Studie zum Einfluss der gescheiterten DEAL-Verträge mit Elsevier

Forschende analysieren Effekte der Zugriffsbeschränkung zu Elsevier-Zeitschriften auf Publikations- und Zitierpraxis deutscher Wissenschaftler*innen

Im Jahr 2018 scheiterten die Verhandlungen zu Lizenzverträgen zwischen dem Wissenschaftsverlag Elsevier und DEAL. Infolgedessen kündigten rund 200 deutsche Forschungseinrichtungen ihre Lizenzverträge mit Elsevier, woraufhin der Verlag den Zugang dieser Einrichtungen zu seinen Zeitschriften ab Juli 2018 beschränkte. Die Studie No Deal: Investigating the Influence of Restricted Access to Elsevier
Journals on German Researchers’ Publishing and Citing Behaviours 
von Forschenden aus Göttingen, Kiel und Köln untersucht aus bibliometrischer Sicht, welchen Einfluss die Zugangsbeschränkungen auf Elsevier-Zeitschriften im Zusammenhang mit den DEAL-Verträgen auf die Publikations- und Zitierpraxis von deutschen Wissenschaftler*innen hatte.

Die Studienautor*innen analysierten einen Datensatz von etwa 410.000 Artikeln, die von Forschenden an den von den Zugangsbeschränkungen betroffenen DEAL-Institutionen zwischen 2012 und 2020 veröffentlicht wurden. Hierbei untersuchten sie die Effekte in Bezug auf den Zeitpunkt der Vertragskündigungen mit Elsevier, Fachdisziplinen, Kooperationsmuster und den Open-Access-Status von Artikeln. Es zeigte sich, dass zwar die Bereitschaft nachgelassen hat, in Elsevier-Zeitschriften zu publizieren, Forschende aber nach wie vor aus Elsevier-Artikeln zitieren können: Die Studie belegt einen Rückgang des Marktanteils von Elsevier bei Artikeln von DEAL-Institutionen von einem Höchststand von 25,3 % im Jahr 2015 auf 20,6 % im Jahr 2020, wobei die größten Marktanteilsrückgänge im Jahresvergleich in den Jahren 2019 (-1,1 %) und 2020 (-1,6 %) nach der Einführung der Zugangsbeschränkungen auftreten. Ebenso nahm laut Studie der Anteil der Zitationen von Artikeln, die von Autor*innen an DEAL-Institutionen veröffentlicht wurden, auf Artikel in Elsevier-Zeitschriften nach 2018 im Jahresvergleich ab, obwohl der Rückgang geringer ist (-0,4 % im Jahr 2019 und -0,6 % im Jahr 2020) als die Veränderungen im Publikationsvolumen. Die Studienautor*innen kommen zu dem Schluss, dass die Elsevier-Zugangsbeschränkungen zu einer etwas geringeren Bereitschaft von Forschenden an DEAL-Institutionen geführt haben, ihre Forschung in Elsevier-Zeitschriften zu veröffentlichen. Die Forscher*innen sind auf der Gegenseite aber nicht stark in ihrer Fähigkeit beeinträchtigt, Elsevier-Artikel zu zitieren. Daraus schließt die Studie, dass Wissenschaftler*innen eine Vielzahl anderer Methoden (zum Beispiel Fernleihe, gemeinsame Nutzung unter Kolleg*innen oder "Schattenbibliotheken") nutzen, um auf wissenschaftliche Literatur zuzugreifen.

Zur Original-Studie als PDF: No Deal: Investigating the Influence of Restricted Access to Elsevier Journals on German Researchers' Publishing and Citing Behaviours (arxiv.org)
Die Studie wurde von Forschenden des Leibniz Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) Kiel, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) GöttingenGESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Köln und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erstellt.