Ursprünge der Open-Access-Bewegung

Den Grundstein des Open Access legte Paul Ginsparg, der 1991 den Server arXiv am Los Alamos National Laboratory (LAN-L) einrichtete, um Preprints in der Physik frei zugänglich zu machen. Weitere führende Akteure und Mitbegründer der Open-Access-Bewegung waren und sind insbesondere Peter Suber, Faculty Fellow am Berkman Center for Internet & Society und Leiter des Harvard Office for Scholarly Communication, und der Kognitionswissenschaftler Stevan Harnad, der u.a. das Blog Open Access Archivangelism betreibt.

Open Access wird seit seinem Aufkommen als Möglichkeit wahrgenommen, eine Verbesserung der Literaturversorgung zu ermöglichen. Im Closed Access stehen wissenschaftliche Informationen nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Nutzung bereit, deren Einrichtungen sich die Anschaffung der Literatur leisten können. Steigende Anschaffungskosten wissenschaftlicher Literatur führten im Closed Access jedoch zu einer Belastung der Erwerbungsetats wissenschaftlicher Bibliotheken und infolge dieser zu einer schlechteren Literaturversorgung. Davon betroffen war und ist vor allem, aber nicht ausschließlich, die Zeitschriftenliteratur, weswegen diese Entwicklung auch als Zeitschriftenkrise oder Serials Crisis bezeichnet wird. Dewatripoint et al. (2006, S. 5) gehen für die Zeit von 1975 bis 1995 von einer Preissteigerungsrate für wissenschaftliche Zeitschriften des STM-Sektors (Science, Technology, Medicine sprich Naturwissenschaft, Technologie, Medizin) von 200 bis 300 % über der Inflationsrate aus. Für 2013 ermittelten Bosch & Henderson (2013) Preissteigerungsraten von 6 %, der Consumer Price Index (CPI) stieg im gleichen Jahr um nur 1,5 %. Auch die Ausgaben deutscher wissenschaftlicher Bibliotheken für wissenschaftliche Zeitschriften stiegen zwischen 2007 und 2013 um ca. 19  % bei einem Mittelzuwachs von knapp 3 % und einer um etwas über 8 % gestiegenen Inflationsrate (Herb, 2014).  Demgegenüber stehen nach Ansicht von Analysten Gewinnspannen kommerzieller Wissenschaftsverlage von üblicherweise 20 bis 30 % (Van Noorden, 2013).

Voraussetzung der Archivierung

Erleichtert wurde die Einrichtung von Open-Access-Publikationsangeboten durch die Entwicklung entsprechender Open-Source-Software, wie z.B. EPrints oder DSpace zum Betrieb von Open-Access-Repositorien oder von Open Journal Systems (OJS) bzw. Open Monograph Press (OMS) zum Betrieb von Open-Access-Zeitschriften bzw. Publikationsservern für Open-Access-Bücher.

Öffentliche Positionierungen und Erklärungen

Bei einer Tagung des Open Society Institute (OSI) im Dezember 2001 entstand die Budapest Open Access Initiative (BOAI), ein Zusammenschluss verschiedener nationaler und internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes- und Naturwissenschaften, mit der Forderung nach freiem unentgeltlichen Zugang zur wissenschaftlichen Fachzeitschriftenliteratur in allen akademischen Feldern. Diese forderte im Jahr 2002: „Frei zugänglich im Internet sollte all jene Literatur sein, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen“.

Das Bethesda Statement on Open Access Publishing vom Juni 2003 konzentrierte sich vor allem auf die Biomedizin und betonte die Notwendigkeit, wissenschaftliche Forschungsergebnisse schnell und effizient zu verbreiten. Es hebt die Möglichkeit (und die Pflicht) hervor, wissenschaftliche Ergebnisse, Ideen und Entdeckungen entgeltfrei mit der Scientific Community und der Öffentlichkeit zu teilen. Ende Oktober 2003 wurde im Rahmen der Konferenz Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities der Max-Planck-Gesellschaft die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von namhaften europäischen und amerikanischen Forschungsorganisationen und Universitäten unterzeichnet. Die Unterzeichnenden verpflichten sich, die Weiterentwicklung des Open-Access-Gedankens zu unterstützen, indem sie z.B. Forscherinnen und Forscher darin bestärken, ihre Ergebnisse Open Access zu veröffentlichen. Die Berliner Erklärung fordert Verwendungsmöglichkeiten, die weit über die rein entgeltfreie Nutzung  und die Aussagen der Budapester Erklärung und das Bethesda Statement  hinausgehen. Open Access bedeutet für sie nicht nur die entgeltfreien Nutzung von Inhalten, sondern auch die Erlaubnis, „diese (…) – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird“.  Zudem erweitert sie auch den Objektbereich und versteht unter Open-Access-Materialen nicht mehr länger nur wissenschaftliche Texte: „Open Access-Veröffentlichungen umfassen originäre wissenschaftliche Forschungsergebnisse ebenso wie Ursprungsdaten, Metadaten, Quellenmaterial, digitale Darstellungen von Bild- und Graphik-Material und wissenschaftliches Material in multimedialer Form“. Mittlerweile ist die Berliner Erklärung von nahezu allen namhaften Wissenschaftsinstitutionen unterzeichnet worden.

Die Budapester Erklärung wurde 2012 unter Beibehaltung ihres Bekenntnisses zum offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen aktualisiert und formulierte Empfehlungen zur Umsetzung von Open Access vor allem bezüglich Leitlinien, Lizenzierungen, Open-Access-Infrastrukturen und -Angeboten sowie deren Nachhaltigkeit.

Für Aufsehen sorgte der 2012 publizierte Report of the Working Group on Expanding Access to Published Research (kurz: Finch Group Report oder Finch-Report), der unter anderem Empfehlungen zur Umsetzung von Open Access für Forschungsförderer aus Großbritannien formulierte. Der Bericht spricht sich stark für eine Förderung und Bevorzugung des goldenen Wegs in Open-Access-Leitlinien von Forschungsförderern aus. Die Vorgaben des Finch-Reports wurden bereits von Forschungsförderern wie den Research Councils UK (RCUK) übernommen und es wird erwartet, dass andere Forschungsförderer den RCUK folgen. Der Finch-Report und seine Verfolgung durch die RCUK unterlagen Kritik: Da Open-Access-Zeitschriften sich mitunter durch Publikationsgebühren finanzieren, besteht die Befürchtung, dass die Kosten für Open Access perspektivisch stark steigen könnten, wenn Journale und Verlage ihr Geschäftsmodell an den Finch-Vorgaben orientieren. Weiterhin werden die RCUK-Leitlinien kritisiert, da sie die verpflichtende Verfügbarmachung von Dokumenten, die vom Forschungsförderer mittels Artikelgebühren finanziert wurden, unter der CC-By-Lizenz vorsehen – diese Festlegung stelle für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Zwang zur Nutzung dieser speziellen Lizenz dar. Beim Publizieren in Closed-Access-Journalen, in denen Autorinnen und Autoren gegen Publikationsgebühren einzelne Artikel (Finch-konform) für Open Access freikaufen können, wird zudem befürchtet,  dass die Verlage trotz eines höheren Aufkommens solcher freigekaufter  Open-Access-Artikel ihre Gebühren für die Lizenzierung der Zeitschriften nicht senken.

Tagesaktuelle  Informationen zu Open Access finden sich in Blogs und Social-Media-Profilen der eingangs erwähnten Open-Access-Pioniere Peter Suber und Steven Harnad. Ebenfalls relevant sind die Informationsplattform Open Access und die Arbeiten des Journalisten Richard Poynder, der auf seiner Homepage regelmäßig über Open Access berichtet und die Mailingliste GOAL - Global Open Access List moderiert.

Literatur

Bosch, S. & Henderson, K.S. (2013). The Winds of Change: Periodicals Price Survey 2013. Library Journal, (25.04.2013).

Dewatripont, M., Ginsburgh, V., Legros, P., Walckiers, A., Devroey, J.-P., Dujardin, M., et al. (2006). Study on the economic and technical evolution of the scientific publication markets in Europe.

Herb, U. (2014). Deutsche wissenschaftliche Universal- und Hochschulbibliotheken: Gesamte Mittel und Ausgaben für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Inflationsraten (2007-2012). Zenodo. doi:10.5281/zenodo.8346.

Van Noorden, R. (2013). Open access: The true cost of science publishing. Nature, 495 (7442), 426–429. doi:10.1038/495426a.