Wissenswertes für Hochschulleitungen

Im Folgenden sind einige Informationen für Hochschulleitungen zusammengestellt. Praktische Tipps und konkrete Hinweise auf Ihre Fragen zu bestimmten Themen finden Sie unter den FAQ. Da open-access.net sukzessive entlang der Rückmeldungen und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer der Plattform weiterentwickelt werden soll, freuen wir uns über Kommentare und Ergänzungen. Zögern Sie daher nicht, uns eine E-Mail mit Ihren Fragen und Anregungen zu schicken!

 

Open Access an den Hochschulen: Argumente für Hochschulleitungen

Der ungehinderte Zugang zu wissenschaftlicher Information, für Wissenschaftler/innen und Studierende gleichermaßen eine zentrale Schlüsselressource, ist eine strategische Aufgabe für Hochschulleitungen. Klassische Lizenz- und Kostenmodelle für wissenschaftliche Zeitschriften, insbesondere in den Lebens- und Naturwissenschaften, funktionieren aufgrund einer exorbitanten Gewinnabschöpfung durch einige Verlage nur noch bedingt. Der Zugang zu den betroffenen Fachzeitschriften ist durch das Budget der einzelnen Forschungsinstitution alleine in der Regel nicht länger aufrechtzuerhalten, in der Konsequenz sinkt zugleich die Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der jeweiligen Hochschule (Zeitschriftenkrise). Desgleichen führen die Informationshemmnisse für die arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch zu einer Beeinträchtigung der Forschung. Eine Lösung dieser für die Hochschulen drängenden Probleme erfordert grundlegende Strukturveränderungen im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens. Da die Möglichkeiten einer einzelnen Hochschule - in Bezug auf eine prinzipielle Verbesserung der Informationsversorgung - eher begrenzt sind, können diese Probleme nur kooperativ angegangen und umgesetzt werden, indem die jeweils eigene Hochschule durch einen vertretbaren Einsatz von Personal- und Sachmitteln zur Förderung von Open Access in Vorlage tritt, um später von den kollektiven Vorteilen zu profitieren.

Seit einem Beschluss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Herbstsitzung 2009 des Hauptausschusses können Universitäten bei der DFG Mittel beantragen, um Publikationen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in originären Open-Access-Zeitschriften zu finanzieren (Merkblatt der DFG zum Open-Access-Publizieren, PDF, 45KB). Mit diesem neuen Förderinstrument möchte die DFG Anreize für Universitäten setzen, verlässliche und dauerhafte Finanzierungsstrukturen für die Publikation in Open-Access-Zeitschriften zu entwickeln.

Forschungsgruppen und Lehrverbünde organisieren sich immer stärker instituts- und länderübergreifend, stoßen dabei aber auf unterschiedliche Informationsangebote, was die Zusammenarbeit mitunter erschwert. Zahlreiche Informationstypen wie multimediale Objekte, experimentelle oder Beobachtungsdaten, Simulationen oder informelle Kommunikationsforen wie Weblogs und Mailinglisten sind im Forschungsalltag von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von wachsender Bedeutung.

Vorteile von Open Access für Hochschulen

Durch verlagsunabhängige, elektronische Publikations- und Dokumentbereitstellungsmöglichkeiten an der Hochschule, z.B. in Open-Access-Zeitschriften oder auf institutionellen bwz. disziplinären Repositorien, ergeben sich für die Hochschule selbst wie auch für weitere Stakeholder vielfältige Vorteile:

  • Aktive Außenpräsentation der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen: Institutionelle Repositorien verzeichnen, speichern, bewahren, verbreiten und präsentieren aktiv die wissenschaftlichen Ergebnisse von Universitäten und Forschungsorganisationen. Damit unterstützen sie die Strategie der Gesamtinstitution zu einer Zeit, da der Wettbewerb unter den Universitäten zunimmt und die Rechtfertigung von Budgets und Ausgabenposten auf der Agenda aller Hochschulleitungen steht.
  • Sicherung der Langzeitverfügbarkeit institutioneller Forschungsergebnisse
  • Repositorien unterstützen die zentrale Interaktion innerhalb der Forschung, so bei der Verbreitung, der Suche und dem Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten. Durch offenen Zugang erhöhen Repositorien die internationale Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen und unterstützen die breitere wissenschaftliche Kommunikation innerhalb der und zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen.
  • Vereinheitlichung der Informationsinfrastruktur im nationalen und internationalen Kontext durch institutionelle Repositorien, dadurch Ermöglichung von Mehrwert- und Endnutzerdiensten
  • Forschungsförderorganisationen profitieren von Repositorien, da diese die internationale Sichtbarkeit der lokal, national und auf europäischer Ebene geförderten Forschung erhöhen. Dies wiegt umso schwerer, als der Aspekt der Forschungsevaluation immer wichtiger wird: Im Zuge der Profilbildung (Exzellenzbildung, Hochschulkonzept 2010) finden auch in Deutschland und der Schweiz an vielen Universitäten regelmäßig Evaluationen von gesamten Fakultäten oder einzelner Arbeitsgruppen statt. Die parametergesteuerte Mittelverteilung, wie sie bereits in vielen Ländern Praxis ist (UK, Skandinavien), bezieht auch die Publikationen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einer Fakultät, Forschungsgruppe etc. als wichtigen Indikator mit ein.
  • Weitere Sektoren wie Bildung, Gesundheit, Regierung und Wirtschaft können vom vereinfachten Zugang zu qualifizierten Forschungsinformationen profitieren. Vermittler, z.B. Information Broker, können spezielle Informationen aus der Forschung in verständliches Wissen für Nicht-Experten übersetzen und so die innovative Kraft solcher Forschungsergebnisse stärken. Endnutzerdienste können durch öffentlich geförderte und kommerzielle Diensteanbieter entwickelt und bereitgestellt werden.

Rechtslage

Der deutsche Wissenschaftsrat erwartet von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ihrer doppelten Funktion als Autor/in und Nutzer/in ein differenziertes Umgehen mit dem Urheberrecht, das darin besteht, sich das Recht zur Zweitverwertung vorzubehalten, um z.B. die Selbstarchivierung auf Hochschulservern zu ermöglichen (vgl. hierzu auch Halle, Axel (2003). Wissenschaftliche Publikationskultur und Hochschulverlage, ZfBB, 50, S. 243). Für deutsche Hochschulen gibt es nach der geltenden Rechtslage keine rechtlich gesicherte Möglichkeit, auf Veröffentlichungen des bei ihnen beschäftigten Personals zum Zweck der Bereitstellung dieser Werke auf elektronischem Wege zuzugreifen. Dies gilt für Dokumente in elektronischer und gedruckter Form gleichermaßen. Bislang geschieht diese Bereitstellung daher noch nicht im großen Maßstab und erfolgt auf freiwilliger Basis.

In der Schweiz haben einzelne Institutionen, z.B. die Universität St. Gallen und die Universität Zürich, ihre Forschenden verpflichtet, ihre Arbeiten mit Open Access bereitzustellen, sofern dem keine rechtlichen Hindernisse entgegenstehen.