Bereitstellen von Dokumenten in Repositorien

In der Praxis stellt sich Autorinnen und Autoren ebenso wie Repositorienbetreibern oft die Frage: Dürfen wir dieses Dokument in Repositorien bereitstellen? Erfreulicherweise lässt sich diese Frage in vielen Fällen mit einem klaren Ja beantworten.

Die meisten Verlage haben keine Einwände gegen die Selbstarchivierung. Was welche Verlage bei der Selbstarchivierung erlauben, zeigt die SHERPA/RoMEO-Liste. Zudem ist eher nicht damit zu rechnen, dass ein Verlag, der mit der Open-Access-Bereitstellung eines Preprints oder Postprints im Internet nicht einverstanden ist, dem eigenen Autor bzw. der eigenen Autorin gegenüber die Löschung gerichtlich durchsetzt. Um allerdings rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt es sich von Fall zu Fall zu prüfen, ob die Einstellung unbedenklich ist. Die folgenden Sachverhalte sollen einen Überblick darüber bieten, was jeweils rechtlich zu beachten ist.

Selbstarchivierung von Artikeln, die bereits in einer Zeitschrift veröffentlicht wurden

Oft sind bei der Selbstarchivierung Sperrfristen zwischen Verlagspublikation und Open-Access-Bereitstellung oder spezielle Anforderungen des Verlags z.B. hinsichtlich der zu veröffentlichenden Version des Dokumentes oder eines Textzusatzes zu beachten. Die (rechtlich unverbindliche) SHERPA/RoMEO Liste bietet hilfreiche Informationen darüber, welche Regelungen bei welchem Verlag in Bezug auf die Selbstarchivierung zu beachten sind. Verbreitet ist beispielsweise die Erlaubnis, gleichzeitig mit dem Erscheinen einer Verlagspublikation die Autorenversion des Dokuments als Postprint selbst zu archivieren, also die Version, die vom Verlag zur Publikation akzeptiert und begutachtet wurde, jedoch in der Formatierung des Autors vorliegt. Anders als das Preprint, also die beim Verlag eingereichte, noch nicht begutachtete Version, weicht das Postprint in der Regel inhaltlich nicht mehr von der Verlagsversion ab.

Einige Verlage sind dazu übergegangen, die sofortige Selbstarchivierung unter Berücksichtigung einiger Auflagen zu erlauben. Autorinnen und Autoren, deren Verlagsverträge entsprechende Passagen aufweisen, sollten diese bei der Anmeldung von Dokumenten in Repositorien angeben. Oft handelt es sich um spezielle Textzusätze, die dem Dokument bei der Bereitstellung hinzugefügt werden sollen.

Beispiel: If you wish to post your version of this article within your institutional repository please include the following wording: Author Posting. (c) Publisher X, 2007. This is the author's version of the work. It is posted here by permission of Publisher X for personal use, not for redistribution. The definitive version was published in Journal of XXX, VolumeXX Issue X, April 2007. doi:XX.XXXX/XXXXXXX (Link zum doi).

 

Haben Autorin/Autor und Verlag keinen expliziten Verlagsvertrag geschlossen, so erwirbt der Verlag für die Vervielfältigung und Verbreitung, also die Print-Veröffentlichung, ein ausschließliches Nutzungsrecht. Dieses wandelt sich ein Jahr nach Erscheinen des Artikels in ein einfaches Nutzungsrecht, so dass der Autor Dritten den Wiederabdruck des Artikels gestatten kann.

Gesetzlich verankert ist dies in § 38 Abs.1 UrhG (§ 38 UrhG Beiträge zu Sammlungen), der das Zweitveröffentlichungsrecht regelt: "Gestattet der Urheber die Aufnahme des Werkes in eine periodisch erscheinende Sammlung, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung. Jedoch darf der Urheber das Werk nach Ablauf eines Jahres seit Erscheinen anderweitig vervielfältigen und verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist."

Im Ergebnis kann die Autorin/der Autor also bei der Selbstarchivierung eines bereits in einer Zeitschrift erschienenen Artikels nach § 38 Abs.1 UrhG verfahren und seinen Beitrag ein Jahr nach Erscheinen auf einem Dokumentenserver ablegen.

 

Die Bereitstellung in Repositorien ist aber eine Online-Verbreitung. § 38 UrhG stammt aus der analogen Welt, und ob damit auch das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung im Sinne von § 19a UrhG, das für eine Online-Verbreitung notwendig ist, eingeschlossen wird, ist unter Juristen umstritten.  Der Spezialist für Bibliotheksrecht Eric Steinhauer geht davon aus, dass das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung nicht automatisch übertragen wird, wenn kein expliziter Verlagsvertrag geschlossen wurde: "Soweit nämlich ein Autor einem Verleger ohne nähere Vereinbarung für eine Zeitschrift oder eine Festschrift einen Beitrag zum Abdruck überlässt, kann nicht davon ausgegangen werden, der Verleger habe auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erworben." (Steinhauer, 2006). Dies hat zur Konsequenz, dass der Verleger ohne eine explizite vertragliche Absprache zu keinem Zeitpunkt ein Nutzungsrecht für eine Online-Verbreitung erworben hat. Der Autor ist damit grundsätzlich frei, Dritten die Online-Verbreitung seines Beitrages zu gestatten oder diese selbst vorzunehmen. Die Juristen Jörn Heckmann und Marc Philipp Weber legen in Kombination mit der allgemeinen Zweckübertragungsregel von § 31 UrhG den § 38 UrhG jedoch dahingehend aus, dass einerseits der Verlag auch das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung erhält und andererseits die Autorin/der Autor nach einem Jahr nur das Recht der körperlichen Verbreitung des Werkes erhält - für eine Online-Bereitstellung reiche der Anwendungsbereich von § 38 UrhG nicht und könne daher nicht als Begründung für eine parallele Selbstarchivierung herangezogen werden (Heckmann & Weber, 2006, S. 2).

Folgt man Steinhauers Argumentation, bleibt dennoch unklar, ob die sogenannte Enthaltungspflicht der Autorin/des Autors dem Verlag gegenüber angenommen werden muss, oder ob der Beitrag sofort parallel online verfügbar gemacht werden kann. Die Enthaltungspflicht stammt aus dem Verlagsgesetz (§ 2 VerlG). Sie wird in der Regel solange bestehen, wie der Verlag das ausschließliche Recht der Print-Publikation besitzt. Wenn also der Verlag nach § 38 UrhG ein Jahr nach dem Erscheinen des Beitrages nur noch ein einfaches Nutzungsrecht hat und die Autorin/der Autor ab diesem Zeitpunkt ihren/seinen Text anderweitig in gedruckter Form verbreiten darf, besteht für eine fortwährende Enthaltung im Online-Bereich kein Grund mehr. Dies umso weniger, als der Verlag hier ja niemals ein entsprechendes Nutzungsrecht erworben hat, so Steinhauer. Der Historiker Klaus Graf dagegen ist der Ansicht, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Artikel auch vor Ablauf der Einjahresfrist online publizieren können, weil § 38 UrhG nur die körperliche Verbreitung regelt und die öffentliche Zugänglichmachung davon unberührt ist. Einzig das Stellen unter eine freie Creative-Commons-Lizenz sei erst nach Ablauf des Jahres möglich, da diese ein einfaches Nutzungsrecht für jedermann einräumen, das die körperliche Verbreitung mit einschließt (Graf, 2006). Möglich ist jedoch die Vergabe einer DiPP-Lizenz.

Im Folgenden wird im Zusammenhang mit § 38 UrhG davon ausgegangen, dass die Lesart von Eric Steinhauer zutreffend ist.

Selbstarchivierung von Beiträgen, die bereits in Sammelwerken (z.B. Festschriften) veröffentlicht wurden

Beiträge, die in Büchern oder Festschriften erschienen sind, dürfen ein Jahr nach ihrem ersten Erscheinen anderweitig verbreitet werden, wenn vertraglich nichts anderes vereinbart wurde und der Autor/die Autorin für die (erste) Veröffentlichung keine Vergütung erhalten hat. Das Recht zur Online-Verbreitung nach Jahresfrist besteht jedoch nur, wenn es zur Online-Verbreitung keine vertragliche Regelung gibt, denn dann bezieht sich der § 38 UrhG ausschließlich auf die Verbreitung in körperlicher Form.

§ 38 UrhG: "(1) Gestattet der Urheber die Aufnahme des Werkes in eine periodisch erscheinende Sammlung, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht zur Vervielfältigung und Verbreitung. Jedoch darf der Urheber das Werk nach Ablauf eines Jahres seit Erscheinen anderweitig vervielfältigen und verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist.
(2)  Absatz 1, Satz 2 gilt auch für einen Beitrag zu einer nicht periodisch erscheinenden Sammlung, für dessen Überlassung dem Urheber kein Anspruch auf Vergütung zusteht."

Viele Verlage erlauben inzwischen die Selbstarchivierung solcher Beiträge, auch wenn Honorar bezahlt wurde. Eine kurze Anfrage beim Verlag kann sich daher lohnen

Selbstarchivierung von Artikeln, die bereits in einer Zeitung veröffentlicht wurden

Von dem Moment an, in dem ein Artikel in einer Tageszeitung veröffentlicht wurde, haben Autorinnen und Autoren das Recht, ihn auch anderweitig zu verbreiten, sofern nichts anderes vereinbart wurde.

Wird der Beitrag einer Zeitung überlassen, so erwirbt der Verleger oder Herausgeber ein einfaches Nutzungsrecht, wenn nichts anderes vereinbart ist. Räumt der Urheber bzw. die Urheberin ein ausschließliches Nutzungsrecht ein, so sind sie sogleich nach Erscheinen des Beitrags berechtigt, ihn anderweitig zu vervielfältigen und zu verbreiten, wenn nichts anderes vereinbart ist. (§38 Abs. 3 UrhG)

Selbstarchivierung von bereits veröffentlichten Monografien

Es gibt keine gesetzliche Verankerung, wann eine bereits veröffentlichte Monografie auch anderweitig verbreitet werden darf. Die einzige Regelung, die auch für Monografien zutrifft, ist die der vor 1995 veröffentlichten Dokumente. Bei diesen Werken liegen die Rechte an der Online-Verbreitung bei den Autorinnen und Autoren, da es sich bis dato um eine unbekannte Nutzungsart handelte, für die die Autor/innen keine Rechte einräumen konnten, d.h. sie dürfen diese Werke online verbreiten (§ 15 UrhG. (Dies gilt nur unter dem Vorbehalt, dass nachträglich keine Vereinbarung über die Online-Verbreitung geschlossen wurde.) Mit Ablauf des Jahres 2008 fallen die Online-Nutzungsrechte an den Verlag, falls die Autorin oder der Autor dieser Nutzungsart nicht widerspricht oder die Online-Nutzungsrechte an einen Dritten übertragen hat (näheres siehe unter Urheberrechtsreform).

Für ab 1995 veröffentlichte Monografien bietet sich eine Nachfrage beim Verlag an. Möglicherweise haben Verlage die Monografie bereits aus dem Programm genommen oder haben keine Einwände gegen die Einstellung der Monografie in einen Dokumentenserver.

Erstveröffentlichung von Monografien

Viele Publikationen, z.B. Dissertationen, werden ausschließlich elektronisch in Repositorien veröffentlicht. Hierbei ist rechtlich vor allem die jeweilige Promotionsordnung der Universität zu beachten.

Plant eine Autorin/ein Autor parallel eine Open-Access-Bereitstellung und eine Publikation in gedruckter Form, so ist dies im Verlagsvertrag festzuhalten. Viele Verlage, z.B. Universitätsverlage, bieten bereits dieses sogenannte "Hybride Publizieren" an. Oft lohnt es sich auch, gezielt beim Wunschverlag die gewünschte Open-Access-Selbstarchivierung anzusprechen. Einige Verlage stehen dem durchaus aufgeschlossen gegenüber, da eine parallele Zugänglichmachung im Open Access oft auch den Absatz der gedruckten Version fördert.

Das Dokument sollte, wenn möglich, unter einer Open-Content-Lizenz verbreitet werden.

Selbstarchivierung von Dokumenten, die vor 1995 veröffentlicht wurden

Bei Dokumenten, für die vor 1995 ein Verlagsvertrag unterzeichnet wurde, lagen die Rechte an der Online-Verbreitung bis zum Ende des Jahres 2008 bei der Autorin/dem Autor (Ausnahme: der Verlag hat den Autor informiert, dass er die Online-Nutzungsrechte bereits vor Ablauf des Jahres 2008 nutzen möchte. In diesem Fall hatte die Autorin/der Autor drei Monate Zeit zum Widerspruch). Die Online-Verbreitung wird bis 1995 als eine unbekannte Nutzungsart angesehen, für die die Autor(inn)en keine Rechte einräumen konnten. Diese Dokumente dürfen laut § 137l selbst archiviert werden, wenn die Autor(inn)en bis zum Ende des Jahres 2008 einem Dritten (zum Beispiel dem Betreiber des Repositoriums) das einfache Nutzungsrecht für die Online-Publikation eingeräumt oder beim Verlag gegen die Onlinenutzung durch den Verlag Widerspruch eingelegt haben. Die zeitliche Übergangsphase wurde von § 137l UrhG geregelt. Näheres siehe unter Urheberrechtsreform: Welche Änderungen sind in Bezug auf Open Access relevant?

 

Weiterführende Links zum Thema

 

Bitte beachten Sie, dass die hier dargestellten Inhalte nur der Information dienen und keine rechtsverbindlichen Auskünfte sind.