Informationsplattform Open Access: Vernetzung von Repositorien

Vernetzung von Repositorien

Wer heute nach wissenschaftlicher Information sucht, muss nicht verschiedene Repositorien einzeln durchsuchen, sondern gibt seine Anfrage in die Suchmaske eines OAI-Serviceproviders (z.B. OAIster, BASE, ScientificCommons, SPIRES HEP Literature Database, MeIND) ein, worauf die verschiedenen Dokumentenserver zeitgleich durchsucht werden. Möglich wird dies durch das Open Archives Initiative - Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH), ein XML-basiertes Protokoll, welches der Abfrage und Übertragung von Metadaten dient. Service-Provider sammeln Titeldaten von den Data-Providern ein, bereiten diese auf und stellen sie für Suchanfragen bereit. Dies garantiert die Auffindbarkeit sowie die maximale Verbreitung und damit Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Texte.

Im Projekt Open Archives Initiative Object Reuse and Exchange (OAI-ORE) werden technische Standards für die Beschreibung und den Austausch von aggregierten Ressourcen („compound digital objects“) entwickelt, um die Vernetzung digitaler Dokumente über die Grenzen von Repositorien hinaus zu unterstützen. Dieses Konzept ersetzt nicht den OAI-PMH-Standard, sondern ergänzt diesen um ein Datenmodell, das maschinenlesbar die Beziehungen und Grenzen von Ressourcen kodiert.

Das DRIVER-Projekt

Das von der Europäischen Kommission seit Juni 2006 geförderte Projekt Digital Repository Infrastructure Vision for European Research (DRIVER) betreibt den Aufbau einer skalierbaren, robusten Infrastruktur zur Vernetzung verteilter Repositorien von Universitäten und Forschungseinrichtungen in Europa und darüber hinaus. Beteiligt sind derzeit neunzehn Partner aus siebzehn Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen, Portugal und Slowenien als Mitglieder des Konsortiums sowie Finnland, Irland, Litauen, Norwegen, Schweden und Spanien als assoziierte Partner).
 

DRIVER unterstützt die sukzessive Einbindung von Repositorien in das Netzwerk und die Entwicklung von Services auf dieser Basis. Hierbei wird das von DRIVER-I in der ersten Förderphase entwickelte Testbed von über 50 Repositorien aus fünf Ländern zu einer europaweiten Infrastruktur ausgebaut.
 

Organisatorisch bringt DRIVER-II künftig die nationalen, fachspezifischen und technischen Interessengruppen in einer Confederation of European Digital Repositories zusammen. Nationale Netzwerke können hierbei die Rolle von Aggregatoren übernehmen und eine den DRIVER Guidelines entsprechende Datenqualität sicherstellen.
 

Die Ziele von DRIVER-II sind vielfältig:

  • Unterstützung beim Aufbau und der Vernetzung von Open-Access-Repositorien
  • Bereitstellung von Guidelines zur Interoperabilität digitaler Repositorien
  • Aufbau und strategische Erweiterung einer Konföderation unter Einbeziehung aller Interessengruppen
  • Einbeziehung aller Materialarten, einschließlich komplex vernetzter Inhalte und Publikationen (enhanced publications, OAI-ORE)
  • Konsolidierung und Ausbau der Funktionalitäten der DRIVER-Services
  • Ausblick auf technische Fortentwicklungen und die Vernetzung mit weiteren Infrastrukturen (GRID, Langzeitarchivierung etc.)

Netzwerk von Open-Access-Repositorien

Das Projekt Netzwerk von Open-Access-Repositorien zielt auf eine verstärkte Vernetzung von Repositorien, um deutsche Forschungsbeiträge national und international besser sichtbar zu machen. Initiiert von der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt. In ihm wirken die Humboldt-Universität zu Berlin, die Georg-August-Universität Göttingen und die Universität Osnabrück zusammen.

Den Kern des Vorhabens bildet ein virtueller Verbund aller DINI-zertifizierten Dokumenten- und Publikationsserver. Um diesen Verbund zu stärken und auszubauen, unterstützt OA-Netzwerk die Betreiber von Repositorien bei der DINI-Zertifizierung und fördert den Austausch über Entwicklungen und Initiativen im Kontext digitaler Repositorien. Auf der Basis aggregierter Daten stellt OA-Netzwerk Dienste wie Such- und Exportfunktionen (Suche über Metadaten und Volltexte, Browsing, Alerting u.a.) bereit. Darüber hinaus werden Entwicklungen aus weiteren DINI-Projekten integriert, etwa bezogen auf Nutzungsstatistik und Zitationsanalyse.

Mit der DINI-Zertifizierung schaffen Betreiber von Repositorien eine solide Basis für die Einbindung ihrer Daten in übergreifende Netzwerke wie OA-Netzwerk und Digital Repository Infrastructure Vision for European Research (DRIVER). Sie profitieren damit von den in diesen Projekten entwickelten Technologien und Endnutzerdiensten. Weitere Informationen zur Technik von OA-Netzwerk finden Sie auf den Seiten des Projekts OA-Netzwerk und im Weblog des Projekts. Informationen zum DINI-Zertifikat gibt es auf den Seiten von DINI.

Die Suchmaschine BASE

Die Suchmaschine BASE (Bielefeld Academic Search Engine) trägt zur Vernetzung verteilter Repositorien bei, indem sie einen qualifizierten Zugang zu derzeit über 18 Mio. Publikationen aus mehr als 1.100 internationalen Quellen (Stand März 2009) ermöglicht.

Dabei wird der Qualität der Datenaggregation sowohl über das Open Archives Initiative - Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) als auch über das Crawlen von Web-Seiten hohe Priorität eingeräumt. Die Vorteile beim Einsatz von Suchmaschinentechnologien - einfache, google-ähnliche Nutzung, hohe Performanz, Volltextsuche und hohe Relevanz der Suchergebnisse - werden verbunden mit den aus der Datenbankwelt bekannten Vorteilen der Berücksichtigung bibliographischer Suchaspekte und hoher Datenqualität. Dazu gehören die Entwicklung von fortgeschrittenen Suchfunktionalitäten wie z.B. die automatische Suche nach zusätzlichen Wortformen und der Einsatz eines Thesaurus für eine multilinguale Suche sowie unterschiedliche Optionen zur Suchverfeinerung und Sortierung in Trefferlisten (s. BASE Lab). Des Weiteren kann der BASE-Index über eine Web-Service-Schnittstelle auch in andere Informationsangebote wie etwa Metasuchmaschinen (z.B. MetaGer) eingebunden werden.

BASE ist registrierter OAI-Service-Provider und beteiligt sich seit Juni 2006 am EU-Projekt Digital Repository Infrastructure Vision for European Research (DRIVER).

ScientificCommons Projekt

ScientificCommons.org ist eine an der Universität St. Gallen betriebene Plattform für wissenschaftliche Dokumente, die den Zugriff auf mehr als 7,9 Mio. Autorenprofile und über 19 Mio. wissenschaftliche Texte (Stand Juni 2008) aus allen wissenschaftlichen Bereichen ermöglicht. 

Ziel des ScientificCommons-Projektes ist es, eine Plattform für wissenschaftliche Informationsprodukte aufzubauen und diese der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen und damit die Verbreitung von Open-Access-Archiven zu fördern. Insbesondere der Zugang und die Strukturierung der umfangreichen Datenbestände in den unterschiedlichen institutionellen und universitären digitalen Archiven soll damit deutlich vereinfacht werden. Durch die Zusammenführung der Daten aus über 900 Archiven ist es möglich sowohl Verknüpfungen zwischen Autoren/Autorinnen, als auch inhaltliche Verknüpfungen über institutionelle und disziplinäre Grenzen hinweg zu identifizieren und für die Aufbereitung der Daten zu nutzen.

Zudem sind die Lokalisierung von neuen digitalen Archiven, die Indizierung von Volltexten, die Extraktion von Autorenbeziehungen und die Erstellung von personalisierten Informationsangeboten weitere wichtige Ziele des Projekts.