Mathematik

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Mathematik zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

Allgemeine Informationen zu Open Access in der Mathematik

Mathematikerinnen und Mathematiker bemühen sich seit alters her um Bewahrung, Klassifizierung und Zugänglichmachung ihrer Literatur. Anders als in vielen naturwissenschaftlichen oder technischen Disziplinen ist die Mathematik sehr direkt auch an ihrer alten Literatur interessiert, und dies nicht nur, um die Geschichte der Disziplin zu dokumentieren, sondern auch für aktuelle Forschungszusammenhänge.

Ein mathematischer Satz, einmal bewiesen, bleibt ja schliesslich richtig und sehr häufig auch wichtig in der Disziplin. So ist auch die historische Zitationstiefe selbst in aktuellen mathematischen Forschungsarbeiten in der Regel vergleichsweise tief: Auch Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert oder davor werden immer wieder zitiert und verwendet.

Insofern ist es erfreulich, dass viele auch alte Zeitschriften ihren gesamten Bestand digitalisiert haben und zum großen Teil online frei zugänglich darstellen, selbst dann, wenn die aktuellen Bände nicht dem Open-Access-Modell folgen, sondern kostenpflichtig sind. Hier wird oft das Modell der Moving Wall angewandt: Für einen gewissen Zeitraum (z.B. fünf Jahre) nach dem Erscheinen ist der Zugang kostenpflichtig, für ältere Jahrgänge wird er dann frei.

Als Beispiele seien hier genannt die Zeitschriften

 

In der Schweiz werden im Rahmen des Projekts retro.seals.ch wissenschaftliche Zeitschriften retrodigitalisiert und über das Internet frei zugänglich gemacht. Der Schwerpunkt liegt auf in der Schweiz erschienenen Periodika und beinhaltet auch historische Ausgaben. Im Bereich "Mathematik" sind mehrere Zeitschriften erfasst, so zum Beispiel die Commentarii Mathematici Helvetici, wobei dort alle Bände von Beginn (1929) bis 5 Jahre nach erfolgter Drucklegung frei zugänglich sind.

 
Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sind auf der Grundlage der sich eröffnenden elektronisch-digitalen Möglichkeiten weltweit viele referierte Zeitschriften von der wissenschaftlichen Community gegründet worden, die elektronisch produziert werden und im Internet frei zugänglich sind, in Deutschland z.B.

  • Documenta Mathematica, Journal der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (Universität Bielefeld, seit 1996)

  
Der European Mathematical Information Service (EMIS) verzeichnet derzeit
(Februar 2013) insgesamt 96 elekronisch angebotene mathematische Zeitschriften, die teils auch gegen Herstellungs- und Versandkostenerstattung in gedruckter Form bezogen werden können.
Im Directory of Open Access Journals (DOAJ) werden derzeit (Februar 2013) mehr als 230 mathematische Journale geführt.

Aber auch viele mathematische Monografien werden inzwischen online frei
zugänglich angeboten, soweit die Urheberrechtslage das ermöglicht.

Mathematische Preprint-Literatur aller Teildisziplinen wird seit 1991 über das arXiv.org angeboten und sehr intensiv genutzt, daneben gibt es eine große Zahl dedizierter Preprint-Server für die verschiedensten Teildisziplinen des Faches, Beispiele hierzu sind etwa

Open-Access-Zeitschriften

Hier sollen wegen der Vielzahl der Titel die Open-Access-Zeitschriften und sonstige Schriften nicht einzeln gelistet werden, sondern es werden Verzeichnisse und Repositorien aufgeführt:

  • The European Mathematical Information Service (EMIS) bietet Zugang zu etlichen Opera Omnia, zu vielen Journalen, Tagungsberichten, Monographien und "Lecture Notes"
  • Directory of Open Access Journals (DOAJ) gewährt Zugang zu zahlreichen Zeitschriften
  • Project Euclid (Cornell University) bietet elekronisch publizierte Zeitschriften an, viele davon im Open Access
  • Das Verzeichnis DML: Digital Mathematics Library führt eine Liste mit Links auf retrodigitalisierte mathematische Literatur (Stand Februar 2013: 4.608 Bücher und 576 Zeitschriften aus mehr als 50 Repositorien), die zu großen Teilen frei zugänglich ist. Erfasst sind mehr als 4,9 Millionen Seiten digitalisierter Literatur.

Disziplinäre Repositorien


Die bedeutendsten Open-Access-Repositorien retrodigitalisierter mathematischer Literatur sind 

 

Wichtige Open-Access-Dienste in der Mathematik sind

  • arXiv.org, gespeichert und unter dieser Adresse nachgewiesen werden mehr als 800.000 E-Prints (Stand Februar 2013), zu einer Vielzahl von Teildisziplinen der Astronomie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik. Das Archiv wurde 1991 in Los Alamos von Paul Ginsparg gegründet, der hierfür auch die Software schrieb. 2001 zog das Archiv an die Cornell University Library um. Der Preprint-Server ist weltweit achtmal gespiegelt.
  • ViFaMath, Virtuelle Fachbibliothek Mathematik

Wir danken Herrn Prof. Dr. Ulf Rehmann, Universität Bielefeld (rehmann(at)math.uni-bielefeld.de), der diesen Beitrag zu Open Access in der Mathematik verfasst hat.