Wissenswertes für Hochschulleitungen
Im Folgenden sind einige Informationen für Hochschulleitungen zusammengestellt. Praktische Tipps und konkrete Hinweise auf Ihre Fragen zu bestimmten Themen finden Sie unter den FAQ. Da open-access.net sukzessive entlang der Rückmeldungen und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer der Plattform weiterentwickelt werden soll, freuen wir uns über Kommentare und Ergänzungen. Zögern Sie daher nicht, uns eine E-Mail mit Ihren Fragen und Anregungen zu schicken!
Open Access an den Hochschulen: Argumente für Hochschulleitungen
Der ungehinderte Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, für Wissenschaftler(innen) und Studierende gleichermaßen eine zentrale Schlüsselressource, ist eine strategische Aufgabe für Hochschulleitungen. Klassische Lizenz- und Bezahlmodelle für wissenschaftliche Zeitschriften, insbesondere in den Lebens- und Naturwissenschaften, funktionieren aufgrund einer exorbitanten Gewinnabschöpfung durch einige Verlage nur noch bedingt. Der Zugang zu den betroffenen Fachzeitschriften ist durch das Budget der einzelnen Forschungsinstitution alleine in der Regel nicht länger aufrechtzuerhalten, in der Konsequenz sinkt gleichzeitig auch die Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der Hochschule (Zeitschriftenkrise). Desgleichen führen die Informationshemmnisse für die arbeitenden Wissenschaftler(innen) auch zu einer Beeinträchtigung der Forschung. Eine Lösung dieser für die Hochschulen drängenden Probleme erfordert grundlegende Strukturveränderungen im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens. Da die Möglichkeiten einer einzelnen Hochschule - in Bezug auf eine prinzipiellere Verbesserung der Informationsversorgung - eher begrenzt sind, können diese Probleme nur kooperativ angegangen und umgesetzt werden, indem die jeweils eigene Hochschule durch einen vertretbaren Einsatz von Personal- und Sachmitteln zur Förderung von Open Access "in Vorlage tritt", um später von den kollektiven Vorteilen zu profitieren.
Forschungsgruppen und Lehrverbünde organisieren sich immer stärker instituts- und länderübergreifend, stoßen dabei aber auf unterschiedliche Informationsangebote, was die Zusammenarbeit mitunter erschwert. Zahlreiche Informationstypen wie multimediale Objekte, experimentelle oder Beobachtungsdaten, Simulationen oder informelle Kommunikationsforen wie Weblogs und Mailinglisten erfahren im Forschungsalltag von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen eine wachsende Bedeutung.
Vorteile von Open Access für Hochschulen
Durch verlagsunabhängige, elektronische Publikationsmöglichkeiten an der Hochschule, z.B. in Open-Access-Zeitschriften oder auf institutionellen/disziplinären Dokumentenservern, ergeben sich für die Hochschule vielfältige Vorteile:
- Aktive Außenpräsentation der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen: Institutionelle Repositorien verzeichnen, speichern, bewahren, verbreiten und präsentieren aktiv die wissenschaftlichen Ergebnisse von Universitäten und Forschungsorganisationen. Damit unterstützen sie die Strategie der Gesamtinstitution zu einer Zeit, da der Wettbewerb unter den Universitäten zunimmt und die Rechtfertigung von Budgets und Ausgabenposten auf der Agenda aller Hochschulleitungen steht.
- Forschungsevaluation: Im Zuge der Profilbildung finden an vielen Universitäten (Exzellenzbildung, Hochschulkonzept 2010) regelmäßig Evaluationen von gesamten Fakultäten oder einzelner Arbeitsgruppen statt. Die parametergesteuerte Mittelverteilung, wie sie bereits in vielen Ländern Praxis ist (UK, Skandinavien), bezieht auch die Publikationen der Wissenschaftler(innen) einer Fakultät, Forschungsgruppe etc. als wichtigen Indikator mit ein.
- Sicherung der Langzeitverfügbarkeit der institutionellen Forschungsergebnisse
- Repositorien unterstützen die zentrale Interaktion in der Forschung mit wissenschaftlichen Inhalten, so bei der Verbreitung, der Suche und dem Zugang. Durch offenen Zugang erhöhen Repositorien die internationale Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen und unterstützen die breitere wissenschaftliche Kommunikation innerhalb der und zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen.
- Vereinheitlichung der Informationsinfrastruktur in Deutschland und im internationalen Kontext durch institutionelle Repositorien
- Forschungsförderorganisationen profitieren von Repositorien, da sie die internationale Aufmerksamkeit für die lokal, national und auf europäischer Ebene geförderte Forschung erhöhen.
- Weitere Sektoren wie Bildung, Gesundheit, Regierung und Wirtschaft können vom vereinfachten Zugang zu qualifizierten Forschungsinformationen profitieren. Vermittler, z.B. Information Broker, können spezielle Informationen aus der Forschung in verständliches Wissen für Nicht-Experten "übersetzen" und so die innovative Kraft solcher Forschungsergebnisse stärken. Endnutzerdienste können durch öffentlich geförderte und kommerzielle Diensteanbieter entwickelt und bereitgestellt werden.
Rechtslage
Der Wissenschaftsrat erwartet von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in ihrer doppelten Funktion als Autor(in) und Nutzer(in) ein differenziertes Umgehen mit dem Urheberrecht, das darin besteht, sich das Recht zur Zweitverwertung vorzubehalten, um z.B. Online-Veröffentlichungen auf Hochschulservern zu ermöglichen; vgl. hierzu auch Halle, Axel (2003). Wissenschaftliche Publikationskultur und Hochschulverlage, ZfBB, 50, 243. Für Hochschulen gibt es nach der geltenden Rechtslage keine rechtlich gesicherte Möglichkeit, auf Veröffentlichungen des bei ihnen beschäftigten Personals zum Zweck der Publikation dieser Werke über elektronische Medien oder eigene Verlage zuzugreifen. Dies gilt gleichermaßen für elektronische Publikationen, Preprints und herkömmliche Publikationen. Bislang stellen diese Publikationen daher eher Ausnahmen dar und geschehen auf freiwilliger Basis.
Weiterführende Links
- Harnad, Stevan (2006). Generic rationale for university open access self-archiving policy
- Lossau, Norbert & Timmermann, Dieter (2006). Repositorien als offene Wissensspeicher in der zukünftigen Forschungsinfrastruktur
FAQ
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