Open Access ist für alle wissenschaftlichen Veröffentlichungen wichtig. Während der Schwerpunkt der Diskussionen und der Open-Access-Initiativen im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften lag und liegt, gewinnt das Thema bei Büchern immer mehr Aufmerksamkeit.

Finanzierungsmodelle für wissenschaftliche Bücher haben sich in der Vergangenheit von denen für Publikationen in Zeitschriften unterschieden und haben häufig eine Zahlung durch Autor/innen beinhaltet („Druckkostenzuschuss“, „Pflichtabnahme“) – durchaus ähnlich zu den jetzt im Zeitschriftenbereich verbreiteten APC-Modellen. Gleichzeitig gibt es bei Büchern im Unterschied zu Zeitschriften gelegentlich die Hoffnung von Autor/innen, einen finanziellen Gewinn in Form von Honoraren oder Gewinnbeteiligungen erzielen zu können.

Wissenschaftliche Bücher spielen in den Disziplinen eine unterschiedliche große Rolle. Häufig wird die große Bedeutung von Büchern in manchen Disziplinen als Hindernisgrund für Open Access angeführt. Dabei geht es teilweise um die weniger starke Umstellung auf eine digitale Veröffentlichungsform, aber auch um Vorbehalte gegen freie Nutzungslizenzen für Bücher.

Trotz mancher Unterschiede zwischen Zeitschriften- und Buchveröffentlichungen sind die Fragen, die Autor/innen in Bezug auf ihre Buchveröffentlichungen klären können, ähnlich: Offenheit des Produkts, Kosten für die Autor/innen, Zweitveröffentlichungsmöglichkeiten in einem Repositorium. Viele Verlage verhandeln über entsprechende Möglichkeiten. Bei manchen Verlagen ist es möglich, gegen eine zusätzliche Zahlung eine Veröffentlichung unter freier Lizenz zu erhalten oder die Selbstarchivierungsmöglichkeiten auszuweiten. Einige Verlage bieten inzwischen reguläre Buchmodelle unter zu Open-Access-Zeitschriften vergleichbaren Bedingungen an, inkl. Verwendung freier Lizenzen. Die von den Autor/innen verlangten Zahlungen sind in diesem Fall zumeist deutlich höher als bei einzelnen Artikeln.

Projekte wie OAPEN (Open Access Publishing in European Networks) oder DOAB (Directory of Open Access Books) verzeichnen Open-Access-Bücher und erleichtern die Zugänglichkeit. Viele Verlage bieten inzwischen Möglichkeiten, Open-Access-Bücher zu veröffentlichen, Beispiele sind Springer, De Gruyter, aber auch bei kleineren Verlagen gibt es einzelne Titel, die im Open Access erschienen sind, z.B. beim Verlag Barbara Budrich. Die Breite der Geschäftsmodelle ist größer und viele Ansätze experimenteller als im Bereich wissenschaftlicher Zeitschriften. Ein prominentes Konsortialmodell zur Finanzierung von Open-Access-Optionen ist Knowledge Unlatched.

In jedem Fall gilt: Verhandlungen mit Verlagen über Open-Access-Möglichkeiten können sich lohnen und den Weg zu Open-Access-kompatiblen Buchmodellen bahnen. Wenn nur das Recht erhalten wird, eine elektronische Fassung unter einer freien Lizenz andernorts zu veröffentlichen, fehlen vermutlich die Hinweise auf die frei zugängliche Fassung im gedruckten Buch und auf der Verlagshomepage, was die Open-Access-Vorteile etwas mindert.

Auch für Universitätsverlage und andere verlagsähnliche Angebote von Hochschulen kann Open Access bei Büchern ein wichtiges Thema sein, speziell dann, wenn kein Gewinn erzielt werden muss. Im Rahmen einer DFG-Förderung (durch die Fördermaßnahme „Wissenschaftliche Monographien und monographische Serien im Open Access”) werden zwei Projekte gefördert, die die Entwicklung von Geschäftsmodellen und Veröffentlichungsweisen für Open-Access-Bücher an Universitäten (Freie Universität Berlin und Universität Heidelberg) zum Ziel haben. Beide setzen auf die Verwendung freier Lizenzen und benutzen die Open-Source-Software Open Monograph Press. Grundsätzlich sind Herstellung, Veröffentlichung und Verwaltung von Open-Access-Büchern mit verschiedenen Werkzeugen möglich, z.B. kann Repositoriensoftware und Software zum kollaborativen Erstellen von Publikationen zum Einsatz kommen.