Wissenswertes für Verlage

Verlage spielen eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen Informationsversorgung und können durch wissenschaftsfreundliche Konditionen ihre Autorinnen und Autoren wesentlich bei der Kommunikation von Forschungsergebnissen unterstützen. Open-Access-Publikationsmodelle bieten hierfür ganz hervorragende Möglichkeiten.

Es gibt bereits etliche Verlage, im naturwissenschaftlichen wie auch im geisteswissenschaftlichen Bereich, die Open Access erfolgreich in ihre bestehenden Geschäftsmodelle integriert haben oder sogar vollständig auf Open Access setzen. Unter diesen Verlagen sind sowohl Buch- als auch Zeitschriftenverlage zu finden, sowohl kleine nationale Verleger als auch große, internationale Medienhäuser.

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Buchverlage

Für eine gute Open-Access-Publikation genügt es gerade bei umfangreicheren Texten nicht, die Inhalte frei zugänglich auf einem Dokumentenserver zu verbreiten. Die freie Zugänglichkeit allein ermöglicht zwar eine umfassende Erreichbarkeit, sie garantiert aber keine ausreichende Sichtbarkeit oder gar die Rezeption des Textes durch die Fachwelt. Soll hier Abhilfe geschaffen werden, kann der Autor/die Autorin auf den Versand von gedruckten Rezensionsexemplaren des Online-Textes nicht verzichten. Auch Lesende werden neben der Online-Version, die sie sofort einsehen, durchsuchen und auf Relevanz überprüfen können, eine gedruckte Ausgabe des Textes zu schätzen wissen. Nach wie vor empfinden viele Menschen die Lektüre einer umfangreichen Abhandlung allein am Bildschirm als unbefriedigend und den selbst erstellten Ausdruck des Textes als unpraktisch oder zu teuer (vgl. UCL-Studie: What do faculty and students really think about e-books? PDF, 600 KB).

Hybrides Publizieren als Publikationsmodell für Monografien

Als Hybrides Publizieren wird ein Open-Access-Modell bezeichnet, bei dem neben der online bereitgestellten Open-Access-Version auch eine kostenpflichtige gedruckte Version veröffentlicht wird. Dieses Modell hat sich vor allem für Monografien als sehr vorteilhaft erwiesen: Durch die frei zugängliche Online-Version wird die Sichtbarkeit und Verbreitung erhöht und dadurch erhöhen sich, so die Hoffnung, auch die Verkaufszahlen. Durch die Kombination mit Print-on-Demand-Diensten kann der Verlag flexibel auf die Nachfrage reagieren. Insbesondere einige Universitätsverlage praktizieren dieses Modell, beispielsweise der Verlag der Universität Weimar, aber auch Wissenschaftsverlage wie das Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat. Das Hybride Publizieren ist somit sowohl Open-Access-Strategie als auch Open-Access-Geschäftsmodell, nicht jedoch zu verwechseln mit dem Hybriden Geschäftsmodell, das beispielsweise Springer mit seinem Open-Choice-Programm anbietet.

Vgl: Steinhauer, Eric W. (2007). Hybrides Publizieren als Marketing-Mix: Erfolgsmodell zur Verbreitung von Hochschulschriften und wissenschaftlichen Monografien

Vgl: Herb, Ulrich: Online oder unsichtbar Telepolis vom 5.Oktober 2007


Durch ihre Kompetenz in der Herstellung und im Vertrieb gedruckter Bücher sind Verlage ein willkommener Partner für Open Access. Ein entsprechendes Engagement kann sich nach derzeitigem Erfahrungsstand rechnen. Vor allem bei sehr spezieller wissenschaftlicher Literatur wie Dissertationen oder Tagungsbänden ist Open Access verbunden mit der Möglichkeit, den online frei zugänglichen Text als Buchausgabe zu erwerben, regelrecht absatzfördernd, sofern das gedruckte Buch zu einem angemessenen und auch für private Leserinnen und Leser erschwinglichen Preis angeboten wird. Zahlreiche deutschsprachige Universitätsverlage und die amerikanische National Academies Press haben bereits positive Erfahrungen mit Open-Access-Versionen ihrer Bücher als Full Text Teaser gesammelt. Die Rechnung für die Verlage ist einfach. Open Access lohnt sich, sobald die Zahl derjenigen Leserinnen und Leser, die sich nach Einsicht der Onlineversion zum Bucherwerb entschließen und das Werk ansonsten vielleicht übersehen hätten, höher ist als die Zahl derjenigen, die auf einen Buchkauf verzichten, weil der Text im Internet frei zugänglich ist.

Ein entscheidender Teil des Absatzes fachwissenschaftlicher Werke erfolgt über Bibliotheken, die einen Sammelauftrag haben. Können sich Fachreferent/innen und Erwerbungsleiter/innen einfach und umfassend über die Qualität einer Publikation informieren, werden sie die kostenpflichtige gedruckte Version auch dann erwerben, wenn es eine freie Onlineversion gibt. Nach bisherigen Erfahrungen in Universitätsbibliotheken regt die Zugänglichkeit von Onlineversionen in vielen Fällen einen Anschaffungsvorschlag für die jeweilige Druckversion an. Noch immer gilt in vielen Disziplinen die Veröffentlichung einer Monografie mit ISBN und dem Vertrieb über den Buchhandel als Indiz für eine qualitätvolle Veröffentlichung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die das Open Access bereit gestellte Werk am Bildschirm lesen, werden in der Regel das Buch mit Verlagsnennung zitieren und ggf. auf die Onlineversion hinweisen. Hierdurch kann der Zeitraum der Wahrnehmung, Rezeption und Anerkennung eines Werkes durch die Fachwelt zum Teil um Jahre verkürzt werden. Erfahrungen aus der Praxis zufolge kann Open Access die Zahl der Verkäufe enorm steigern.

Beispiele für gestiegene Absätze bei Open Access:

Verlage mit einem Schwerpunkt auf Buchpublikationen, die dem Gedanken von Open Access in besonderer Weise verpflichtet sind, sind die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Universitätsverlage. So ist etwa bei der Hamburg University Press, beim Karlsruher Universitätsverlag oder bei Mannheim University Press die parallele, frei zugängliche Online-Publikation obligatorisch. Für den Universitätsverlag Ilmenau bestimmt dies eine durch den Senat der Technischen Universität Ilmenau verabschiedete eigene Satzung. Andere Universitätsverlage wie die in Göttingen oder Kassel ermuntern ihre Autorinnen und Autoren ausdrücklich zu Open Access. Diese Verlage finanzieren ihre Buchprojekte auf unterschiedliche Weise.

In Deutschland gibt es verschiedene weitere Buchverlage, die ganz oder teilweise nach Open-Access-Vorgaben publizieren. Der Leipziger Meine-Verlag stellt Artikel, Aufsätze und Essays kostenlos bereit. Der Centaurus-Verlag aus Freiburg plant derzeit, seine Monografien hybrid mit einer elektronischen Open-Access-Version zu publizieren.

International bedeutsam ist der Computerfachverlag O’Reilly mit seinem O’Reilly Open Books Project. Der Verlag macht einige aktuelle und viele vergriffene Bücher unter einer Creative-Commons-Lizenz zugänglich. In einem weiteren renommierten Computerverlag, dem Heise-Verlag, wurden einige Monografien unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Der britische Harry-Potter-Verlag Bloomsbury startete im September 2008 seine Reihe Bloomsbury Academic, für die ebenfalls Monografien aus dem Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden.

Auch die Europäische Kommission unterstützt Open Access im Bereich der Buchverlage. Das Projekt OAPEN beispielsweise, gefördert im Rahmen des eContentplus-Programms, hat zum Ziel, ein Open-Access-Publikationsmodell für wissenschaftliche Monografien aus den Geistes- und Sozialwissenschaften zu entwickeln. Das OAPEN-Konsortium besteht aus sieben Universitätsverlagen, die zum Teil bereits Erfahrungen mit dem Open-Access-Publizieren gesammelt haben. Weitere geisteswissenschaftliche Verlage, die Open-Access-Modelle testen, arbeiten mit dem OAPEN-Projekt zusammen.

Das Hybride Publizieren wird auch von Verlagen praktiziert, die keine reinen Wissenschaftsverlage sind: Der Contumax-Verlag, gegründet 2009, stellt seine Bücher unter CC-BY-SA und im Netz zur Verfügung.

 

Der grüne Weg: auch für Bücher geeignet

Der grüne Weg des Open Access, der primär die Selbstarchivierung bzw. Parallelpublikation von Artikeln und Beiträgen auf Open-Access-Repositorien meint, kann auch für Buchverlage von Interesse sein. Das Pädagogik-Fachportal pedocs kooperiert mit Buchverlagen, die komplette Monografien oder einzelne Artikel aus Sammelwerken Open Access auf pedocs einstellen. Besonders hilfreich für die Nutzer ist, das Verlage hier auch vergriffene Titel zur Verfügung stellen. Für die Verlage besteht die Möglichkeit, anhand der Zugriffszahlen abzuschätzen, wie groß die Nachfrage nach dem Titel noch ist und gegebenenfalls eine Neuauflage planen (vlg. Verlage beim Workshop "Open Access Erziehungswissenschaften")

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Zeitschriftenverlage

Für den Bereich der Zeitschriften kann Open Access zu einem entscheidenden Marketinginstrument werden. Wissenschaftliche Autorinnen und Autoren sind vor allem an Sichtbarkeit interessiert. Zeitschriften, die durch eine restriktive Handhabung der Nutzungsrechte die freie Verbreitung von Publikationen im Internet erschweren oder unmöglich machen, könnten auf mittlere Sicht einen schweren Stand haben. Wenn Zeitschriftenverlage sich in einer Wissenschaftskultur behaupten wollen, die wesentlich durch das Internet und den enorm beschleunigten digitalen Informationsaustausch geprägt ist, sollten sie Open-Access-Optionen anbieten, sei es im Sinne des grünen oder des goldenen Weges. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden vermutlich weiterhin eher diejenige Version zitieren, die das höhere Renommee besitzt, ungeachtet dessen, wie sie die Informationen erlangt haben. Somit können parallele Versionen auf Homepages oder Repositorien letztendlich die Zitationsraten und das Ansehen der kostenpflichtigen Angebote erhöhen.

Beispiele für den Goldenen Weg

Zu den bekanntesten reinen Open-Access-Zeitschriftenverlagen, die den goldenen Weg wählen, zählen BioMed Central und die Public Library of Science (PLoS). Doch auch viele Verlage, die weiterhin auf die klassischen, zugangsbeschränkten Verbreitungswege setzen, bieten Open-Access-Optionen für einzelne Zeitschriftenartikel an (vgl. Hybrides Geschäftsmodell), z.B. Springer, Elsevier, Wiley, de Gruyter und Oxford University Press. Insbesondere Springer weitet sein Open-Choice Angebot weiter aus. In dem Projekt OASPA haben sich die wichtigsten Open-Access-Zeitschriftenverlage (z.B. PLoS, BioMed Central, Hindawi corporation, Copernicus), einige Zeitschriftenprojekte und SPARC Europe zusammengeschlossen, um ihre Open-Access-Modelle durch die Entwicklung von Standards und das Voranbringen von Geschäfts- und Publikationsmodellen zu unterstützen. Copernicus, der einzige reine Open-Access-Verlag aus Deutschland, hat derzeit 22 Zeitschriften im Programm.

Weitere Open-Access-Zeitschriften finden sich bei den Institutionen und ihren Universitätsverlagen. So hat auch der Karlsruher Universitätsverlag seit Mai 2009 eine eigens gegründete Open-Access-Zeitschrift im Programm. Im Göttinger Universitätsverlag wurde ebenfalls eine Open-Access-Zeitschrift gestartet (GoJIL).

Eine wachsende Zahl von Open-Access-Zeitschriften wird über Verzeichnisse und Portale wie DOAJ und Open Journal Gate erschlossen.

Umwandlung von Closed-Access-Zeitschriften in Open-Access-Zeitschriften

Der deutsche Wissenschaftsverlag Pabst Science Publishers liefert ein Beispiel für die erfolgreiche Umwandlung einiger seiner ehemals kostenpflichtigen Zeitschriften in Open-Access-Zeitschriften. Mit der Umwandlung der Zeitschrift Forum Gemeindepsychologie, die am 1. August 2007 zugänglich gemacht wurde, bietet der Verlag inzwischen vier Online-Zeitschriften frei zugänglich an. In Kooperation mit Hamburg University Press, dem Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, wurde eine ehemals Closed-Access-Zeitschriftenreihe in eine Open-Access-Zeitschriftenreihe umgewandelt: die Zeitschriften der GIGA (German Institute of Global and Area Studies) Journal Family sind seit Juni 2009 vollständig Open Access zugänglich.

Beispiele für den grünen Weg

Das Verzeichnis SHERPA/RoMEO listet (rechtlich unverbindlich) die Bedingungen der Verlage beim grünen Weg des Open Access auf, also beim Archivieren von Pre- und Postprints in Open-Access-Repositorien, und liegt auch in deutscher Sprache vor. Für Verlage ist dies zudem eine Möglichkeit, für das eigene autorenfreundliche Angebot zu werben. Ein Zusammenhang zwischen einer zunehmenden Archivierung von Pre- und Postprints in Open-Access-Repositorien und Abbestellungen von Zeitschriften z.B. seitens Bibliotheken lässt sich derzeit auch in Disziplinen, die eine ausgeprägte Preprint-Kultur pflegen wie die Hochenergiephysik, nicht feststellen. Eine von der Association of Learned and Professional Society Publishers (ALPSP) durchgeführte Umfrage unter Bibliotheken zum Thema Institutional Repositories ergab, dass für Bibliotheken der Hauptabbestellungsgrund nach wie vor zu hohe Preise sind. Das Vorhandensein von freien Parallelversionen für kostenpflichtige Zeitschriften spielte bei Abbestellungsentscheidungen derzeit keine relevante Rolle.

Im Rahmen einer Kooperation mit pedocs, dem Pädagogik-Fachportal, stellten eine Reihe von ehemals Closed-Access-Verlagen im erziehungswissenschaftlichen Bereich Teile ihres Programmsegments zur digitalen Archivierung zur Verfügung; als Folge konnten sie als grüne Verlage bei SHERPA/RoMEO gelistet werden.

In dem Forschungsprojekt PEER untersuchen Verlage, wissenschaftliche Institutionen und Bibliotheken gemeinsam die Auswirkungen des grünen Weges der Parallelpublikation auf Closed-Access-Zeitschriften. Hierfür wird die Entwicklung von Nutzung und Verbreitung (Zitation) bei großen Mengen begutachteter Artikel auf Repositorien analysiert. In einer gemeinsamen Presseerklärung (PDF, 15,3 KB) haben der Bibliotheksverband IFLA und der Verlegerverband IPA betont, dass beim wissenschaftlichen Publizieren immer die Bedürfnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Vordergrund stehen müssen.

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Vorbehalte gegen Open Access

Von Seiten mancher Verlage gibt es weiterhin eine Reihe von Vorbehalten gegen Open Access:

Die Vorbehalte der Verlage gegen Open Access haben in der Vergangenheit bereits zu breiten Debatten geführt. Einen ersten Höhepunkt erreichten die Diskussionen im Sommer 2007, als bekannt wurde, dass der US-amerikanische Verlegerverband Association of American Publishers (AAP) eine Kampagne gegen Open Access gestartet hatte. Die Kampagne namens "Partnership for Research Integrity in Science & Medicine" (PRISM) kostete Millionen Dollar und hatte zum Ziel, Open Access mit staatlicher Zensur gleichzusetzen, um so die Öffentlichkeit gegen Open Access aufzubringen. Durch die Veröffentlichung eines internen Strategiepapiers in der britischen Zeitschrift New Scientist wurden Einzelheiten der Kampagne bekannt und lösten Proteste aus. Bereits Monate zuvor hatte der Journalist Jim Giles im journalistischen Teil der Zeitschrift Nature (siehe Nature 445, 347 (25 January 2007 und Steve Mount in Nature Networks) auf diese Strategie der Verlage hingewiesen.

In Deutschland wurde im März 2009 der Heidelberger Appell veröffentlicht, der sich einerseits gegen das Einscannen von urheberrechtlich geschütztem Material durch Google (siehe Google Book Settlement), andererseits gegen Open Access wendet. Durch den Heidelberger Appell kam es zu größeren Missverständnissen über die Zielsetzung und Strategien von Open Access. Open Access wurde als Publikationszwang und als Schwächung der Stellung der Autor/innen und deren Urheberrechte dargestellt, sogar von "Enteignung" der Autor/innen bzw. Verlage wurde gesprochen. Diesen Darstellungen haben viele Autor/innen und Wissenschaftler/innen vehement widersprochen. Der Heidelberger Appell trennt nicht zwischen wissenschaftlichen und belletristischen Publikationen und scheint vor allem durch die Angst der Verlage motiviert, dass Open Access ihre Geschäftsmodelle gefährden könnte. Die Verlagslobby arbeitet deswegen auf eine Verankerung neuer Leistungsschutzrechte im Verlagsrecht hin (vgl. Peter Mühlbauer, Hubert Burda), das beispielsweise das Zitieren aus Zeitungsartikeln kostenpflichtig machen würde (vgl. "Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz")

Kritiker des Heidelberger Appells merken an, dass dieser nicht im Sinne von Bildung und Wissenschaft sei. (Vgl. Interview mit dem Münchner BWL-Professor Dietmar Harhoff) Eine Darstellung der Kontroverse, die der "Heidelberger Appell" ausgelöst hat, und einen umfassenden Pressespiegel finden Sie auf unserer Seite zur die aktuellen Diskussion um Open Access und Urheberrechte

Open Access: neue Wege für Wissenschaftsverlage

Bei näherem Hinsehen lassen sich viele der Befürchtungen und Vorbehalte gegenüber Open Access entkräften oder relativieren. Wissenschaftler/innen sind angewiesen auf eine Rezeption ihrer Publikationen. Die Sichtbarkeit und Reichweite ihrer Veröffentlichungen ist ihnen in der Regel wichtiger als ein etwaiger Verdienst, der ohnehin bei den wenigsten Publikationen üblich ist. Wenn ein Verlag seinen Autor/innen eine Veröffentlichung unter Open-Access-Bedingungen anbieten kann, bedeutet dies einen weiteren Kundenservice und damit einen potenziellen Imagegewinn.

Fairer Umgang mit den Rechten von Autorinnen und Autoren

Autorinnen und Autoren werden durch Open Access nicht enteignet und in ihrer Publikationsfreiheit eingeschränkt, sondern behalten ganz im Gegenteil mehr Gestaltungsspielraum bei der Vergabe ihrer Nutzungsrechte. Durch einen herkömmlichen Autorenvertrag erhält der Verlag die ausschließlichen Nutzungsrechte an einem Werk, während ein Vertrag, der eine Publikation unter einer freien Lizenz vorsieht, dem Verlag lediglich einfache Nutzungsrechte einräumt. Die Autor/innen haben also die Freiheit, durch die freie Lizenz zusätzlich jedermann ein einfaches Nutzungsrecht einzuräumen und damit die Reichweite und Sichtbarkeit ihrer Veröffentlichungen zu erhöhen. Ein Zwang zu Open Access ist in Deutschland aufgrund der grundgesetzlich garantierten Forschungs- und Publikationsfreiheit nicht möglich. Der Begriff der "Enteignung", der vor allem von den Initiatoren des Heidelberger Appells in diesem Zusammenhang gebraucht wird, beruht auf einem speziellen Verständnis von Publikationsfreiheit: demnach gehört zur Publikationsfreiheit vor allem das Recht, die ausschließlichen Nutzungsrechte an den Verlag abzutreten und sich gegen Optionen des Open-Access-Publizierens zu entscheiden. Dass die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen und eine Reihe von Universitäten ihre Angehörigen auffordern, sich die einfachen Nutzungsrechte an ihren Werken vorzubehalten, wird in dieser Perspektive als Einschränkung der Publikationsfreiheit und der Urheberrechte von Autor/innen erlebt.

Die oftmals kritisierten "Abwälzungen der Kosten auf den Autor" (vgl. Brussels Declaration) finden zumindest bei den STM-Zeitschriften sowieso schon statt: Autor/innen bzw. ihre Institutionen müssen für eine Veröffentlichung in den meisten Closed-Access-Zeitschriften Gebühren zahlen, beispielsweise für Farbabbildungen. Die Veröffentlichung eines einzelnen Artikels in der hochrangigen Zeitschrift Cell kostet die Autoren beispielsweise im Schnitt 2100 US$. In fast allen akademischen Disziplinen ist darüber hinaus üblich, dass die Autor/innen die Druckkosten tragen oder zumindest mittragen müssen. Viele Arbeitgeber, Bibliotheken und Forschungsförderorganisationen sind gerne bereit, Autor/innen bei der Finanzierung von Publikationsgebühren für Open-Access-Publikationen zu unterstützen. Forschungsförderer und Bibliotheken vertreten vielfach den Standpunkt, dass so lediglich eine Umverteilung der Kosten stattfindet: die Summen, die ansonsten in den Erwerb der Zeitschriften und Artikel fließen, werden stattdessen in die Publikation der Artikel investiert, damit diese frei verbreitet werden können und so allen Nutzern zugänglich werden. Vielen Verlagen bietet dieses Modell neue Geschäftsmöglichkeiten. Zu erwarten und angestrebt ist allerdings, dass der bisher praktizierten Preispolitik mit Umsatzrenditen von bis zu 30% Grenzen gesetzt werden. Eine Herausforderung für die Instituts-Etats ist die Übergangssituation, in der sowohl Open-Access-Publikationsgebühren als auch Abonnements parallel finanziert werden. Insgesamt lässt sich nicht absehen, ob sich eine vollständige Umstellung des wissenschaftlichen Publikationssystems auf Open Access erreichen lässt, auch wenn inzwischen einige Studien zu dem Schluss kommen, dass Open Access als Grundlage der Informationsversorgung ökonomisch sinnvoll und deutlich kostengünstiger als das bisherige System ist. Studien zum Kosten-Nutzen-Verhältnis von Open Access sind beispielsweise:

Die Debatte über die ökonomischen Auswirkungen von Open Access ist noch nicht abgeschlossen. Die Annahmen und Variablen, auf denen die gelisteten Studien beruhen, variieren, was bei einer Bewertung und Einordnung derselben berücksichtigt werden muss. Doch selbst wenn der Übergang zu Open Access keinerlei Einsparpotenzial hätte: für die Bibliotheken bedeutet bereits das weltweite Zugänglichmachen der wissenschaftlichen Fachliteratur für die Wissenschaft und die breite Öffentlichkeit eine Errungenschaft von unschätzbarem Wert.

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Weiterführende Links

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Information Platform Open Access
http://open-access.net/de/print/wissenswertes_fuer/verlage/
last changed: 12.01.2010 04:39 pm