Sind Personen zur Unterstützung und für die direkte Arbeit an der Zeitschrift verfügbar? Wie soll die Zeitschrift organisiert und präsentiert werden?

Insbesondere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit dem redaktionellen Betrieb einer Zeitschrift wenig Erfahrung haben, müssen sich zunächst mit den hierfür nötigen Aufgaben und Rollen vertraut machen und prüfen, wie sie ihre Vorstellungen personell umsetzen können.

Je nach Umfeld, in dem die Zeitschrift erscheinen soll, spielt der "gute Name" der Herausgebenden (des Beirats, der Gutachterinnen und Gutachter, der Autorinnen und Autoren etc.) eine wichtige Rolle. Robert K. Merton hat den Begriff des Matthäus-Effekts geprägt für "wissenschaftliche Selektionsphänomene", die damit verbunden sind, "dass die Beiträge anerkannter Wissenschaftler eher wahrgenommen werden als die Beiträge unbekannterer Autoren" (Merton 1968, S. 7). Hanekop und Wittke (2005, S. 197) beschreiben an Merton anschließend, wie dieses Prinzip "von den Verlagen auf Journale übertragen [wird]: Bekannte Autoren und Herausgeber bzw. Gutachter verschaffen dem Journal Reputation, die es wiederum auf Autoren übertragen kann, deren Aufsätze in diesem Journal publiziert werden. (...) Steigt die Attraktivität des Journals für Autoren, wirkt dies positiv auf die Menge und Qualität der eingesandten Artikel zurück."

Je wichtiger eine durch Impact-Faktoren messbare Reputation in einem wissenschaftlichen Feld ist, desto wichtiger sind auch Fragen des Renommees und der Verankerung einer Zeitschrift in der jeweiligen Community. Denn die Community stellt durch ihre Veröffentlichungs- und Zitierpraktiken sicher, dass die in der neuen Zeitschrift veröffentlichten Beiträge in bereits etablierten Zeitschriften zitiert werden; siehe hierzu auch unsere Kurzinformationen zum Journal-Impact-Faktor und zum Zitationsindex, der im Falle des (Social) Science Citation Index als Quotient aus der Zahl der Zitationen dort bereits geführter Zeitschriften und der Zahl der in einem bestimmten Zeitraum publizierten Artikel bestimmt wird.

Die Aussicht auf das Einbinden renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Unterstützung der Zeitschrift (als Herausgebende oder Beiratsmitglieder, als Gutachterinnen und Gutachter oder als mögliche Artikellieferanten) ist jedoch kein Garant für deren Qualität. Prominente Kolleginnen und Kollegen schmücken mitunter wirkungsvoll die Beiratsseiten, sind aber aufgrund enger Zeitbudgets oft nicht in der Lage, sich beispielsweise im Begutachtungsprozess zu engagieren. Insoweit sollte man auch über Verfahren externer Begutachtung nachdenken.

In jedem Fall muss die eigentliche inhaltlich-fachliche und technische Arbeit an der Zeitschrift gut organisiert werden. So sind neben der Entscheidung über eine (Nicht-) Anbindung der Zeitschrift und ihren technischen Rahmen zahlreiche weitere Entscheidungen zu treffen, u.a. über Namensgebung, über Layout und Design, über Gestaltung und technische Umsetzung der Webpräsenz, über den Publikationsprozess und damit verbundene Funktionen, über die Art der Begutachtung und Manuskriptgestaltungsrichtlinien oder das Lektorat. Da es mittlerweile auch im Falle deutschsprachiger Zeitschriften in den Geistes- und Sozialwissenschaften weitgehend unerlässlich ist, ein Abstract und Keywords in (mindestens) englischer Sprache zur Verfügung zu stellen, sollte zusätzlich zum Lektorat für deutsche Texte ein weiteres, nach Möglichkeit muttersprachliches Lektorat eingerichtet werden.

Schließlich muss auch entschieden werden, in welchem Dateiformat Artikel, die nach Begutachtung für die Veröffentlichung akzeptiert werden, redaktionell verfügbar sein sollen. Beim elektronischen Publizieren und damit auch Open-Access-Publizieren erwachsen hier zusätzliche Möglichkeiten der Präsentation und Distribution wissenschaftlicher Information.

Für die Präsentation der Artikel bedeutet dies beispielsweise, dass

  • statt nur sequentieller Textpräsentation hypermediale Darstellungsformen möglich sind;
  • flexible Platzressourcen erlauben, neben den eigentlichen Texten multimediale Elemente und auch Primärdaten in die Veröffentlichung einzubeziehen;
  • Texte insgesamt interaktiv erstellt, begutachtet und netzöffentlich kommentiert werden können.

Während sich diese Optionen der Präsentation bei jeglicher Form elektronischen Publizierens auftun, besteht die besondere Chance von Open-Access-Zeitschriften darin, Wissen breit und jenseits von finanziellen Zugangsbarrieren einer (inter-) nationalen interessierten (Fach-) Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Dafür genügt es in der Regel allerdings nicht, die eigene Zeitschrift auf einem hohen Qualitätsniveau zu betreiben und dann auf dem eigenen Server zu "verstecken": "if readers are going to obtain and read your journal they need to know of its existence, and they must want to read the articles you publish. To enable readers to discover your articles/journal, you need to be visible on the main search engines (e.g. Google), and to encourage use, you really need to carry out some international promotion to raise awareness and trust in your publication" (Morris 2006, S. 1). Exemplarisch für eine eher offensive Bewerbung sei die von der DFG geförderte Open-Access-Zeitschrift Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) genannt: seit Erscheinen der ersten Ausgabe im Januar 2000 bis Ende Dezember 2007 wurde auf über 16 Mio. HTML-Dokumente zugegriffen, und es wurden über 3,3 Mio. PDF-Dateien heruntergeladen; der Newsletter, der einmal monatlich u.a. über neue Veröffentlichungen in FQS informiert, wurde zum gleichen Zeitpunkt an ca. 7.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit verteilt. Weitere nützliche Hinweise sind Getting Started in Electronic Journal Publishing von Sally Morris zu entnehmen.