Die Geschichte der Open-Access-Bewegung

 

Ursprünge der Open-Access-Bewegung

Den Grundstein der Open-Access-Bewegung legte Paul Ginsparg, der 1991 den Server ArXiv am Los Alamos National Laboratory (LAN-L) einrichtete, um Preprints in der Physik frei zugänglich zu machen. Weitere führende Akteure und Mitbegründer der Open-Access-Bewegung sind insbesondere Peter Suber, Professor für Philosophie am Earlham College in Richmond/Indiana, der u.a. das Weblog Open Access News und den Newsletter der SPARC-Initiative schreibt, und der ungarische Kognitionswissenschaftler Stevan Harnad, der selbst u.a. das Cognitive Sciences Eprint Archive (Cogprints) und die Mailingliste American-Scientist-Open-Access-Forum betreibt.

Voraussetzung der Archivierung

Möglich wurde die Einrichtung von kostenfreien Dokumentenarchiven durch die Entwicklung der Software EPrints, die es erlaubt, wissenschaftliche Texte so zu archivieren, dass andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entgeltfrei darauf zugreifen und in dem Gesamtbestand recherchieren können. Um eine serverübergreifende Abfrage von Metadaten zu garantieren, gründete sich 1999 die Open Archives Initiative (OAI), die Standards zur effizienten Recherche über verschiedene Server hinweg entwickelt hat.

Öffentliche Positionierung

Die Public Library of Science (PLoS) rief im Jahr 2000 in einem offenen Brief über das Internet die Wissenschaftsverlage dazu auf, alle in ihren Zeitschriften erscheinenden Forschungsberichte spätestens sechs Monate nach ihrer Veröffentlichung freizugegeben. Andernfalls würden die Unterzeichnenden das entsprechende Journal weder kaufen noch zitieren oder als Autor/in, Herausgeber/in) und Gutachter/in zur Verfügung stehen. Bei einer Tagung des Open Society Institute (OSI) im Dezember 2001 entstand die Budapest Open Access Initiative (BOAI), ein Zusammenschluss verschiedener nationaler und internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes- und Naturwissenschaften, mit der Forderung nach freiem unentgeltlichen Zugang zur wissenschaftlichen Fachzeitschriftenliteratur in allen akademischen Feldern. Im Juni 2003 veröffentlichten Vertreterinnen und Vertreter von Fördereinrichtungen, Bibliotheken, Verlagen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften das Bethesda Statement on Open Access Publishing. Ende Oktober 2003 wurde im Rahmen der Konferenz Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities der Max-Planck-Gesellschaft die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von namhaften europäischen und amerikanischen Forschungsorganisationen und Universitäten unterzeichnet. Die Unterzeichnenden verpflichten sich, die Weiterentwicklung des Open-Access-Gedankens zu unterstützen, indem sie z.B. Forscherinnen und Forscher darin bestärken, ihre Ergebnisse Open Access zu veröffentlichen.

Die Zeitschriftenkrise

Die Entwicklung der Open-Access-Bewegung bzw. die Verbreitung über die Wissenschaft hinaus wurde durch die sogenannte Zeitschriftenkrise begünstigt. Seit Mitte der 1990er Jahre sind die Preise für Zeitschriften vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich immer weiter gestiegen, so dass Universitätsbibliotheken mehrfach Journale abbestellen mussten - mit der negativen Konsequenz zunehmend eingeschränkter Zugriffsmöglichkeiten auf relevante wissenschaftliche Informationen. Eine weitere Begünstigung fand der Open-Access-Gedanke durch die schwer haltbare Mehrfachsubventionierung wissenschaftlicher Publikationen durch die Öffentliche Hand: "Mehrfach, weil die Gehälter und die redaktionelle Überarbeitung vom Staat finanziert werden. Hinzukommen Druckkostenzuschüsse aus Fördermitteln, in der Regel ebenfalls von öffentlichen Geldgebern. Die fertigen Publikationen werden schließlich gegen teilweise horrende Preise von den Bibliotheken zurückgekauft, damit diese sie wiederum den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der eigenen Einrichtung zur Verfügung stellen können" (Mruck, Gradmann & Mey 2004; vgl. auch Graf 2003). Die Forderung des Open Access durchbricht diese Strukturen, indem die Forschungsergebnisse kostenfrei im Internet für alle Interessierten zur Verfügung stehen.