Open Access in der Informationswissenschaft

Die Informationswissenschaft ist in den DACH-Ländern prinzipiell eher als kleines Fach zu betrachten. Der Hochschulverband Informationswissenschaft listet nur 21 Hochschulen, meist Fachhochschulen, in den besagten Ländern auf, an denen das Fach gelehrt wird. Die deutschsprachige Publikationslandschaft in der Informationswissenschaft ist folglich überschaubar, sie ist zudem als nicht Open-Access-affin zu bezeichnen. So haben weder der Hochschulverband Informationswissenschaft noch die Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen (DGI) die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen unterzeichnet.

Open-Access-Zeitschriften

Echte informationswissenschaftliche Open-Access-Zeitschriften sucht man im deutschsprachigen Bereich weithin vergeblich. Fachlich einschlägige Journale wie Information – Wissenschaft & Praxis der DGI erscheinen im Closed Access. Das gleiche gilt international für die Proceedings der Association for Information Management (ASLIB), sämtliche Publikationen der American Society for Information Science and Technology (asis&t) oder das Journal of Information Science. Auch andere fachlich sehr wichtige Zeitschriften wie Information Processing & Management, das Journal of Documentation oder Scientometrics erscheinen im Closed Access.

Wichtige Open-Access-Zeitschriften der Informationswissenschaften sind Information Research oder First Monday, in Deutschland auch LIBREAS, das allerdings stärker als die anderen erwähnten Zeitschriften auf Bibliothekswissenschaft fokussiert.

Leider erlaubt das Directory of Open Access Journals (DOAJ) kein Browsing über das Fach Informationswissenschaft, Leserinnen und Leser oder Autorinnen und Autoren, die sich über Open-Access-Journale aus der Informationswissenschaft informieren wollen, müssen demnach entsprechende Zeitschriften über eine Keyword-Suche nach „information science“ ausfindig machen.

Disziplinäre Repositorien

Als deutschsprachiges disziplinäres Repositorium der Informationswissenschaft kann der Server INFODATA-eDepot des Informationszentrum für Informationswissenschaft und -praxis Potsdam gelten. International ist der Dienst eprints in library & information sciences (e-Lis) zu nennen, der aus der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Community hervorging und von Einrichtungen wie dem Institut National de la Recherche Agronomique (INRA), dem University of London Computing Center (ULCC), dem International Centre for Research in Information Strategy and Development (CIEPI) sowie dem Portal Agriculture Information Management Standards (AIMS) der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) unterstützt wird. Das ebenfalls disziplinäre Repositorium Digital Library of Information Science and Technology (DLIST) existiert zwar noch, nimmt aber kaum an Bestand zu.

Recherchieren in der Informationswissenschaft

Spezielle Recherchezugänge für die Informationswissenschaft existieren nicht, wer speziell Content aus diesem Fach sucht, muss auf allgemeine Dienste wie die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) ausweichen und diese nach fachlichen Kriterien (im Falle von BASE anhand des Dewey Decimal Classification Codes 020) filtern.

Literatur

Rainer Kuhlen & Christa Womser-Hacker: Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft aus dem Programm Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme: Einrichtung einer Open-Access-Zeitschrift/Publikations-, Informations- und Kommunikationsplattform EIS – European Information Science. Online unter: http://eprints.rclis.org/24877/

 

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Ulrich Herb