Ein zentrales Anliegen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist die Publikation ihrer Ergebnisse, da nur so ihre Arbeit und ihre Erkenntnisse in der Wissenschaftsgemeinschaft sichtbar und entsprechend gewürdigt werden. Das Publizieren in Printmedien und im Closed Access, seien es Artikel in Zeitschriften, Bücher oder Beiträge in Sammelbänden, war lange Zeit die einzige Möglichkeit, wissenschaftliche Information dauerhaft festzuhalten und zu verbreiten. Mit  Internet und Open Access entstanden neue Publikationsmöglichkeiten , die  auch neue Fragen  für Autorinnen und Autoren aufwerfen. Einigen dieser Aspekte widmen sich die folgenden Informationen.

Finanzierung von Open-Access-Publikationen

Zu unterscheiden ist zunächst zwischen den beiden wichtigsten Open-Access-Strategien: der Publikation in einer Open-Access-Zeitschrift oder einem Open-Access-Verlag und der Bereitstellung auf institutionellen oder disziplinären Dokumentenservern. Dabei wird die Erstveröffentlichung zu Open-Access-Bedingungen auch als „goldener Weg“, die (Selbst-)Archivierung von zuvor oder später andernorts veröffentlichten Werke als „grüner Weg“ bezeichnet.

Stellt eine Autorin bzw. ein Autor ein Dokument auf einem institutionellen oder disziplinären Repositorium bereit, fallen in der Regel keine Kosten für sie bzw. ihn an. Anders sieht es bei einem Teil der Open-Access-Zeitschriften aus.  Einer Studie von Solomon & Björk (2012) zufolge nutzen ca. 26% der Open-Access-Zeitschriften Publikationsgebühren als Finanzierungsform.  Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in einer Open-Access-Zeitschrift publizieren möchten, sollten sich vorab über die Finanzierungsform und, wenn solche Gebühren fällig werden, über deren Höhe erkundigen. Hierzu hilft meist ein Blick auf die Webseite der Zeitschriften (eine Übersicht über Open-Access-Zeitschriften gibt das Directory of Open Access Journals (DOAJ) oder die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB). Dies kann – gibt es viele Open-Access-Zeitschriften zu dem jeweiligen Wissensgebiet – sehr mühsam und langwierig sein. Über die Website Cost Effectiveness for Open Access Journals können Publikationswillige die Kosten-Nutzen-Relation zwischen Höhe der Publikationsgebühren und durchschnittlichen Zitationsraten von Artikeln verschiedener Open-Access-Zeitschriften erfahren. Für Closed-Access-Zeitschriften existiert übrigens mit der Seite Journal Cost-Effectiveness ein ähnliches Werkzeug, das einen gegenüberstellenden Vergleich der Gebühren für die Nutzung der Journale und die durchschnittlichen Zitationsraten von Artikeln ermöglicht.

Möglichkeiten der Refinanzierung von Open-Access-Kosten

Manche Open-Access-Verlage bieten die Möglichkeit einer institutionellen „Mitgliedschaft“, die einem Rabatt-Modell ähnelt, an. Einrichtungen zahlen für die Mitgliedschaft eine jährliche Gebühr und ermöglichen so den Mitgliedern ihrer Institution, innerhalb eines Jahres kostenlos oder zu einer reduzierten Gebühr in der jeweiligen Zeitschrift zu veröffentlichen. Ansprechpartner für Autorinnen und Autoren sind in diesem Fall in der Regel die Bibliotheken ihrer Einrichtung. Sofern eine Hochschule einen Open-Access-Publikationsfonds, aus dem Artikelgebühren bestritten werden können, anbietet,  ist dessen Verwaltung ebenfalls zumeist an Bibliotheken angesiedelt.

Einige Förderorganisationen übernehmen neben der Forschungsfinanzierung auch die Publikationskosten von Artikeln in Fachzeitschriften und anderen Publikationen. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) können im Rahmen eines Förderantrags auch Publikationsmittel beantragt werden beantragen. Auch die Volkswagen-Stiftung übernimmt Publikationskosten der von ihr geförderten Projekte und erwartet Open-Access-Veröffentlichungen. Internationale Förderorganisationen wie der Wellcome Trust tragen im Falle von Projektbewilligungen ebenfalls etwaige Publikationsgebühren für projektbezogene Open-Access-Veröffentlichungen, und auch im EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 werden Publikationskosten für Open-Access-Artikel erstattet.

Allgemein lohnt sich ein Blick in die Förderrichtlinien der Förderorganisationen oder die direkte Nachfrage.

Impact-Faktor und die Anerkennung von Open-Access-Publikationen

Die Wirksamkeit und Sichtbarkeit wissenschaftlicher Veröffentlichungen spielen für den Reputationsgewinn und damit für die Karrierechancen einzelner Wissenschaftler/innen eine wichtige Rolle. Studien haben ergeben, dass die Zitierhäufigkeit von Open-Access-Publikationen  zumeist weitaus höher ist als bei Closed-Access-Veröffentlichungen. Übersichten finden sich z.B. in der Open Citation Bibliography oder in Alma Swans Metastudie „Review of Studies on Open Access Impact Advantage“ (Swan, 2010). Open-Access-Zeitschriften zudem verfügen  über einen Impact-Faktor, der häufig höher ist als bei vergleichbaren Closed-Access-Zeitschriften.

Die zunehmend öffentliche Positionierung vieler Wissenschaftseinrichtungen zu Open Access sowie z.B. die Empfehlungen des Wissenschaftsrates, Arbeitsergebnisse vermehrt digital nutzbar zu machen, wird einen Wandel der Einstellung auch gegenüber Open-Access-Beiträgen zur Folge haben. Renommierte Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft fördern offensiv den Open-Access-Gedanken, und Fördereinrichtungen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fordern die von ihnen unterstützten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, ihre Ergebnisse  im Open Access bereitzustellen. Weitere Informationen zu Positionierungen wissenschaftlicher Einrichtungen zu Open Access finden sich hier.

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat ein Reglement über die Information, die Valorisierung und die Rechte an Forschungsresultaten mit Bestimmungen bezüglich Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen aus vom SNF geförderten Projekten erlassen. Darin verpflichtet der SNF die Autor/innen zur Open-Access-Publikation auf dem grünen oder goldenen Weg.

Die eigenen Rechte sichern

Autorinnen und Autoren, die ihre Arbeiten Open Access verfügbar machen wollen, sollten einige rechtliche Rahmenbedingungen beachten. Zentral ist, dass sie selbst über das Recht zur Onlineverwertung ihrer Dokumente verfügen, was vor allem in den Fällen, in denen eine Arbeit bereits im Closed Access erschienen ist, nicht zwingend gegeben ist. Die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich in einigen Punkten für Primärpublikationen (im Sinne des goldenen Weges) und parallele Bereitstellungen (im Sinne des grünen Weges).

Parallele Bereitstellung von Closed-Access-Publikationen auf Repositorien

Die meisten Verlage erlauben  die parallele Bereitstellung von Werken in institutionellen oder disziplinären Repositorien. Eine Übersicht über die Policies vieler Zeitschriftenverlage liefert die SHERPA/RoMEO Liste. Oft darf dabei die letzte Autorenversion nach dem Peer-Reviewing (akzeptiertes Manuskript) oder die vom Verlag publizierte Endfassung verwendet werden. Idealerweise sollten jedoch die Verlagsverträge so gestaltet sein, dass sich die Autorinnen und Autoren die Rechte zur Archivierung von Werken in frei zugänglichen Online-Archiven oder dem Dokumentenserver der eigenen Institution sichern. Autorinnen und Autoren, die vor Abschluss eines Verlagsvertrags stehen, sollten versuchen, dem Verlag keine ausschließlichen Nutzungsrechte zu übertragen, da sie selbst sonst keinerlei Rechte mehr zur Onlinebereitstellung ihrer eigenen Werke besitzen. Idealerweise räumen sie dem Verlag nur einfache Nutzungsrechte für die beabsichtigen Nutzungsarten ein. Falls dies nicht möglich ist und keine alternative Veröffentlichungsoption verfügbar ist, können Autor/innen erwägen, dem Verlagsvertrag einen Zusatz beizufügen, um sich ihrerseits das einfache Nutzungsrecht für die Onlinenutzung auf einem Repositorium vorzubehalten. Im Internet stehen hierfür inzwischen verschiedene Vertragszusätze zur Verfügung).

Primärpublikationen in Open-Access-Zeitschriften

Anders sieht es bei originären Veröffentlichungen wissenschaftlicher Dokumente in Open-Access-Zeitschriften oder anderen Open-Access-Veröffentlichungen aus, Open-Access-Zeitschriften und -Verlage erlauben in der der Regel eine weitere Bereitstellung der Dokumente auf einem Repositorium unter Nennung des Ortes der Erstveröffentlichung. Bei der Wahl einer geeigneten Open-Access-Zeitschrift für die Publikation eines Artikels spielen also andere Parameter eine Rolle, die größtenteils für Closed-Access- und Open-Access-Zeitschrift gleich sind: thematische Ausrichtung, Art der Qualitätssicherung, Ansehen im Fach sowie gegebenenfalls die Lizenzbedingungen, unter denen Artikel bereitgestellt werden, oder die Höhe etwaiger Publikationsgebühren.

Primärpublikationen in Repositorien

Neben den erwähnten Möglichkeiten bereits in Closed-Access- oder Open-Access-Zeitschriften erschienene Inhalte über ein Repositorium verfügbar zu machen, ist es auch möglich zuvor unveröffentlichte Werke (Primärpublikationen) auf einem Repositorium bereitzustellen. Dabei haben die Autorinnen und Autoren in aller Regel die Möglichkeit die ausschließlichen Rechte an ihren Werken zu behalten und dem Betreiber des Repositoriums ein nur einfaches Nutzungsrecht zum Zweck der Verfügbarmachung des Dokuments Internet zu überlassen. Häufig können sie zudem ihre Werke alternativ unter eine Open-Content-Lizenz stellen.

Lizenzierung Open Access bereitgestellter Dokumente

Anhand von Open-Content-Lizenzen kann der Autor/die Autorin festlegen, zu welchen Bedingungen ein Open Access bereitgestelltes Dokument von Dritten genutzt werden kann. Die Einräumung bestimmter Nutzungsrechte anhand solcher Lizenzen vereinfacht die Rechtsdurchsetzung bei Missbrauch und gibt den Nutzerinnen und Nutzern explizite Hinweise darauf, wie das Dokument weiter verwendet werden darf. Gleichzeitig behält der Autor/die Autorin die Möglichkeit, weitere, über die durch die Lizenz hinausgehende Nutzungen in gesonderten Verträgen zu erlauben

Literatur

Solomon, D.J. & Björk, B.-C. (2012). A study of open access journals using article processing charges. Journal of the American Society for Information Science and Technology, 63 (8), 1485–1495. doi:10.1002/asi.22673.

Swan, A. (2010). The Open Access citation advantage: Studies and results to date. Truro, UK: Key Perspectives Ltd. Verfügbar unter: http://eprints.ecs.soton.ac.uk/18516/.