Bindung der Förderung an Open Access

Die Möglichkeiten, Förderungsempfängerinnen und -empfänger dazu zu verpflichten, ihre Forschungsergebnisse Open Access zur Verfügung zu stellen, finden ihre Grenzen in der (national unterschiedlich kodifizierten) Wissenschafts- und Publikationsfreiheit von Autor/innen und ggf. in wissenschaftspolitischen Interessenlagen. In vielen Rechtssystemen sind wissenschaftliche Autorinnen und Autoren grundsätzlich frei in der Entscheidung, ob und in welcher Form sie ihre Arbeitsergebnisse veröffentlichen, vgl. z.B. in Deutschland § 5 Abs. 3 GG sowie § 12 Abs. 1 UrhG.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bringt in ihren Verwendungsrichtlinien, die Bestandteil einer jeden Bewilligung sind, zum Ausdruck, dass sie von Förderungsempfängern erwartet, Projektergebnisse auch Open Access bereitzustellen. Dabei verweist die DFG auf die Möglichkeit, direkt in referierten bzw. renommierten Open-Access-Zeitschriften zu publizieren oder Beiträge zusätzlich zur konventionellen Publikation auf disziplinären oder institutionellen Repositorien einzustellen.

Auch der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF) fordert Wissenschaftler/innen in seiner Open Access Policy auf, (auch) Open Access zu veröffentlichen und "sich in Verlagsverträgen möglichst ein nicht ausschließliches Verwertungsrecht zur elektronischen Publikation ihrer Forschungsergebnisse zwecks entgeltfreier Nutzung fest und dauerhaft vor[zu]behalten."

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) geht in seiner Weisung betreffend Open Access zu Forschungspublikationen (Juli 2007) noch einen Schritt weiter und verpflichtet seine Beitragsempfängerinnen und -empfänger grundsätzlich zur entgeltfreien Bereitstellung ihrer Forschungsergebnisse, sofern dem rechtlich nichts entgegensteht.

In ihrem Open-Access-Pilotprojekt im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms hat die EU sieben Bereiche ausgewählt, hierunter Energie, Umwelt, ICT, Forschungsinfrastrukturen sowie Wissenschaft in der Gesellschaft, in denen sie die Förderung an eine Open-Access-Veröffentlichung koppelt. Von den Projektnehmern wird erwartet, dass sie Zeitschriftenartikel auf einem institutionellen oder fachlichen Dokumentenserver bereitstellen, und dies möglichst innerhalb von sechs Monaten für die naturwissenschaftlich geprägten Bereiche bzw. zwölf Monaten für die geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereiche.

Britische und US-amerikanische Förderorganisationen binden die Vergabe von Fördermitteln an eine Open-Access-Publikation der aus geförderten Projekten hervorgehenden Forschungsergebnisse, so etwa der Wellcome Trust und die National Institutes of Health (s. Paying for open access publication charges, S. 6).