Open Access in den Geowissenschaften

Geowissenschaften gehören zu den Fächern, in denen Open Access bereits weit verbreitet ist.

In der  „Study of Open Access Publishing“ finden sich die Geowissenschaften im Mittelfeld bzw. oberen Drittel bei Fragen nach positiver Einschätzung von Open Access. Beim Grünen Weg zum Open Access liegen die Geowissenschaften in der Spitzengruppe verglichen mit anderen Fächern (vgl. Anatomy of Green Open Access).  

Ein Beispiel für den Grünen Weg: die American Geophysical Union (AGU), die eine Reihe etablierter Zeitschriften herausgibt,  gibt den Autoren ihrer subskriptionsbasierten Zeitschriften generell die Erlaubnis nach einem Embargo von 6 Monaten das Original-PDF ins Repositorium der Institution einzustellen.

Open-Access-Zeitschriften

Die European Geosciences Union (EGU) ging schon 2001 einen Schritt weiter und kooperiert seither eng mit dem Open-Access-Verlag Copernicus Publications. Bei Copernicus Publications (ansässig in Göttingen), weltweit einer der renomiertesten Open Access-Verlage, erscheinen ausschließlich Zeitschriften im Open-Access-Geschäftsmodell. Viele davon haben sich in den letzten Jahren zu angesehenen Zeitschriften mit entsprechenden Impaktfaktoren im jeweiligen Fachgebiet entwickelt. Das Spektrum der über 30 Zeitschriften deckt inzwischen weite Gebiete der Geowissenschaften ab. Für einen Teil der Zeitschriften ist ein offenes Review-System etabliert worden (vgl. hier).

In weiteren Open Access-Verlagen erscheinen geowissenschaftliche Zeitschriften, die in der Community entsprechendes Ansehen erworben haben. So erscheinen im ebenfalls reinen Open Access-Verlag MDPI ca. 20 einschlägige Titel.

Aber auch die AGU gibt inzwischen einige Neugründungen als  Open-Access-Zeitschriften heraus. Springer führt im Verlagszweig SpringerOpen ebenfalls eine Reihe von geowissenschaftlichen Titeln.

Neben Neugründungen haben inzwischen auch die ersten Transitionen von Subskription zur vollen Open-Access-Zeitschrift stattgefunden. Die  traditionsreiche deutsche Zeitschrift „Die Erde“ wurde auf ein Open-Access-Geschäftsmodell umgestellt (und wird über eine Open Journals System-Plattform (OJS) publiziert). Auch im geowissenschaftlich orientierten deutschen Verlag Schweizerbarth ist inzwischen als erste Zeitschrift im Sortiment, die „Meteorologische Zeitschrift“ (1884 ff.) auf ein Open-Access-Geschäftsmodell migriert. Leider ist man dort noch nicht den letzten Schritt gegangen und wendet noch nicht die weltweit als Standard für Open Access-Zeitschriften genutzte Creative Commons CC-BY Lizenz an.

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet ca. 100 Open-Access-Zeitschriften aus den Geowissenschaften.

Disziplinäre Repositorien

Texte

BASE, die „Bielefeld Academic Search Engine“, bietet eine Einschränkung der geharvesteten Titel anhand der Dewey-Dezimalklassifikation an. Über die Anzeige der Quelle der gefundenen Titel ergibt sich ein recht vollständiger Blick auf geowissenschaftlich orientierte Repositorien.

Einige disziplinspezifische Sammlungen:

Agris, ein Harvester zu Agricultural Sciences

Aquatic Commons, ein Angebot der International Association of Aquatic and Marine Science Libraries and Information Centers

NASA Technical Reports

OceanDocs, Dokumentenserver der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC)

Die Repositorien von einschlägigen Forschungsinstitutionen bieten sich natürlich besonders für eine direkte Suche an:

Earthprints, Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia

EPIC, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtzzentrum für Polar- und Meeresforschung.

GFZpublic, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Helmholtzzentrum Potsdam

Oceanrep, GEOMAR, Helmholtzzentrum für Ozeanforschung

Forschungsdaten

Forschungsdaten spielen in den Geowissenschaften traditionell eine wichtige Rolle. Entsprechend ist auch der offene Zugang zu Forschungsdaten ein drängendes Thema. Aktuell wird der Umgang mit Forschungsdaten in Supplementen zu Zeitschriftenartikeln hier thematisiert: Statement of Commitment from Earth and Space Science Publishers and Data Facilities (vgl. auch hier).

Es ist kein Zufall, dass die ersten Zeitschriftengründungen, in denen ausschließlich Aufsätze zu Forschungsdaten erscheinen (Earth System Science Data (ESSD) oder das Geoscience Data Journal), im geowissenschaftlichen Feld verankert sind.

Das „Registry of Research Data Repositories“ re3data.org bietet eine gute Möglichkeit sich über die Plattformen zu informieren, auf denen weltweit Forschungsdaten gehalten und zur Verfügung gestellt werden.

Recherchieren

BASE, die „Bielefeld Academic Search Engine“, bietet eine Einschränkung der geharvesteten Titel anhand der Dewey-Dezimalklassifikation an. Über die Systemstelle „Geowissenschaften“ findet man zur Zeit ca. 270.000 Titel.

Das Discoverysytem ALBERT erschließt für die Suche auf Artikelebene u.a. auch die einschlägigen Open-Access-Zeitschriften und eine Reihe der relevanten Repositorien, dies schließt zunehmend auch publizierte Datensätze ein.

Die zunehmende Zahl von Open Access-Zeitschriften in den Geowissenschaften (ca. 10 Prozent der Artikel in den georelevanten Gruppen im Science Citation Index im Jahr 2014 sind in Open Access-Zeitschriften erschienen) hat zur Folge, dass diese Artikel natürlich jederzeit über die gängigen fachspezifischen bibliografischen Datenbanken und in naturwissenschaftsübergreifenden Angeboten recherchierbar sind (GeoRef, Science Citation Index, Scopus u.a.).

Akteure

Viele geowissenschaftliche deutsche Fachgesellschaften sind an der Herausgabe von Zeitschriften beteiligt. Eine weitere Transition von Zeitschriften ins Open-Access-Geschäftsmodell sollte in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften weiter vorangebracht werden.

Bei bestehenden Subskriptions-Zeitschriften ist darauf zu dringen, dass zumindest die grünen Rechte für die Autoren verbessert werden. Der Weg der AGU, als anerkannte weltweite Gesellschaft kann dabei als Vorbild dienen.

Open Science

Die Geowissenschaften sind ein typisches Wissenschaftsgebiet in dem Open Science ‚avant la lettre‘ ein wichtiges Thema war und entsprechend wird in Zukunft der Blick auf ‚offene Wissenschaft‘ hier weiter bestimmend bleiben. So ist der Umgang mit Forschungsdaten schon seit dem Internationalen Geophysikalischen Jahr (1957/58) ein bestimmendes Thema. Für referenzierbare Proben entwickelt sich zur Zeit die International Geo Sample Number (IGSN). In den Zeitschriften des Verlags Copernicus Publications gibt es seit über 10 Jahren alltägliche Praxis mit offener Peer Review. Geowissenschaften sind  software-intensive Wissenschaften, der Umgang mit Software, die Publikation und Referenzierbarkeit derselben rückt immer stärker in den Fokus.

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Roland Bertelmann, Helmholtz Gemeinschaft