Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  1. Generell wird bei Open Access zwischen dem goldenen und dem grünen Weg unterschieden.
  2. Der goldene Weg bezeichnet die Open-Access-Erstveröffentlichung in Zeitschriften, als Monografie oder als Beitrag in einem Sammelband, wobei üblicherweise derselbe Qualitätssicherungprozess durchlaufen wird wie bei Closed-Access-Veröffentlichungen.
  3. Der grüne Weg (auch bekannt als “self archiving”) bezeichnet die Zweitveröffentlichung auf institutionellen oder disziplinären Repositorien, teils auch auf der Webseite der Autor*innen.

Open-Access-Strategien

Der goldene Weg

Der “Goldene Weg” des Open-Access-Publizierens – auch Open Access Gold genannt – bezeichnet die Erstveröffentlichung wissenschaftlicher Werke als Artikel in Open-Access-Zeitschriften, als Open-Access-Monografie oder als Beitrag in einem Open Access erscheinenden Sammelwerk oder Konferenzband. Diese Texte durchlaufen für gewöhnlich denselben Qualitätssicherungsprozess, den auch Closed-Access-Werke durchlaufen, meist in Form eines Peer Review oder Editorial Review. Mit dem Verlag wird in der Regel ein Publikationsvertrag geschlossen, der bestimmt, welche Nutzungsrechte die Autor*innen dem Verlag einräumen und welche Nutzungsbedingungen für die offen zugänglichen Dokumente gelten sollen. Ein solcher Vertrag wird oftmals durch eine Open-Access-Publikationslizenz ergänzt, durch die die Autor*innen den Nutzer*innen weitergehende und genau spezifizierte Rechte einräumen können.

Finanzierung

Sowohl Open-Access- als auch Closed-Access-Publikationen müssen finanziert werden. Die Optionen zur Finanzierung von Open-Access-Publikationen sind vergleichbar denen, die zur Finanzierung von Closed-Access-Veröffentlichungen genutzt werden: durch den Verkauf von Print-Exemplaren, unbezahlte Unterstützung aus der wissenschaftlichen Community sowie durch wissenschaftliche Einrichtungen und ehrenamtliche Arbeit, durch Werbung oder Sponsoring. Teils findet auch eine Querfinanzierung statt: vor allem kommerzielle Verlage, die das Geschäftsmodell des Open Access Gold erproben möchten, finanzieren neue Journale durch Einkünfte aus dem Subskriptionsgeschäft. Mitunter werden Publikationsgebühren oder “Article Processing Charges” (APCs) als typisches Finanzierungsmodell im Open Access Gold genannt, allerdings sind Publikationsgebühren auch im Closed Access weit verbreitet (Gutknecht, 2018). Die APCs werden pro angenommenem und publiziertem Artikel fällig (bei Monografien entsprechend “Book Processing Charges”, BPCs). APCs können mit institutionellen Mitgliedschaften kombiniert werden: Gehören publizierende Autor*innen einer Einrichtung an, die eine institutionelle Mitgliedschaft bei einem Open-Access-Verlag pflegt, übernimmt diese die Publikationskosten ganz oder teilweise. Viele Einrichtungen bieten darüber hinaus weitere Möglichkeiten an diese Kosten zu erstatten, z. B. über Publikationsfonds.

Grafik zu wissenschaftlichem Publizieren: Closed Access. (CC BY 4.0 International)
Quelle: Oberländer, Anja (2020). Open Access – Es ist nicht alles Gold, was glänzt. In: Open Science. Von Daten zu Publikationen. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4018594

Grafik zu wissenschaftlichem Publizieren: Goldener Weg. (CC BY 4.0 International)
Quelle: Oberländer, Anja (2020). Open Access – Es ist nicht alles Gold, was glänzt. In: Open Science. Von Daten zu Publikationen. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4018594

Der grüne Weg

Der “Grüne Weg” des Open-Access-Publizierens – auch “self archiving” oder Open Access Grün – bezeichnet die Zweitveröffentlichung von in einem Verlag erschienenen Dokumenten auf institutionellen oder disziplinären Open-Access-Repositorien. Teils wird darunter auch die Zugänglichmachung solcher Werke auf der Website der Autor*innen verstanden. Diese kann zeitgleich mit oder nachträglich zur Publikation der Inhalte im Verlag erfolgen und ist möglich für Preprints und Postprints wissenschaftlicher Artikel, aber auch andere Dokumentarten wie z. B. Monografien, Forschungsberichte, Konferenzproceedings.

Bei einem Preprint handelt es sich um eine (noch) nicht begutachtete wissenschaftliche Publikation, d. h. die Qualität wurde noch nicht abschließend in einem Peer-Review-Verfahren begutachtet. Als Preprint wird manchmal auch ein Text in Form seiner Manuskriptfassung bezeichnet, die bei einer Zeitschrift oder einem Verlag für eine Veröffentlichung eingereicht wurde.

Im Unterschied zum Preprint versteht man unter dem Postprint einen Text, der bereits begutachtet und zur Veröffentlichung angenommen wurde. Von Postprints gibt es zwei Erscheinungsformen. Zum einen kann ein Postprint völlig identisch mit der vom Verlag veröffentlichten Fassung (der sogenannten “publisher's version” oder “version of record”), sein. Zum anderen kann der Postprint mit dieser Verlagsversion inhaltlich gleich sein, sich aber von ihr z. B. durch Formatierung, Layout oder Paginierung unterscheiden. In diesem zweiten Fall spricht man von der akzeptierten Autorenfassung (“author’s manuscript”). Die Bereitschaft von Verlagen, die Zweitveröffentlichung von Postprints oder Preprints zuzulassen, ist recht unterschiedlich. Einen Überblick darüber, was Verlage den Autor*innen gestatten, bietet das Verzeichnis Sherpa Romeo. Das deutsche Zweitveröffentlichungsrecht gestattet Autor*innen unter bestimmten Bedingungen die Zweitveröffentlichung von Postprints.

 

Varianten des Grünen Weges

In der Open-Access-Diskussion werden drei Formen des Grünen Weges unterschieden. Die Arbeiten können auf institutionellen Repositorien zugänglich gemacht werden. Autor*innen haben hierbei die Möglichkeit, ihre wissenschaftlichen Texte auf einem fachübergreifenden Dokumentenserver ihrer Institution (z. B. Hochschule) abzulegen. Auf disziplinären Repositorien werden wissenschaftliche Dokumente hingegen thematisch gebündelt (z. B. für eine Fachdisziplin) zur Verfügung gestellt, unabhängig davon, welcher Institution der/die Autor*in angehört. Eine dritte Variante ist die Hinterlegung der wissenschaftlichen Dokumente auf der eigenen Website. Eine solche Vorgehensweise bedeutet jedoch, dass die so hinterlegten Dokumente in der Regel schlechter sichtbar sind als im Falle der Archivierung auf institutionellen oder disziplinären Repositorien. Überdies ist ihre langfristige Verfügbarkeit nicht gesichert, so dass “self archiving” häufig nicht als Form des Open Access anerkannt wird, z. B. in der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen.

Eine Liste von Open-Access-Repositorien findet sich im Directory of Open Access Repostories (Open DOAR) sowie im Registry of Open Access Repositories (ROAR).

Grafik zu wissenschaftlichem Publizieren: Grüner Weg. (CC BY 4.0 International)
Quelle: Oberländer, Anja (2020). Open Access – Es ist nicht alles Gold, was glänzt. In: Open Science. Von Daten zu Publikationen. Zenodo. http://doi.org/10.5281/zenodo.4018594

Zwischenwege

Zwischen goldenem und grünem Weg existieren auch graduelle Zwischenpositionen. So erlaubt es der sozialwissenschaftliche Dokumentenserver Social Science Research Network (SSRN) sowohl bereits erschienene Zeitschriftenartikel offen zugänglich zu machen als auch Manuskripte als Preprints zu publizieren und diese bei mit SSRN kooperierenden Journalen einzureichen. Als weiteres Beispiel können die epijournals oder “overlay journals” (Gowers, 2015) der Mathematik gelten. Dabei handelt es sich um Open-Access-Zeitschriften, die die Infrastruktur von Preprint-Servern oder Repositorien nutzen. Einreichungen werden von den Autor*innen auf arXiv oder Hyper Articles en Ligne (HAL) zugänglich gemacht und zur Aufnahme in eines der epijournals vorgeschlagen. Wird die Einreichung nach erfolgtem Peer Review akzeptiert, bleiben sowohl die ursprüngliche Fassung als auch die überarbeitete Zeitschriftenversion bestehen. Einige Zeitschriften der Verlage Copernicus Publications oder F1000 arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip mit offenem Peer Review. Ähnlich nutzen Closed-Access-Verlage arXiv, indem sie es ermöglichen, Manuskripte auf diesem Server automatisch in den eigenen Einreichungsworkflow einzuspeisen. Auch das Einspielen von Preprints vor der Veröffentlichung des Inhalts im Verlag trägt Merkmale des goldenen und grünen Wegs des Open Access. Genauso stellt die Erstveröffentlichung von Dokumenten wie Dissertationen oder Schriftenreihen auf einem Repositorium eine Art Mischform der erwähnten Strategien dar: Da es sich um Erstveröffentlichungen handelt, kann die Publikation als Gold Open Access gelten, allerdings erfolgt sie auf Servern, den Repositorien, die üblicherweise zur Bereitstellung von Materialien des grünen Open Access dienen.

Neben Open Access Grün und Gold werden manchmal noch weitere Varianten mit Farbsymbolen belegt (Piwowar et al., 2018; Schmeja, 2018); dabei handelt es sich z. T. nicht um Open-Access-Publikationen im eigentlichen Sinn, etwa wenn ein Zeitschriftenartikel zwar kostenlos gelesen werden kann, aber nicht dauerhaft nachnutzbar ist.

Literatur

Gowers, T. (2015, September 10). Discrete Analysis - an arXiv overlay journal. Gowers’s Weblog. https://gowers.wordpress.com/2015/09/10/discrete-analysis-an-arxiv-overlay-journal/

Gutknecht, C. (2018, Januar 8). Publikationskosten für Closed-Access: die verschwiegenen APCs. Wisspub.net. https://wisspub.net/2018/01/08/apcs-von-denen-fast-niemand-spricht/

Piwowar, H., Priem, J., Larivière, V., Alperin, J. P., Matthias, L., Norlander, B., Farley, A., West, J., & Haustein, S. (2018). The state of OA: a large-scale analysis of the prevalence and impact of Open Access articles. PeerJ, 6, e4375. https://doi.org/10.7717/peerj.4375

Schmeja, S. (2018, October 24). Gold, Grün, Bronze, Blau...: Die Open-Access-Farbenlehre. TIB-Blog. https://blogs.tib.eu/wp/tib/2018/10/24/gold-gruen-bronze-blau-die-open-access-farbenlehre/