Vorbehalte gegen Open Access

 

Qualitätsvorbehalte

Manche Autorinnen und Autoren befürchten, dass Open-Access-Beiträge nicht angemessen anerkannt werden, was sich negativ auf die Leistungsbewertung und die Beantragung von Fördermitteln auswirken und somit von Nachteil für die wissenschaftliche Laufbahn sein könnte. Als ein möglicher Grund werden die geringe Etablierung und das mangelnde Renommée von Open-Access-Zeitschriften genannt. Befürchtet wird zudem eine Erodierung der Qualitätskontrolle, da ein durch Gebühren gestütztes Publikationsmodell einen Anreiz für niedrige Ablehnungsquoten biete.

Dem ist entgegenzuhalten, dass das Renommée einer Zeitschrift keine Frage des zugrunde liegenden Geschäftsmodells ist. So gibt es hohe und niedrige Qualität gleichermaßen bei kommerziellen wie nicht-kommerziellen Verlagen und Zeitschriften und auch bei kostenpflichtigen wie kostenlosen Angeboten. Nimmt man den Impact-Faktor als ein Maß für Qualität (und dies ist nicht unumstritten), so können Open-Access-Zeitschriften einen solchen nicht immer vorweisen, auch weil es in diesem Bereich in den letzten Jahren viele Neugründungen gab. (Da der Bezugszeitraum aus zwei Jahrgängen besteht, wird ein Impact-Faktor frühestens im dritten Erscheinungsjahr vergeben.) Inzwischen existieren jedoch eine Reihe von Open-Access-Zeitschriften, die innerhalb kürzester Zeit hohe Impact-Faktoren erzielt haben. Ein Musterbeispiel ist sicherlich die Zeitschrift PLoS Biology mit dem sehr hohen Impact-Faktor von 14,1 für das Jahr 2006, 12.7 für das Jahr 2008, dem mit Abstand höchsten Impact-Faktor für die Disziplin (allgemeine) Biologie. Die Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften sind zudem wie die aller anderen Zeitschriften an qualitätsvollen Beiträgen interessiert, da hohe Qualität naturgemäß ein breiteres Spektrum von Autorinnen und Autoren anzieht und mindere Qualität einen Wettbewerbsnachteil darstellt.

Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Qualität der in disziplinären und institutionellen Repositorien eingestellten Dokumente. Disziplinäre Repositorien dienen primär der Kommunikation und Diskussion von Forschungsergebnissen durch eine Community, institutionelle Repositorien bieten den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einer Institution die Möglichkeit, ihre Arbeiten elektronisch zu archivieren und für die jeweilige Institution dienen sie als Schaufenster für den publizierten Output. Die Qualität von Preprints und working papers obliegt der fachlichen Diskussion und dem Selbstregulativ der Community, und Qualifikations- bzw. Abschlussarbeiten wie beispielsweise Habilitationsschriften oder Dissertationen entsprechen für gewöhnlich einem hohen Qualitätsmaßstab.

Die Bereitstellung von Artikeln in institutionellen und disziplinären Repositorien wird oftmals auf Postprints beschränkt, das heißt hier handelt es sich um einen zusätzlichen Zugang zu einer konventionellen Publikation (grüner Weg), bei der die Originalversion in der Regel bereits durch ein referiertes oder renommiertes Journal oder einen Verlag angenommen wurde und somit die Qualität als gesichert gilt.

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Fragen der Auffindbarkeit

Autorinnen und Autoren von Open-Access-Inhalten möchten sicher sein, dass ihre Arbeiten langfristig auffindbar, lesbar und inhaltlich unverändert sind. Diese berechtigten Anforderungen stehen zunehmend im Fokus der Betreiber von Repositorien und der Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften.

Um die Auffindbarkeit zu sichern, werden die Dokumente selbst nicht nur sicher und dauerhaft gespeichert, sondern zugleich mit durchsuchbaren Beschreibungsdaten (Metadaten) verknüpft. In Content Enrichment Projects des EU-Förderprogramms eContentplus werden u.a. die Vorteile der Anreicherung mit wohl definierten und gut strukturierten Metadaten aufgezeigt. Ziel dieses EU-Programms ist es, einen besseren Zugang zu digitalen Inhalten zu schaffen. Das Programm koordiniert einschlägige Aktivitäten auf europäischer Ebene. Der Zugriff auf die Dokumente wird zudem in der Regel über so genannte persistente Identifikatoren (URN , DOI, PURL etc.) gesichert. Die European Library führt digitale Inhalte von 47 europäischen Nationalbibliotheken zusammen.

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Langzeitarchivierung von Dokumenten

Immer wieder macht man die Erfahrung, dass im Internet gefundene Dokumente nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren nicht mehr auffindbar sind. Aus dieser alltäglichen Erfahrung erwächst die nicht unberechtigte Sorge um die langfristige Auffindbarkeit von Open-Access-Inhalten.
Fragen der dauerhaften Auffindbarkeit und Authentizität werden in Projekten und Aktivitäten der Langzeitarchivierung immer mitbedacht. Mit der Langzeitarchivierung digitaler Dokumente befassen sich inzwischen eine Reihe von nationalen und internationalen Initiativen (nestor, kopal, eDepot der Königlichen Bibliothek der Niederlande, Portico etc.).

Das vom BMBF geförderte Verbundprojekt nestor beschäftigt sich mit dem Thema Langzeitarchivierung in Deutschland. Ziel des ebenfalls vom BMBF geförderten Projekts kopal sind Entwicklung und Betrieb eines nationalen Archivsystems. In Österreich beschäftigt sich das Projekt Phaidra mit digitaler Langzeitarchivierung. Auf dem Gebiet der Zeitschriftenarchivierung ist die Königliche Bibliothek der Niederlande aktiv, die z.B. Zeitschriften von BioMed Central archiviert.

Disziplinäre und institutionelle Repositorien garantieren derzeit eine mittelfristige Verfügbarkeit ihrer Sammlungen, da sich diese primär den aktuellen Informationsbedürfnissen von Forschung und Lehre widmen. So verpflichtet das DINI-Zertifikat zu Maßnahmen der Archivierung von mindestens fünf Jahren. Eine langfristige Verfügbarkeit ist besonders für Primärpublikationen im Sinne des goldenen Weges entscheidend, hierfür soll künftig die Archivierung von elektronischen Pflichtexemplaren durch die Deutsche Nationalbibliothek Sorge tragen.

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Vorbehalte hinsichtlich der Authentizität der Dokumente

Neben der langfristigen Auffindbarkeit von Open-Access-Objekten möchten Autorinnen und Autoren sowie Leserinnen und Leser ebenfalls sicher sein, dass die Arbeiten im Zeitablauf inhaltlich unverändert sind. Für Betreiber von Repositorien und Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften ist die Authentizität der Dokumente daher ein wichtiges Anliegen. So verpflichtet das DINI-Zertifikat zu Maßnahmen zur Sicherung der Authentizität der archivierten Dokumente. Die Authentizität kann beispielsweise durch eine digitale Signatur gewährleistet werden.

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Rechtliche Vorbehalte

Einige Autorinnen und Autoren sehen bei der Bereitstellung ihrer Arbeiten in Repositorien Schwierigkeiten bei der Handhabung ihrer urheberrechtlichen Verwertungsrechte. Dabei geht es um potenziell konkurrierende Verwertungsrechte in den Fällen, in denen ein Beitrag bereits in einer Zeitschrift erschienen oder eine spätere Publikation beabsichtigt ist. Zudem wollen Autorinnen und Autoren die Kontrolle über die spätere Nutzung und ggf. Verwertung ihrer Arbeit durch andere behalten. Publikationslizenzen können hier hilfreich sein.

Weitere Informationen und Empfehlungen hierzu finden Sie unter Rechtsfragen.

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Finanzierbarkeit des Author-Pays-Modells

Eine immer wieder diskutierte Kritik an Open Access ist die Kostenfrage. Ist das Author-Pays-Modell für Wissenschaftler/innen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen wirklich finanzierbar? Dies geht einher mit der Frage, welche Kosten Open-Access-Angebote tatsächlich verursachen und wie diese Kosten im Vergleich zu den Kosten einzelner Publikationen im traditionellen Verlagswesen stehen. Eine eindeutige Antwort kann hier nicht gegeben werden. Grundsätzlich gibt es viele Argumente für effizientere Distributionsbedingungen im Bereich Open Access, fallen doch Druck- und Vertriebskosten weg. Für die Organisation des Peer Review dürften in beiden Fällen vergleichbare Kosten anfallen. Die konkreten Kostenstrukturen sind aber bei Open-Access-Verlagen im Vergleich zum traditionellen Publikationssystem sehr unterschiedlich und schwer vergleichbar. Es gibt Kostenrechnungen und -schätzungen, die zugunsten von Open Access ausfallen (siehe z.B. Thomé & Barth, S. 14), und Open Access Verlagen geben z.T. Einblicke in ihre Geschäftsmodelle (siehe z.B. Copernicus Publications). Unter Beachtung sämtlicher wirtschaftlicher Faktoren kommt John Houghton in einem Report für JISC zum Schluss, dass Publizieren mit Open Access am stärksten mit ökonomischen Vorteilen verbunden und daher insgesamt am kostengünstigsten ist.

Eindeutig liegt eine Veränderung der Kostenbelastung bei einzelnen Hochschulen und Forschungseinrichtungen vor. Forschungsintensive und publikationsstarke Einrichtungen werden bei der Umkehrung der Finanzlast von Nutzerinnen und Nutzern hin zu Autorinnen und Autoren relativ mehr zahlen müssen als Hochschulen und Forschungseinrichtungen, an denen weniger publiziert wird. In den Natur- und zum Teil auch in den Wirtschaftswissenschaften wird die Quersubventionierung von Publikationen durch Subskriptionszahlungen aus Wirtschaft und Industrie entfallen; dort wird im Allgemeinen weniger publiziert als in Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Verstärkt wird dies noch dadurch, dass in der Industrie und Wirtschaft häufig höhere Zeitschriftenabonnementpreise zu zahlen sind als an Hochschulen.
 

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Vorbehalte hinsichtlich Publikationsmittelverteilung und Interessenkonflikten

Publikationsgebühren sind nicht für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einfach aus ihren Forschungsmitteln oder anderen Quellen aufzubringen. Berührt sind hier soziale, forschungs- und hochschulpolitische Fragen:

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Zeitaufwand für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten möglichst wenig Zeit für die Bereithaltung ihrer Arbeiten aufbringen. Es gibt in diesem Zusammenhang Vorbehalte hinsichtlich des Zeitaufwands des Selbstarchivierens. Nach einer Studie von Carr und Harnard (2005) benötigen aber selbst sehr aktive Forscherinnen und Forscher hierfür nicht mehr als 40 Minuten im Jahr. Wer sich neben der praktischen Umsetzung mit der Technik eines guten Archivierens von Dokumenten beschäftigt, wird in der Regel zunächst mehr Zeit investieren. Disziplinäre und institutionelle Repositorien, die professionell gepflegt werden, bieten hier Auswege. Dem berechtigten Vorbehalt des Zeitaufwands begegnen Bibliotheken zunehmend mit professionellen Angeboten an die Hochschulangehörigen, ihre Selbstarchivierung den Repositorien der Hochschulen zu übertragen.

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Open Access als Herausforderung für Non-Profit-Verlage

Open Access wird auch als ökonomische Herausforderung für einige auf Non-Profit-Basis arbeitende Verlage wissenschaftlicher Fachgesellschaften gesehen, die qualitativ hochwertige Zeitschriften und andere Medien zu moderaten Preisen publizieren und auf die Einkünfte aus Abonnements und Verkäufen angewiesen sind. In Fällen, in denen ein Übergang zu Open-Access-Geschäftsmodellen für Verlage schwieriger zu realisieren ist, bieten sich Partnerschaften mit Betreibern von Repositorien an, die eine ggf. zeitverzögerte Open-Access-Bereitstellung günstig realisieren könnten.

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Keine Auswahl der Zielgruppe von Informationen möglich

Ein Zugang zu wissenschaftlicher Information für jedermann kann potenziell auch unerwünschte Konsequenzen haben, z.B. die Verunsicherung von Patientinnen und Patienten im Bereich der Medizin. In der heutigen Informationsgesellschaft ist dies jedoch kein Problem, das speziell Open Access betrifft. Zudem kann diese Zurückhaltung von Informationen auch sehr kritisch gesehen werden. Es ist eher ein Vorteil von Open Access, beispielsweise Patientinnen und Patienten hochwertige Informationen zugänglich zu machen und so den vielen im Internet verbreiteten Fehlinformationen entgegenzuwirken.

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Weiterführende Links

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Information Platform Open Access
http://open-access.net/de/print/allgemeines/gruende_und_vorbehalte/vorbehalte_gegen_oa/
last changed: 04.11.2012 10:29 am