Was sind Repositorien?

Repositorien sind an Universitäten oder Forschungseinrichtungen betriebene Dokumentenserver, auf denen wissenschaftliche Materialien archiviert und weltweit entgeltfrei zugänglich gemacht werden.

Dokumente, die auf Repositorien bereitgestellt werden, erscheinen häufig auch formal, z.B. in einem Journal, Sammelband oder als Monografie in einem Verlag. Anders als z.B. bei Open-Access-Zeitschriften sind in diesem Fall Content-Lizenzen von untergeordneter Bedeutung, denn Wissenschaftler, die ein Werk zusätzlich zur formalen Veröffentlichung auf einem Dokumentenserver zugänglich machen, haben oft bereits ihre ausschließlichen Nutzungsrechte an den Verlag abgetreten und können die parallele Publikation auf dem Dokumentenserver daher nicht mehr unter eine Content-Lizenz stellen. Vielmehr setzt die Möglichkeit zur Publikation bereits im Verlag oder Journal erschienener Dokumente voraus, dass man sich entweder als Autorin oder Autor die Rechte zur Publikation des Werkes auf einem Dokumentserver vorbehalten hat, dass der Verlag eine Open-Access-Policy hat, die diese Option vorsieht, dass das Werk unter die Open-Access-Regelungen der Allianz-Lizenzen oder unter die einschlägigen Regelungen des Urheberrechtsgesetzes UrhG fällt. Ausführliche Informationen zum Bereitstellen formal erschienener Werke auf Dokumentenservern finden sich im Abschnitt „Bereitstellen von Dokumenten in Repositorien“.

Die Nutzung von Repositorien zur Verfügbarmachung auch im Verlag oder Journal erschienener Werke entspricht dem grünen Weg des Open Access. Einfacher gestaltet sich die Rechtesituation, wenn Repositorien zur Primärpublikation wissenschaftlicher Werke im Sinne des goldenen Weg des Open Access genutzt werden, etwa zur Veröffentlichung von Tagungsbänden, Schriftenreihen oder anderer Texte, die nicht parallel in einem Verlag erscheinen. In diesen Fällen haben die Autorinnen und Autoren meist die ausschließlichen Rechte an den Inhalten und sind in der Wahl der Bedingungen, unter denen sie verfügbar gemacht werden, frei: So können diese unter einer der erwähnten Content-Lizenzen gestellt oder einfach zu den Bedingungen des UrhG bereitgestellt werden. Primärpublikationen auf Repositorien finden sich unter anderem auf den Dokumentservern arXiv oder Zenodo. Da sich auf Repositorien oft Inhalte  unterschiedlicher Herkunft oder fachlicher Zuordnung finden bietet sich zur Dokumentrecherche die Nutzung einer speziellen Suchmaschine wie der Bielefeld Academic Search Engine (BASE) an.

Institutionelle und disziplinäre Repositorien

Unterschieden werden institutionelle und disziplinäre Repositorien. Als institutionelle Repositorien werden Dokumentenserver bezeichnet, die von Institutionen (meist Universitätsbibliotheken, anderen Infrastruktureinrichtungen oder Forschungsorganisationen) betrieben werden und ihren Mitgliedern die digitale Publikation wissenschaftlicher Dokumente ermöglichen. Disziplinäre Repositorien hingegen sind institutionsübergreifend und stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern thematisch gebündelt, z.B. für eine Fachdisziplin, zur Publikation und Archivierung ihrer Arbeiten zur Verfügung (z.B. peDOCS als disziplinären Volltextserver in der [deutschsprachigen] Erziehungswissenschaft, Social Science Open Access Repository [SSOAR] für die Sozialwissenschaften oder arXiv für wissenschaftliche Publikationen aus Physik, Mathematik, Informatik, quantitativer Biologie, quantitative Finanzwissenschaft  und Statistik). Wie der Zugriff für Nutzende ist auch die Bereitstellung der wissenschaftlichen Publikation für Autorinnen und Autoren auf institutionellen oder disziplinären Repositorien in der Regel entgeltfrei.

Mit Stand Anfang September 2014 verzeichnete das Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) 2.730 Repositorien, mittels derer Universitäten und Forschungseinrichtungen Wissenschaftlern die Zugänglichmachung wissenschaftlicher Dokumente ermöglichen.

Inhalt und Mehrwert von Repositorien

Die Gestaltungsformen und Funktionalitäten von Repositorien sind unterschiedlich und reichhaltig. Neben der klassischen Unterscheidung zwischen institutionellen und disziplinären Repositorien variieren die Angebote der verschiedenen Repositorien auch durch den dargebotenen Inhalt, die angebotenen Mehrwertdienste (zusätzliche Dienstleistungen) und ihre technische Ausgestaltung. Viele Dokumentenserver sehen vor, jegliche Art elektronischer (Text-)Dokumente – Preprints/Postprints von Artikeln in Zeitschriften, Arbeitspapiere, Bücher und Buchkapitel/-beiträge, Lehr- und Lernmaterialien sowie Qualifikationsarbeiten - zu archivieren,  andere schließen einige Dokumentarten wie Qualifikationsarbeiten aus.

Vernetzte Repositorien bieten über ihre Schnittstellen und Nachweisdienste zahlreiche Mehrwertdienste an:

  • Die virtuelle Zusammenführung thematisch verwandter Dokumente aus unterschiedlichen Dokumentservern,  um umständliches Recherchieren auf zahlreichen verschiedenen Servern zu verhindern und möglichst einfachen Zugang zu wissenschaftlichen Texten zu gewähren.
  • Personalisierungsfunktionen, z.B. die Erstellung von Profilen mittels derer Leserinnen und Leser über neue Dokumente eines Faches, eines Themas, einer Einrichtung oder einer Person informiert werden können.
  • Die automatische Erstellung von Publikationslisten bzw. Bibliographien von Autorinnen und Autoren oder Arbeitsgruppen, die dynamisch in eigene Homepages oder andere Onlineprofile, z.B. in Forschungsinformationssysteme eingebunden werden können.
  • Dienste wie  INSPIRE oder Google Scholar) erlauben es verschiedene Versionen des gleichen Dokuments zu identifizieren, damit können Nutzerinnen und Nutzer, die keinen Zugriff auf eine formale Closed-Access-Publikation haben, unter Umständen eine Open-Access-Version auf einem Dokumentserver finden.
  • Repositorien erlauben oft den Download bibliographischer Daten, die wiederum in Literaturverwaltungsprogramme importiert werden können und die bequeme Nutzung der Informationen in weiteren Publikationen ermöglichen.
  • Services wie INSPIRE und Google Scholar ermöglichen es, Zitationszahlen für Werke auf Dokumentservern zu ermitteln und so den Zitationsimpact der Dokumente zu bestimmen.
  • Für Dokumente auf Repositorien können Informationen zur ihrer Verbreitung und Wirkung auch in Form von Downloadstatistiken (z.B. unter Nutzung der Daten des DFG-Projekts Open-Access-Statistik (OAS) oder unter Nutzung einer eigenen Statistik-Lösung) oder in Form von Altmetrics-Informationen, die die Zirkulation wissenschaftlicher Informationen in wissenschaftlichen und öffentlichen Netzwerken und Medien erfassen, ermittelt werden.Durch  wechselseitige Verlinkungen zwischen zusammengehörigen Objekten, wie Texten und z.B. Forschungsdaten oder –software, können Wissenschaftler Lesern den ganzen Output eines Forschungsvorhabens  integriert zugänglich machen. Dies erleichtert die Informationssuche und gibt publizierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, ihre Texte im Kontext mit weiteren Dokumenten, Daten oder Software zu präsentieren.
  • Dokumentenserver erlauben es publizierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern  in einfacher Art und Weise Förderleitlinien von Forschungsförderungsorganisationen nachzukommen, die von finanziell unterstützten Projekten fordern, projektbezogene Publikationen Open Access verfügbar zu machen. Manche Repositorien ermöglichen es sogar, bei der Verfügbarmachung eines Dokuments dieses via Projekt-ID einem speziellen Projekt eines Forschungsförderers zuzuordnen. Wer z.B. ein Dokument in Zenodo oder einem anderen Repository, das OpenAIRE compliant ist, einspielt, kann diesem dabei durch Metadaten die EU Grant-ID beifügen. Auf diese Weise kommt er den Verpflichtungen des Forschungsförderers nach und sein Dokument wird im Portal OpenAIRE, das den Zugriff auf Open-Access-Werke aus EU-geförderten Projekten bündelt, nachgewiesen und dem passenden Projekt zugeordnet.


Die genannten Mehrwerte und Funktionen haben zum Ziel, die Sichtbarkeit und Verbreitung der Publikationen auf den Dokumentservern zu steigern. Dabei setzten Repositorien vor allem auf Vernetzung und Kooperationen mit anderen Informationsangeboten und -speichern, wie Suchmaschinen oder auch fachlichen bzw. multidisziplinären Datenbanken.  Ebenso wichtig ist die Verbindung mit Informationsangeboten wie persönlichen oder Institutswebsites, universitären Informationssystemen wie Jahresbibliographien oder Forschungsinformationssystemen, die Dokumente auf Repositorien nachweisen, oder die Unterstützung der Repositories bei der Erfüllung der Open-Access-Richtlinien von Forschungsföderern.

Auffindbarkeit der Dokumente - das OAI-Protokoll

Die Nutzung des Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) bei den meisten Repositorien erleichtert die Suche nach wissenschaftlichen Dokumenten immens – und sichert die bereits beschriebene Verbreitung der Open-Access-Informationen.  Das OAI-PMH erlaubt die Zusammenführung der Metadaten von Dokumenten auf verteilten Repositorien in einer Datenbank, dem OAI-Service-Provider (z.B. OAIster oder BASE) eine Suche in diesem Service-Provider greift auf die Bestandsinformationen aller darin erfassten Dokumentenserver zu. Technisch betrachtet ist das OAI-PMH ein XML-basiertes Protokoll, welches der Abfrage und Übertragung von Metadaten dient. Der Service-Provider sammeln Titeldaten den einzelnen Repositorien (den Data-Providern) ein, bereitet diese auf und stellet sie für Suchanfragen bereit. Dies garantiert die Auffindbarkeit sowie die maximale Verbreitung und damit Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Texte.

Qualitätsstandards von Repositorien - das DINI-Zertifikat

Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI e.V.) will die Verbesserung der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen sowie die dafür notwendigen Entwicklungen fördern und unterstützen. Die Entwicklung des DINI-Zertifikats Dokumenten- und Publikationsservice der DINI-Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren ermöglicht die standardisierte Beurteilung des begutachteten Dokumentenservers und der erbrachten Dienstleistung und versteht sich als Qualitätskontrolle für Dokumenten- und Publikationsservices. Die der Zertifizierung zugrunde liegenden Kriterien umfassen unter anderem die Sichtbarkeit des Gesamtangebotes, die Betreuung der Autorinnen und Autoren, die Sicherheit, Authentizität und Integrität des technischen Systems sowie die Langzeitverfügbarkeit und Auffindbarkeit der dort archivierten Dokumente. Derzeit (Stand September 2014) sind 49 Repositorien DINI-zertifiziert.

Seit September 2014 kann das aktuelle „DINI-Zertifikat 2013“ beantragt werden, das erstmals auch die Zertifizierung von Open-Access-Zeitschriften sowie die Vorab-Zertifizierung von technischen Plattformen (als „DINI-ready“) ermöglicht.

Übersichtslisten von Repositorien

Suchdienste für Repositorien

  • GoogleScholar (weist nicht ausschließlich Open-Access-Dokumente nach)