Philosophie

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Philosophie zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

Allgemeine Informationen zu Open Access in der Philosophie

In weiten Teilen der akademischen Philosophie werden bisher weniger Veröffentlichungen frei zugänglich gemacht als in anderen Fächern. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Möglichkeiten und Vorteile von Open Access noch wenig bekannt sind. Da Philosoph/innen meist für ihre Texte sowieso kein Honorar erhalten, welches durch Open Access eventuell vermindert werden könnte, hat Open Access für die Autor/innen viele Vorteile, aber keine Nachteile. Der größte Vorteil ist, dass frei zugängliche Texte weiter und schneller verbreitet werden. Weitere Vorteile sind, dass die Dateien elektronisch durchsucht werden können, daß Internetverweise anklickbar sind, daß die Texte nach Bedarf ausgedruckt werden können, dass der Leser/die Leserin sie auf seinem Rechner mitnehmen kann und dass keine Aufbewahrung der Papiertexte mehr nötig ist. Open Access ist sowohl für Aufsätze als auch für Bücher möglich und sinnvoll. Die beiden größten deutschen philosophischen Fachgesellschaften, die Deutsche Gesellschaft für Philosophie (DGPhil) und die Gesellschaft für Analytische Philosophie (GAP), haben sich bislang nicht erkennbar zu Open Access positioniert.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften unterstützt die Umsetzung von Open Access. Sie empfiehlt ihren Mitgliedgesellschaften und den in ihrem Kreis organisierten Forschenden, ihre Publikationen frei zugänglich zu machen. Sie verfolgt das Ziel, dass alle Autor/innen von Periodika, die von der Akademie subventioniert werden, das Recht haben, ihre Artikel Open Access zu publizieren. Die SAGW ersucht deshalb ihre Gesellschaften, bei den Verlagen die entsprechenden Rechte für ihre Autor/innen einzuholen, und führt auch selber Verhandlungen mit diesen Verlagen, wobei sich positive Resultate abzeichnen.

Uneingeschränkt und von vornherein frei zugänglich sind Veröffentlichungen in Open-Access-Fachzeitschriften. In der Qualitätskontrolle unterscheiden sie sich nicht von Papierzeitschriften, denn sie haben genauso Herausgeber/innen und Begutachtung (Peer review) wie diese. Die Zahl der Open-Access-Fachzeitschriften für Philosophie wächst. Die US-amerikanische Zeitschrift Philosophers' Imprint, die Beiträge aus allen Bereichen der Philosophie veröffentlicht, kann als die angesehenste gelten. In der deutschsprachigen Philosophie entwickelt sich die Zeitschrift KRITIKON für Rezensionen lebhaft. Die im Oktober 2009 gegründete deutsche Open-Access-Fachzeitschrift LOGOS - Freie Zeitschrift für wissenschaftliche Philosophie veröffentlicht nicht-historische Aufsätze aus allen Bereichen der Philosophie. Englische Rezensionen in großer Zahl und bald nach dem Erscheinen der Bücher veröffentlicht Notre Dame Philosophical Reviews. Weitere Zeitschriften werden unten genannt.

Viele Philosoph/innen machen ihre in Zeitschriften oder Sammelbänden veröffentlichten Aufsätze auf ihrer Internetseite zugänglich. Demgegenüber hat es viele Vorteile, seine Aufsätze in einem Open-Access-Repositorium (auch "Internetarchiv" oder "Dokumentenserver" genannt) abzulegen. Das ist das sog. Selbstarchivieren (engl. self-archiving, auch "to post"). Dazu erstellt der Autor eine PDF-Datei, die zum Ausdrucken und zum Lesen geeignet ist. (Zum Beispiel Format A4, Serifenschrift (z.B. Georgia), Schriftgröße 12 pt, Zeilenabstand einzeilig; oder Format A5, 11 pt.) Repositorien verwenden einheitliche Metadaten (die der OAI), so dass alle Repositorien nicht nur mit allgemeinen Suchmaschinen wie Google, sondern noch gezielter mit speziellen wissenschaftlichen Suchmaschinen wie BASE durchsucht werden können. So sind die Texte wesentlich besser zu finden als wenn sie auf normalen Internetseiten abgelegt wären. Außerdem bietet das Archivieren in einem Repositorium eine dauerhafte Internetanschrift (URL), eine dauerhafte Aufbewahrung und die Festschreibung des Datums des Archivierens.

Sammelpunkt ist ein Repositorium für Philosophie, das alle Autoren verwenden können. Darüber hinaus haben die meisten deutschen Universitäten Repositorien, welche meist nur Angehörige der betreffenden Universität verwenden können. Sie sind auf ROAR oder DOAR zu finden. Einige weitere Repositorien werden unten aufgeführt. Wegen der Vernetzung aller Repositorien ist es nicht wichtig, welches Repositorium man verwendet. 

Für englischsprachige Philosophie ist PhilPapers das führende Repositorium. Es werden dort außerdem Texte eingetragen, die irgendwo anders im Internet liegen. Dank einer ausgeklügelten Klassifizierung kann man dort umfassend nach Texten zu bestimmten Themen suchen. PhilPapers scheint für Philosophen das zu werden, was arXiv für Physiker ist. Am besten auffindbar macht man seine Texte, indem man sie

Zu welchem Zeitpunkt kann oder soll man einen in einer Papierzeitschrift oder einem Sammelband veröffentlichten Aufsatz archivieren? Entweder sofort nach der Fertigstellung, vor dem Einreichen an die Zeitschrift, oder sofort oder eine bestimmte Zeit nach dem Erscheinen im Druck. Es ist immer erlaubt, Aufsätze vor dem Einreichen zu archivieren. Wenn sie keinen anders lautenden Vertrag abgeschlossen haben, dürfen Sie nach der Veröffentlichung einen Aufsatz erst nach 12 Monaten archivieren (Näheres unter Rechtsfragen).

Anders als in anderen Fächern, ist in der Philosophie bisher das Archivieren vor dem Einreichen nicht allgemein üblich. Es ist rechtlich aber problemlos möglich, denn zu diesem Zeitpunkt besitzt der Autor/die Autorin alle Rechte an seinem Text. Eine Zeitschrift könnte zwar die Veröffentlichung von Aufsätzen, die schon archiviert wurden, ablehnen, dies ist aber schwer durchführbar und nicht üblich. Uns ist keine philosophische Zeitschrift bekannt, welche so eine Regel hat. Die Bedingung einiger Zeitschriften, dass der Text noch nicht "veröffentlicht" sei, bezieht sich nur auf die Veröffentlichung in einem Werk mit einem Herausgeber/einer Herausgeberin. Bei der Zeitschrift MIND beispielsweise schränkt der Verlag Oxford University Press das Selbstarchivieren mehr ein als die meisten anderen Verlage, indem er das Archivieren von Preprints (d.h. der eingereichten Version) nach dem Einreichen verbietet und das Archivieren von Postprints (d.h. der abgedruckten Version) bei einigen Zeitschriften erst 24 Monate nach dem Erscheinen erlaubt, aber auch er verbietet nicht das Archivieren vor dem Einreichen. ("Preprint can only be posted prior to acceptance.") Auf SHERPA/RoMEO können Sie nachschlagen, welche Richtlinien die verschiedenen Zeitschriften und Verlage für Selbstarchivierung vorgeben. Autor/innen können mit einer Zeitschrift oder einem Verlag davon abweichende Vereinbarungen treffen oder in einer anderen Zeitschrift veröffentlichen.

Das Archivieren vor dem Einreichen hat verschiedene Vorteile. Der Text wird dadurch viel früher der Leserschaft zugänglich gemacht und schneller und weiter verbreitet. Ein weiterer großer Vorteil betrifft die Prioritätssicherung:

Wenn man einen Text in einem Repositorium archiviert, wird der Zeitpunkt des Archivierens gespeichert und angezeigt. Dadurch kann der Autor dann beweisen, daß er zu diesem Zeitpunkt diese Idee veröffentlicht hat. Wenn Sie Ihren Aufsatz nicht vor dem Einreichen archivieren, dann ist dieser Veröffentlichungszeitpunkt wesentlich später, denn meist vergeht viel Zeit zwischen dem ersten Einreichen und der Veröffentlichung durch eine Zeitschrift. In dieser Zeit kann Ihnen ein anderer Autor zuvorkommen und die Idee vor Ihnen veröffentlichen. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn Ihr Aufsatz abgelehnt wird. Dann können Sie schwer beweisen, zu welchem Zeitpunkt Sie ihn das erste Mal eingereicht hatten. Veröffentlicht jemand anders diese Idee nachdem Sie diese das erste Mal eingereicht hatten und bevor Sie diese in einer Zeitschrift veröffentlichen, dann wird dieser Autor als Erstveröffentlicher der Idee gelten. Hätten Sie den Aufsatz schon vor dem ersten Einreichen in einem Repositorium archiviert, dann wäre leicht für jedermann nachprüfbar, daß Sie die Idee zuerst veröffentlicht hatten. Nach dem Einreichen darf der Verfasser/die Verfasserin nach deutschem Recht, wenn er im Vertrag nichts anderes mit dem Verlag oder dem Herausgeber/der Herausgeberin vereinbart hat, den Aufsatz in einer von ihm hergestellten PDF-Datei 12 Monate nach dem Erscheinen archivieren. Die vom Verlag hergestellte PDF-Datei darf er nur dann veröffentlichen, wenn er dies mit dem Verlag vereinbart hat.

Für Autoren/innen mit Wohnsitz in der Schweiz gilt ohne anderslautende Vereinbarung mit dem Verlag beim Hinterlegen wissenschaftlicher Aufsätze in einem schweizerischen Repositorium eine dreimonatige Sperrfrist. Als hinterlegte Publikation ist in diesen Fällen sicher eine Autorenversion ohne Verlagslogos und Verlagsseitenzahlen (akzeptiertes Manuskript; Postprint)zulässig. Nach Meinung des Rechtsgutachtens von Prof. Dr. Reto Hilty und Dr. Matthias Seemann kann auch die vom Verlag publizierte Version verwendet werden (Verlags-PDF), allerdings ohne kennzeichenrechtlich geschützte Verlagslogos. 

Wenn Sie als Autor/in einen Vertrag mit einem Verlag oder einer Zeitschrift unterzeichnen, sollten Sie darauf achten, daß Sie das Recht der Selbstarchivierung behalten und nicht das ausschließliche Nutzungsrecht an Ihrem Text abgeben. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) führt 125 Zeitschriften im Bereich Philosophie auf (Stand September 2010). Noch mehr werden in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) aufgeführt. Einige seien hier genannt:

Weitere frei zugängliche philosophische Texte

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Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

Die meisten Universitäten haben Repositorien, welche die Angehörigen der betreffenden Universität verwenden können. Sie sind auf ROAR oder DOAR zu finden.

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Open Access bei Büchern

Nicht nur Aufsätze, sondern auch Bücher werden von mehr Menschen gelesen oder zitiert, wenn sie nicht nur als Papierbuch verkauft werden, sondern auch als Datei frei zugänglich im Internet archiviert werden. Wenn für den Autor/die Autorin keine Gewinnabsichten im Vordergrund stehen, hat eindeutig Open Access bei Büchern wie bei Aufsätzen für den Autor/die Autorin viele Vorteile, aber keine Nachteile. Wenn ein Autor/eine Autorin mit dem Verkauf eines Buches finanziellen Gewinn erzielen möchte, muss er abwägen, ob zu erwarten ist, dass das Zurverfügungstellen des Buches als Datei in einem Repositorium den durch den Verkauf des Papierbuches zu erzielenden Gewinn vermindert. In vielen Fällen hat sich gezeigt, dass durch Open Access die Verkaufszahlen der Papierbücher nicht gesunken, sondern gestiegen sind (Siehe Archivalia, Klaus Grafs Delicious bookmarks und Eric Steinhauer). Aber insbesondere wenn der Preis des Papierbuches hoch ist, könnte der Umsatz durch Open Access sinken.

Es gibt etliche weiterere Vorteile davon, Bücher nicht nur als Papierbuch zu vertreiben, sondern auch als Datei frei zugänglich zu machen:

Wie kann man ein Buch frei zugänglich machen? Indem man den Text in einer PDF-Datei zum Lesen oder Ausdrucken geeignet formatiert und in einem Repositorium ablegt. Wie bei Aufsätzen können Sie ein Buch auch direkt nach dem Fertigstellen des Textes noch vor dem Einreichen an einen Verlag in einem Internetarchiv archivieren.

Damit Sie Ihr Buch im Internet frei zugänglich machen können, dürfen Sie im Verlagsvertrag dem Verlag nicht das "ausschließliche Nutzungsrecht" zeitlich unbegrenzt ("auf die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts" - d.h. bis 70 Jahre nach Ihrem Tod!) übertragen. Ein Verlagsvertrag kann Open Access auf drei Weisen ermöglichen:

Die herkömmlichen deutschen philosophischen Fachverlage legen den Autor/innen, wenn diese keine Wünsche äußern, meist Verlagsverträge vor, durch welche der Autor/die Autorin dem Verlag das ausschließliche Nutzungsrecht zeitlich unbegrenzt überträgt und welche dadurch Open Access ausschließen. Sie als Autor/Autorin müssen daher dem Verlag Ihre Wünsche oder Forderungen mitteilen und gegebenenfalls einen anderen Verlag wählen. Es gibt inzwischen auch viele Verlage, welche grundsätzlich nicht das ausschließliche Nutzungsrecht, sondern nur ein einfaches Nutzungsrecht verlangen. Das ist bei sogenannten Book-on-Demand-Verlagen so, von denen einige auf wissenschaftliche Bücher spezialisiert sind, aber auch bei immer mehr anderen neu entstehenden Wissenschaftsverlagen (z.B. die Universitätsverlage, MV-Wissenschaft oder Meine-Verlag; oder für englische Bücher Open Humanities Press oder Bloomsbury Academic). Eine Übersicht über Wissenschaftsverlage, welche mit Open Access arbeiten, bietet OAPEN (Open Access Publishing in European Networks). Bei der Wahl eines Verlages ist außerdem die Höhe eines eventuellen vom Autor/von der Autorin zu bezahlenden Druckkostenbeitrags - die zwischen Null und mehreren tausend Euro schwankt! -, die Höhe der Autorentantiemen sowie der Verkaufspreis des Buches - der von Verlag zu Verlag sehr verschieden ist - zu prüfen. Wie gesagt muss man nicht einen speziellen Open-Access-Verlag wählen, sondern man kann Open Access für philosophische Bücher ebensogut mit einer Papierveröffentlichung in einem herkömmlichen deutschen philosophischen Fachverlag verbinden, indem man den Verlagsvertrag entsprechend abfasst.

In den letzten Jahrzehnten ist in Deutschland die Zahl der durch die Fachverlage verkauften Exemplare pro philosophischem Buch drastisch gesunken und liegt nicht selten unter 200 Stück. Eine Ursache könnte die Steigerung der Buchpreise sein, welche dadurch ermöglicht wurde, dass Bibliotheken Bücher trotz hoher Preise kaufen und deshalb Verlage keinen Anreiz haben, durch aufwendigere Werbung und niedrigere Preise die Verkaufszahlen zu erhöhen. Niedrigere Preise und aufwendigere Werbung würden zwar die Verkaufszahlen erhöhen, den Umsatz und den Gewinn aber senken. Zudem führen die Druckkostenzuschüsse durch staatliche Stellen (z.B. die DFG) dazu, dass sich die Herstellung eines Buches auch ohne durch niedrigere Preise und aufwendige Vermarktung zu erzielende höhere Verkaufszahlen lohnt. Die Verbreitung und wissenschaftliche Wirkung philosophischer Bücher ist jedenfalls für die Autoren unbefriedigend gering. Open Access kann hier entgegen wirken.

Die Herstellung von Papierbüchern ist durch die Digitaldrucktechnik so billig geworden, daß selbst Auflagen von weniger als 100 Exemplaren oder der Druck von einzelnen Exemplaren zu geringen Kosten oder kostendeckend durchgeführt werden können, insbesondere wenn der Autor/die Autorin das Buch selbst setzt (z.B. mit dem kostenlosen Textsatzprogramm LaTeX) und korrekturliest. Auch die herkömmlichen Fachverlage verwenden heute diese Book-on-Demand-Technik.

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Weiterführende Links

Radiointerview vom 2. März 2010 mit Professor Herbert Hrachovec zu Open Access in der Philosophie über die theoretischen Grundlagen von "Open Access" sowie dessen Potenzial, Philosophie als akademische Disziplin zu verändern.

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Inhaltliche Betreuung der Seite

Bearbeitet/erstellt von:

Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter, Academia Internacional de Filosofía en la Pontificia Universidad Católica de Chile

 

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last changed: 06.17.2013 12:51 pm