Ein Verlagsvertrag ist ein spezieller, formfreier Vertrag, der in der Regel beim Publizieren eines Aufsatzes in einer Fachzeitschrift oder in einem Sammelband oder beim Publizieren einer Monografie zwischen Urheber/in und Verlag geschlossen wird. Von einem Verlagsvertrag spricht man, wenn in einer Vereinbarung der Verpflichtung des Urhebers/der Urheberin, dem Verleger ein Werk der Literatur oder Tonkunst zur Vervielfältigung und Verbreitung zu überlassen, die Verpflichtung des Verlegers, das überlassene Werk auf eigene Rechnung zu vervielfältigen und zu verbreiten gegenübersteht. Für Verlagsverträge gilt neben §§ 31-44 UrhG das Verlagsgesetz (VerlG). Durch den Verlagsvertrag wird gem. § 8 VerlG im Zweifel ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt, das als Verlagsrecht bezeichnet wird. Ein Honorar kann zwar im Verlagsvertrag vereinbart werden und gilt stillschweigend als vereinbart, wenn üblicherweise nur mit der Ablieferung eines Manuskripts gegen Honorarzahlung gerechnet werden darf, das Honorar gehört aber nicht zu den Hauptleistungspflichten, sog. Kardinalspflichten im Verlagsvertrag. Obwohl das Verlagsgesetz keine Bestimmungen über andere Rechte als Vervielfältigung und Verbreitung enthält, wird dem Verlag regelmäßig auch das ausschließliche Nutzungsrecht über andere Verwertungshandlungen erteilt (zum Beispiel das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung, das für Veröffentlichungen im Internet gilt).

Je nach Verlag und Zeitschrift sind die verbleibenden Rechte umfassender oder limitierter, wobei inzwischen viele Verlage dazu übergegangen sind, ihren Autorinnen und Autoren die Selbstarchivierung in einem Dokumentenserver ausdrücklich zu erlauben. Eine Übersicht darüber, was welche Verlage bei der Selbstarchivierung erlauben, liefert die SHERPA/RoMEO-Liste.

Möglichkeiten, eine Open-Access-Selbstarchivierung vertraglich durchzusetzen

Während sich bei in der Vergangenheit geschlossenen Verträgen die Frage stellt, welche Regelungen der Vertrag hinsichtlich einer elektronischen Sekundärverbreitung des Werks enthält, gibt es beim Abschluss neuer Verlagsverträge verschiedene Möglichkeiten, eine Open-Access-Parallelbereitstellung vertraglich durchzusetzen. Einige Autorinnen und Autoren, die ihre Artikel in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlichen, sich aber trotzdem das Recht der parallelen Open-Access-Bereitstellung vorbehalten wollen, sind inzwischen zu der Praxis übergegangen, bestimmte Formulierungen in den Verträgen zu streichen, bevor sie diese unterzeichnen. Eine andere Möglichkeit ist die Ergänzung der zu unterschreibenden Verträge durch Vertragszusätze oder Textpassagen, um so die eigenen Rechte für eine Verfügbarmachung im Open Access zu sichern. Dies wird bereits von vielen Wissenschaftseinrichtungen auch ausdrücklich erwartet. Beispielsweise fordert die Universität Zürich ihre Forschenden auf, "in ihren Copyright Transfer Agreements kritische Autorenrechte für die Veröffentlichung in ZORA zurück zu behalten".

Streichungen im Verlagsvertrag

Autorinnen und Autoren verändern Verlagsverträge, die ihre Rechte auf eine Hinterlegung ihrer Publikationen auf einem Dokumentenserver einschränken, indem sie Ausdrücke wie exklusive Abgabe aller Rechte ebenso wie weitere einschränkende Formulierungen deutlich durchstreichen. Besonders darauf zu achten ist, dass der Begriff ausschließliche Rechte, dem Verlag eine Rechtsposition einräumt, die den Autor selbst regelmäßig von der Verwertung ausschließt. Ein Begleitbrief sollte auf die Änderungen aufmerksam machen. Sollten Sie den Vertrag nur in elektronischer Form vorliegen haben, können Sie die Streichungen nach dem Ausdruck vornehmen. Wenn nur die elektronische Zustimmung vorgesehen ist, können Autorinnen und Autoren den Verlag um die Bereitstellung in gedruckter Form bitten.

Vertragszusätze

Alternativ zu Streichungen können Autorinnen und Autoren dem Verlagsvertrag einen Zusatz beifügen, um sich so das einfache Nutzungsrecht für die Onlinenutzung auf einem Dokumentenserver vorzubehalten. Dieser Zusatz muss vom Verlag gegengezeichnet werden, um Rechtsgültigkeit zu erlangen.

Der bekannteste Vertragszusatz ist das SPARC Author's Addendum. Es wurde durch die Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) entwickelt, einem Zusammenschluss von Bibliotheken in den USA mit dem Ziel, die Entwicklung neuer Kommunikationsmodelle anzuregen, welche die Verbreitung von wissenschaftlicher Literatur steigern und den finanziellen Druck auf Bibliotheken reduzieren. Das Addendum besteht aus zwei Teilen: dem eigentlichen Vertragsanhang und einer Benutzungsanweisung. Mittels der Copyright Addendum Engine von Science Commons und SPARC können Autorinnen und Autoren je nach Wunsch ein Addendum in den Varianten Access-Reuse, Delayed Access und Immediate Access automatisch erstellen. Access-Reuse bedeutet, die Autorin/der Autor behält ausreichende Rechte, um den Artikel neben der Veröffentlichung in einem Verlag unter eine nichtkommerzielle Creative-Commons- oder eine vergleichbare Lizenz zu stellen. Bei dem Delayed-Access-Modell kann die Autorin/der Autor die Autorenversion sofort online bereit stellen, die Verlagsversion jedoch erst nach Ablauf von sechs Monaten. Immediate Access erlaubt dagegen, sofort bei Erscheinen sowohl die Verlagsversion als auch die Autorenversion online bereit zu stellen.

Weitere Beispiele für Vertragszusätze

Beispiele für ergänzende Textpassagen

"Der Verlag stimmt zu, dass der Autor das nichtexklusive Recht behält, eine digitale Kopie des Dokumentes vor/während/nach der Publikation durch den Verlag zeitlich unbeschränkt auf einen öffentlich zugänglichen akademischen Non-Profit-Server zu legen.
2. Der Autor verpflichtet sich, das Originaldokument auf dem akademischen Non-Profit-Server zu zitieren."

oder

„Für eine Online-Veröffentlichung des Werkes wird dem Verlag ein einfaches Nutzungsrecht ohne Benutzungspflicht eingeräumt. Dem Autor steht es frei, das Werk mit dem Zeitpunkt des Erscheinens als Buchversion parallel kostenlos als PDF-Datei im Internet über seine Homepage, einen institutionellen Server oder ein geeignetes fachliches Repositorium öffentlich zugänglich zu machen.“

Auf Englisch

“I hereby declare that I do not wish to transfer full copyright to (name of the publisher) but reserve the right to self-archive the article in full in an open access repository.”

Indes müssen Autorinnen und Autoren sich bewusst sein, dass sie sich mit diesen Formulierungen lediglich die einfachen Nutzungsrechte vorbehalten. Dies verhindert, dass die Autorin/der Autor den Beitrag einer Open-Access-Lizenz unterstellt. Da das ausschließliche Recht beim Verlag liegt, kann auch nur der Verlag über die Lizenzierung entscheiden. Es ist daher vorzuziehen, den Verlagen überhaupt nicht erst ausschließliche Rechte einzuräumen.

Will der Verlag die Streichungen oder Ergänzungen nicht akzeptieren, bleibt nur, dem Verlag damit zu drohen, keinen Vertrag mit ihm abzuschließen. Autorinnen und Autoren müssen sich bewusst sein, dass die Veröffentlichung von Büchern und Artikeln für die Verlage eine wirtschaftliche Tätigkeit ist. Die Verlage verdienen Geld mit der Veröffentlichung. Die Drohung, bei einem anderen Verlag zu veröffentlichen oder die Veröffentlichung ausschließlich in digitaler Form in einem Repositorium vorzunehmen, kann daher oftmals die Verlage zum Einlenken bewegen.

Verträge mit internationalen Verlagen

Bei Verträgen mit internationalen Verlagen gilt grundsätzlich dasselbe wie bei deutschen Verlagen. Sollten die Verträge nur auf Englisch vorliegen, muss hier insbesondere darauf geachtet werden, dass dem Verlag keine exclusive rights eingeräumt werden.

Weiterführende Links

Bitte beachten Sie, dass die hier dargestellten Inhalte nur der Information dienen und keine rechtsverbindlichen Auskünfte sind.