Für eine gute Open-Access-Publikation genügt es gerade bei umfangreicheren Texten nicht, die Inhalte frei zugänglich auf einem Repositorium zu verbreiten. Denn die freie Zugänglichkeit allein ermöglicht zwar eine umfassende Erreichbarkeit, sie garantiert aber keine ausreichende Sichtbarkeit oder gar die Rezeption des Textes durch die Fachwelt. Soll hier Abhilfe geschaffen werden, kann der Autor/die Autorin auf den Versand von gedruckten Rezensionsexemplaren des Online-Textes nicht verzichten. Auch Lesende werden neben der Online-Version, die sie sofort einsehen, durchsuchen und auf Relevanz überprüfen können, eine gedruckte Ausgabe des Textes zu schätzen wissen. Nach wie vor empfinden viele Menschen die Lektüre einer umfangreichen Abhandlung allein am Bildschirm als unbefriedigend und den selbst erstellten Ausdruck des Textes als unpraktisch oder zu teuer.
Hier sind Verlage durch ihre Kompetenz in der Herstellung und im Vertrieb gedruckter Bücher ein willkommener Partner für Open Access. Ein entsprechendes Engagement rechnet sich. Vor allem bei sehr spezieller wissenschaftlicher Literatur wie Dissertationen oder Tagungsbänden ist Open Access verbunden mit der Möglichkeit, den online frei zugänglichen Text als Buchausgabe zu erwerben (hybrides Publizieren), regelrecht absatzfördernd, sofern das gedruckte Buch zu einem angemessenen und auch für private Leser und Leserinnen erschwinglichen Preis angeboten wird. Zahlreiche deutschsprachige Universitätsverlage und die amerikanische National Academies Press haben bereits positive Erfahrungen mit Open-Access-Versionen ihrer Bücher als "Full Text Teaser" gesammelt.
Die Rechnung für die Verlage ist einfach. Open Access lohnt sich, sobald die Zahl derjenigen Leser und Leserinnen, die sich nach Einsicht der Onlineversion zum Bucherwerb entschließen und das Werk ansonsten vielleicht übersehen hätten, höher ist als die Zahl derjenigen, die auf einen Buchkauf verzichten, weil der Text im Internet frei zugänglich ist. Ein entscheidender Teil des Absatzes fachwissenschaftlicher Werke erfolgt über Bibliotheken, die einen Sammelauftrag haben. Können sich Fachreferent(inn)en und Erwerbungsleiter(innen) einfach und umfassend über die Qualität einer Publikation informieren, werden sie die kostenpflichtige Version auch dann erwerben, wenn es eine freie Onlineversion gibt. Noch immer gilt in der Welt der Bücher die Veröffentlichung mit einer ISBN und dem Vertrieb über den Buchhandel als Indiz für eine qualitätvolle Veröffentlichung. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die das Open Access bereitgestellte Werk am Bildschirm lesen, werden in der Regel das Buch mit Verlagsnennung zitieren und ggf. auf die Onlineversion hinweisen. Hierdurch kann der Zeitraum der Wahrnehmung, Rezeption und Anerkennung eines Werkes durch die Fachwelt zum Teil um Jahre verkürzt werden. Erfahrungen aus der Praxis zufolge kann Open Access die Zahl der Verkäufe enorm steigern!
Ein Beleg für gestiegene Absätze bei Open Access findet sich hier für Publikationen von Eric van Hippel, MIT: