Wirtschaftswissenschaften

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Wirtschaftswissenschaften zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

 

Allgemeine Informationen zu Open Access in den Wirtschaftswissenschaften

Um die Rolle von Open Access in den Wirtschaftswissenschaften darzustellen, ist es wichtig, zunächst das Publikationsverhalten in dieser Disziplin insgesamt zu betrachten. Dabei sind die Fächer Volkswirtschaftslehre (VWL) und Betriebswirtschaftslehre (BWL) zu unterscheiden.

Für beide Fächer gilt, dass die Veröffentlichung in Fachzeitschriften die wichtigste Publikationsart darstellt, während Bücher und Buchaufsätze nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wie eine Untersuchung der ZBW zeigt, ist dabei (bezogen auf Deutschland) die VWL deutlich globalisierter, da über 90% der Veröffentlichungen auf englisch erfolgen, während in der BWL der englischsprachige Anteil nur bei knapp 60% liegt.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Preprint-Kultur. Hier gilt für die VWL, daß fast jedes volkswirtschaftliche Institut bzw. jede Fakultät eine eigene Working-Paper-Reihe herausgibt, deren Veröffentlichungen zumeist ohne Verlagshilfe als PDF frei über die lokalen Webseiten zugänglich sind. Dies führt zu dem Effekt, dass fast alle Zeitschriftenaufsätze der großen Zeitschriften parallel auch als frei zugängliche Preprint-Version im Web zur Verfügung stehen (vgl. Bergstrom/Lavaty: "How often do economists self-archive?").

In der BWL gibt es diese Preprint-Kultur nur eingeschränkt, zudem werden die einzelnen Beiträge des öfteren nicht frei im Internet angeboten, sondern kostenpflichtig über Verlage oder institutseigene Webshops.

Bei den Buchveröffentlichungen dominiert nach wie vor der Printmarkt, wenn auch einige große Verlage zunehmend eBooks im Lizenzzugriff parallel zum Printformat veröffentlichen (z.B. Springer, Wiley, Taylor&Francis, Oldenbourg). Open Access spielt hier noch keine Rolle.

Auch im Bereich der fachlichen Nachschlagewerke ist der eingeschränkte Zugang über lizensierte Bibliotheksabonnements die Regel. Allerdings gibt es erste Modelle im Bereich Open Access: So ist seit Oktober 2008 die Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik im Netz frei zugänglich, ein Gemeinschaftprojekt deutscher, österreichischer und Schweizer Universitäten.

 

Weitere Literatur

Open-Access-Zeitschriften

Gemessen an der Gesamtzahl wirtschaftswissenschaftlicher Fachzeitschriften (ca. 8000-10.000) spielen Open-Access-Angebote nur eine sehr untergeordnete Rolle. So listet das Directory of Open Access Journals derzeit etwa 380 wirtschaftswissenschaftliche Zeitschriften (Stand: September 2011),  getrennt nach

Die renommiertesten Zeitschriften darunter sind

  • Economics Bulletin
    2001 gegründet als Antwort von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf die aus ihrer Sicht unzufriedenstellende Verlagspolitik bei der Elsevier-Zeitschrift Economics Letters. Herausgegeben an der Vanderbilt University.
  • Theoretical Economics
    2006 gegründet als Zeitschrift der Society of Economic Theory.
  • Economics
    Das 2007 gegründete Journal wird vom Institut für Weltwirtschaft herausgegeben. Es verfügt über ein hochrangiges Editorial Board (u.a. mehrere Nobelpreisträger) und organisiert einen doppelten Begutachtungsprozess, bei dem neben dem klassischen Peer-Review alle angenommenen Beiträge auch durch registrierte Nutzerinnen und Nutzer der Zeitschrift bewertet werden (Open Assessment).
  • BusinessResearch
    Das 2008 gestartete Journal ist die Open-Access-Zeitschrift des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB).
  • Economic Analysis and Policy
    1970 gegründete Zeitschrift der Economic Society of Australia. Ursprünglich als Print-Journal gegründet, erscheint es die Online-Version inklusive des gesamten Back Archives mittlerweile im Open Access.
  • SERIEs
    SERIEs ist das Journal der Spanish Economic Association. Es entstand 2010 aus der Fusion von zwei renommierten spanischen Fachzeitschriften, der "Spanish Economic Review" und der "Investigaciones Económicas".SERIES wird bei Springer im Rahmen von SpringerOpen als Open-Access-Zeitschrift verlegt.

Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

  • AgEcon Search
    Das fachliche Repository wird von der University of Minnesota betrieben und hauptsächlich durch die Fachgesellschaft "Agricultural and Applied Economics Association" finanziert. Es enthält über 47.000 Volltexte, v.a. aus den Bereichen der Agrarökonomie und der angewandten Ökonomik.
  • EconStor
    Der Publikationssserver der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft enthält über 30.000 Volltexte, insbesondere aus der deutschen Wirtschaftsforschung - vor allem Working Papers, aber auch Konferenzbeiträge und Zeitschriftenaufsätze. Die EconStor-Publikationen werden u.a. in EconBiz, RePEc, SSRN und Economists Online nachgewiesen.
  • MPRA
    Das Munich Personal RePEc Archive (MPRA) wird an der Uni München gehostet, enthält aber über 17.000 wirtschaftswissenschaftliche Publikationen aus aller Welt. Diese stammen in der Regel nicht von Institutionen oder Verlagen, sondern werden von Einzelforschern und -forscherinnen per Self-Upload eingereicht und dann von einem Redaktionsteam freigeschaltet und in RePEc nachgewiesen.

Für das Auffinden von Wirtschaftsliteratur gibt es neben verschiedenen Fachdatenbanken wie  EconLit oder ECONIS:

  • RePEc: enthält vor allem Working Papers (Open Access) und Beiträge aus Fachzeitschriften
  • SSRN: enthält vor allem Working Papers (Open Access)

  • EconBiz (inkl. RePEc und ECONIS): enthält Beiträge aus Fachzeitschriften, Working Papers (Open Access), Bücher und Buchaufsätze

  • Economists Online (inkl. RePEc): enthält vor allem Working Papers (Open Access) und Beiträge aus Fachzeitschriften. Basiert auf den Inhalten verschiedener Repositorien (u.a. EconStor).