Argumente für Open Access

Freier Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen

Durch Open Access sind öffentlich subventionierte Forschungsergebnisse online frei zugänglich und müssen nicht durch die Wissenschaftseinrichtungen von den Verlagen (zurück-) gekauft werden. Oft wird die Kritik laut, dass die Öffentlichkeit Forschungsergebnisse im Closed Access dreifach finanzieren muss: Geforscht und publiziert wird in der Regel durch öffentlich bezahlte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Arbeiten werden dann von öffentlich bezahlten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Peer Review begutachtet, bevor sie schließlich in einer Zeitschrift erscheinen, die durch öffentlich finanzierte Bibliotheken und Institute von Verlagen erworben werden muss. Eben diese Mehrfach-Finanzierung findet sich im Open Access nicht.

Erhöhte Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit von Dokumenten

Der wesentliche Vorteil von Open-Access-Inhalten wird häufig mit den Begriffen Sichtbarkeit und Impact umschrieben. Die Sichtbarkeit bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Dokument wahrgenommen und verbreitet wird, Impact auf die nachhaltige Rezeption und das Einfließen der Ergebnisse in die weitere Forschungsarbeit und die wissenschaftliche Diskussion. Sichtbarkeit und Impact tragen zusammen zum Renommée von Autorinnen und Autoren bzw. ihrer Institution bei.

Open-Access-Beiträge werden deutlich besser wahrgenommen als solche, die nicht frei im Internet verfügbar sind. Die globale entgeltfreie Verfügbarkeit führt zu einer verstärkten Nutzung, die wiederum eine höhere Zitationshäufigkeit zur Folge hat, wie einige Studien empirisch belegen. Alma Swan publizierte 2010 eine umfassende Übersicht zu Studien, die für Open-Access-Dokumente verglichen mit Closed-Access-Dokumenten Zitationsvorteile von teils bis zu 600% für unterschiedlichste Disziplinen von Philosophie bis Astronomie nachweisen (Swan, 2010) . Neben dieser Metastudie existieren zahlreiche Erhebungen für einzelne Fächer, die in den weit überwiegenden Fällen für Open-Access-Dokumente höhere Zitationszahlen als für Closed-Access-Publikationen belegen. Eine Sammlung dieser Befunde bietet die Bibliographie des Open Citation Project.

Schneller und kostenloser Zugang zu wissenschaftlicher Information

Open Access im Internet veröffentlichte Informationen sind für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für Studierende und für die interessierte Öffentlichkeit sofort erreichbar und leicht auffindbar. Sie können weltweit von jedem beliebigen Arbeitsplatz mit Internetanschluss komfortabel genutzt werden. Open-Access-Publikationen erscheinen nach Einreichen des Manuskripts in der Regel schneller als im konventionellen Publikationssystem, da die (hier durchgängige) elektronische Form eine zügige redaktionelle Bearbeitung, Begutachtung und Bereitstellung ermöglicht und die Zeiten für Druck und Distribution wegfallen. Da die Nutzung von Open-Access-Materialien entgeltfrei möglich ist, stehen sie, anders als Closed-Access-Werke, Personen in finanziell benachteiligten Regionen in gleichem Maße zur Verfügung wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an finanzstarken Forschungsstandorten. Insofern kann Open Access einen Beitrag zur Verringerung der digitalen Kluft in der Wissenschaft leisten.

Gute Auffindbarkeit über Suchmaschinen und Nachweisdienste

Da Open-Access-Dokumente ohne Zugriffsrestriktionen im Internet abgerufen werden können, sind sie auch als Volltext in Suchmaschinen wie z.B. Google oder GoogleScholar auffindbar. Diese Eigenschaft bedingt die erwähnte erhöhte Sichtbarkeit und die erhöhten Zitationszahlen von Open-Access-Dokumenten. Die optimale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Wirksamkeit ist aber erst dann gegeben, wenn sie auch in Nachweisdiensten, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einer Disziplin oder eines Arbeitsgebiets häufig genutzt werden, nachgewiesen werden. Da Open-Access-Dokumente in der Regel durch internationalen Standards entsprechende Metadaten, Abstracts und Schlagwörter erschlossen werden, sind sie zeitnah nach ihrer Einstellung ins Internet weltweit such- und findbar. So sind sie zugleich über internationale Suchmaschinen und Bibliothekskataloge auffindbar. Ihre Relevanz für die Fragestellung eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin kann durch Einsichtnahme unmittelbar überprüft werden - womit auch ein Beitrag zur Transparenz in der Wissenschaft geleistet wird.

Partizipation an den Vorteilen digitaler Dokumente

Die Publikation digitaler Dokumente hat zumindest theoretisch große Vorteile. Sie sind unmittelbar und rund um die Uhr zugänglich und können leicht abgespeichert, kopiert, versandt, gedruckt und als Grundlage neuer Texte genutzt werden. Weiterhin unterliegen sie  keiner Umfangsbeschränkung und können leicht auf andere Materialien verweisen (Audio- und Videodateien, Datensammlungen, Software-Programme etc.), die der Dokumentation, Illustration, Verifizierung und Vertiefung von Forschungsergebnissen dienen und schließlich können sie den Publikationsprozess deutlich beschleunigen.

Diese Vorteile digitaler Dokumente können jedoch nur bei Open-Access-Dokumenten voll ausgeschöpft werden, da Werke, die zwar digital, aber im Closed Access verfügbar sind, der beschriebenen positiven Eigenschaften beraubt sind: Sie sind weder unmittelbar zugänglich, noch können sie einfach gespeichert und geteilt, problemlos mit anderen Dokumenten in Verbindung gesetzt oder zur Kollaboration genutzt werden.

Verbesserung der Informationsversorgung und Ausweg aus der Zeitschriftenkrise

Open Access unterstützt die Informationsversorgung einerseits technisch, indem durch die Möglichkeit des direkten Zugriffs Beschaffungsaufwand und Zeitverluste vermieden werden. Andererseits wird es bei einem wachsenden Anteil frei zugänglicher Dokumente zunehmend einfacher, sich schnell, umfassend und authentisch über den aktuellen Forschungsstand zu informieren.
Durch die aus steigenden Preisen für die Anschaffung von Closed-Access-Zeitschriften entstehende Unterversorgung mit wissenschaftlichen Zeitschriften, die so genannte Zeitschriftenkrise, sind heute viele Zeitschriften über Bibliotheken nicht mehr verfügbar. Da Open Access die globale entgeltfreie Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Informationen zum Ziel hat, sind derartige Versorgungslücken im Open Access nicht möglich.

Förderung der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit

Da Open-Access-Publikationen digital und entgeltfrei genutzt werden können, fördern sie die weltweite Vernetzung wissenschaftlicher Arbeit und die Internationalisierung der Wissenschaft. Des Weiteren ermöglicht die globale entgeltfreie Verfügbarkeit von Open-Access-Inhalten Personen in ärmeren Ländern, auf relevante wissenschaftliche Informationen zuzugreifen und diese zu nutzen. Auch die Verbreitung von Forschungsergebnissen aus Ländern ohne starke Forschungsfinanzierung wird gefördert, weil die sie günstiger und einfacher wird. Von den Open-Access-Verlagen, die sich durch Publikationsgebühren finanzieren, erlassen zahlreiche Wissenschaftlern aus ärmeren Ländern diese Gebühren.

Durch die zeitnahe internationale Präsenz werden die Kooperation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert und der Forschungsprozess beschleunigt. Autorinnen und Autoren bekommen bei Open-Access-Publikationen umgehende Reaktionen von ihren oft weltweit verteilten Kolleginnen und Kollegen.

Förderung der Forschungseffizienz

Das in der Physik und Mathematik viel genutzte Repositorium arXiv und andere Repositorien stellen Material für die Kommunikation über Forschungsergebnisse zügig zur Verfügung, teils schon vor der Publikation der Inhalte in einem Journal. Alma Swan (2010) führt die hohen Zitationszahlen bei Open-Access-Dokumenten unter anderem auf eine raschere und globale Verfügbarkeit  zurück und bezeichnet dieses Phänomen als Early Advantage. Dies deutet auf eine Verkürzung des Forschungszyklus durch die verstärkte Nutzung dieses Kommunikationsweges hin.

Verbleib der Verwertungsrechte bei der Autorin/beim Autor

Open-Access-Dokumente sind urheberrechtlich selbstverständlich genauso geschützt wie jede andere Publikation. In Publikationsverträgen mit Open-Access-Verlagen oder -Zeitschriften räumen die Autorinnen und Autoren dem Verlag bzw. der Zeitschrift oft nur ein einfaches (nicht ausschließliches) Nutzungsrecht ein. Sie haben in einem solchen Fall damit weiterhin das Recht, ihre Arbeit selbständig zu verwerten. Durch spezielle Open-Content-Lizenzen wie Creative-Commons-Lizenzen haben Autorinnen und Autoren zudem die Möglichkeit, die der Allgemeinheit gewährten Nutzungsrechte selbst exakt zu definieren, ihre Inhalte unter weltweit standardisierten Bedingungen zu teilen und sich weitere Veröffentlichungsoptionen offen zu halten.

Langfristige Verfügbarkeit der Dokumente

Auf Archivservern ist die langfristige Archivierung von Dokumenten garantiert, die durch die Bereitstellung auf persönlichen Homepages meist nicht gewährleistet ist. Der permanente Zugriff auf den Text wird technisch durch die Vergabe von so genannten Persistent Identifiers (URN, PURL, DOI etc.) gewährleistet, diese sind unabhängig vom konkreten Ablageort eines Dokumentes. Erfahrungen zeigen, dass wissenschaftliche Autorinnen und Autoren ihre Arbeiten selten dauerhaft speichern und verlässlich sichern. Die erstellten Ergebnisse gehen ihrer Forschungsinstitution dadurch verloren und die Langzeiterhaltung obliegt allein den Verlagen. Eine redundante Speicherung auf Open-Access-Servern hilft jedoch, den dauerhaften Zugriff zu gewährleisten. Echte Open-Access-Dokumente können auch von Dritten und ohne gesonderte Erlaubnis archiviert werden, womit die Ausfallsicherheit steigt.

Vorteile in vernetzten, IT-gestützten Arbeitsumgebungen

Closed-Access-Publikationen sind aufgrund ihrer beschränkten Zugriffs- und Nutzungsmöglichkeiten für die Anforderungen heutiger , vor allem digitaler Wissenschaft (Science 2.0, e-science, Open Science), die auf vernetztes Arbeiten und Anreicherung von Informationen sowie automatisierte Daten- und Text-Analysen setzt, von geringem Nutzen. Open Access hingegen ermöglicht den problemlosen Zugriff auf Informationen innerhalb vernetzter Forschungsumgebungen und Workflows. Open Access ist daher eine wichtige Infrastrukturvoraussetzung für e-Science und verbessert zugleich die Berücksichtigung - und damit die Wirksamkeit - der Informationen in der e-Science.

Prioritätssicherung

Insbesondere Preprints bieten hinsichtlich der Prioritätssicherung verschiedene Vorteile: Autorinnen und Autoren können gegenüber der Einreichung eines Manuskripts bei einer Zeitschrift Zeit sparen, indem sie eine Vorabversion als Preprint auf einem Repositorium Open Access verfügbar machen. Sie vermeiden Prioritätsprobleme im Falle der Ablehnung einer Zeitschriftenpublikation und den damit zusätzlich einhergehenden Zeitverzug.

Vorbehalte gegen Open Access

Qualitätsvorbehalte

Manche Autorinnen und Autoren befürchten, dass Open-Access-Beiträge nicht angemessen anerkannt werden, was sich negativ auf die Leistungsbewertung und die Beantragung von Fördermitteln auswirken und somit von Nachteil für die wissenschaftliche Laufbahn sein könnte. Als ein möglicher Grund werden die geringe Etablierung und das mangelnde Renommée von Open-Access-Zeitschriften genannt. Diese, vor allem zu Beginn des Open-Access-Publizierens artikulierte Befürchtung, verliert zusehends an Bedeutung, da die Reputation wissenschaftlicher Zeitschriften in aller Regel mit deren Alter wächst. Die vormals neuen Open-Access-Zeitschriften haben heute mehrere Jahrgänge publiziert und sind etabliert: Im Jahr 2012 erhielt mit PLOS ONE erstmals eine Open-Access-Zeitschrift den höchsten Anteil aller Zitate (1,3 Prozent, basierend auf den Daten des Web of Science), es löste die Closed-Access-Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America PNAS ab (Schimmer et al., 2013). Zudem zielt der Qualitätsvorbehalt nur auf eine der beiden Open-Access-Strategien, den goldenen Weg, beim Verfolgen des grünen Wegs erfolgt die primäre Publikation in der Regel in einer Closed-Access-Zeitschrift und erst die sekundäre Veröffentlichung auf einem kostenlos nutzbaren Server/Repositorium, so dass ein Qualitätsvorbehalt gegen Open-Access-Zeitschriften hier nicht greift. Da dieser Vorbehalt sich nicht auf die Open-Access-Erscheinungsweise bezieht sondern auf den Status als vergleichsweise neue Zeitschriften, greift der Vorbehalt ebenfalls überall dort nicht, wo bereits etablierte Zeitschriften von Closed Access auf Open Access umgestellt werden bzw. worden sind.

Zwar kennt nur ca. ein Viertel der Open-Access-Zeitschriften eine (Teil-)Finanzierung durch Publikationsgebühren, dennoch wird diesen mitunter unterstellt, die Gebühren korrumpierten die Qualitätssicherung: Da Zeitschriften, die solche Gebühren nutzen, an jedem publizierten Artikel verdienen, sei die Qualitätskontrolle weniger wichtig als die Einnahmen durch Gebühren. Aufsehen erregte vor allem der Open-Access-Sting des Journalisten John Bohannon (Bohannon, 2013), dessen Feature „Who's afraid of Peer Review?“ nahelegte, Open-Access-Zeitschriften litten an einer schwachen Qualität; als Ursache machte der Autor die Finanzierung durch Publikationsgebühren aus. Bohannons Text unterlag heftiger Kritik (Herb, 2013), u.a. da Bohannon ignoriert, dass Publiaktionsgebühren bei Open-Access-Journalen in den seltensten Fälle eine substantielle Finanzierungsquelle sind, dass auch Closed-Access-Journale Publikationsgebühren nutzen und daher den selben Mechanismen unterliegen und dass Studien regelmäßig fragwürdige Qualitätssicherung auch bei hoch renommierten Closed-Access-Zeitschriftenn berichten.

Generell besteht kein Zusammenhang zwischen Renommée einer Zeitschrift und zugrunde liegendem Geschäftsmodells. So gibt es hohe und niedrige Qualität gleichermaßen bei kommerziellen wie nicht-kommerziellen Verlagen und Zeitschriften und auch bei kostenpflichtigen wie kostenlosen Angeboten. Die Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften sind zudem wie die aller anderen Zeitschriften an qualitätsvollen Beiträgen interessiert, da hohe Qualität naturgemäß ein breiteres Spektrum von Autorinnen und Autoren anzieht und mindere Qualität einen Wettbewerbsnachteil darstellt.  Folglich existieren z.B. zahlreiche Open-Access-Zeitschriften, die innerhalb kürzester Zeit hohe Impact-Faktoren erzielt haben. So wiesen Björk & Solomon für Medizin und Gesundheitswissenschaften unter Kontrolle des Alters der Zeitschriften bzw. deren regionaler Verortung vergleichbare Zitationsraten von Open-Access und Closed-Access-Zeitschriften nach (Björk & Solomon, 2012).

Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Qualität der in disziplinären und institutionellen Repositorien eingestellten Dokumente. Die Qualität von Preprints und working papers obliegt der fachlichen Diskussion und dem Selbstregulativ der Community, und Qualifikations- bzw. Abschlussarbeiten wie beispielsweise Habilitationsschriften oder Dissertationen entsprechen für gewöhnlich einem hohen Qualitätsmaßstab.
Die Bereitstellung von Artikeln in institutionellen und disziplinären Repositorien wird oftmals auf Postprints beschränkt, das heißt hier handelt es sich um einen zusätzlichen Zugang zu einer konventionellen Publikation (grüner Weg), bei der die Originalversion in der Regel bereits durch ein referiertes oder renommiertes Journal oder einen Verlag angenommen wurde und somit die Qualität als gesichert gilt. Mitunter kann bei Dokumenten, die auf Repositorien bereitgestellt werden, auch Unsicherheit wegen der Authentizität der Dokumente aufkommen, z.B. ob ein Dokument auch wirklich formal in einem Verlag erschienen ist, oder wie es zitiert werden soll. Letzteres lässt sich einfach beantworten: Im Zitat werden die bibliographischen Angaben der Verlagsversion genutzt, ergänzt um einen Link zur Open-Access-Version.

Fragen der Auffindbarkeit

Autorinnen und Autoren von Open-Access-Inhalten möchten sicher sein, dass ihre Arbeiten langfristig auffindbar, lesbar und inhaltlich unverändert sind. Diesen  Anforderungen tragen die Betreiber von Repositorien und die Herausgeberinnen und Herausgeber von Open-Access-Zeitschriften Rechnung.
Um die Auffindbarkeit zu sichern, werden die Dokumente selbst nicht nur sicher und dauerhaft gespeichert, sondern zugleich mit durchsuchbaren Beschreibungsdaten (Metadaten) verknüpft. Da Open-Access-Zeitschriften in aller Regel vorkonfektionierte Software zur Publikation nutzen und/oder in konventionellen Verlagen erscheinen und Open-Access-Repositorien standardisierte Metadaten aufweisen, ist die Auffindbarkeit von Open-Access-Texten mindestens in gleichem Maß gesichert wie bei Closed-Access-Materalien.

Langzeitarchivierung von Dokumenten

Immer wieder macht man die Erfahrung, dass im Internet gefundene Dokumente nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren nicht mehr auffindbar sind. Aus dieser alltäglichen Erfahrung erwächst die nicht unberechtigte Sorge um die langfristige Auffindbarkeit von digitalen Inhalten. Von dieser Problematik der digitalen Flüchtigkeit sind Closed-Access- und Open-Access-Dokumente in gleichem Maß betroffen. Zielführend für eine dauerhafte Verfügbarkeit der Dokumente ist eine Kooperation der Verlage, Zeitschriften bzw. Repositorien mit Nationalbibliotheken oder anderen Anbietern von Langzeitarchivierungsdiensten. Für den grünen Weg des Open Access gilt im Hinblick auf die Langzeitarchivierung dabei im Besonderen, dass die Ablage von formal im Verlag erschienen Dokumenten auf einem Repositorium dem zuweilen von Autorinnen und Autoren auch praktizierten Ablegen von diesen Dokumenten auf einer Website vorzuziehen ist. Das Bereitstellen auf Websites ist, verglichen mit der Repository-Nutzung, nicht dauerhaft sicher: Organisationswechsel oder Änderungen der Websites führen in aller Regel zum kurz- oder mittelfristigen Verlust der Information. Eine Langzeitarchivierung ist beim Ablegen auf Websites per se nicht gegeben.

Rechtliche Vorbehalte

Einige Autorinnen und Autoren sehen bei der Bereitstellung ihrer Arbeiten in Repositorien Schwierigkeiten bei der Handhabung ihrer urheberrechtlichen Verwertungsrechte. Dabei geht es um potenziell konkurrierende Verwertungsrechte in den Fällen, in denen ein Beitrag bereits in einer Zeitschrift erschienen oder eine spätere Publikation beabsichtigt ist. Zudem wollen Autorinnen und Autoren die Kontrolle über die spätere Nutzung und ggf. Verwertung ihrer Arbeit durch andere behalten. Diese und ähnliche Vorbehalte lassen sich aber meist auflösen: Informationen und Empfehlungen hierzu finden Sie unter Rechtsfragen.

Finanzierbarkeit des Author-Pays-Modells

Eine immer wieder diskutierte Kritik an Gold Open Access ist die Kostenfrage. Ist das Author-Pays-Modell für Wissenschaftler/innen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen wirklich finanzierbar? Dies geht einher mit der Frage, welche Kosten Open-Access-Angebote tatsächlich verursachen und wie diese Kosten im Vergleich zu den Kosten einzelner Publikationen im traditionellen Verlagswesen stehen. Eine eindeutige Antwort kann hier nicht gegeben werden. Grundsätzlich gibt es viele Argumente für effizientere Distributionsbedingungen im Bereich Open Access, fallen doch Druck- und Vertriebskosten weg. Für die Organisation des Peer Review dürften in beiden Fällen vergleichbare Kosten anfallen. Die konkreten Kostenstrukturen sind aber bei Open-Access-Verlagen im Vergleich zum traditionellen Publikationssystem sehr unterschiedlich und schwer vergleichbar. Unter Beachtung sämtlicher wirtschaftlicher Faktoren kommt John Houghton (2009) zum Schluss, dass Publizieren mit Open Access am stärksten mit ökonomischen Vorteilen verbunden und daher insgesamt am kostengünstigsten ist – gleich ob als goldener oder grüner Open Access.

Eindeutig liegt eine Veränderung der Kostenbelastung bei einzelnen Hochschulen und Forschungseinrichtungen vor. Forschungsintensive und publikationsstarke Einrichtungen werden bei der Umkehrung der Finanzlast von Nutzerinnen und Nutzern hin zu Autorinnen und Autoren relativ mehr zahlen müssen als Hochschulen und Forschungseinrichtungen, an denen weniger publiziert wird (Swan & Houghton, 2012). In den Natur- und zum Teil auch in den Wirtschaftswissenschaften wird die Quersubventionierung von Publikationen durch Subskriptionszahlungen aus Wirtschaft und Industrie entfallen; dort wird im Allgemeinen weniger publiziert als in Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Verstärkt wird dies noch dadurch, dass in der Industrie und Wirtschaft häufig höhere Zeitschriftenabonnementpreise zu zahlen sind als an Hochschulen.

Vorbehalte hinsichtlich Publikationsmittelverteilung und Interessenkonflikten

Publikationsgebühren sind nicht für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einfach aus ihren Forschungsmitteln oder anderen Quellen aufzubringen. Berührt sind hier soziale, forschungs- und hochschulpolitische Fragen:

  • Autorinnen und Autoren ohne feste Anbindung an eine wissenschaftliche Einrichtung stehen ebenso wie unabhängige Autorinnen und Autoren solchen gegenüber, die einer Institution angehören, die Publikationsgebühren subventioniert.
  • Geistes- und sozialwissenschaftiche Disziplinen sind finanziell meist schwächer ausgestattet als die STM-Fächer und können nicht auf eine Quersubventionierung setzen. Autorinnen und Autoren aus Entwicklungsländern können in der Regel die Publikationsgebühren nicht aufbringen, ihnen werden inzwischen von den meisten Open-Access-Verlagen und –Zeitschriften spezielle Konditionen und Gebührenerlasse gewährt.

Teils finden sich für diese Problemlagen aber Lösungen, etwa, wenn Hochschulen, z.B. durch Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG und deren Programm „Open Access Publizieren“, Publikationsfonds einrichten, aus denen gegebenenfalls anfallende Open-Access-Publikationsgebühren beglichen werden können.

Zeitaufwand für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten möglichst wenig Zeit für die Bereithaltung ihrer Arbeiten aufbringen. Es gibt in diesem Zusammenhang Vorbehalte hinsichtlich des Zeitaufwands des Selbstarchivierens. Nach einer Studie von Carr und Harnad (2005) benötigen aber selbst sehr aktive Forscherinnen und Forscher hierfür nicht mehr als 40 Minuten im Jahr. Wer sich neben der praktischen Umsetzung mit der Technik eines guten Archivierens von Dokumenten beschäftigt, wird in der Regel zunächst mehr Zeit investieren. Disziplinäre und institutionelle Repositorien, die professionell gepflegt werden, bieten hier Auswege. Dem berechtigten Vorbehalt des Zeitaufwands begegnen Bibliotheken zunehmend mit professionellen Angeboten an die Hochschulangehörigen, ihre Selbstarchivierung den Repositorien der Hochschulen zu übertragen.

Literatur

Björk, B.-C. & Solomon, D. (2012). Open access versus subscription journals: a comparison of scientific impact. BMC medicine, 10 (73). doi:10.1186/1741-7015-10-73.

Bohannon, J. (2013). Who’s Afraid of Peer Review? Science, 342 (6154), 60–65. doi:10.1126/science.342.6154.60.

Carr, L. & Harnad, S. (2005) Keystroke Economy: A Study of the Time and Effort Involved in Self-Archiving. Verfügbar unter: http://eprints.soton.ac.uk/260688/.

Herb, U. (2013). Unzutreffend, aber schmerzhaft: Der Open-Access-Sting der Zeitschrift Science. Telepolis, (09.10.2013). Verfügbar unter: http://www.heise.de/tp/artikel/40/40056/1.html.

Houghton, J.W. (2009). Open Access - What are the economic benefits? Victoria, Australia. Verfügbar unter: http://www.knowledge-exchange.info/Admin/Public/DWSDownload.aspx?File=%2fFiles%2fFiler%2fdownloads%2fOA_What_are_the_economic_benefits_-_a_comparison_of_UK-NL-DK__FINAL_logos.pdf.

Schimmer, R., Geschuhn, K. & Palzenberger, M. (2013). Open Access in Zahlen: Der Umbruch in der Wissenschaftskommunikation als Herausforderung für Bibliotheken. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, 60 (5), 244–250. doi:10.3196/186429501360532.

Swan, A. (2010). The Open Access citation advantage: Studies and results to date. Truro, UK: Key Perspectives Ltd. Verfügbar unter: http://eprints.ecs.soton.ac.uk/18516/.

Swan, A. & Houghton, J.W. (2012). Going for Gold? The costs and benefits of Gold Open Access for UK research institutions : further economic modelling. Joint Information Systems Committee (JISC). Verfügbar unter: http://repository.jisc.ac.uk/610/2/Modelling_Gold_Open_Access_for_institutions_-_final_draft3.pdf.