Open-Access-Zeitschriften sind wissenschaftliche Zeitschriften, in denen alle dort veröffentlichten Artikel frei zugänglich sind – unmittelbar und für alle Interessierten. Für Herausgeberinnen und Herausgeber von Fachzeitschriften und für deren Autorinnen und Autoren ist mit diesem sogenannten goldenen Weg des Open Access eine weitaus größere Sichtbarkeit der Veröffentlichungen verbunden als bei Closed-Access-Zeitschriften. Dies gilt unabhängig davon, ob diese zugangsbeschränkten Zeitschriften in Print- oder elektronischer Form vorliegen. Mit der elektronischen Veröffentlichungsform, die mit Open Access in der Regel einhergeht, erwachsen zusätzliche Möglichkeiten der Präsentation und Distribution wissenschaftlicher Informationen. Die redaktionelle Arbeit an der Zeitschrift unterscheidet sich kaum von entsprechender Arbeit bei traditionellen Zeitschriften. Auch bei Gründung einer Open-Access-Zeitschrift sind die Herausforderungen vergleichbar: Es müssen Konzept und Geschäftsplan entwickelt werden, die Deckung der Kosten muss geklärt werden, die Anbindung der Zeitschrift muss entschieden werden – ob z.B. im Rahmen eines Verlages veröffentlicht werden soll oder ob eine verlagsunabhängige Herausgabe angestrebt wird –, und es muss der Betrieb der Zeitschrift sichergestellt sein. Diese Punkte sind jeweils auch bei Umwandlung einer Closed-Access-Zeitschrift in eine Open-Access-Zeitschrift relevant. Insbesondere die Wahl eines passenden Geschäftsmodells, das ohne Einnahmen aus Abonnements auskommt, stellt eine Herausforderung dar.

Eine wesentliche Aufgabe für Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften besteht darin, sich über den Charakter von Open Access bewusst zu sein, Entscheidungen über die Erfüllung von Open-Access-Anforderungen zu treffen, insbesondere über die einzusetzenden Nutzungslizenzen, und die Spezifika von Open Access allen Beteiligten zu vermitteln. Auch die Möglichkeiten der elektronischen Veröffentlichungsweise sollten bei Überlegungen zum Betrieb der Zeitschrift berücksichtigt werden.

Hilfreiche Informationen zu den unterschiedlichen Bereichen (Gründung einer Open-Access-Zeitschrift, Umwandlung einer Zeitschrift) geben auch die von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) für das Open Society Institute (OSI) herausgegebenen Open Access Journal Business Guides.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften liefert auf ihrer Webseite Hinweise für Herausgeber/innen von Fachzeitschriften bei der Umsetzung von Open Access.

Konzept und Geschäftsplan

Bei der Gründung einer Open-Access-Zeitschrift sind viele Dinge zu bedenken. Eine eigene Zeitschrift zu betreiben bedeutet einigen Aufwand für die, die in redaktionelle Arbeit involviert sind. Es ist deshalb wichtig, sich möglichst (selbst-)kritisch darüber Rechenschaft abzulegen, ob ein solches Projekt prinzipiell sinnvoll und gerechtfertigt ist. Unter Umständen kann die Mitarbeit an bzw. die Kooperation mit einer bereits existierenden Zeitschrift eine bessere Alternative sein. Eine Übersicht bereits existierender Open-Access-Zeitschriften finden Sie im Directory of Open Access Journals (DOAJ).

Wichtige Fragen für eine mögliche Neugründung sind:

  • Was wird das Alleinstellungsmerkmal der Zeitschrift sein? Welches Themenfeld wird bearbeitet, wer sind potenzielle Autorinnen und Autoren, welche Leserinnen und Leser sind die Zielgruppe?
  • Welche Reichweite (national, international, disziplinär, transdisziplinär usw.) ist aus welchen Gründen von Interesse? Welche Erfordernisse ergeben sich daraus für Formate, Sprache etc.?
  • Welche Verfahren der Qualitätssicherung sollen genutzt werden? Stehen genügend potenzielle Gutachterinnen und Gutachter zur Verfügung?
  • Wie kann es gelingen, die Zeitschrift qualitativ hochwertig und langfristig zu betreiben? Welche Ausgaben werden erwartet, welche Einnahmen können erzielt werden?
  • Sollen die Beiträge unter einer freien Lizenz erscheinen? Wenn dies nicht möglich ist, soll eine eine eingeschränkte Lizenz verwendet werden? Oder sollen die Beiträge nur kostenlos lesbar sein, aber nicht darüber hinaus genutzt werden können?

Einige Anregungen hierzu und zum Verfertigen eines Geschäfts- und Finanzplans gibt die von der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) für das Open Society Institute (OSI) herausgegebene Broschüre Guide to Business Planning for Launching a New Open Access Journal (Edition 2, 2003) (PDF, 217 KB), die sich vor allem an eine universitäre Klientel mit Interesse an der Gründung von Zeitschriften oder Repositorien richtet. Sie ist Teil einer Reihe von drei SPARC/OSI-Broschüren für Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften. Auch die dritte Broschüre Model Business Plan (Edition 1, 2003) (PDF, 176 KB) liefert hilfreiche Tipps bei der Finanzplanung im Zusammenhang mit der Neugründung einer Open-Access-Zeitschrift.

Deckung der Kosten

Die Herstellungskosten für Open-Access-Zeitschriften sind signifikant niedriger als im Falle von Printzeitschriften (und auch von elektronischen kostenpflichtigen Zeitschriften), weil Open-Access-Zeitschriften in der Regel nur online zugänglich sind, Kosten für das Handling der Abonnements und die Identifikation von autorisierten und nicht-autorisierten Nutzerinnen und Nutzern, für Mahnungen usw. entfallen, und weil mittlerweile Open-Source-Software für den Betrieb elektronischer Zeitschriften zur Verfügung steht.

Gleichwohl fallen selbstverständlich Kosten an: Dass Artikel in Open-Access-Zeitschriften für alle Interessierten frei zugänglich sind bedeutet nicht, dass deren Produktion kostenlos wäre. Bereits mit der Budapest Open Access Initiative (BOAI) wurden verschiedene Vorschläge zur Kostendeckung im Falle von Open-Access-Zeitschriften gemacht, insbesondere „(Misch-) Finanzierungen (...), z.B. durch private und staatliche Stiftungen und Fördereinrichtungen, durch Universitäten und andere Institutionen, die Forschende beschäftigen, durch Stiftungs- und Fördergelder, die disziplinär gebunden vergeben werden, durch Spenden von Einzelpersonen oder Einrichtungen, (...), durch Einnahmen aus Werbe-Add-ons auf den Texten, durch Mittel, die frei werden, indem überteuerte Zeitschriften, die nicht bereit sind, freien Zugang zu gewähren, abbestellt werden, oder durch finanzielle Beiträge, die die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen selbst zu zahlen bereit sind“ (Quelle: deutsche Übersetzung der BOAI-Deklaration). Insbesondere, wenn die Open-Access-Zeitschrift keine Kosten auf die Autorinnen und Autoren abwälzen will, stellt sich die Frage nach Formen institutioneller Förderung, Einnahmen durch Zusatzdienste, die Etablierung einer Unterstützungsstruktur etc..

Im Rahmen ihres Programms „Infrastruktur für elektronische Publikationen und digitale Wissenschaftskommunikation“ unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Aufbau von Open-Access-Zeitschriften (und anderen Publikationsorten).

Anbindung der Zeitschrift

Eine Open-Access-Zeitschrift kann im Rahmen eines bestehenden Angebots oder weitgehend selbstständig betrieben werden. Allerdings sind die Übergänge inzwischen fließend: Viele Verlage betreiben Open-Access-Zeitschriften, eigenständige Lösungen oder aggregierte Lösungen von Hochschulen, Bibliotheken oder eigenständigen Anbietern können die gleichen Dienstleistungen anbieten. Die Evaluation bestehender Angebote und eigener Möglichkeiten sollte dabei mindestens die folgenden Aspekte berücksichtigen:

  • technische Fragen: Gibt es ein Redaktionssystem? Gibt es eine Langzeitarchivierung? Können die von der Zeitschrift gewünschten Manuskriptformate verarbeitet werden?
  • finanzielle Fragen: Was kostet die Nutzung? Werden die von der Zeitschrift gewünschten Finanzierungsformen unterstützt?
  • leistungsbezogene Fragen: Welche Leistungen bietet das jeweilige Angebot? Wie ist die Integration in die allgemeine Infrastruktur? Werden Metadaten ausgeliefert, wo wird die Zeitschrift nachgewiesen werden?
  • organisatorische und rechtliche Fragen: Wer hat die Kontrolle über die Zeitschrift, wenn ein (kommerzieller oder nicht-kommerzieller) Verlag beteiligt ist? Wem gehört der Name? Ist eine spätere Trennung möglich? Schränkt der Verlag die Open-Access-Orientierung ein?

Viele weitere Fragen sind zu klären, und mindestens im Fall einer Neugründung ist es ratsam, sich für die Entscheidung zwischen Verlagsanbindung und Unabhängigkeit Unterstützung zu holen.

Autonomer Betrieb durch Open-Source-Software

Durch die Verwendung gut etablierter Open-Source-Software können die Kosten für eine unabhängige Lösung reduziert werden. Dies gilt sowohl für Hosting-Plattformen, die kaum Dienstleistungen über den technischen Betrieb hinaus erbringen, als auch für komplett eigenständige Veröffentlichung der Zeitschrift auf einem eigenen Webserver.

Exemplarisch erwähnt sei Open Journal Systems (OJS), eine mittlerweile von mehreren tausend Zeitschriften verwendete Software, die im Rahmen des kanadischen Public Knowledge Project entwickelt worden ist und inzwischen auch in Deutschland weit verbreitet ist (und komplett in deutscher Sprache verfügbar ist). OJS unterstützt den gesamten Prozess des Online-Publizierens (von der Beitragseinreichung über Begutachtung und Lektorat bis hin zu Veröffentlichung und Kommentierung von veröffentlichten Artikeln). Zahlreiche Templates u.a. für die Kommunikation mit Gutachter/innen und mit Autor/innen unterstützen die redaktionelle Arbeit. Trotz der niedrigschwelligen Anforderungen kann die Unterstützung durch ein Rechenzentrum, eine Bibliothek oder einen anderen Dienstleister beim technischen Betrieb (und für den Erfahrungsaustausch) sinnvoll sein.

Betrieb der Zeitschrift

Im Zusammenhang mit neuen Möglichkeiten des Publizierens und dem Erstarken der Open-Access-Bewegung ist es vermehrt zu Neugründungen von Open-Access-Zeitschriften gekommen. Teilweise sind Gruppen von Wissenschaftler/innen nun mit Zeitschriftengründung und redaktionellem Betrieb befasst, die sich zunächst mit den hierfür nötigen Aufgaben und Rollen vertraut machen müssen.

Wenn Sie Ihre Open-Access-Zeitschrift in einem Verlag herausbringen möchten, werden viele Entscheidungen bereits vom Verlag vorgegeben (z.B. Mindestanforderungen an Ihr Qualitätssicherungsverfahren, eingesetzte Software, Verteilung der Inhalte, finanzielles Betriebsmodell). Anders sieht es aus, wenn Sie weitgehend unabhängig über den Betrieb der Zeitschrift entscheiden können.

Open Access

Soll eine Open-Access-Zeitschrift gegründet (oder eine bestehende Zeitschrift auf Open Access umgestellt) werden, ist eine klare Festlegung des Open-Access-Konzepts nötig: Unter welcher freien Lizenz sollen die Inhalte erscheinen? Wird den gängigen Empfehlungen zu einer CC-BY-Lizenz gefolgt? Wie finanziert die Zeitschrift ihren Betrieb, wenn es keine Einnahmen aus Abonnements gibt, sollen Autor/innen sich an der Finanzierung beteiligen? Diese Fragen sollten frühzeitig geklärt und kommuniziert sein, weil sie einerseits wichtig für die Entscheidungen potentieller Mitwirkender sein werden und weil sie andererseits lange vor dem ersten Werben um Einreichungen in verständlicher Form präsentiert und in Form von Workflows und rechtlichen Vereinbarungen festgelegt werden sollten.

Beteiligte mit Reputation

Häufig spielt der "gute Name" der Herausgebenden (des Beirats, der Gutachterinnen und Gutachter, der Autorinnen und Autoren etc.) eine wichtige Rolle. Robert K. Merton hat den Begriff des Matthäus-Effekts geprägt für "wissenschaftliche Selektionsphänomene", die damit verbunden sind, "dass die Beiträge anerkannter Wissenschaftler eher wahrgenommen werden als die Beiträge unbekannterer Autoren" (Merton 1968, S. 7). Hanekop und Wittke (2005, S. 197) beschreiben an Merton anschließend, wie dieses Prinzip "von den Verlagen auf Journale übertragen [wird]: Bekannte Autoren und Herausgeber bzw. Gutachter verschaffen dem Journal Reputation, die es wiederum auf Autoren übertragen kann, deren Aufsätze in diesem Journal publiziert werden. (...) Steigt die Attraktivität des Journals für Autoren, wirkt dies positiv auf die Menge und Qualität der eingesandten Artikel zurück."

Aus erhöhter Wahrnehmung kann auch erhöhte Wirksamkeit und Sichtbarkeit folgen: mehr Zitationen, mehr anschließende Arbeiten, die Einladung zu weiteren Beiträgen oder zur Übernahme anderer Funktionen. Bekannte und bereits mit Reputation versehene Kolleginnen und Kollegen an der Zeitschrift zu beteiligen, kann ein probates Mittel sein, die Wahrnehmung der Zeitschrift zu steigern. Gerade bei der Einbindung renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist jedoch auch zu bedenken, in welchem zeitlichen Umfang diese sich tatsächlich beteiligen können.

Planung der redaktionellen Arbeit

In jedem Fall muss die eigentliche inhaltlich-fachliche und technische Arbeit an der Zeitschrift gut organisiert werden. So sind neben der Entscheidung über eine Anbindung der Zeitschrift und ihren technischen Rahmen zahlreiche weitere Entscheidungen zu treffen, u.a. über Namensgebung, über Layout und Design, über Gestaltung und technische Umsetzung der Webpräsenz, über den Publikationsprozess und damit verbundene Funktionen, über die Art der Begutachtung und Manuskriptgestaltungsrichtlinien oder das Lektorat. Ein für die Veröffentlichungssprachen spezialisiertes Lektorat ist zu empfehlen. Für die Begutachtung sind klare Regeln zu treffen – die gut sichtbar kommuniziert werden.

Schließlich muss auch entschieden werden, in welchen Formaten Artikel verfügbar sein sollen. Beim elektronischen Publizieren und damit auch Open-Access-Publizieren erwachsen hier zusätzliche Möglichkeiten der Präsentation und Distribution wissenschaftlicher Information.
Für die Präsentation der Artikel bedeutet dies beispielsweise, dass

  • multimediale und dynamische Darstellungen möglich sind
  • Text durch weitere Daten angereichert bzw. mit Daten auf anderen Servern verknüpft werden kann
  • das Verfassen, Begutachten und Kommentieren jeweils interaktiver und öffentlicher stattfinden können.

Während sich diese Optionen der Präsentation bei jeglicher Form elektronischen Publizierens auftun, besteht die besondere Chance von Open-Access-Zeitschriften darin, Wissen breit und jenseits von finanziellen Zugangsbarrieren einer internationalen interessierten (Fach-)Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Dafür genügt es in der Regel allerdings nicht, die eigene Zeitschrift auf einem hohen Qualitätsniveau zu betreiben und dann auf dem eigenen Server zu "verstecken". Sowohl der Nachweis der Zeitschrifteninhalte in Indizes und Suchmaschinen als auch das Bemühen um eine aktive Bewerbung der Zeitschrift und einen kontinuierlichen Informationsfluss an die Community sind wichtige Aspekte, um die sich die Zeitschriftenverantwortlichen kümmern sollten. Fragen und Interessen nicht nur von Leser/innen, sondern v.a. auch von Autor/innen sollten erhoben und antzipiert werden und auf den Webseiten der Zeitschriften gut auffindbar und eindeutig beantwortet werden.

Umstellung einer bestehenden Zeitschrift auf Open Access

Wenn Sie eine bestehende Zeitschrift, über deren Zukunft Sie entscheiden können, auf Open Access umstellen möchten, sind vielleicht einige Entscheidungen schon getroffen, z.B. über die Begutachtungsweise, die beteiligten Personen (Bleiben alle involviert? Brauchen Sie weitere Beteiligte?) etc. Aber vieles ist dennoch analog zu den genannten Punkten zu überlegen, insbesondere die Art Ihres Open-Access-Konzepts und die technische Realisierung. Gerade wenn die Zeitschrift bereits eine Weile existiert, müssen Sie sich Gedanken machen über die Umstellung der gewohnten Arbeitsschritte, z.B. dann, wenn Sie auf ein anderes technisches Redaktionssystem wechseln. Verlassen Sie den Verlag, in dem Ihre Zeitschrift bisher erschienen ist, oder trägt der Verlag das Open-Access-Konzept mit und stellt dafür Infrastruktur bereit? Wenn Sie Ihre Zeitschrift zukünftig verlagsunabhängig umsetzen möchten, können Sie sich bei Infrastrukturanbietern (Bibliotheken, Rechenzentren, Medienzentren) Hilfe und Rat für das Migrieren alter Ausgaben holen, wenn Sie die Rechte dazu haben.