Rechtswissenschaft

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Rechtswissenschaft zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

Allgemeines zu Open Access in der Rechtswissenschaft

In der Rechtswissenschaft ist die Anzahl deutscher Open-Access-Veröffentlichungen relativ überschaubar, wenngleich auch im Bereich Jura zunehmend online publiziert wird, z.B. viele Dissertationen. So sind bei Dissonline.de 753 juristische Dissertationen mit Stand September 2010 nachgewiesen. 

Da in vielen Arbeitsbereichen aktuelle juristische Literatur benötigt wird und die Nachfrage dementsprechend hoch ist, sind die Buch- und Zeitschriftenpreise gerade im Vergleich zu naturwissenschaftlichen Fächern als moderat zu bezeichnen. Auf dem juristischen Publikationsmarkt in Deutschland sind zahlreiche Wettbewerber aktiv und bei renommierten Journalen mit hohen Auflagen ist es für Autor/innen nicht unüblich, dass sie für ihre Veröffentlichung auch ein kleines Honorar erhalten. Darüber hinaus stehen Juristinnen und Juristen aufgrund der vielen rechtswissenschaftlichen Datenbanken in der Regel zahlreiche Volltexte online - wenn auch gegen Gebühr - zur Verfügung. Der Anreiz, sich für alternative Publikationsmodelle zu engagieren, ist dementsprechend gering.

Juristische Veröffentlichungen zeichnen sich noch durch eine weitere Besonderheit aus: Sie umfassen vielfach urheberrechtsfreie Texte. Gerichtsurteile, Gesetzestexte sowie andere amtliche Werke unterfallen in Deutschland gem. § 5 Urheberrechtsgesetz (UrhG) keinem Urheberrechtsschutz, so dass diese Texte von jedermann verbreitet und publiziert werden können. Gerade die aktuelle Rechtsprechung ist traditionellerweise ein wesentlicher Bestandteil vieler juristischer Zeitschriften, Datenbanken und Druckwerke. Bei diesen amtlichen Werken hat sich in den vergangenen Jahren die allgemeine Sichtbarkeit aufgrund der zunehmenden Anzahl interessanter Onlineprojekte und Internetauftritte auch in Deutschland deutlich verbessert.

Open-Access-Zeitschriften

Im Directory of Open Access Journals (DOAJ) sind mit Stand September 2010 mit 87 Titeln nur relativ wenige juristische Zeitschriften aufgelistet, während die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) mit 1.453 frei zugänglichen Journalen aus dem Bereich der Rechtswissenschaft eine recht große Sammlung umfasst, hierunter aber auch historische Ausgaben sowie Entscheidungs- und Gesetzessammlungen. Aktuelle wissenschaftliche Zeitschriften in deutscher Sprache und mit dem Fokus auf das deutsche Recht finden sich nur vereinzelt.

  • Bucerius Law Journal (BLJ). Nach amerikanischer Tradition gibt die private Bucerius Law School in Hamburg seit 2007 eine Zeitschrift heraus, deren Redaktion durch Studierende erfolgt, denen jedoch ein wissenschaftlicher Professorenbeirat zur Seite steht. Die Ausgaben erscheinen dreimal im Jahr und bieten neben Aufsätzen auch regelmäßig einen Gastkommentar, einen internationalen Beitrag und ein Streitgespräch.
  • Forum Historiae Iuris (FHI). Diese Zeitschrift zu rechtshistorischen Themen erschien erstmals 1996 an der Humboldt-Universität zu Berlin und wird mittlerweile von einem internationalen Gremium renommierter Rechtshistoriker/innen herausgeben. Die einzelnen Aufsätze und Rezensionen werden in unregelmäßigen Abständen überwiegend in deutscher Sprache publiziert.
  •  Humboldt Forum Recht. Diese Internetzeitschrift, deren erste Ausgabe 1996 erschien, weist bereits eine lange Tradition auf. Sie wird gemeinsam von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen der Humboldt-Universität zu Berlin herausgegeben. Sie setzt einen Schwerpunkt auf rechtspolitische Fragestellungen.
  • JurPC (Internet-Zeitschrift für Rechtsinformatik und Informationsrecht).Die wöchentlich erscheinende Zeitschrift zum Informationsrecht wird von Prof. Dr. Maximilian Herberger, der an der Universität Saarbrücken Rechtsinformatik lehrt, seit 1997 frei zugänglich im Internet publiziert. Neben aktueller Rechtsprechung enthält sie auch Aufsätze, Rezensionen und Urteilsbesprechungen. Ihr Newsletter erreicht über 4.000 Abonnent/innen.
  • Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik (ZIS). Die überwiegend deutschsprachige Zeitschrift, die von renommierten Strafrechtsprofessor/innen herausgegeben wird, erscheint monatlich seit dem Jahr 2006 und enthält wissenschaftliche Aufsätze, Urteilsanmerkungen und Buchrezensionen zum deutschen, europäischen und internationalen Straf- und Strafprozessrecht.
  • Zeitschrift für das juristische Studium (ZJS). Diese Zeitschrift, die seit 2008 im Zweimonatsrhythmus erscheint, richtet sich speziell an Studierende, die sich für Prüfungen und das Erste juristische Staatsexamen vorbereiten. Die Beiträge selbst, die alle Rechtsgebiete umfassen und neben Aufsätzen und Rechtsprechung auch Lernbeiträge und Übungsfälle beinhalten, werden nicht von Studierenden, sondern von Hochschulprofessor/innen, Praktiker/innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen verfasst.
  • Journal of Intellectual Property, Information Technology and E-Commerce Law (JIPITEC), eines der ersten juristischen Open-Access-Journals aus Deutschland. Herausgeber sind Thomas Dreier, Axel Metzger und Gerald Spindler. Die Zeitschrift veröffentlicht Beiträge in englischer und auch deutscher Sprache.

Des weiteren folgt eine Auswahl interessanter englischsprachiger Open-Access-Journale mit dem Schwerpunkt auf dem internationalen Recht und z.T. mit deutscher Beteiligung auf der Herausgeberseite:

  • Electronic Journal of Comparative Law (EJCL). Die niederländische Zeitschrift wird seit 1997 von der Universität Tilburg (Schoordijk Institute) herausgegeben und erscheint mit durchschnittlich 3 bis 4 Ausgaben im Jahr überwiegend in englischer Sprache.
  • German Law Journal (GLJ).Die amerikanische Internetzeitschrift mit deutscher Beteiligung erscheint monatlich seit dem Jahr 2000 jeweils mit einem bestimmten Schwerpunktthema pro Ausgabe. Inhaltlich widmet sie sich deutschen, europäischen und internationalen Rechtsfragen in englischer Sprache. Sie wird durch die Robert Bosch Stiftung gefördert.
  • Göttingen Journal of International Law (GoJIL). Vielversprechend ist mit seinen ersten zwei Ausgaben im Jahr 2009 auch das Göttingen Journal of International Law gestartet, das ausschließlich in englischer Sprache erscheint und hauptverantwortlich von Studierenden publiziert wird.
  • Harvard Human Rights Journal. Die jährlich erscheinende Zeitschrift, die von Studierenden der Harvard Law School herausgegeben wird und ebenfalls in gedruckter Form erscheint, ist seit der Ausgabe von 1999 frei im Netz zugänglich. Die älteren Ausgaben sollen demnächst ebenfalls online erscheinen.
  • International Journal of Communications Law & Policy (IJCLP). Diese Zeitschrift, die unter Mitwirkung der rechtswissenschaftlichen Institute der Universitäten Münster, Yale, Singapur, Florenz und Mailand entsteht, ist bereits in 13 englischsprachigen Ausgaben erschienen, die bis in das Jahr 1998 zurückreichen.
  • Stanford Technology Law Review (STLR). Die Zeitschrift, die 1997 von Studierenden der Stanford Law School gegründet wurde, verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, indem sie insbesondere Verbindungen zwischen der Rechtswissenschaft und den technologischen sowie politischen Entwicklungen aufzeigt. Die regelmäßig erscheinenden Aufsätze in englischer Sprache können von den Leser/innen auch durch Kommentare online diskutiert werden.

Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

Während in den USA zahlreiche Law Schools für die Publikationen ihrer Wissenschaftler/innen und Studierenden sog. Repositories in Law anbieten oder auch eigene Legal Working Paper Series herausgeben, gibt es in Deutschland keine dementsprechenden fachspezifischen Repositorien im Bereich der Rechtswissenschaft. Juristische Veröffentlichungen finden sich jedoch vereinzelt auf den verschiedenen interdisziplinären Publikationsservern der deutschen Hochschulen.

  • European Research Papers Archive (ERPA).Das europäische Netzwerk ERPA, das 1997 von renommierten Forschungsinstituten gegründet wurde, ist kein klassischer Dokumentenserver, sondern bezeichnet sich selbst als „common access point“ für Veröffentlichungen über die Europäische Integration. Über eine gemeinsame Suchmaske können der-zeit über 1300 frei zugängliche Dokumente durchsucht werden, die auf unterschiedlichen Servern ge-hostet werden, u.a. Jean Monnet Working Papers Series, MPIfG Discussion & Working Papers, ARENA Working Paper Series, European Governance Papers, Working Papers of Robert Schuman Centre for Advanced Studies und Working Papers of Mannheim Centre for European Social Research.
  • Service-Provider der Virtuellen Fachbibliothek Recht: Dieser harvestet derzeit ca. 76.000 ausschließlich rechtswissenschaftliche Volltexte aus 91 weltweit verteilten Repositories und anderen Datenprovidern mit OAI-Schnittstelle, z.B. auch die rechtswissenschaftlichen Zeitschriften aus dem DOAJ.
  • Saarbrücker Bibliothek. Die Saarbrücker Bibliothek des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Universität des Saarlandes umfasst eine Sammlung von 250 Aufsätzen zu unterschiedlichen juristischen Themen.
  • OpinioIuris. Die freie juristische Bibliothek ist eine Open-Access-Plattform zur Veröffentlichung und Sammlung von juristischen Inhalten.

Gesetzessammlungen in Deutschland

  • Gesetze im Internet. Eine verlässliche Quelle für bundesweite Gesetzesvorschriften ist das gemeinsame Onlineprojekt der Juris GmbH und des Bundesjustizministeriums, das fast das gesamte aktuelle Bundesrecht inklusive zahlreicher Verwaltungsvorschriften der einzelnen Ministerien umfasst.
    In ähnlicher Weise wie mit dem Bundesjustizministerium kooperiert die Juris GmbH auch mit mehreren Bundesländern, deren Landesgesetzeebenfalls frei im Internet zur Verfügung stehen, z.B. Landesrecht BW Bürgerservice.
  • Bundesgesetzblatt. Auch das Bundesgesetzblatt, dem als amtliches Verkündungsorgan allein Rechtsverbindlichkeit zu-kommt, ist mittlerweile komplett mit allen Jahrgängen seit 1949 über die Internetseiten des Bundesanzeiger Verlags online einsehbar. Der kostenfreie Zugang, der Bürgerzugang genannt wird, ermöglicht im Gegensatz zur Abonnentenversion jedoch nur einen lesenden Zugriff auf die PDF-Dokumente.
  • Parlamentsdokumentation. Der deutsche Bundestag bietet gemeinsam mit dem Bundesrat auf seinen Internetseiten den Volltextzugang zu den Drucksachen und Protokollen der 7. bis 16. Wahlperiode über sein Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge namens DIP.
  • Eur-Lex. Im Sinne der europäischen Transparenzinitiative sind die Rechtsvorschriften der Europäischen Union in allen 23 Amtssprachen, darunter das Amtsblatt, internationale Abkommen, Akte des Gesetzgebungsverfahrens, parlamentarische Anfragen und sonstige amtliche Dokumente über die Website Eur-Lex im Volltext umfassend dokumentiert und öffentlich einsehbar. Insgesamt enthält die Datenbank über 3 Mio. Dokumente.
  • Virtuelle Fachbibliothek Recht der Staatsbibliothek zu Berlin, im Modul Volltexte werden rechtswissenschaftliche Dokumente aus 91 Repositorien geharvestet. Noch im Frühjahr 2010 geht die Staatsbibliothek zu Berlin zusätzlich mit einem eigenen disziplinären Dokumentenserver an den Start.

Urteilssammlungen in Deutschland

Zunehmend stellen deutsche Gerichte ihre Urteile im Volltext online zur Verfügung, insbesondere die obersten Bundesgerichte, z.B.:

Weitere Volltexte im Internet:

Eine Auswahl:

  • Digitalisierte Zeitschriftenjahrgänge aus dem 19. Jahrhundert. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte viele für die Rechtswissenschaft bedeutende Zeitschriften des 19. Jahrhunderts digitalisiert, deren Volltexte nun im Internet frei zur Verfügung stehen.
  • Virtuelles Datenschutzbüro. Das Virtuelle Datenschutzbüro ist ein gemeinsames Portal verschiedener Datenschutzinstitutionen von Bund und Ländern, das umfassend über das deutsche Datenschutzrecht informiert und u.a. auch zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze, Gutachten und weitere Volltexte verlinkt.

Inhaltliche Betreuung der Seite

Bearbeitet/erstellt von:

Prof. Dr. Ulrike Verch, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg