Open Access in den Geschichtswissenschaften

Generell besteht bei Historikerinnen und Historikern eine Offenheit gegenüber allen Formen von Open Access.

Die Zahl von frei verfügbaren Zeitschriften und insbesondere digitalen Beständen in den Geschichtswissenschaften nimmt stetig zu. Open Access bei Monografien und Sammelbänden ist noch ausbaufähig. Neben Publikationen sind Quellen, insbesondere auch in Form von Digitalisaten, von großer Bedeutung.
Darüber hinaus dienen Blogs der Verbreitung wissenschaftlicher Informationen. Das geistes- und sozialwissenschaftliche Blog-Portal Hypotheses wird vom Open-Access-Dienstleister Open Edition realisiert und bietet eine Plattform für zahlreiche Blogs auch zu geschichts-, archiv- und hilfswissenschaftlichen Themen. Das Redaktionsblog des deutschsprachigen Portals dient der Entwicklung und Verbreitung wissenschaftlicher Information sowie der Schaffung eines Netzwerks.
In den für die Geschichtswissenschaften relevanten Bereichen der Digital Humanities spielen zudem frei verfügbare Tools (z. B. bezüglich Text Mining) eine Rolle. Viele Förderorganisationen unterstützen Open Access zunehmend auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Open-Access-Zeitschriften

Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) listet aktuell unter dem Suchbegriff “History” ca. 800 Open-Access-Zeitschriften (Stand: 03/2015).

IASLonline ist eine kostenfreie elektronische Zeitschrift, hervorgegangen aus dem gedruckten Internationalen Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur.

AEON. Forum für junge Geschichtswissenschaft

Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften

theologie.geschichte fördert die Diskussion und den Austausch zwischen Forschenden unterschiedlicher Nationalität und Disziplinen über den kulturellen Einfluss der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts

recensio.net ist eine Rezensionsplattform für die europäische Geschichtswissenschaft. Es handelt sich dabei um ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek München, des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte (IEG) und der Universität Köln

Sehepunkte – ein Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaft

Die Zeitschrift Zeithistorische Forschungen verfolgt ein breites Verständnis von Zeitgeschichte

eine Liste von Open-Access-Journals in den Altertumswissenschaften findet sich bei AWOL (The Ancient World online)

InterDisciplines. Journal of History and Sociology

Disziplinäre Repositorien

Für die Geschichtswissenschaften relevante Inhalte finden sich in fachspezifischen, aber auch in darüber hinausgehenden Repositorien, Datenbanken und weiteren Nachweissystemen:

PropylaeumDOK ist der Dokumentenserver für das SSG (Sondersammelgebiet) Alter Orient. Er wird im Rahmen der Virtuellen Fachbibliothek Propylaeum von der UB Heidelberg betrieben.

Die virtuelle Fachbibliothek Kunstgeschichte arthistoricum.net bietet Möglichkeiten des elektronischen Publizierens von fachwissenschaftlichen Texten.

SavifaDok ist die Publikationsplattform für Südasienwissenschaften.

Benelux-Doc ist der fachliche Dokumentenserver für die Niederlandistik, Niederlande-, Belgien-, Luxemburgforschung, Frisistik und Afrikaanse Philologie.

Volltexte zu „Afrika südlich der Sahara“ finden sich unter http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/631/ASS.htm

Social Science Open Access Repository

Dokumentenserver des Fachportals Pädagogik pedocs

ECHO – Cultural heritage online ist das Open-Access-Quellenrepositorium des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG).

Monografien und Sammelbände

Die in der AG Universitätsverlage zusammengeschlossenen deutschsprachigen Universitätsverlage unterstützen nachdrücklich die Open-Access-Bewegung. Ein Großteil von ihnen veröffentlicht geisteswissenschaftliche Monografien und Sammelbände.

Die Reihe Historisches Forum bietet  Themenheften mit Beiträgen und Berichten aus den Geschichtswissenschaften. Die Hefte erscheinen in Zusammenarbeit mit den Partnern von Clio-Online und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Edition Open Sources des MPIWG macht Primärquellen als frei verfügbares PDF und E-Book zugänglich. Monografien und Sammelbände werden in der Edition Open Access veröffentlicht.

Vom österreichischen FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) geförderte selbstständige Publikationen werden Open Access in der FWF-E-Book-Library zur Verfügung gestellt, darunter auch Veröffentlichungen zu historischen Themen.

Die OAPEN Online Library (OAPEN – Open Access Publishing in European Networks) bietet Volltexte von Open-Access-Publikationen auch zu historischen Themen.

Das Directory of Open Access Books (DOAB) verzeichnet ebenfalls Monografien und Sammelbände zu entsprechenden Themen.

Gutenberg-e, ein Programm der American Historical Association und der Columbia University Press. Die elektronischen Monographien der Columbia University Press sind frei zugänglich.

Recherchieren in den Geschichtswissenschaften

Fachportale und Plattformen

Fachportale bieten zentrale Einstiegspunkte für die Recherche nach frei verfügbaren Publikationen, Quellen und weiterem Material. Das Fachportal Clio online ist ein Fachportal für die Geschichtswissenschaften. Es ist anzahlreichen Projekten beteiligt wie Themenportalen und dem Fachportal für Zeithistorikerinnen und -historiker Zeitgeschichte online, insbesondere aber auch an H-Soz-Kult.

H-Soz-Kult ist ein Fachforum und moderierte Informations- und Kommunikationsplattform für Historikerinnen und Historiker und veröffentlicht fachwissenschaftliche Nachrichten und Publikationen im Internet.

Das Internetportal historicum.net bietet viele geschichtswissenschaftliche Informationen an.

Die Online-Publikationsplattform der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland perspectivia.net macht ausgewählte wissenschaftliche Ergebnisse der Auslandsinstitute und ihrer Kooperationspartner barrierefrei zugänglich: Auf der Basis des Open-Access-Prinzips soll die wissenschaftliche Kommunikation weiterentwickelt und intensiviert werden. perspectivia.net stellt Zeitschriften, Rezensionen, Monografien und Tagungsdokumentationen – elektronische Publikationen wie auch Retrodigitalisate – im Volltext zur Verfügung.

H-Net – Humanities and Social Sciences online ist ein Netzwerk zur Fachkommunikation in den Geistes- und Sozialwissenschaften,

Europäische Geschichte online veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte Europas zwischen 1450 und 1950. Die Beiträge in deutscher und englischer Sprache sind dabei  mit unterschiedlichen Materialien verknüpft.

Der DFG-geförderte Exzellenzcluster Topoi (The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations) ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund, Der Exzellenzcluster gründete mit der Edition Topoi einen eigenen Verlag. Bereitgestellte Digitalisate und Publikationen können nach Open-Access-Prinzipien genutzt werden.

Datenbanken usw.

Europeana Newspapers: Im Rahmen eines EU-Projektes wurde ca. 18 Millionen Seiten gescannt und erschlossen, die unter The European Library recherchierbar sind.

Census of Antique Works of Art and Architecture Known in the Renaissance ist interdisziplinäre Forschungsdatenbank mit Fokus auf Renaissanceforschung und Antikenrezeption

Arachne ist die zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie am Archäologischen Institut der Universität zu Köln

Das Wörterbuch-Netz, ein Projekt des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier

Ziel des Projekts e-codices ist es, alle mittelalterlichen und eine Auswahl neuzeitlicher Handschriften der Schweiz durch eine virtuelle Bibliothek frei zugänglich zu machen. Die virtuelle Bibliothek wird laufend ausgebaut.

Auf der Plattform e-rara.ch werden digitalisierte Drucke des  15. bis 19. Jahrhunderts aus Schweizer Bibliotheken öffentlich und kostenlos angeboten.

Archivportal Europas - Hier finden sich u. a. 61 Millionen Akteneinheiten, teils mit Links zu Digitalisaten.

Open Science

Die Arbeitsgemeinschaft für „Digitale Geschichtswissenschaft“ im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. beschäftigt sich mit den Potenzialen der Digital Humanities bzw. E-Humanities für die Geschichtswissenschaft und bietet ein Forum für den Austausch mit historisch arbeitenden Nachbardisziplinen. In ihrem Blog wird u. a. die Session „Neue Arbeitsformen in der Geschichtswissenschaft. Was gewinnt und was verliert die historische Forschung durch Science 2.0?” vom 50. Deutschen Historikertag (2014) dokumentiert. Im Bereich der „Digital Humanities“ gibt es zahlreiche Aktivitäten in den Geschichtswissenschaften.

Neben Gudrun Gersmann, Köln, und Mareike König, Paris/Wien, ist auch Winfried Schulze, München, als bekannter Protagonist zu erwähnen.

Literatur

  • König, Mareike (2013): Die Entdeckung der Vielfalt: Geschichtsblogs der europäischen Plattform hypotheses.org. In: Historyblogosphere. Hrsg. v. Peter Haber, Peter und Eva Pfanzelter. Berlin.

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Isabella Meinecke, SUB Hamburg.