Open Access in den Ingenieurwissenschaften

Die Ingenieurwissenschaften nehmen gegenüber vielen anderen Wissenschaften eine Sonderstellung ein, die sich aus der meist industrienahen Forschung ergibt und ein anderes Publikationsverhalten nach sich zieht. Stark wissenschaftlich geprägte Publikationen von Ingenieurwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern werden meist in Fachjournalen anderer Wissenschaftsbereiche wie z. B. der Physik oder der Chemie veröffentlicht. Ein Großteil der Publikationen ist jedoch weniger wissenschaftlich, sondern eher praktisch orientiert und erscheint in werbefinanzierten Zeitschriften. Aus diesem Grund ist es in den Ingenieurwissenschaften zurzeit besonders sinnvoll, den grünen Weg, also die parallele Bereitstellung auf einem Dokumentenserver, zu fördern.

Eine weitere Besonderheit der Ingenieurwissenschaften ist, dass ihr Schwerpunkt eher auf nationaler Ebene liegt, da die von Ingenieurinnen und Ingenieuren entwickelten Produkte meist nur für den nationalen Markt, z. B. aufgrund von Normierungen im Werkzeugbereich, hergestellt werden. Im Hinblick auf Open Access erklärt dies die bislang noch geringe Verbreitung von Open- -Access-Journalen in dieser Disziplin. Das Argument der Internationalisierung des Wissenschaftsbereiches greift hier nicht, da sich die internationale Leserschaft kaum für Forschung und Entwicklung in diesen speziellen Bereichen interessiert. Deutlich wird dies auch in der Liste der im Directory of Open Access Journals (DOAJ) aufgeführten Zeitschriften: Viele dieser Open- Access-Journale sind in den jeweiligen Landessprachen geschrieben, nur in einigen ingenieurwissenschaftlichen Bereichen sind sie in englischer Sprache.

Open-Access-Zeitschriften

In den letzten Jahren hat sich Open Access als Publikationsform in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen verbreitet. Auch im sehr heterogenen Themenbereich Engineering erfreut sich Open Access trotz der oben genannten Rahmenbedingungen steigenden Zuspruchs. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Zahl der Open-Access-Journale im Bereich der Ingenieurwissenschaften in den letzten Jahren rasant angestiegen ist und inzwischen eine Vielzahl spezifischer Themengebiete abdeckt. Jedoch besteht nach wie vor Nachholbedarf hinsichtlich Open Access. Für eine grobe Orientierung, wurde folgende Beispielliste von Open-Access-Journalen aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften zusammengestellt. Diese Zeitschriften sind Open Access (DOAJ), peer-reviewed (Ulrichsweb), haben i.d.R. einen Impact Factor (ISI Web of Knowledge) und sind überwiegend englischsprachig.

Disziplinäre Repositorien

In den Ingenieurwissenschaften spielen disziplinäre Repositorien im Vergleich zu anderen Wissenschaften keine große Rolle. Einer disziplinären Sicht am nächsten kommen institutionelle Repositorien wie

  • Fraunhofer-ePrints: Der Dokumentenserver Fraunhofer-ePrints macht elektronisch vorliegende wissenschaftliche Publikationen der Fraunhofer-Gesellschaft im Volltext zugänglich, die überwiegend in der angewandten Forschung und damit hauptsächlich in den Ingenieurwissenschaften aktiv ist. Die Veröffentlichungsdatenbank Fraunhofer-Publica dokumentiert Publikationen aller Art, die aus der Forschungstätigkeit der Fraunhofer-Institute resultieren.

Von besonderer Bedeutung in den Ingenieurwissenschaften ist der freie Zugang zu Patentschriften im Volltext:

Recherchieren in den Ingenieurwissenschaften

In den Ingenieurwissenschaften lassen sich u.a. über folgende Angebote frei zugängliche Artikel recherchieren:

  • Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) lässt sich nach Open-Access-Journalen und Artikeln durchsuchen. (Vorgehen: Advanced Search, Suche im Subjectfield „Technology” und / oder im Subjectfield „Technology and Engineering“).
  • BASE (Bielefeld Academic Search Engine) ist eine der weltweit größten Suchmaschinen für frei im Sinne des Open Access zugängliche wissenschaftliche Dokumente im Internet. Die Suche wird über die Metadaten durchgeführt. Etwa 75 % der Dokumente sind Open Access zugänglich. (Vorgehen: Erweiterte Suche, Suche unter Schlagwörter z. B. „engineering“ eingeben. Alternativ: über die DCC-Klassifikation für „Ingenieurwissenschaften“ suchen.)
  • Sciencegate durchsucht nach eigener Aussage über 3.000 Repositorien und Open-Access-Journale, jedoch sind nicht alle Artikel wirklich frei zugänglich.
  • Frei zugängliche Datenbanken und -quellen im Internet sind auch im Datenbank-Infosystem (DBIS) zu finden. Über die Fachübersicht, die benötigte Fachdisziplin auswählen, also z. B. Elektrotechnik oder Maschinenwesen. Dann erhält man eine Auflistung von Datenbanken dieser Disziplin und  die Information, ob diese im Netz frei verfügbar sind.

Akteure

Als wichtige Akteure für Open Access in den Ingenieurwissenschaften sind die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen wie die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft oder die Leibniz-Gemeinschaft zu nennen, die hauptsächlich oder teilweise in diesem Wissenschaftsgebiet tätig sind und sich aktiv für Open Access einsetzen. Dies geschieht u. a. durch Open Access Policies, geeignete Infrastruktur (Repositorien), Beratung der eigenen Mitarbeiter und eine engen Zusammenarbeit zwischen den Organisationen.

Auf dem Gebiet der Ingenieurwissenschaften sind unter den Fachgesellschaften, Fachverbänden und Verlegern, neben VDI (Verein Deutscher Ingenieure) und VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) in Deutschland, international auch SPIE (International Society for Optics and Photonics), SME (Society of Manufacturing Engineers), IIE (Institute of Industrial Engineers), IET (Institution of Engineering and Technology) und allen voran IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) zu nennen. Bei den von diesen Akteuren verantworteten Publikationsmedien sind die ersten Aktivitäten und Angebote im Bereich Open Access festzustellen, d. h. der Fachbereich kann sich dem allgemeinen Trend zu Open Access nicht entziehen.

Literatur

 

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Kirsten Endres und Claus Spiecker, Fraunhofer Gesellschaft