Open Access in der Soziologie

Weder die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) noch ihr US-amerikanisches Pendant, die American Sociological Association (ASA), zählen zu den Unterzeichnern der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen. Trotz des Fehlens eines Bekenntnisses zu Open Access durch diese Fachgesellschaften sind die Grundlagen für Open Access in der Soziologie gegeben.

Open-Access-Zeitschriften

Von den fachlichen Kernzeitschriften American Journal of Sociology (AJS), American Sociological Review (ASR), Annual Review of Sociology und Sociological Methodology sowie für den deutschsprachigen Bereich Berliner Journal für Soziologie (BJS), Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KzfSS), Leviathan, Soziale Welt, Sozialer Sinn und Zeitschrift für Soziologie (ZfS) erscheint keine einzige Open Access. Allerdings stellt die ZfS ihre Artikel zwei Jahre nach deren Erscheinen auf der Homepage der Zeitschrift Open Access, gleiches gilt für Wirtschaft und Gesellschaft (WuG). Auch andere Zeitschriften verfahren ähnlich: Historical Social Research (HSR) etwa stellt Artikel automatisch nach Ablauf von zwei Jahren im disziplinären Repositorium Social Science Open Access Repository (SSOAR) Open Access. Als originäre Open-Access-Zeitschriften können unter anderem das Forum Qualitative Sozialforschung (FQS), Survey Research Methods (srm), Sociological Research Online, Comparative Population Studies, die European Integration Online Papers oder Demographic Research gelten. Überdies kündigte die ASA für 2015 den Start einer Open-Access-Zeitschrift an, die weite Teilgebiete der Soziologie abdecken soll.Weitere Open-Access-Zeitschriften der Soziologie können über das Directory of Open Access Journals (DOAJ) recherchiert werden.

Disziplinäre Repositorien

Vor allem das erwähnte Repositorium SSOAR kann als für Soziologie wichtig erachtet werden, ebenfalls relevant ist international das Social Sciences Research Network (SSRN), das jedoch weniger im eigentlich Sinn soziologische Literatur beheimatet als wirtschaftswissenschaftliche, politikwissenschaftliche oder anthropologische.

Recherchieren in der Soziologie

Spezielle Recherchezugänge für die Soziologie existieren nicht, wer speziell Inhalte aus diesem Fach sucht, muss auf allgemeine Dienste wie die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) zurückgreifen  und diese nach fachlichen Kriterien (im Falle von BASE anhand des Dewey Decimal Classification Codes 301 zu filtern.

Open Science

Zwar nutzen Zeitschriften der Soziologie in aller Regel keine Praktiken der Open Science wie eine offene Begutachtung von Artikeleinreichungen oder Auflagen für Autorinnen und Autoren zur Bereitstellung von publikationsbezogenen Daten oder publikationsbezogener Software, dennoch bietet GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften umfangreiche Möglichkeiten, Daten oder Software verfügbar zu machen, z.B. über den Dienst datorium, der auch die Vergabe eines zitierfähigen Digital Object Identifiers (DOI) ermöglicht. Zusätzlich bietet  gesis mit da|ra die Möglichkeit einer Datenregistrierung zur DOI-Vergabe – auch wenn Einrichtungen die entsprechenden Daten selbst hosten. Speziell für qualitative Daten stellt sich die Open-Science-Infrastruktur schlechter dar: Als Angebote zur Verfügbarmachung von Forschungsdaten ist hier vor allem der aus dem Archiv für Lebenslaufforschung ALLF hervorgegangene Dienst Qualiservice zu nennen. Qualiservice ist in erster Linie eine Serviceeinrichtung für die Nachnutzung qualitativer Primärdaten der Sozialforschung, im wesentlichen in Form von Interviewdaten (als Audiomaterial und als Transkript). Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass der Code of Ethics der American Sociological Association (ASA, 2008) die Bereitstellung von Forschungsdaten der Soziologie fordert: „Sociologists make their data available after completion of the project or its major publications, except where proprietary agreements with employers, contractors, or clients preclude such accessibility or when it is impossible to share data and protect the confidentiality of the data or the anonymity of research participants“. US-amerikanische Closed-Access--Zeitschriften wie American Sociological Review und Sociological Methodology berufen sich in ihren Submission Policies auf diesen Code of Ethics und ermuntern ihre Autorinnen und Autoren zur Verfügbarmachung von Forschungsdaten. Auch die Open-Access-Zeitschrift Demographic Research macht solche Vorgaben, allerdings nicht nur für Daten, sondern auch für Programmcode.

Literatur

American Sociological Association  (2008). Code of Ethics

Herb, Ulrich (2015). Open Science in der Soziologie: Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme zur offenen Wissenschaft und eine Untersuchung ihrer Verbreitung in der Soziologie.  Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 67 [Zugleich: Diss., Univ. des Saarlandes, 2015]. Verlag Werner Hülsbusch : Glückstadt. ISBN 978-3-86488-083-4. DOI: 10.5281/zenodo.31234 oder URN: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-62565. Hardcover, Fadenheftung, VIII + 492 S., zahlr. teilw. farb. Abb.

Herb, Ulrich (2014). Open Science in Soziologie-Journalen aus deutschsprachigen und nicht-deutschsprachigen Ländern, Daten und Auswertungen einer Journal-Stichprobe. ZENODO. doi:10.5281/zenodo.10786

 

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