Open Access in der Physik

Open Access ist im Fach Physik bereits ein fester Bestandteil der Publikations- und Informationsstruktur.  Auffallend ist, dass im Fach Physik die Veröffentlichung von Parallelpublikationen bzw. Preprints eine sehr große Rolle spielt.

Preprints haben im Fach Physik eine sehr lange Tradition. Bereits vor der Möglichkeit, Dokumente elektronisch zur Verfügung zu stellen, hat sich eine Kultur zur Bereitstellung von Preprints v.a. in der Hochenergiephysik (HEP) seit den 1960er Jahren entwickelt. Grund hierfür war die zeitliche Verzögerung zwischen Einreichung eines Manuskripts und dem Veröffentlichen des Zeitschriftenartikels.  Angesichts dieser Preprintkultur verwundert es nicht, dass am 14. August 1991 das elektronische Repositorium arXiv von Paul Ginsparg am Los Alamos National Laboratory gegründet wurde. Es ist heute noch ein Musterbeispiel für fachliche Repositorien. Seit 2001 wird arXiv von der Cornell University Library (CUL) betrieben. 2010 wurde begonnen, einen nachhaltigen Geschäftsplan für arXiv zu entwickeln, und seit 2013 wird arXiv von Bibliotheken und Forschungseinrichtungen, welche die größten Benutzer von arXiv repräsentieren, weltweit finanziell unterstützt. Einen Großteil der Kostenntragen nach wie vor die CUL sowie die Simons Foundation, einer privaten Stiftung zur Förderung von Mathematik und Grundlagenforschung. (siehe Tobschall: arXiv – Who pays? Auf der Suche nach Nachhaltigkeit).

Aufgrund dieser Publikationskultur verwundert es nicht, dass im Fach Physik der grüne Weg dominiert und die Anzahl der Artikel in Open-Acces-Zeitschriften verglichen mit den Parallelpublikationen vergleichsweise gering ist.

Die Umwandlung von subskriptionsbasierten Zeitschriften in Open-Access-Zeitschriften wird durch ein Pilotprojekt in der Hochenergiephysik gefördert (SCOAP³). Dabei sollen Zeitschriften bzw. Artikel aus einem Fachgebiet in einem golden Open-Access-Modell publiziert werden.

Open-Access-Zeitschriften

Die erste Open-Access-Zeitschrift „Journal of high energy physics“ im Fach Physik wurde von der International School for Advanced Studies (SISSA) herausgegeben und verlegt. Da sich das Finanzierungsmodell als nicht tragfähig erwies, wurde diese Zeitschrift ab 2003 in eine subskriptionspflichtige Zeitschrift bei IOP Publishing und ab 2010 bei Springer transferiert. Im Rahmen des SCOAP³-Pilotprojekts erfolgte im Jahre 2014 die Umwandlung der Zeitschrift wieder in eine reine Open-Access-Zeitschrift.

Open-Access-Zeitschriften haben in der Physik bislang einen schweren Stand, wie beispielsweise auch vorangegangene Zeitschrift zeigt. Bis auf wenige Ausnahmen reichen Open-Access- Zeitschriften noch nicht an die wissenschaftliche Reputation von subskriptionsbasierten Zeitschriften heran.

Beispielhaft werden zwei  Open-Access-Zeitschriften im Fach Physik genannt:

  • New Journal of Physics: Herausgeber: Institute of Physics (IOP) und Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG); erste Ausgabe: 1998; Spektrum: Artikel aus allen Gebieten der Physik; Artikel im Bereich der Hochenergiephysik werden von SCOAP³ gefördert.
  • Optics Express: Herausgeber: Optical Society of America; erste Ausgabe: 1997; Fachgebiet: Optik

SCOAP³ (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics) ist ein internationales Pilotprojekt, bei dem sich weltweit Bibliotheken, Bibliothekskonsortien, Forschungsförderorganisationen und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen haben, um wissenschaftliche Publikationen im Bereich der Hochenergiephysik Open Access zu fördern. Innerhalb dieses Projekts sind mit dem Jahr 2014 fünf Zeitschriften von dem Geschäftsmodell der Subskriptionsgebühren zu Open Access transformiert worden.  Zudem werden bei weiteren fünf Zeitschriften die Artikel aus dem Bereich Hochenergiephysik Open Access publiziert. Dauerhaft ist das Projekt darauf ausgerichtet, die Subskriptionsgebühren durch Publikationsgebühren mit fairen und marktgerechten Preisen zu ersetzen.

Für eine stets aktuelle Liste von Open-Access-Zeitschriften wird hier auf das Directory of Open Access Journals (DOAJ) und die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) verwiesen:

Disziplinäre Repositorien

arXiv

Fachliches Repositorium für Physik und angrenzende Wissenschaftsgebiete. Seit 2001 wird arXiv durch die Cornell University betrieben. Die Preprints sind zu einem Teil Vorab-Versionen von Zeitschriftenartikeln, zum anderen Teil handelt es sich um – zunächst nicht anderweitig publizierte – vorläufige Ergebnisse oder Diskussionspapiere. In der Regel ist das Einbringen von Preprints für neue Autoren, welche das erste Mal auf arXiv publizieren  nur möglich, durch ein sog. endorsement (Befürwortung durch einen etablierten Autor, der eine bestimmte Anzahl von Beiträgen innerhalb des für endorsement relevanten Bereichs eines arXiv-Archivs oder -Fachbereichs geschrieben hat). Autoren mit einer Zugehörigkeit zu einer anerkannten wissenschaftlichen Institution können davon befreit werden. arXiv ist ein fachliches Repositorium mit einfachen Funktionalitäten und – im Vergleich zum Peer Review – reduzierten Mechanismen der Qualitätssicherung. In der Physik ermöglichen viele Verlage das direkte Einreichen von auf arXiv abgelegten Manuskripten bei ihren Zeitschriften.

CERN Document Server

Publikationen, Preprints sowie Vorträge und Vorlesungen des CERN werden auf dessen Dokumentenserver abgelegt.

HAL - Hyper Articles en Ligne

HAL ist der republikweite institutionelle Dokumentenserver des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS). Er wird von fünf großen französischen Forschungsorganisationen gesponsert und enthält einen hohen Anteil an Physik-Publikationen. Das CNRS erwartet, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit CNRS-Mitteln forschen, ihre Publikationen in HAL einstellen.

PhysNet

PhysNet weist über ein OAI Harvesting Dokumente nach, die weltweit auf institutionellen Physik-Servern liegen. Hierzu gehören Forschungsberichte, Jahresberichte, Preprints, Publikationslisten, wissenschaftliche Arbeiten (z.B. Dissertationen), Lehrmaterialen, Computerprogramme u.a.

Recherchieren in Physik

INSPIRE-HEP ist eine freie digitale Fachdatenbank für Publikationen und Preprints auf dem Gebiet der Hochenergiephysik und ist ein Gemeinschaftsprojekt von CERN, DESY Fermilab und SLAC. Neben den Standardinformationen zur Veröffentlichung wie z.B. Quellenangaben und Links zu Volltexten enthalten die Nachweise auch Referenzen und Zitationen. INSPIRE-HEP ermöglicht so die Erstellung von Autor/innen-Seiten mit Zitationsanalysen. Darüber hinaus bietet INSPIRE-HEP Informationen zu HEP-Einrichtungen und -Experimenten sowie -Konferenzen. Wichtige Informationsquellen wie z.B. arXiv.org oder das NASA Astrophysical Data System sind in INSPIRE eingebunden.

Akteure

CERN ist wohl weltweit der führende Protagonist von Open Access im Fach Physik. So hat das CERN in allen wichtigen Initiativen bezüglich Open Access immer eine führende Rolle eingenommen, z.B. bei der Finanzierung bei SCOAP³. In der Open Access Policy for CERN Physics Publications werden Autor/innen des CERN aufgefordert, ihre Artikel in Gold Open Access zu publizieren. Eine vollständige Abdeckung wird bis zum Ende des Jahres 2016 angestrebt.

In Deutschland engagieren sich die Max-Planck-Gesellschaft, das DESY (Helmholtz-Gemeinschaft) und die Technische Informationsbibliothek (TIB) Hannover gerade bei der dauerhaften Finanzierung von Open-Access-Geschäftsmodellen. So sind dies die drei nationalen Kontaktstellen bei SCOAP³ und beteiligen sich an der Finanzierung von  arXiv. Die TIB organisiert dabei die Teilnahme der deutschen Hochschulen an SCOAP³ über das nationale Projekt SCOAP³-DH. Die TIB übernimmt zudem die Finanzierung des Beitrags der deutschen Hochschulen zu arXiv im Netzwerk arXiv-DH und sichert somit gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft den arXiv-Anteil der deutschen Community.

Open Science

Im Fach Physik gibt es sehr viele unterschiedliche Bestrebungen zu Open Science. Oftmals wird Programmiercode als Open Source veröffentlicht, und ein breite Fachcommunity kann sich an der Entwicklung neuer Funktionalitäten beteiligen. Die Veröffentlichungen erfolgt dabei direkt von den beteiligten Arbeitsgruppen an den Instituten auf speziellen Projektseiten. Infrastruktureinrichtungen sind in der Regel hier selten beteiligt. Beispiele für Open-Source-Programme in der theoretischen Festkörperphysik sind die Programme ABINIT und QUANTUM ESPRESSO.

 

Bearbeitung der Inhalte dieser Seite: Dr. Gernot Deinzer, UB Regensburg