Open Access ist ein dominantes Paradigma des wissenschaftlichen Publizierens. Verlage, die sich auf die Zukunft orientieren wollen, sollten ihr Open-Access-Engagement ausbauen.

Verlage spielen eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen Informationsversorgung und können durch wissenschaftsfreundliche Konditionen ihre Autorinnen und Autoren wesentlich bei der Kommunikation von Forschungsergebnissen unterstützen. Open-Access-Publikationsmodelle bieten hierfür überlegene Möglichkeiten und gehören inzwischen zum Standard-Repertoire von Verlagen. Viele Verlage haben Open Access erfolgreich in bestehende Geschäftsmodelle integriert. Neue Verlage, die ausschließlich auf Open Access setzen, sind hinzugekommen.

Die wesentlichen Informationen, die das Agieren von Verlagen im Zusammenhang mit Open Access betreffen, sind auf den Seiten zu Zeitschriften, zu Büchern und zu Geschäftsmodellen zu finden.

Das Spektrum von Verlagen, die Open-Access-Modelle anbieten, reicht von den großen kommerziellen Wissenschaftsverlagen über nicht-kommerzielle kleine und große Verlage bis hin zu kleinen Universitätsverlagen.

Grundsätzlich gilt, dass Verlage zur Kostendeckung oder zum Erzielen von Profit auch im Open-Access-Umfeld Geld verdienen können, dass aber gleichzeitig ihre Geschäftsmodelle stärker hinterfragt werden und auf Transparenz hinsichtlich ihrer Rolle und des durch sie erbrachten Zusatznutzens gedrängt wird.

Open Access kann zu einem entscheidenden Marketinginstrument werden. Wissenschaftliche Autorinnen und Autoren sind vor allem an Sichtbarkeit interessiert. Verlage, die durch eine restriktive Handhabung der Nutzungsrechte die freie Verbreitung von Publikationen im Internet erschweren oder unmöglich machen, geraten in Konflikt mit Wünschen ihrer Autor/innen und mit den Open-Access-Forderungen, die durch Förderorganisationen und Hochschulleitungen an Autor/innen gerichtet werden. Wenn Verlage sich in einer Wissenschaftskultur behaupten wollen, die wesentlich durch das Internet und den enorm beschleunigten digitalen Informationsaustausch geprägt ist, sollten sie Open-Access-Optionen anbieten.

Open-Access-Verlage haben sich in der Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA) zusammengeschlossen, darunter ist auch der deutsche Copernicus-Verlag und das von einem Leibniz-Institut getragene Projekt PsychOpen. Die Liste der Mitglieder ist nach Größe der Verlage gegliedert und vermittelt einen guten ersten Eindruck über das Feld der Open-Access-Verlage, die sich gemeinsamen Grundsätzen verpflichtet haben, die u.a. Publikationsethik und Transparenz betreffen.

Zu den nach Open-Access-Umsatz größten Verlagen gehören der traditionelle Springer-Verlag (u.a. durch den Kauf des Open-Access-Verlages BioMed Central) und PLOS (Public Library of Science), ein nichtkommerzieller Verlag, der mit seinem Megajournal PLOS ONE ein inzwischen mehrfach kopiertes neues Konzept für wissenschaftliche Zeitschriften erfolgreich etabliert hat.

Open-Access-Zeitschriften

Open-Access-Zeitschriften publizieren ihre Artikel unter Open-Access-Bedingungen – kostenlos lesbar und zumeist unter einer freien Nutzungslizenz. Mehr noch als bei vielen kleinen verlagsunabhängigen Zeitschriften hat sich bei verlagsgetragenen Open-Access-Zeitschriften die liberale CC-BY-Lizenzvariante als Mittel der Wahl durchgesetzt, die umfangreiche Nachnutzungen durch die Allgemeinheit erlaubt (sowohl die Mitgliederliste von OASPA als auch das Directory of Open Access Journals (DOAJ) bieten die Möglichkeit, die verwendeten Lizenzmodelle anzuzeigen). Ein mögliches – aber nicht alternativloses – Geschäftsmodell[interner Link] ist die Finanzierung durch Autor/innen in Form von article processing charges.

Umstellung etablierter Zeitschriften

Vielfach haben Verlage bereits eingeführte Closed-Access-Zeitschriften in Richtung Open Access umgestellt. Ein Beispiel aus Deutschland ist die GIGA Journal Family: In Kooperation mit Hamburg University Press, dem Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, wurde eine ehemals Closed-Access-Zeitschriftenreihe in eine Open-Access-Zeitschriftenreihe umgewandelt.
Teilweise setzen kommerzielle Verlage auch auf das so genannte hybride Modell, in dem sie ihre Closed-Access-Zeitschriften nicht umstellen, aber die Möglichkeit anbieten, dass Autor/innen einzelne Artikel in diesen Zeitschriften freikaufen (vgl. Geschäftsmodelle). Damit verzichten die Verlage auf eine Open-Access-Umstellung und setzen sich dem Vorwurf des „double dippings“ aus, weil sie Einnahmen durch Autor/innen zusätzlich zu den Abonnementeinnahmen erzielen. Zu den großen kommerziellen hybriden Angeboten gehört Springer Open Choice, aber nahezu alle großen Wissenschaftsverlage haben inzwischen entsprechende optionale Open-Access-Angebote.

Open-Access-Klauseln

Auch in Bereichen, in denen nicht primär über Open Access verhandelt wird, kann das Thema sinnvoll untergebracht werden. Beispiele sind die Aufnahme von Open-Access-Rechten in Allianz- und andere Lizenzen. In der Regel wird in solchen Klauseln vereinbart, dass die Autor/innen der abonnierenden Institution bestimmte Rechte für die Selbstarchivierung ihrer in den Closed-Access-Zeitschriften erschienenen Beiträge auf Repositorien erhalten. Auch könnten Vorteile für Autor/innen der abonnierenden Institution bei der Veröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften des gleichen Verlages vereinbart werden.

Buchverlage

Open Access bei Büchern ist ein wachsender Bereich, in dem auch Verlage involviert sind. Zu den Geschäftsmodellen, die hier eine besondere Rolle spielen könnten, gehören Freemium- oder andere Modelle, bei denen der Buchtext zu Open-Access-Konditionen frei verfügbar ist, aber ein gedrucktes Buch oder eine seitenidentische elektronische Fassung des Buches gegen Zahlung abgegeben werden (und natürlich dennoch unter einer freien Lizenz stehen können). Frühe Erfahrungen mit der parallelen Online-Bereitstellung haben gezeigt, dass Verkaufszahlen nicht zurückgegangen sind, sondern teilweise sogar gestiegen sind. Erklärt wird dies damit, dass die Online-Präsenz eine wichtige Werbefunktion habe, aber Leser/innen für lange Texte weiterhin eine gedruckte Ausgabe bevorzugten. Doch es gibt vielfach auch rein elektronisch verfügbare Bücher, und existierende Print-on-Demand-Angebote können kleine Printbedarfe abdecken.

Das Directory of Open Access Books verzeichnet zahlreiche Open-Access-Bücher. Auch die Europäische Kommission unterstützt Open Access im Bereich der Buchverlage: Das Netzwerk OAPEN hat ein Open-Access-Publikationsmodell für wissenschaftliche Monografien aus den Geistes- und Sozialwissenschaften entwickelt.

Repositorien

Eine weitere Option, den Zugang zu Zeitschriftenartikeln und Büchern zu erleichtern, ist die parallele Bereitstellung der Werke in Repositorien. Verlage können hier klare und allgemeine Erlaubnisse an ihre Autorinnen und Autoren zur Selbstarchivierung erteilen; gleichzeitig kooperieren Verlage inzwischen direkt mit Repositorien-Betreibern (zum Beispiel mit den deutschen Repositorien pedocs und SSOAR).

Verlage sollten sich darum bemühen, dass ihre Regeln zur Selbstarchivierung klar auf der eigenen Homepage und in den eigenen Verlagsverträgen aufgeführt sind und dass sie aktuell und korrekt in SHERPA/RoMEO verzeichnet sind.

Fairer Umgang mit den Rechten von Autorinnen und Autoren

Autorinnen und Autoren werden durch Open Access nicht enteignet und in ihrer Publikationsfreiheit eingeschränkt, sondern behalten ganz im Gegenteil mehr Gestaltungsspielraum bei der Vergabe ihrer Nutzungsrechte. Durch einen herkömmlichen Autorenvertrag erhält der Verlag die ausschließlichen Nutzungsrechte an einem Werk, während ein Vertrag, der eine Publikation unter einer freien Lizenz vorsieht, dem Verlag lediglich einfache Nutzungsrechte einräumt. Die Autorinnen und Autoren haben also die Freiheit, durch die freie Lizenz zusätzlich jedermann ein einfaches Nutzungsrecht einzuräumen und damit die Reichweite und Sichtbarkeit ihrer Veröffentlichungen zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang haben Verlage verschiedentlich den Versuch unternommen, die große Unterstützung von Förder- und Wissenschaftsorganisationen als eine freiheitseinschränkende und gegen die Autor/innen gerichtete Tendenz darzustellen. Dieser Versuch, die Autor/innen für die eigene Sorge um sinkende Profite oder Veränderungsdruck auf die eigenen Geschäftsmodelle zu vereinnahmen, ist weitgehend gescheitert.