Umfrage: OA-Interesse von AutorInnen nimmt zu, Verlage reagieren zögerlich

Die Ergebnisse der Umfrage der UB Graz liegen nun im Preprint vor.

Das Open-Access-Büro der UB Graz hatte im Mai/Juni 2018 insgesamt 82 Wissenschaftsverlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihren Einschätzungen, Erfahrungen und Angeboten rund um Open Access befragt.

Es zeigte sich, dass Open Access für diese Verlage und ihre AutorInnen wichtiger wird. Der Großteil (90 Prozent) der TeilnehmerInnen (n=39) stellt eine leichte oder deutliche Zunahme der Open-Access-Anfragen ihrer AutorInnen fest. Jeder Dritte geht außerdem davon aus, dass Open Access zum zukünftigen Standard des wissenschaftlichen Publizierens wird; weitere 60 Prozent sehen es als Ergänzung bestehender Verlagsangebote.

Trotz dieser Einschätzung entwickeln die meisten Verlage nur zögernd entsprechende Angebote. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die meisten Verlage erwarten Absatzrückgänge durch eine freie Verfügbarkeit "ihrer" Werke und geben rechtliche Unsicherheiten, unklare Geschäftsmodelle und Druck durch Politik und Fördergeber als Nachteile von Open Access an. Allerdings hat sich ein beträchtlicher Teil der Verlage offenbar noch nicht intensiv mit dem Thema Open Access beschäftigt - nur 67 Prozent der TeilnehmerInnen geben an, die "Berliner Erklärung" auch inhaltlich zu kennen, und für 43 Prozent sind die Anforderungen für Open-Access-Publikationen unklar.

Die Verlage weisen auf offene Finanzierungsfragen und eine mangelnde Anerkennung von Verlagsleistungen hin, wünschen sich aber auch mehr Standardisierung, Informationen und administrative Vereinfachungen sowie eine verstärkte Kooperation mit Universitäten, Bibliotheken und Fördergebern.

Insgesamt sind die befragten Verlage gegenüber dem Thema Open Access jedoch aufgeschlossener als erwartet - aus gutem Grund: Die Ankündigungen von Fördergebern, nur mehr Open Access publizierte Literatur zu finanzieren (siehe auch Plan S), werden immer konkreter.

Publikation

Christian Kaier, Karin Lackner: Open Access aus der Sicht von Verlagen. In: Preprints der Zeitschrift BIBLIOTHEK - Forschung und Praxis, 2018, DOI: 10.18452/19635