Es ist eine strategische Aufgabe für Hochschulleitungen, den ungehinderten Zugang zu wissenschaftlicher Information zu befördern – im Interesse ihrer lesenden und forschenden Mitglieder, aber auch im Interesse ihrer publizierenden Mitglieder. Open Access verbessert den Zugang zu nötigen Informationen und erhöht die Sichtbarkeit des wissenschaftlichen Outputs der Hochschule.
Die vermutlich wichtigste Aufgabe von Hochschulleitungen im Hinblick auf Open Access ist eine klare Positionierung zugunsten von Open Access. Hierfür stehen verschiedene Instrumente bereit, u.a. die Verabschiedung einer Open-Access-Richtlinie (Policy, Mandat) und die Benennung eines Ansprechpartners (Open-Access-Beauftragte/r). Aber es sind auch Maßnahmen nötig, die über ein reines Bekenntnis hinausgehen.

Herausforderungen liegen unter anderem in diesen Bereichen:

  • Sichtbarkeit herstellen für den wissenschaftlichen Output der eigenen Hochschule
  • Beratungsangebote für Open Access entwickeln
  • Werben für und Einfordern von Open Access in der Hochschule
  • Finanzierungsmöglichkeiten für Open Access schaffen
  • Auswirkungen von Open Access auf Literaturversorgung (siehe Bibliotheken)

Umgang mit Zeitschriftenkrise und Strukturveränderungen

Klassische Lizenz- und Kostenmodelle für wissenschaftliche Zeitschriften, insbesondere in den Lebens- und Naturwissenschaften, funktionieren aufgrund der exorbitanten Gewinnabschöpfung durch einige Verlage nur noch bedingt. Dies hat negative Konsequenzen für die Sichtbarkeit der in Zeitschriften veröffentlichten Forschungsergebnisse. Hochschulleitungen – in Zusammenarbeit mit ihren Bibliotheken  – können von zentraler Stelle aus auf einen nachhaltigen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mittel drängen und nötige Umschichtungen befördern.

Dienstleistungsangebote ausbauen

Open Access hat neuen Beratungs- und Dienstleistungsbedarf für Wissenschaftler/innen hervorgebracht, und Hochschulleitungen können an dieser Stelle den Aufbau entsprechender Angebote vorantreiben. Dabei geht es um direkten Nutzen für die Mitglieder der eigenen Hochschule (z.B. beim Aufbau von Publikationsfonds oder Repositorien), aber auch um allgemeine Strukturveränderungen im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens.

Kooperation und Konkurrenz

Da die Möglichkeiten einer einzelnen Hochschule – in Bezug auf eine prinzipielle Verbesserung der Informationsversorgung – eher begrenzt sind, können diese Probleme nur kooperativ angegangen und Lösungen umgesetzt werden, indem die jeweils eigene Hochschule durch einen vertretbaren Einsatz von Personal- und Sachmitteln zur Förderung von Open Access in Vorlage tritt, um später von den kollektiven Vorteilen zu profitieren. Doch auch unter Aspekten vermehrten Konkurrenzdrucks zwischen Hochschulen ist Open Access sinnvoll, da die Sichtbarkeit der Forschungsleistung der Einrichtung erhöht wird.

Open Access finanzieren

Hochschulleitungen können im Förderprogramm „Open Access Publizieren“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Mittel beantragen, um den Aufbau eines Open-Access-Publikationsfonds zu unterstützen. Mit diesem Förderinstrument möchte die DFG Anreize für Hochschulen setzen, verlässliche und dauerhafte Strukturen (Finanzierung und Beratung) für die Publikation in Open-Access-Zeitschriften zu entwickeln.

Anreize setzen

In Ergänzung zu entsprechenden Instrumenten von Forschungsförderern können Hochschulen eigene Anreizsysteme für Open Access schaffen. Hier kommt der Zählung und statistischen Auswertung der Publikationen und die Berücksichtigung des Kriteriums Open Access bei der Bewertung (zum Beispiel im Rahmen leistungsorientierter Mittelvergabe) eine wichtige Bedeutung zu.

Viele Förderinstrumente beziehen sich auf Open-Access-Zeitschriften und haben Schwerpunkte in Natur- und Lebenswissenschaften. Hochschulleitungen kommt daher auch eine wichtige Ausgleichsfunktion zu, um darauf zu achten, dass Angehörige aller Disziplinen von der Transformation zu Open Access profitieren und dort, wo es nötig ist, ergänzende Maßnahmen entwickelt und durchgeführt werden. Beratungs- und Finanzierungsangebote sollten sich jeweils an alle Hochschulmitglieder richten.

Hochschulleitungen sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen, dass das Thema Open Access nicht nur unter den Forscher/innen der eigenen Institution bekannt ist, sondern auch bei Studierenden und der eigenen Verwaltung. Dies gilt in hohem Maße auch für die Bereiche der Verwaltung, die mit Anforderungen von Forschungsförderinstitutionen und mit der Messung des wissenschaftlichen Outputs zu tun haben.

Teilweise sind technische Maßnahmen erforderlich, für die die Hochschulleitung die Voraussetzungen klären und den Auftrag erteilen kann: Einrichtung von Repositorien, von eigenen Publikationsplattformen für Zeitschriften und andere Publikationsarten, (vernetzte) Informationssysteme, die Publikationen verzeichnen. Hierfür sind insbesondere Rechenzentren und Bibliotheken wichtige Ansprechpartner, aber es sollte bei der Implementierung nicht auf den Input der eigenen Forscher/innen verzichtet werden.

Die Arbeitsgruppe Open Access der Schwerpunktinitiative Digitale Information der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat in der Broschüre „Open-Access-Strategien für wissenschaftliche Einrichtungen“ zentrale Bausteine einer institutionellen Open-Access-Strategie erläutert.