Open-Access-Strategien

 

Der goldene Weg

Der goldene Weg - Publishing - bezeichnet die Erstveröffentlichung von wissenschaftlichen Artikeln in Open-Access-Zeitschriften, prinzipiell aber auch die Open-Access-Publikation anderer originärer Beitragsarten (Monografien, Sammelbände usw.). Diese Texte durchlaufen für gewöhnlich einen Qualitätssicherungsprozess, meist in Form eines Peer Review oder Editorial Review. Mit dem Verlag wird in der Regel ein Publikationsvertrag geschlossen, der bestimmt, welche Nutzungsrechte die Autorinnen und Autoren dem Verlag einräumen und welche Nutzungsbedingungen für die frei zugänglichen Dokumente gelten sollen. Ein solcher Vertrag wird oftmals durch eine Open-Access-Publikationslizenz ergänzt, mit dem Autor/innen den Nutzer/innen weitergehende und genau spezifizierte Rechte einräumen können.

Eine Übersicht über ca. 5.080 referierte Open-Access-Zeitschriften (Stand Juni 2010) bietet das Directory of Open Access Journals (DOAJ).

Um  Open-Access-Publikationen zu finanzieren, bedarf es ebenso Finanzquellen wie bei traditionellen Publikationen. Die Einkommensquellen sind jedoch zum Teil anders gewichtet. So erheben einige Open-Access-Verlage Publikationsgebühren, die der Autor bzw. die Autorin (Author Fees) oder deren Institution (Institutional Fees) bezahlen; die Möglichkeit einer Druckversion wird von den meisten Open-Access-Verlagen durch Print-on-Demand angeboten.

Der grüne Weg

Der grüne Weg - Self-Archiving - bezeichnet die zeitgleiche oder nachträgliche Archivierung digitaler Inhalte auf einem institutionellen oder disziplinären Open-Access-Dokumentenserver. Dies betrifft vor allem Preprints und Postprints, aber auch andere Dokumentarten wie z.B. Monografien, Forschungsberichte, Konferenzproceedings. Ein Preprint entspricht einer Manuskriptfassung, die bei einer Zeitschrift (oder für einen Sammelband) für eine Veröffentlichung eingereicht wurde. Bei einem Preprint handelt es sich um eine nicht begutachtete wissenschaftliche Arbeit, d.h. die Güte wurde noch nicht von Peers evaluiert bzw. seine Veröffentlichung wurde noch nicht empfohlen. Die Nutzungsrechte liegen in der Regel noch beim Autor bzw. bei der Autorin, so dass die Selbstarchivierung von Preprints für gewöhnlich rechtlich unproblematisch ist.

Ein Postprint ist bereits begutachtet und zur Veröffentlichung angenommen, d.h. der Postprint enthält die Inhalte der Verlagsversion (der sog. Publisher’s Version, also der schließlich veröffentlichten Fassung), ist aber nicht identisch mit ihr: zum einen kann die Formatierung des Postprints von der der Verlagsversion abweichen; zum anderen ist das Printproof (d.h. die Abnahme der sog. Korrekturfahne) noch nicht durchgeführt, so dass ein Postprint zuweilen noch Tippfehler oder von der Verlagsversion abweichende Formulierungen aufweisen kann. Die Bereitschaft von Zeitschriften und Verlagen, die Selbstarchivierung von Postprints zuzulassen, ist recht unterschiedlich, so dass hierbei rechtliche Probleme entstehen können. Einen Überblick darüber, was Verlage den Autorinnen und Autoren gestatten, bietet das Verzeichnis SHERPA/RoMEO.

In der Open-Access-Diskussion werden zwei Formen der Selbstarchivierung unterschieden. Die Arbeiten können auf institutionellen Repositorien zugänglich gemacht werden. Autorinnen und Autoren haben hierbei die Möglichkeit, ihre wissenschaftlichen Texte auf einem fachübergreifenden Dokumentenserver ihrer Institution (z.B. Hochschule) abzulegen. Auf disziplinären Repositorien werden wissenschaftliche Dokumente hingegen thematisch gebündelt, z.B. für eine Fachdisziplin, zur Verfügung gestellt, unabhängig davon, welcher Institution der Autor/die Autorin angehört. Eine dritte Variante der Selbstarchivierung ist die Hinterlegung der wissenschaftlichen Dokumente auf der eigenen Homepage (Self-Posting). Eine solche Vorgehensweise bedeutet jedoch, dass die so hinterlegten Dokumente in der Regel schlechter sichtbar sind als im Falle der Archivierung auf institutionellen oder disziplinären Repositorien.

Eine Liste von Open-Access-Repositorien findet sich bei OpenDOAR sowie im Registry of Open Access Repositories (ROAR).

Der graue Weg

Unter grauer Literatur werden Schriften verstanden, die nicht über herkömmliche Vertriebswege (Verlage, Buchhandel) verbreitet werden. Als grauer Weg wird die Bereitstellung von grauer Literatur im Open Access bezeichnet. Im Unterschied zum goldenen und grünen Weg erfolgt die entgeltfreie Nutzbarmachung von Dokumenten hier ohne die Beteiligung von Verlagen bzw. Zeitschriften und wird auch nicht von einer nachträglichen, vorhergehenden oder zeitgleichen Veröffentlichung in einem Verlag bzw. einer Zeitschrift begleitet. Ob mit dem grauen Weg tatsächlich eine eigene Open-Access-Strategie vorliegt oder nicht vielmehr eine Sonderform des grünen oder goldenen Weges, ist ebenso umstritten wie die Frage, ob die entgeltfreie Bereitstellung grauer Literatur über das Internet überhaupt einen Fall von Open Access darstellt (vgl. Stevan Harnad 2006).

Will man an der Existenz dreier Strategien festhalten, können elektronisch, in der Regel auf institutionellen Repositorien veröffentlichte Dissertationen als Beispiele für den grauen Weg gelten. Dem grauen Weg ist auch die in die Anfänge des Internet zurückreichende Praxis zuzurechnen, wissenschaftliche Ergebnisse oder Beiträge als Preprints in disziplinäre Repositorien einzustellen. Ein großer Teil dieser Preprints wird (der Bezeichnung zum Trotz) nicht anderweitig veröffentlicht. Auch wenn einzelne Preprints durch typische Wendungen als Diskussionsbeiträge erkennbar sind, gilt dies nicht für Preprints generell, die zugleich eine selbständige (und in hohem Maße eigenverantwortliche) Publikationsform sind. Ein Beispiel unter vielen, das über die Fachgrenzen hinaus Aufmerksamkeit gefunden hat, ist der im Preprint-Archiv ArXiv.org publizierte und 2006 durch Zuerkennung der Fields-Medaille gewürdigte Beweis der Poincaréschen Vermutung durch den russischen Mathematiker Perelman.

 

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