Chemie
- Allgemeine Informationen zu Open Access in der Chemie
- Open-Access-Zeitschriften
- Disziplinäre Repositorien und Datenbanken
- Beiratsmitglied der Informationsplattform aus dem Bereich Chemie
Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Chemie zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!
Allgemeine Informationen zu Open Access in der Chemie
Akzeptanz und Verbreitung von Open Access sind in der Chemie weniger weit fortgeschritten als beispielsweise in den Nachbarfächern Biologie oder Physik. Zwar liegt bei einem Vergleich mit der Physik die Zahl der frei zugänglichen Zeitschriften etwa in der gleichen Größenordnung (81 Titel im Directory of Open Access Journals) und 389 Titel in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB, Stand August 2008), die in frei zugängliche Repositorien (Preprint-Archive, Hochschulschriften-Server etc.) eingestellten Chemie-Beiträge machen aber nur etwa die Hälfte der in vergleichbare Repositorien eingestellten Physik-Beiträge aus (wenn man die Zahlen der über OAI-Schnittstellen zugänglichen Dokumente zugrunde legt).
Die Einschätzung und Förderung von Open Access durch Fachgesellschaften sind uneinheitlich: Die American Chemical Society (ACS) ist ablehnend und bekämpft als einer der größten Anbieter von Chemie-Datenbanken und bedeutendes Verlagsunternehmen für Chemie-Zeitschriften Open-Access-Konkurrenzprodukte wie beispielsweise PubChem. (Die ACS finanziert ihr umfangreiches Personalbudget aus den Verkaufsgewinnen ihrer Informationsprodukte.) Die britische Royal Society of Chemistry (RSC) bietet ab 2007 eine Author Choice Option an, d.h. die Autorinnen und Autoren können gegen Zahlung einer Publikationsgebühr ihre Artikel Open Access stellen. Auch wenn die RSC eine Author-Choice-Option anbietet, steht sie doch dem Open-Access-Gedanken ähnlich kritisch wie die ACS gegenüber.
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) unterstützt in einem Diskussionspapier von 2004 zu Open Access "das Ziel von Open Access, einen verbesserten Zugang zu wissenschaftlichen Informationen zu gewährleisten ... im Grundsatz". Die Sicherung der wissenschaftlichen Qualität ist dabei für die GDCh eine unverzichtbare Bedingung, weshalb sie "die Publikation wissenschaftlicher Ergebnisse ohne vorherige Qualitätskontrolle grundsätzlich ab[lehnt]" und auch Sorge und Skepsis hinsichtlich der Qualitätskontrolle in gebührenfinanzierten Open-Access-Zeitschriften äußert. Hier sollte nur die Qualität eines Beitrags über dessen Publikation entscheiden. Auch unter den Gesichtspunkten einer "ausgewogenen und fairen Kostenverteilung zwischen akademischen und Nutzern aus der Industrie" und der finanziellen Chancengleichheit von Autorinnen und Autoren wird das Modell von der GDCh kritisch gesehen.
Auch wenn Open Access im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens in der Chemie noch weniger verbreitet ist, gibt es eine Reihe fachtypischer und interessanter Open-Access- bzw. Open-Source-Angebote außerhalb dieses Bereichs [s. Todd, 2007]:
- Datenbanken
- Blogs zu experimentellen Verfahren (Tenderbutton [username: tender; password: button] und Org Prep Daily)
- Chemie-Zeichenprogramme wie Bkchem und JchemPaint
- Visualisierungswerkzeuge wie Jmol und MDLChime
Auch Initiativen im Bereich Open Source sind erwähnenswert:
- Die Initiative Blue Obelisk kümmert sich z.B. um die Interoperabilität von Anwendungen, offene Standards und Spezifikationen im Bereich der Chemoinformatik.
- UsefulChem und Synaptic Leap sind kollaborative Initiativen und Informationsdepots im Bereich der biochemischen und pharmakologischen Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten.
Quellen
- Todd, Matthew H. (2007). Open access and open source in chemistry. Chemistry Central Journal, 1(3)
- Morrison, Heather (2006). Open access in physics & chemistry, or, a tale of two disciplines. Montreal: McGill Library School.
- Diskussionspapier der Gesellschaft Deutscher Chemiker zum offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen (Open Access), September 2004.
Open-Access-Zeitschriften
Wenn nicht anders erwähnt, sind die folgenden Zeitschriften publikationsgebührenfrei. Die Journal-Impakt-Faktoren sind der Online-Ausgabe der Journal Citation Reports (Copyright 2008) entnommen.
- Atmospheric Chemistry and Physics
European Geosciences Union; Copernicus, 2001-
Beachtenswert ist das zweistufige Peer-Review-System: Eine von der Redaktion als publizierenswert eingeschätzte Arbeit wird zunächst als Discussion Paper ins Internet gestellt. Hier sind auch die Kommentare und die Antworten der Autorinnen und Autoren einsehbar. Die Redaktion entscheidet anschließend endgültig über die Annahme des ggf. überarbeiteten Manuskripts, Impact-Faktor: 4.865 - Beilstein Journal of Organic Chemistry
Beilstein-Institut, 2005-
Kurze Redaktionszeiten (i.a. unter 30 Tagen). Auch renommierte Autorinnen und Autoren haben hier publiziert, z.B. C.P. Casey (ACS President von 2004); W.R. Roush (Michigan University), Impact-Faktor: 0.767 - Chemistry Central Journal
BioMed Central, Fachsektion „Chemistry Central“, 2007-
Finanzierung über Publikationsgebühren (€ 990 pro Artikel) oder institutionelle Mitgliedschaft bei BioMed Central (Stand: September 2008) - Chemistry Education Research and Practice
Royal Society of Chemistry (zuvor: University of Ioannina), 2000- - Journal of Computer Aided Chemistry
Chemical Society of Japan, 2000- - Nucleic Acids Research
Oxford University Press; PubMed Central, 1974, Open Access ab 2005-, Impact-Faktor: 6.954 - International Journal of Molecular Sciences
Molecular Diversity Preservation International, 2000-
Impact-Faktor: 0.750
(ab 2005 nur noch Open Choice, d.h. die Autorinnen und Autoren können ihre Artikel gegen Zahlung einer Publikationsgebühr Open Access stellen) - Arkivoc
(Chemie und Pharmazie)
Verlag: Arkat 2002-
Impact-Faktor 1.253
Disziplinäre Repositorien und Datenbanken
Repositorien
- The Chemistry Preprint Server (ChemWeb)
(Registrierung erforderlich) - Chemical Physics Preprint Database
(Segment von arXiv.org)
Datenbanken
- eMolecules
Datenbank im Handel erhältlicher Chemikalien. Die über 10 Mio. Verbindungen (Stand September 2008) können auch über eine Struktursuche gesucht werden. - PubChem
PubChem ist eine Datenbank des National Center for Biotechnology Information und der National Library of Medicine (NLM), die mehrere Millionen Verbindungen beinhaltet. Sie umfasst die Teildatenbanken:- PubChem Substance (Stoffdatenbank)
- PubChem BioAssay (Bioassays der in PubChem Substance enthaltenen Stoffe)
- PubChem Compound (Beschreibung chemischer Komplexe)
Beiratsmitglied der Informationsplattform aus dem Bereich Chemie
Prof. Dr. Wolfram Koch - Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)

















