Politikwissenschaft

Im Folgenden sind einige Informationen über Open Access im Bereich Politikwissenschaft zusammengestellt. Wenn Sie weitere Tipps und Anregungen zu diesem Bereich haben, zögern Sie nicht, uns eine E-Mail zu schicken!

 

Allgemeine Informationen zu Open Access in der Politikwissenschaft

In der Politikwissenschaft als akademischer Disziplin gibt es, wie in anderen Geistes- und Sozialwissenschaften auch, nur wenig Open Access. Die wichtigsten internationalen Zeitschriften aus den für die Forschung bedeutsamsten Ländern wie den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien werden nicht per Open Access angeboten. Open-Access-Angebote beschränken sich eher auf weniger bedeutsame Zeitschriften und sind eher in Ländern zu finden, die erst allmählich eine eigene politikwissenschaftliche Forschungstradition aufbauen, wie etwa in Schwellenländern oder in den mittelosteuropäischen Staaten.

Dass in Deutschland die Situation nicht besser aussieht, ist besonders erstaunlich, da die Politikwissenschaft hier eigentlich nach ihrer Etablierung in den 1950er Jahren einen besonderen normativen Auftrag hat, der sie besonders für Open Access prädisponieren würde: die möglichst ungehinderte Demokratievermittlung an eine möglichst breite Öffentlichkeit. Die wichtigsten deutschen Politikwissenschaftlichen Zeitschriften wie die Zeitschrift für Politikwissenschaft, die Zeitschrift für Parlamentsfragen, die Politische Vierteljahresschrift und Internationale Beziehungen haben dennoch die Möglichkeiten nicht genutzt, die Open Access hierbei bieten würde. Als namhafte Ausnahme ist jedoch die Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (ApUZ) zu nennen, welche als Beilage zu der von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Wochenzeitung Das Parlament erscheint und komplett und ohne Embargo per Open Access vorliegt. Die Bundeszentrale kommt hier ihrer Funktion als Transmissionsriemen von Wissenschaft zur politischen Öffentlichkeit nach, ohne dass dies jedoch mit einem generellen Bekenntnis zu Open Access verbunden wäre. Bei Printpublikationen bekräftigt die Bundeszentrale sogar das herkömmliche Marktmodell, indem sie Verlagsangebote aufkauft, um sie dann in anderer Aufmachung preiswerter zur Verfügung stellen zu können.

Im Bereich der institutionellen Repositorien ist die Situation durchmischt. Manche politikwissenschaftliche Lehrstühle haben durchaus Open Access für sich entdeckt, insbesondere als Werkzeug für die Öffentlichkeitsarbeit. Wo es Open Access gibt, ist dies aber eher auf Working Papers und studentische Abschlussarbeiten beschränkt. Insgesamt ist dieser Sektor vom pragmatischen Vorgehen bestimmt. Eine generelle Open-Access-Strategie gibt es nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) etwa hat sich nicht erkennbar zu Open Access positioniert und listet unter Veröffentlichungen auf ihren Webseiten ausschließlich Publikationen, die nicht per Open Access vorliegen. Auch die international wohl bedeutsamste politikwissenschaftliche Vereinigung, die American Political Science Association (ASPA), hat keine erkennbare Open-Access-Strategie; so weist die Vereinigung etwa auf ihren Webseiten darauf hin, dass nur Mitglieder und "subscribers" Zugriff auf die von ihr herausgegebenen Zeitschriften haben.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften unterstützt die Umsetzung von Open Access. Sie empfiehlt ihren Mitgliedgesellschaften und den in ihrem Kreis organisierten Forschenden, ihre Publikationen frei zugänglich zu machen. Sie verfolgt das Ziel, dass alle Autor/innen von Periodika, die von der Akademie subventioniert werden, das Recht haben, ihre Artikel Open Access zu publizieren. Die SAGW ersucht deshalb ihre Gesellschaften, bei den Verlagen die entsprechenden Rechte für ihre Autor/innen einzuholen, und führt auch selber Verhandlungen mit diesen Verlagen, wobei sich positive Resultate abzeichnen.

Eine generelle Ausnahme gibt es im stark anwendungsbezogenen Bereich der Politikwissenschaft, in den sogenannten Think Tanks. Think Tanks sind öffentliche oder private Einrichtungen zur Analyse politischer Prozesse, die meist an konkreten Handlungsoptionen für politische Entscheidungsträger orientiert sind und auch die breitere politische Öffentlichkeit beeinflussen wollen. Viele aktuelle Publikationen der bedeutendsten Think Tanks, wie etwa von Clingendael in den Niederlanden oder des European Council on Foreign Relations, von Chatham House in Großbritannien oder der Stiftung Wissenschaft und Politik und des Centrums für angewandte Politikforschung in Deutschland, liegen per Open Access vor, werden gut beworben und können bequem von den jeweiligen Webseiten heruntergeladen werden. Die Qualität der Arbeiten ist zumeist hoch. Publikationen aus den Think Tanks können als profunde Fachpublikationen angesehen werden, welche für die Politikwissenschaft sogar einflussreicher sein können als Publikationen aus dem engeren akademischen Feld.

Insgesamt bestätigt sich auch für die Politikwissenschaft, dass Open Access insbesondere in anwendungsbezogenen Kontexten aufzufinden ist. Da sich die Politikwissenschaft überhaupt als ein Fach mit hoher Anwendungsbezogenheit definieren lässt und die politische Bildung einer möglichst breiten Öffentlichkeit eines ihrer Hauptanliegen ist, stellt Open Access für dieses Fach eine besondere Chance dar.

 

Zum Seitenanfang

Open-Access-Zeitschriften

Im DOAJ sind über 137 politikwissenschaftliche Zeitschriften ausgewiesen, in der EZB sind über 1.800 frei zugängliche Zeitschriften gelistet (Stand September 2010).

Beispiele:

Zum Seitenanfang

Disziplinäre Repositorien und Datenbanken

Universitäten:

Think Tanks:

Zum Seitenanfang

Inhaltliche Betreuung der Seite

Bearbeitet/erstellt von:

Dr. Benjamin Vauteck, Bibliothek des Deutschen Bundestages

Zum Seitenanfang

Information Platform Open Access
http://open-access.net/de/print/oa_in_verschiedenen_faechern/politikwissenschaft/
last changed: 12.10.2010 09:38 am