Physik

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Physik zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

Allgemeine Informationen zu Open Access in der Physik

In der Physik hat Open Access in seinen verschiedenen Formen eine lange Tradition und ist in einigen Bereichen fester Bestandteil der Publikationskultur.

Seit den 1960er-Jahren hat sich - zunächst in der Hochenergiephysik - eine Kultur der Bereitstellung von Preprints entwickelt, da angesichts der dynamischen Entwicklung dieses kooperativ und international organisierten Bereichs der Forschung der Zeitverzug bei einer Zeitschriftenpublikation zwischen Einreichung des Manuskripts und Veröffentlichung nicht mehr akzeptabel erschien. Seit Beginn der 1990er-Jahre ist die elektronische Selbstarchivierung der Preprints so schnell vorangeschritten, dass die HEP-Forschungsliteratur der letzten zehn Jahre über Repositorien wie arXiv.org, CERN Document Server und SPIRES HEP (bzw. INSPIRE als Nachfolger von SPIRES HEP) zu über 90 Prozent frei zugänglich ist (vgl. Report of the SCOAP3 Working Party, S. 8). Die Preprints sind zu einem Teil Vorab-Versionen von Zeitschriftenartikeln, zum anderen Teil handelt es sich um – zunächst nicht anderweitig publizierte – vorläufige Ergebnisse oder Diskussionspapiere. Das thematische Spektrum hat sich in der Zwischenzeit sehr diversifiziert. So besteht arXiv.org aus circa 150 Sektionen zu Teilbereichen der Physik und anderer Disziplinen und enthält mehr als 800.000 E-Prints (Stand Februar 2013).

ArXiv gilt als Vorreiter und Musterbeispiel des Open- Access-Publizierens und ist der Prototyp eines fachlichen Repositoriums schlechthin. Begründet 1991 durch Paul Ginsparg wird arXiv seit 2001 durch die Cornell University Library betrieben. Für viele Wissenschaftler ist arXiv zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden. Selbstverständlich nutzen auch Nobelpreisträger arXiv! Die hohe Akzeptanz von arXiv in seinen Fachcommunities zeigt sich auch an den beeindruckenden Nutzungszahlen mit mehr als 80.000 Submissions sowie über 60 Millionen Downloads im Jahr 2012. In Rankings von Repositorien und Online-Publikationen erscheint arXiv stets auf den vorderen Plätzen.

Damit arXiv für Autoren und Leser weiterhin ein kostenfreier Dienst bleibt, hat die Cornell University Library seit 2010 an der Entwicklung eines nachhaltigen Geschäftsmodells für arXiv gearbeitet. Mit dem 2012 veröffentlichten Membership Program wird arXiv zur internationalen Aufgabe. Als arXiv Member beteiligen sich die TOP-200-arXiv-Nutzer (nach institutionellen Downloads) weltweit über einen institutionellen Mitgliedsbeitrag an der Finanzierung von arXiv und sind beratend im Member Advisory Board vertreten. Einen entsprechend großen Anteil steuert die Simons Foundation bei.

ArXiv ist vor allem eine schwellenlose Kommunikationsplattform, die eine schnelle Veröffentlichung von Forschungsergebnissen sowie einen ungehinderten Zugriff auf Informationen ermöglicht. ArXiv ist ein fachliches Repositorium mit einfachen Funktionalitäten und – im Vergleich zum Peer-Reviewing – reduzierten Mechanismen der Qualitätssicherung. In der Physik ermöglichen viele Verlage wie z.B. die APS oder IOP das direkte Einreichen von auf arXiv abgelegten Manuskripten bei ihren Journals.

Trotz der Verbreitung von Preprints ist das, was in Wissenschaft, Karriere und Forschungsförderung von Bedeutung ist, weiterhin die mit dem Qualitätsstempel des Peer Review versehene Zeitschriftenpublikation.

 
Bei den zu arXiv.org komplementären Open-Access-Aktivitäten der Community im Zeitschriftenbereich spielen die von der International School for Advanced Studies (SISSA) herausgegebenen Zeitschriften eine besondere Rolle. Als erste bedeutendere Open-Access-Zeitschrift der Physik wurde 1997 die SISSA-Zeitschrift Journal of High Energy Physics (JHEP) gegründet, 2003 kam das Journal of Cosmology and Astroparticle Physics (JCAP) hinzu. Da sich das Finanzierungsmodell als nicht tragfähig erwies, wurden diese Zeitschriften (wie andere später) ab 2004 zu einem moderaten Preis beim Institute of Physics (IOP) publiziert. Im Rahmen eines seit 2007 praktizierten Mitgliedschaftsmodells sind die von Angehörigen der Mitgliedsinstitutionen publizierten Artikel des JHEP (18%), des Journal of Instrumentation (2006-) sowie seit Januar 2008 auch des JCAP frei zugänglich. 2013 haben SISSA und IOP für JCAP und JINST ein hybrides Modell mit Publikationsgebühren für die Open- Access-Veröffentlichung eines Artikels eingeführt. Die weiterhin vom SISSA herausgegebene Zeitschrift JHEP erscheint seit Januar 2010 bei Springer als reine Online-Zeitschrift, in der einige Artikel frei zugänglich sind. Bei IOP-Zeitschriften sind alle Artikel in den ersten 30 Tagen nach Erscheinen unter bestimmten Nutzungsbeschränkungen kostenfrei zugänglich, wie z. B. Artikel des European Journal of Physics.

 
Neben den genannten Zeitschriften gibt es mehrere reine Open-Access-Zeitschriften – davon einige mit einem Impact-Faktor über 3 –, die sich nach bekannten Finanzierungsmodellen über Publikationsgebühren bzw. substitutiv über Mitgliedschaften finanzieren. Hierzu gehören das thematisch breit angelegte, vom IOP und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) herausgebrachte New Journal of Physics (1998-), die Zeitschrift Optics Express (1997-) sowie Atmospheric Chemistry and Physics (2001-). Der Impact-Faktor des New Journal of Physics und die Anzahl der darin publizierten Artikel haben sich 2004 um mehr als 40 Prozent erhöht. Verantwortlich für diesen Erfolg sind neben einem gleichbleibend hohen Qualitätsstandard die Förderung von Open Access und speziell auch des New Journal of Physics durch Förderorganisationen und Institutionen (z.B. Max-Planck-Gesellschaft, Joint Information Committee, Cornell University).

Die vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik herausgegebene, auf begutachtete Review-Artikel spezialisierte Zeitschrift Living Reviews in Relativity hat einen Impact- Faktor von 17,462. Die veröffentlichten Artikel werden von ihren Autoren regelmäßig aktualisiert. Die Living Review Reihe wird in institutioneller Trägerschaft durch die Max-Planck-Gesellschaft angeboten.

Das im Rahmen von PhysMath Central (einer Sektion von BioMed Central) im Oktober 2007 erschienene Journal PMC Physics A, dem im Februar 2008 PMC Physics B und im Mai 2008 PMC Biophysics folgten, wurde 2011 mit der Auflösung von PhyMath Central zu Gunsten der Kooperation zwischen Springer (Science+Business Media) und BioMed Central zusammen mit PMC Physics B unter die neue Open-Access-Reihe EPJ.Open subsumiert. PMC Biophysics findet sich nun unter dem neuen Namen BMC Biophysics und wird in der BMC series publiziert, einer Reihe von BioMed Central Open-Access-Journalen.

Des Weiteren gibt es eine Reihe von Open-Access-Zeitschriften mit kleineren Impact-Faktoren sowie (noch) nicht im Science Citation Index ausgewertete Zeitschriften, die sich ohne Publikationsgebühren finanzieren. Mit Physical Review X ergänzt die American Physical Society (APS) ihre Physical Reviews seit 2011 um ein reines Open-Access-Journal, das sich durch Article Processing Charges finanziert. Physical Review X deckt alle Teildisziplinen der Physik ab und berücksichtigt insbesondere Artikel mit interdisziplinärer Bedeutung. Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) weist 793 frei zugängliche Physik-Zeitschriften nach, das strengere wissenschaftliche Kriterien anlegende Directory of Open Access Journals 85 begutachtete Zeitschriften (Stand Februar 2013).

Mit der Umstellung großer Teile eines Segments fachlicher Zeitschriften auf Open Access übernimmt die Physik erneut eine Schrittmacherrolle. Eine vom CERN angeführte Initiative sieht vor, dass eine Reihe von für die Hochenergiephysik wichtigen Zeitschriften auf Open-Access umgestellt werden. Die Finanzierung soll über ein Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics (SCOAP3) erfolgen.

Quellen

Open-Access-Zeitschriften (Auswahl)

Die Artikelzahlen beziehen sich auf das Erscheinungsjahr 2011 (Quelle: Science Citation Index). Die Journal-Impact-Faktoren sind der Online-Ausgabe der Journal Citation Reports (Edition 2011 und Copyright 2013) entnommen.

  • Optics express
    Optical Society of America, 1997-
    Finanzierung: über Autorengebühren (Article Processing Charges)
    Impact-Faktor: 3,587; Zahl der Artikel: 2.998

  • New Journal of Physics
    Institute of Physics Publishing (IOP), Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), 1998-
    Themenbereich: alle Gebiete der Physik
    Finanzierung: über Autorengebühren, Impact-Faktor: 4,177; Zahl der Artikel: 751
  • Journal of high energy physics
    International School for Advanced Studies (SISSA); Institute of Physics Publishing (IOP) 1997-
    1997-2003: Open Access
    2004-2006: Subskriptionszeitschrift
    2007-2008: Hybride Zeitschrift auf Mitgliedschaftsbasis (Open-Access-Anteil: 18 Prozent)
    Mit automatisiertem Peer- Review-System: Artikel sind 30 Tage nach Erscheinen frei zugänglich. Seit Januar 2010 bei Springer als hybride Zeitschrift über Springer Open Choice.
    Impact-Faktor: 5,831; Zahl der Artikel: 1.671
  • Living Reviews in Relativity
    Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, 1998-
    Impact-Faktor: 17,462; Zahl der Artikel: 8
  • Atmospheric Chemistry and Physics
    Copernicus Publications, European Geosciences Union (EGU), 2001-
    Finanzierung über Article Processing Charges. Institutionelle Mitgliedschaften sind möglich.
    Impact-Faktor: 5,520; Zahl der Artikel: 811
  • European Physical Journal
    EDP Sciences; Società Italiana di Fisica; Springer
    Die EPJ-Reihe umfasst sowohl hybride Zeitschriften als auch folgende reine Open Access-Titel:
    EPJ Web of Conferences, 2009-
    EPJ Photovoltaics, 2010-
    EPJ Data Science, 2012-
    PMC Physics A (2007-2010) und PMC Physics B (2008-2010), die ehemals auf PhysMath Central als Teil von BioMed Central erschienen sind, sind in die EPJ Open Access-Aktivitäten aufgegangen.
  • PMC Biophysics
    BioMed Central, Fachsektion PhysMath Central, Mai 2008-
    Finanzierung (PMC Physics A, B and PMC Biophysics): über Publikationsgebühren und institutionelle Mitgliedschaft bei BioMed Central
  • Acta physica Polonica. A (online 2001-)
    Acta physica Polonica. B
    1970-
    mit Acta physica Polonica. B Proceedings Supplement, 2008-
    Polish Physical Society; Institute of Physics (IOP)
    (“Free direct access for limited period of time” (Quelle: EZB))
    A: Impact-Faktor: 0,444; Zahl der Artikel: 475
    B: Impact-Faktor: 0,901; Zahl der Artikel: 240
  • Physical Review X
    American Physical Society, 2011-
    Themenbereich: alle Gebiete der Physik
    Finanzierung: über Article Processing Charges

    Eine umfassende Zusammenstellung von Open-Access-Zeitschriften aus der Physik ist im Directory of Open Access Journals (DOAJ) zu finden.

Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

  • arXiv.org
    Gespeichert und unter dieser Adresse nachgewiesen werden mehr als 800.000 E-Prints (Stand Februar 2013) zu einer Vielzahl von Teildisziplinen der Astronomie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik. arXiv.org wurde 1991 in Los Alamos von Paul Ginsparg gegründet, der hierfür auch die Software schrieb. 2001 zog das Archiv an die Cornell University Library um. Der Preprint-Server ist weltweit achtmal gespiegelt.
  • INSPIRE
    INSPIRE löst SPIRES HEP als Informationssystem für die Hochenergiephysik ab. INSPIRE ist ein Gemeinschaftsprojekt von SLAC, DESY, Fermilab und CERN und bietet eine umfassende Datenbank zum Nachweis von Preprints und publizierter Arbeiten. Neben den Standardinformationen zur Veröffentlichung wie z. B. Quellenangaben und Links zu Volltexten enthalten die Nachweise auch Referenzen und Zitationen. INSPIRE ermöglicht so die Erstellung von Autoren-Seiten mit Zitationsanalysen. Darüber hinaus bietet INSPIRE Informationen zu HEP-Einrichtungen und -Experimenten sowie -Konferenzen. Wichtige Informationsquellen wie z. B. arXiv.org oder das NASA Astrophysical Data System sind in INSPIRE eingebunden.
  • CERN Document Server 
    Hauptsächlich Publikationen und Preprints des CERN
  • HAL - Hyper Article en Ligne
    HAL ist der republikweite institutionelle Dokumentenserver des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS). Er wird von fünf großen französischen Forschungsorganisationen gesponsert und enthält einen hohen Anteil an Physik-Publikationen. Das CNRS erwartet, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit CNRS-Mitteln forschen, ihre Publikationen in HAL deponieren.
  • PhysNet 
    PhysNet weist über ein OAI Harvesting Dokumente nach, die weltweit auf institutionellen Physik-Servern liegen. Hierzu gehören Forschungsberichte, Jahresberichte, Preprints, Publikationslisten, wissenschaftliche Arbeiten (z. B. Dissertationen), Lehrmaterialen, Computerprogramme u.a.

Beiratsmitglied der Informationsplattform aus dem Bereich Physik

 

Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz - Universität Göttingen, Max-Planck-Institut (MPI) Göttingen, Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), Editor-in-Chief New Journal of Physics


Weitere Beiratsmitglieder