Geschlechterforschung

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Geschlechterforschung zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

 

Publizieren in der Geschlechterforschung

Wissenschaftliches Publizieren in der Geschlechterforschung ist von der Veröffentlichungspraxis der verschiedenen involvierten wissenschaftlichen Disziplinen geprägt; die Verfahrensweisen sind an den Publikationsgepflogenheiten der einzelnen beteiligten Fächer bzw. Fächergruppen ausgerichtet. Darüber hinaus existieren einige Verlage, Zeitschriften bzw. Buchreihen, in denen disziplinenübergreifend Ergebnisse der Geschlechterforschung publiziert werden. Hier orientieren sich die Publikationsgewohnheiten überwiegend an den Gepflogenheiten der Sozial- und Geisteswissenschaften: Im Mittelpunkt steht die klassische Monografie, wissenschaftliche Debatten werden in Form von Tagungsbänden dokumentiert, zusätzlich wurden verschiedene Zeitschriften gegründet, in denen disziplinenübergreifend zentrale Themen der Geschlechterforschung behandelt werden, ergänzt durch einige fachspezifische Periodika mit geschlechtergeschichtlicher oder -theoretischer Ausrichtung. Für die Erfassung wissenschaftlicher Publikationen ist der inter- und transdisziplinäre Charakter der Geschlechterforschung eine Schwierigkeit. Elektronische Archive und Nachweissysteme mit umfassenden Metadaten haben hier ihre Vorteile gegenüber hierarchischen Gliederungen, in die Geschlechterforschung oft nicht eindeutig einzuordnen ist.

 

Wesentliche Zeitschriften im Feld

Bekanntere Zeitschriften in Deutschland, die für die Geschlechterforschung einschlägig sind, sind in aller Regel nicht frei (weder Open Access noch nur kostenfrei) nutzbar. Dies gilt etwa für die Zeitschriften Feministische StudienFrauen Kunst Wissenschaft (jeweils herausgegeben von Fördervereinen), femina politicaFreiburger GeschlechterStudienGender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft (alle Verlag Barbara Budrich). Kostenfrei lesbar (mit sehr unklaren Angaben zu Urheber- und Nutzungsrechten) sind etwa IFF OnZeit und onlinejournal kultur & geschlecht. Auch im internationalen Bereich sind die meisten Zeitschriften aus der Geschlechterforschung, die in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek nachgewiesen sind, nur eingeschränkt les- und nutzbar. Eine weitere Liste einschlägiger Zeitschriften findet sich auf den Seiten der Zeitschrift querelles-net, allerdings sind dort keine Angaben zu Nutzungsrechten aufgeführt.

 

Open Access in der Geschlechterforschung

Es gibt in der deutschsprachigen Geschlechterforschung so gut wie keine Open-Access-Publikationen, insbesondere auch bei Zeitschriften. Teilweise stellen Zeitschriften einzelne Beiträge zum kostenlosen Zugriff bereit. Open-Access-Buchreihen oder -Repositorien mit einem Schwerpunkt in der Geschlechterforschung sind nicht bekannt. International erscheinen die meisten Publikationen zur Geschlechterforschung in großen kommerziellen Verlagen und sind in aller Regel nicht frei verfügbar. Debatten zu Open Access werden in den Publikationen der Geschlechterforschung bislang nicht geführt. Auch in den in der Geschlechterforschung dominierenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen ist Open Access bisher weniger stark vertreten.

Elektronisches Publizieren und Open Access spielen in der Geschlechterforschung derzeit kaum eine Rolle. Es findet noch keine Debatte über die Übertragbarkeit von in anderen wissenschaftlichen Feldern entwickelten und teilweise etablierten Musterlösungen für die Veröffentlichung von Zeitschriften und Monografien statt. Die Gründe dafür sind u.a. in dem Risiko zu sehen, in einem teilweise noch um seine wissenschaftliche Anerkennung kämpfenden und teilweise disziplinär, teilweise inter- und transdisziplinär ausgerichteten Wissenschaftsfeld mit neuen Publikationsmodellen zu experimentieren und dadurch mit Vorbehalten auf mehreren Ebenen konfrontiert zu sein.

Monografien und Sammelbände sind wesentliche Veröffentlichungsformen in der Geschlechterforschung – aber gerade für diesen Bereich ist die Ausgangslage für Open-Access-Projekte noch entwicklungsbedürftig. Es gibt deutlich weniger anerkannte Open-Access-Buchprojekte als -Zeitschriften. Unter den wenigen Open-Access-Monografien finden sich bisher keine (soweit ersichtlich) Titel mit explizitem Bezug zur Geschlechterforschung.

Im Bereich der Geschlechterforschung erfolgt sowohl die Publikation von Monografien als auch die von Sammelbänden überwiegend auf traditionellen Veröffentlichungswegen und ist an den Publikationsgepflogenheiten der Geistes- und Sozialwissenschaften orientiert. Begutachtungsverfahren und -kriterien sind häufig intransparent. Eine Debatte über die Qualitätssicherung und die Chancen von überprüfbaren Qualitätsstandards für Publikationen findet im Bereich der Geschlechterforschung bisher nicht statt. Nach wie vor scheint das Renommee der jeweiligen Publikation auf simple Weise mit dem – oft kaum überprüfbaren – Renommee des Verlags identifiziert zu werden, in dem sie erscheint. Wenige dieser Verlage zeichnen sich aber durch spezielle Sachkompetenz im Feld der Geschlechterforschung aus. Die besonderen Anforderungen dieses Felds können von disziplinär ausgerichteten Verlagen ebenso wenig berücksichtigt werden wie von Verlagen, in denen ohne spezifische fachliche Ausrichtung Bücher aus allen möglichen Disziplinen veröffentlicht werden.

 

Repositorien, Rolle von Preprints

Es gibt in der deutschsprachigen Geschlechterforschung keine Preprint-Kultur. Selbst Tagungsbeiträge werden in der Regel ausschließlich in Sammelbänden veröffentlicht, was neben dem erschwerten Zugriff auch mit einer großen Verzögerung einhergeht.

 

Positionierung des Forschungsfelds zu Open Access

Aufgrund der unklaren disziplinären Verortung der Geschlechterforschung ist es schwierig, eine Position des Felds zu Open Access zu bestimmen. Das Fehlen von umfangreicheren Open-Access-Bemühungen im Feld ist jedoch ein weiteres Indiz für die Skepsis im Feld gegenüber freien Publikationen.

Seit Anfang 2010 existiert eine Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Association, die jedoch bisher keine weitergehenden Positionsbestimmungen vorgenommen hat.

 

Chancen für die Geschlechterforschung durch Open Access

Nach wie vor sind die Ergebnisse der Geschlechterforschung noch Rezeptionssperren ausgesetzt (aufgrund von Vorbehalten gegenüber der Geschlechterforschung und aufgrund der uneindeutigen Verortung). Open-Access-Publikationen können durch die mögliche größere Sichtbarkeit und den direkten Zugriff auf Volltexte diese Sperren überwinden, aus der momentanen Nische heraustreten und so ihre Qualität belegen. Die erhöhte Sichtbarkeit führt aller Voraussicht nach auch zu einem höheren Qualitätsdruck.

Der Bedarf ist auch von Seiten der in der Geschlechterforschung tätigen Wissenschaftler/innen vorhanden: Aufgrund der Umstellung der Förderpraxis bei Druckkostenzuschüssen, aber auch aufgrund der Faszination, die von den neuen technischen Möglichkeiten ausgeht, ist eine vermehrte Nachfrage nach alternativen Publikationsmodellen und -orten zu verzeichnen.

Aktuell (Mai 2011 bis April 2012) fördert die DFG das Projekt Geschlechterforschung und Open Access. Ein Publikationsmodell für ein inter-/transdisziplinäres Forschungsfeld an der Freien Universität Berlin, in dem Anforderungen an Open-Access-Publikationen in der Geschlechterforschung formuliert werden. 

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Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals listet aktuell 33 Zeitschriften im Bereich der Gender Studies (Stand Mai 2011), darunter

Ab 2011 erscheint Querelles. Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung ebenfalls als Open-Access-Zeitschrift.

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Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

Repositorien

Die Schwierigkeiten bei der disziplinären Einordnung der Geschlechterforschung wiederholen sich auch in Bezug auf Publikationsorte: Explizit für die Geschlechterforschung ausgewiesene Open-Access-Repositorien gibt es nicht (vgl. OpenDOAR). Selbst bei guter Metadatenerfassung erfordert eine Recherche stets das Verfolgen unterschiedlicher Suchstrategien mit verschiedenen Speicherorten, Schlagworten und Disziplinen. Disziplinäre Repositorien aus umgebenden Disziplinen machen vielfach Texte zur Geschlechterforschung zugänglich, vgl. etwa SSOAR. In institutionellen Repositorien finden sich je nach Ausrichtung der Institution Texte zur Geschlechterforschung (etwa auf dem Dokumentenserver der London School of Economics and Political Sciene oder – wenige Texte – dem Dokumentenserver der Humboldt Universität zu Berlin). Übergreifende Suchen können z.B. mittels OAIster und BASE oder bei verschiedenen Seiten zu Digitalisaten (etwa gdz oder zvdd) durchgeführt werden.

Elektronische Ressourcen und Datenbanken

Da es im Moment wenige explizite Open-Access-Projekte in der Geschlechterforschung gibt, lohnt es sich, einen Blick auf Anschlussmöglichkeiten an bestehende (teilweise unfreie) elektronische Publikationen zu werfen. Neben den kostenpflichtig nutzbaren und kostenfreien, aber nur eingeschränkt nutzbaren Zeitschriften betrifft dies insbesondere den Bereich von Datenbanken und Archiven. Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Geschichte weiblicher Intellektualität und der (Wieder-)Entdeckung von Schriftstellerinnen und Künstlerinnen werden seit einiger Zeit sowohl im deutschsprachigen als auch im anglo-amerikanischen Raum Archivbestände und gemeinfreie Texte online zur Verfügung gestellt sowie Datenbanken angelegt, die einen besseren Zugang und Überblick über das in Bibliotheken und Archiven vorhandene Material ermöglichen, z.B.:

Daneben existieren Datenbanken zur Frauen- und Geschlechterforschung bzw. zur feministischen Theoriebildung sowie Portale, die einen besseren Zugang zu einschlägigen Bibliotheksbeständen und Neuerscheinungen bieten, z.B.: 

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Inhaltliche Betreuung der Seite

Dr. Anita Runge, Freie Universität Berlin, Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung

Marco Tullney, Freie Universität Berlin, Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung

 

Disclaimer

Die Autor/innen sind u.a. über ihre Mitwirkung an der Zeitschrift querelles-net und dem Jahrbuch Querelles sowie über weitere Vorhaben im Bereich Geschlechterforschung und Open Access Akteur/innen im hier beschriebenen Feld.

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Information Platform Open Access
http://open-access.net/de/print/oa_in_verschiedenen_faechern/geschlechterforschung/
last changed: 05.19.2011 01:19 pm