Institutionelle und disziplinäre Repositorien

 

Was sind Repositorien?

Repositorien sind an Universitäten oder Forschungseinrichtungen betriebene Dokumentenserver, auf denen wissenschaftliche Materialien archiviert und weltweit entgeltfrei zugänglich gemacht werden. Unterschieden werden institutionelle und disziplinäre Repositorien. Als institutionelle Repositorien werden Dokumentenserver bezeichnet, die von Institutionen (meist Universitätsbibliotheken oder Forschungsorganisationen) betrieben werden und ihren Mitgliedern die digitale Publikation oder Archivierung ermöglichen. Disziplinäre Repositorien hingegen sind institutionsübergreifend und stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern thematisch gebündelt, z.B. für eine Fachdisziplin, zur Publikation und Archivierung ihrer Arbeiten zur Verfügung (z.B. PsyDok als disziplinären Volltextserver in der [deutschsprachigen] Psychologie, Social Science Open Access Repository [SSOAR] für die Sozialwissenschaften oder arXiv für Publikationen aus Astronomie, Physik, Mathematik, Informatik und Biologie). Wie der Zugriff für Nutzende ist auch die Bereitstellung der wissenschaftlichen Publikation für Autorinnen und Autoren auf institutionellen oder disziplinären Repositorien in der Regel entgeltfrei.

Die Scholarly Publishing & Academic Resources Coalition (SPARC), ein Zusammenschluss von Akademien, Bibliotheken und Forschungsorganisationen, empfiehlt den Aufbau wissenschaftseigener Publikationsinfrastrukturen. Auch die deutsche Hochschulrektorenkonferenz hat bereits im Jahr 2002 eine Empfehlung herausgegeben, in der die Hochschulleitungen aufgefordert werden, Umstrukturierungsprozesse im Publikationswesen durch Bereitstellung geeigneter Infrastrukturen zu fördern - entweder durch das Betreiben von Hochschulservern oder durch Gründung von hochschuleigenen Verlagen. In der Schweiz haben anfangs 2006 die wichtigsten Wissenschaftsinstitutionen - unter anderem der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS) – die Berliner Erklärung unterzeichnet.  

Inzwischen bieten viele Universitäten und Forschungseinrichtungen ihren Mitgliedern die elektronische Archivierung auf eigenen Dokumentenservern an.

Inhalt und Mehrwert von Repositorien

Die Gestaltungsformen von Repositorien sind reichhaltig. Neben der klassischen Unterscheidung zwischen institutionellen und disziplinären Repositorien variieren die Angebote der verschiedenen Repositorien auch durch den dargebotenen Inhalt, die angebotenen Mehrwertdienste (zusätzliche Dienstleistungen) und die Elaboriertheit bzw. den aktuellen Entwicklungsstand. Während bei einigen Dokumentenservern vorgesehen ist, jegliche Form elektronischer Dokumente - Preprints, Arbeitspapiere, publizierte Artikel, Lehr- und Lernmaterialien sowie Qualifikationsarbeiten - zu archivieren, beschränken andere ihr inhaltliches Angebot beispielsweise auf die Archivierung von Qualifikationsarbeiten.

Vernetzte Repositorien bieten über ihre Schnittstellen und Nachweisdienste zahlreiche Mehrwertdienste an:

  • Erzeugung verschiedener Sichten und virtueller Kollektionen, z.B. Einschränkung auf Dokumente zu einem bestimmten Thema unabhängig vom Ort der physischen Speicherung
  • automatische Erstellung von persönlichen oder Community-bezogenen Nutzungs- und Interessenprofilen (Profiling)
  • Alerting-Dienste: automatische Benachrichtigungen über Neuzugänge nach vorgegebenen oder automatisch erstellten Profilen
  • Erstellung von Publikationslisten bzw. Bibliographien von Autor/innen oder Arbeitsgruppen
  • Zusammenführung von verschiedenen Versionen oder Depotadressen (z.B. bei gespiegelten Servern) eines Dokuments (vgl. SPIRES HEP Literature Database, Google Scholar)
  • Zitatnachweise und Referenzverknüpfungen (ebenfalls SPIRES HEP Literature Database und Google Scholar)

Auffindbarkeit der Dokumente - das OAI-Protokoll

Wer heute nach wissenschaftlicher Information sucht, muss nicht verschiedene Repositorien einzeln durchsuchen, sondern gibt seine Anfrage in die Suchmaske eines OAI-Serviceproviders (z.B. OAIster, Scientific Commons, SPIRES HEP Literature Database, BASE, MeIND) ein, worauf die verschiedenen Dokumentenserver zeitgleich durchsucht werden. Möglich wird dies durch das Open Archives Initiative - Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH), ein XML-basiertes Protokoll, welches der Abfrage und Übertragung von Metadaten dient. Service-Provider sammeln Titeldaten von den Data-Providern ein, bereiten diese auf und stellen sie für Suchanfragen bereit. Dies garantiert die Auffindbarkeit sowie die maximale Verbreitung und damit Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Texte.

In dem laufenden EU-Projekt DRIVER wird eine neue Infrastruktur vernetzter Repositorien mit vielfältigen, teilweise neuen Funktionalitäten und Nutzungs-Services entwickelt.

Qualitätsstandards von Repositorien - das DINI-Zertifikat

Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI e.V.) will die Verbesserung der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie die dafür notwendigen Entwicklungen fördern und unterstützen. Die Entwicklung des DINI-Zertifikats Dokumenten- und Publikationsservice der DINI-Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren ermöglicht die standardisierte Beurteilung des begutachteten Dokumentenservers und der erbrachten Dienstleistung und versteht sich als Qualitätskontrolle für Dokumenten- und Publikationsservices. Die der Zertifizierung zugrunde liegenden Kriterien umfassen unter anderem die Sichtbarkeit des Gesamtangebotes, die Betreuung der Autorinnen und Autoren, die Sicherheit, Authentizität und Integrität des technischen Systems sowie die Langzeitverfügbarkeit und Auffindbarkeit der dort archivierten Dokumente. Derzeit (Stand November 2010) sind 34 institutionelle Repositorien DINI-zertifiziert.