Informationsplattform Open Access: Informatik

Informatik

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Informatik zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

 

Allgemeine Informationen zu Open Access in der Informatik

 

Open Access wird in der Informatik vielfältig praktiziert. In erster Linie ist dies ein Resultat der selbstverständlichen Verwendung des Internet als Medium der Information und Kommunikation. Nur einige neuere Open-Access-Zeitschriften wie z.B. Theory of Computing oder das Journal of Virtual Reality and Broadcasting (DiPP-Zeitschrift) lassen jedoch einen expliziten Bezug zur Open-Access-Bewegung etwa im Sinne der Berliner Erklärung erkennen. Positionspapiere, Erklärungen, Aufsätze und Überblicke zu Open Access in der Informatik sind relativ wenige bekannt (so in Deutschland z.B. eine Pressemitteilung des Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrums für Informatik Schloss Dagstuhl). Nicht ohne Grund waren aber die Konferenzbeiträge der Informatik Gegenstand einer schon 2001 in Nature erschienenen, vielbeachteten Untersuchung von Steve Lawrence über den Einfluss der Online-Zugänglichkeit von Publikationen auf die Zitierhäufigkeit.

Die Gesellschaft für Informatik (GI) hat die Berliner Erklärung unterzeichnet und ruft in einem Positionspapier zum Urheberrecht "ihre Mitglieder auf, ihre Arbeiten nach dem Prinzip des offenen Zugangs zu publizieren, zur Qualitätssicherung der Open-Access-Veröffentlichungen beizutragen und alle Bestrebungen zu unterstützen, das elektronisch verfügbare Wissen für kommende Generationen verfügbar zu halten". Die Association for Computing Machinery (ACM) sponsert das zum Preprint Repository arXiv.org gehörige Computing Research Repository, scheint als Verlag namhafter Informatik-Zeitschriften in Bezug auf das Open-Access-Publizieren in Zeitschriften bisher aber eher eine konservative und abwartende Position einzunehmen.

Die IEEE Computer Society, mit nahezu 85.000 Mitgliedern eine der führenden Organisationen weltweit für Informatikerinnen und Informatiker, betreibt eine Vielzahl von führenden Fachzeitschriften. IEEE unterstützt bislang nur den grünen Weg des Open Access und erlaubt Autorinnen und Autoren unter bestimmten Bedingungen die Selbstarchivierung von Preprints ihrer Artikel. Die IEEE Computer Society Digital Library bietet freien Zugang zu Abstracts der Artikel in IEEE-betriebenen Zeitschriften.

Die Informatik gehört zu den Pionieren im Bereich der Open-Access-Zeitschriften. Die Startjahre von fünf im Directory of Open Access Journals (DOAJ) verzeichneten Open-Access-Zeitschriften im Bereich Informatik liegen zwischen 1989-1993. Die Zahl der im DOAJ nachgewiesenen Zeitschriften übersteigt mit 128 Titeln die der Physik (61) und Chemie (78) (Stand September 2008). In der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) mit weniger strengen Aufnahmekriterien werden 349 Open-Access-Titel nachgewiesen (Stand September 2008). Die Zahl neuer Zeitschriften hat stark zugenommen. Knapp die Hälftel der im DOAJ verzeichneten Informatik-Zeitschriften (56 Titel) wurde erst nach 2004 gegründet. Mindestens sechs der im DOAJ verzeichneten Zeitschriften - davon vier mit Impact-Faktoren - werden im Science Citation Index ausgewertet.

Die Zahl der weltweit in Repositorien mit OAI-Schnittstellen zugänglichen Publikationen zu Computer Science(s) bzw. Informatics liegt bei ca. 220.000 (Quelle: OAIster Search). Die Zahl der in zentralen fachlichen Repositorien gespeicherten Preprints und Postprints ist erheblich geringer und liegt in der ungefähren Größenordnung von 30.000.

Das Spektrum der Open-Access-Publikationen in der Informatik ist damit aber noch nicht umfassend beschrieben. Eine große Rolle spielen in der Informatik Konferenzbeiträge, die bei Ablehnungsquoten von bis zu 90% teilweise ein höheres Prestige besitzen als Zeitschriftenpublikationen. Die Zahl der frei zugänglichen Konferenzbeiträge liegt - bei einer Datenbasis von ca. 120.000 Konferenzbeiträgen in der Untersuchung von Lawrence (s.o.) - im vierstelligen Bereich. Frei zugängliche Konferenz-Publikationen liegen i.a. nicht gebündelt (d.h. in Repositorien gesammelt) vor, sondern sind im Internet verstreut.

Das Potenzial des Internet für Open-Access-Publikation und Kommunikation von Forschungsergebnissen wird über allgemeine Zahlenangaben hinaus vor allem an konkreten Beispielen deutlich: Die wissenschaftliche Suchmaschine SCIRUS weist zu dem relativ speziellen Begriff Turing Computability bei einer phrasengenauen, auf das gesamte scientific web bezogenen Suche 1.539 Einträge nach. Die meisten von ihnen befinden sich nicht in institutionellen oder fachlichen Repositorien, sondern z.B. auf Instituts-Servern. Über die auf Repositorien spezialisierte Suchmaschine OAIster sind 62 Publikationen nachweisbar.

Neben Open-Access-Publikationen gibt es in der Informatik auch mehrere frei zugängliche Datenbanken bzw. Nachweisdienste.

Seit Oktober 2008 ist die Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik im Netz frei zugänglich. Dies ist ein Gemeinschaftprojekt deutscher, österreichischer und Schweizer Universitäten. Themen wie Informations- und Wissensmanagement, Softwareentwicklung, betriebliche Informationssysteme, Informationstechnologie sowie Ausbildung und Forschung stehen im Vordergrund.

Ziel der Open-Access-Initiative ist der freie Zugang - zu fairen Bedingungen - auf grundsätzlich alle für die wissenschaftliche Arbeit relevanten Informationen. In der Informatik liegt der Schwerpunkt bei den offenen Angeboten außerhalb des wissenschaftlichen Publizierens auf Open-Source-Programmen. Open Source ist nicht nur für Informatikerinnen und Informatiker ein hierfür gängiger Begriff. Neben bekannten Beispielen wie Linux, MySQL, CDS/ISIS oder Open Office gehören hierzu auch spezielle Programme für wissenschaftliche Anwendungen. Eine Organisation, die sich den Nachweis und die Förderung freier Software zur Aufgabe gemacht hat, ist die Free Software Foundation (FSF). Ein Ziel der FSF ist u.a. die Verbreitung und Weiterentwicklung der Freie-Software-Lizenz GNU General Public License.

Open-Access-Zeitschriften

Die folgende Sortierung ist nach Gründungsjahr. Die Journal-Impact-Faktoren sind der Online-Ausgabe der Journal Citation Reports (Copyright 2008) entnommen.

Die IEEE Computer Society hat mehrere Technical Journals, deren Artikel als Preprints vielfach Open Access zur Verfügung stehen.

Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

Disziplinäre Repositorien

  • Computing Research Repository (CoRR):
    In das Preprint-Archiv-System arXiv.org integriertes Repository für Preprints der Informatik, das u.a. von der Association for Computing Machinery (ACM) und der Association for Advancement of Artificial Intelligence gesponsert wird. Das CoRR ist in 36 Teilarchive gegliedert, denen jeweils bestimmte Sachgruppen des ACM Computing Classification System zugeordnet sind. Die Zahl der enthaltenen Preprints liegt in der ungefähren Größenordnung von 20.000.
  • Networked Computer Science Technical Reference Library (NCSTRL):
    Die NCSTRL ist ein Nachweisdienst und verteiltes Repository für technische Reports von Universitäten und Forschungseinrichtungen im Bereich der Informatik. Über eine einheitliche Benutzungsoberfläche und einheitliche Trefferanzeigen kann selektiv - über OAI-Schnittstellen - auf die Arbeiten von 22 welweit führenden Universitäten und sieben Forschungseinrichtungen zugegriffen werden.
  • Die Digital Library der IEEE Computer Society verzeichnet eine Vielzahl frei zugänglicher Abstracts.

Open-Access-Datenbanken und Nachweisdienste

  • CiteSeer/IST:
    Digitale Bibliothek und Suchmaschine für wissenschaftliche Literatur zur Informatik
  • Computer Science Bibliography (DBLP):
    Internationale Datenbank zur Informatik, die an von Miachel Ley an der Universität Trier gepflegt wird. Enthält neben Zeitschriftenartikeln auch viele Konferenzbeiträge - insgesamt mehr als eine Mio. Nachweise. Mit Browsing nach Zeitschriften und Konferenzen und Links auf relevante persönliche Homepages.
  • The Collection of Computer Science Bibliographies:
    Suchdienst mit mehr als zwei Mio. Literaturnachweisen, insbesondere Zeitschriftenartikel, Konferenzberichte und Reports, mit systematischem Einstieg. Mehr als die Hälfte der Nachweise enthalten Links zu Volltexten. Zu 800.000 Dokumenten sind Abstracts verfügbar.

Beiratsmitglied der Informationsplattform aus dem Bereich Informatik

 

Prof. Dr. Karl-Heinz Rödiger - Universität Bremen, Sprecher des Arbeitskreises Geistiges Eigentum der Gesellschaft für Informatik (GI)

 

Weitere Beiratsmitglieder