angebots nach. So enthält etwa die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) knapp 50% frei zugängliche Zeitschriften.

 

Förderung der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit

Die weltweite Vernetzung wissenschaftlicher Information, zu der Open Access einen wesentlichen Beitrag leistet, fördert die Internationalisierung der Wissenschaft. Des Weiteren ermöglicht die globale entgeltfreie Verfügbarkeit von Open-Access-Inhalten ärmeren Ländern, auf relevante wissenschaftliche Informationen zurückzugreifen und diese zu nutzen. Die Open-Access-Bewegung hilft dabei, die digitale Spaltung zu überwinden und alle Länder an den Forschungsergebnissen der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft teilhaben zu lassen.

Texte in der nationalen Sprache spielen für die Geistes- und Sozialwissenschaften nach wie vor eine dominierende Rolle. Liegt ein fremdsprachiger Text online frei zugänglich vor, so steigen seine Chancen wahrgenommen zu werden, auch wenn er kein englischsprachiges Abstract besitzt. Suchmaschinen wie Google Scholar indexieren den Volltext und machen Beziehungen zwischen Dokumenten sichtbar, die sich durch Zitate ergeben.

Durch die zeitnahe internationale Präsenz werden die Kooperation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert und der Forschungsprozess beschleunigt. Autorinnen und Autoren bekommen umgehende Reaktionen von ihren oft weltweit verteilten Kolleginnen und Kollegen.

Open Access fördert zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden auf diese Weise auch auf Informationen aus anderen Bereichen aufmerksam, auf die sie bei einer herkömmlichen Publikation vielleicht nie gestoßen wären.

 

Förderung der Forschungseffizienz durch rasche Diskussion von Forschungsergebnissen

Open Access bietet den idealen Rahmen für eine kooperative Zusammenarbeit an komplexen Forschungsproblemen. Das in der Physik und Mathematik viel genutzte arXiv und andere Repositorien stellen Material für die Kommunikation über Forschungsergebnisse zügig zur Verfügung. Brody et al. haben herausgefunden, dass die Zeit zwischen Deponierung und Zitierung zwischen 1999 und 2003 um die Hälfte gefallen ist. Dies deutet auf eine Verkürzung des Forschungzyklus durch die verstärkte Nutzung dieses Kommunikationsweges hin; vgl. Swan (2007). Open Access and the Progress of Science. American Scientist, 95 (3).

 

Verbleib der Verwertungsrechte bei der Autorin/beim Autor

Open-Access-Dokumente sind urheberrechtlich selbstverständlich genauso geschützt wie herkömmliche Publikationen. In Verträgen mit Open-Access-Verlagen oder -zeitschriften räumen die Autorinnen und Autoren dem Verlag bzw. der Zeitschrift in den meisten Fällen nur ein einfaches (nicht ausschließliches) Nutzungsrecht ein. Sie haben damit weiterhin das Recht, ihre Arbeit zu verwerten.

Durch spezielle Open-Content-Lizenzen wie Creative Commons Lizenzen oder Digital Peer Publishing Lizenzen haben Autorinnen und Autor die Möglichkeit, den Umfang der eingeräumten Nutzungsrechte selbst exakt zu definieren.

 

Freier Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen

Durch Open Access sind öffentlich subventionierte Forschungsergebnisse online frei zugänglich und müssen nicht durch die Wissenschaftseinrichtungen von den Verlagen (zurück-) gekauft werden. Oft wird die Kritik laut, dass die Öffentlichkeit Forschungsergebnisse dreifach finanzieren muss: Geforscht und publiziert wird in der Regel durch öffentlich bezahlte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Arbeiten werden dann von öffentlich bezahlten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Peer Review begutachtet, bevor sie schließlich in einer Zeitschrift erscheinen, die durch öffentlich finanzierte Bibliotheken und Institute von Verlagen erworben werden muss.

 

Langfristige Verfügbarkeit der Dokumente

Auf Archivservern ist die langfristige Archivierung von Dokumenten garantiert, die durch die Bereitstellung auf persönlichen Homepages meist nicht gewährleistet ist. Der permanente Zugriff auf den Text wird technisch durch die Vergabe von so genannten persistenten Identifikatoren (URN, PURL, DOI etc.) gewährleistet, diese sind unabhängig vom konkreten Ablageort eines Dokumentes. Um elektronische Dokumente langfristig nutzbar zu halten, werden eigens Maßnahmen der Langzeitarchivierung ergriffen (z.B. kopal, nestor).

Erfahrungen zeigen, dass wissenschaftliche Autorinnen und Autoren ihre Arbeiten selten dauerhaft speichern und verlässlich sichern. Die erstellten Ergebnisse gehen ihrer Forschungsinstitution dadurch verloren, und die Langzeiterhaltung obliegt allein den Verlagen und Fachgesellschaften. Eine redundante Speicherung hilft jedoch, den dauerhaften Zugriff zu gewährleisten.

 

Vorteile in vernetzten, IT-gestützten Arbeitsumgebungen

Das traditionelle Publikationssystem ist gegenüber den Anforderungen von e-Science-Projekten (z.B. DILIGENT, eSciDOC) wenig offen und erfordert organisatorische und technische Maßnahmen des Handlings von Nutzungsrechten. Open Access ermöglicht demgegenüber den problemlosen Zugriff auf Informationen innerhalb des Workflows der jeweiligen e-Science-Anwendung. Open Access ist somit eine wichtige Infrastrukturvoraussetzung für e-Science und verbessert zugleich die Berücksichtigung - und damit die Wirksamkeit - der jeweiligen Informationen im Kontext von e-Science.

Eine Integration von Open-Acces-Repositorien mit e-Science-Daten-Repositorien eröffnet der kollaborativen und interdisziplinären Forschung neue Möglichkeiten.

Prioritätssicherung

Insbesondere Preprints bieten hinsichtlich der Prioritätssicherung verschiedene Vorteile: Autorinnen und Autoren können gegenüber der Einreichung eines Manuskripts bei einer Zeitschrift Zeit sparen, indem sie eine Vorabversion als Preprint veröffentlicht. Sie vermeiden Prioritätsprobleme im Falle der Ablehnung einer Zeitschriftenpublikation und den damit zusätzlich einhergehenden Zeitverzug. Bei Erkenntnissen, die möglicherweise patentwürdig sind, sichern sie sich durch eine schnelle Bereitstellung der Forschungsergebnisse die Priorität im patentrechtlichen Sinne und können sich so die Entscheidung über eine spätere Patentierung offen halten.

 

Weiterführende Links

Höhere Zitationsrate von Open-Access-Inhalten

 
Zeitschriftenkrise