Soll die Zeitschrift im Rahmen eines bereits existierenden Angebots oder selbständig betrieben werden?

Prinzipiell besteht zum einen die Möglichkeit, mit der geplanten Zeitschrift unter ein bereits bestehendes Dach zu schlüpfen - in Deutschland beispielsweise das der Publikationsinitiative DiPP oder eines Verlages, der, ein entsprechendes Zeitschriftenkonzept und eine Finanzierung durch alternative Modelle (Publikationsgebühren, Unterstützung durch Fachgesellschaften usw.) vorausgesetzt, Open-Access-Zeitschriften in sein Programm aufzunehmen interessiert ist (z.B. ging 2007 das Journal für Psychologie (JfP), die Zeitschrift der Neuen Gesellschaft für Psychologie, als Open-Access-Zeitschrift bei Pabst Science Publishers ins Netz).

Open-Source-Programme

Zum anderen existieren Open-Source-Programme, die verwandt werden können, wenn die Zeitschrift unabhängig von bestehenden externen Infrastrukturen (Service-Dienstleister, Verlage usw.) betrieben werden soll. Exmplarisch erwähnt sei Open Journal Systems (OJS), eine Software, die im Rahmen des kanadischen Public Knowledge Project von der University of British Columbia, der Simon Fraser University in Burnaby, Canada, und der Stanford University entwickelt wurde: OJS unterstützt den gesamten Prozess des Online-Publizierens (von der Beitragseinreichung über Begutachtung und Lektorat bis hin zu Veröffentlichung und Kommentierung von veröffentlichten Artikeln) und ist bis Dezember 2010 bereits von 7.500 Zeitschriften weltweit in Betrieb genommen worden. Für die Begutachtung (OJS unterstützt beispielsweise auch die Verwaltung des Double-Blind-Review) stehen individuell anpassbare Templates, d.h. Vorlagen für die Kommunikation zwischen den beteiligten Rollen/Nutzungsgruppen zur Verfügung, die für die redaktionelle Arbeit insbesondere neu zu gründender Zeitschriften sehr hilfreich sind. Andere Beispiele von Open-Source-Software sind DPubS (Digital Publishing System), Hyperjournal oder Living Reviews ePublishing Toolkit (siehe hierzu ausführlicher Living Reviews).

Auch wenn der Betrieb einer eigenen Plattform z.B. im Falle von OJS vergleichsweise niedrigschwellig ist - die OJS-Dokumentation OJS in an Hour (PDF, 2.649 KB) ist da allerdings ein wenig zu optimistisch -, ist die Unterstützung durch ein Rechenzentrum, eine Bibiothek oder einen anderen universitären Infrastrukturdienstleister zur Implementation und für die Serverpflege sicherlich sinnvoll. Zusätzlich liegen nachfragbare Erfahrungen mit der Nutzung und Entwicklung von Software für Open-Access-Zeitschriften (Publikationssysteme, Begutachtungsworkflows, Annotationstools usw.) auch bei Zeitschriften vor, die im DFG-Förderprogramm "Elektronische Publikationen im wissenschaftlichen Literatur- und Informationsangebot" unterstützt wurden bzw. werden.